20151115 Wieder in Chaguaramas auf Trinidad

Oder: Eine Prise Fegefeuer.
Es wäre wohl übertrieben, zu sagen, es sei der Vorhof der Hölle aber Klima und Temperatur halten dem Vergleich mit dem Fegefeuer (wahrscheinlich) durchaus stand.
Man wünscht sich jedenfalls schnellstmöglich weg von diesem Ort.

Die Regenzeit neigt sich dem Ende zu, d.h. seit zwei Tagen hat es nicht geregnet, was zwar einerseits bedeutet, dass die extrem hohe Luftfeuchtigkeit sinkt, es andererseits aber keine Wolke mehr gibt, die der Strahlkraft der Sonne Einhalt gebieten könnte.
Tagsüber schafft es die Klimaanlage, die Innentemperatur bei ca. 32°C zu halten, während wir draußen 36°C im Schatten messen aber nachts kühlt sie auf 20°C herunter, so dass wir zumindest gut schlafen können.

Das Trinken fällt hier nicht schwer. Im Gegenteil: Die Niere muss sich ordentlich sputen, wenn sie von den ca. 3 – 4 Litern Flüssigkeit noch ein wenig zum Filtern abbekommen möchte, da das Wasser – kaum geschluckt – wieder als Schweißperlen auf der Haut zu Tage tritt.

Unser Schiff trafen wir bei der Ankunft in einem Top-Zustand an. Sauber, gepflegt, die Lackschäden so beseitigt, als hätte es sie niemals gegeben, innen – Dank Klimaanlage – trocken, absolut Sporen- und Ungezieferfrei…. Was will man mehr?

Da fragt man sich nur, wie die Eigner es schaffen, diese herrliche Ordnung innerhalb von nur zwei Tagen ins absolute Chaos zu verwandeln.

Ein ausgebauter, ausgeschlachteter Wassermacher, dessen Motor und Pumpe hoffentlich bald ein neues und besseres System antreiben werden…

Die ausgebaute und (halb)reparierte Hydraulikpumpe (sie leckt leider immer noch)…

Der verrostete Boiler, der entrostet, entkalkt, poliert und mit neuen Anschlüssen versehen, wieder eingebaut werden muss…

So viel zu den drei – Chaos verursachenden – Highlights. Die momentan noch nicht ganz zu überschauenden, kleineren Wartungs-, und Aufräumarbeiten werden wir hoffentlich bis zur Ankunft der ersten Gäste (am 29. November) erledigt haben.

Unter dem Brückendeck: Multifunktionales Areal:
1. Carport für den Donnerschlags-Leihwagen, dessen kaputte Stoßdämpfer beim Überfahren eines jeden der vielen Schlaglöcher jeweils einen Achsbruch vermuten lassen,
2. Trockenfläche für frisch Lackiertes,
3. Schattiger Arbeits-, Reinigungs- und Montierplatzplatz
4.Fahrradschuppen

Sieht das etwa nach Lotterleben in der Karibik aus???

Na ja, ab und zu (getreu dem Motto: am 7.Tage sollst du ruhen) versuchen wir hier Schönes zu entdecken…

Sonntagsausflug mit Frank und Brigitte an die Nordostküste Trinidads…

20150720 Union Island und Carriacou

Aufmerksame Leser fragen nach, ob unser SatPro streikt, oder ob wir incognito oder nicht verfolgbar nach Trinidad segeln wollen.
Unser SatPro ist offensichtlich – und von uns absolut unbemerkt – auf Bequia ausgestiegen. Aus Langeweile???
Ja, wir bleiben vier Tage in der Bucht von Port Elizabeth, immer in der Hoffnung, dass der Wind nachlassen möge, um unser lange ersehntes Ziel – die Tobago-Cays – anlaufen zu können.
Diese kleine Inselgruppe, unbewohnt, sehr flach, schlecht geschützt gegen Nord-Ostwinde mit trickigen Riffeinfahrten, soll zum Schönsten gehören, was die Karibik zu bieten hat.
Aber der starke Wind bleibt und damit auch die Schönheit der Tobago-Cays von uns unentdeckt.
Ein kurzer Abstecher in die große Bucht von Mayreaux zeigt uns, dass wir auch dort besser nicht auf ein Nachlassen des Windes warten, während die Obelix das Gleiche berichtet von Clifton-Bay, im NE von Union Island.
Also segeln wir in die Chatham-Bay, im Süden von Union Island, in der wir ordentliche Fallböen auf die Mütze kriegen.
Vor uns liegt ein langgestreckter Sandstrand mit vier vereinzelten Hütten und einem Restaurant am anderen Ende. Alle werben mit frischer, lokaler Küche, Grillspezialitäten und Live-Music.
Frank fragt über Funk, ob wir der persönlichen Einladung des Chefs der ersten Hütte (der mit seinem Dinghi bereits zur Obelix gedüst ist) folgen sollen. Natürlich! Für uns vier(die einzigen Gäste) wird allerfeinst gekocht: Gegrillter Fisch, Ribeye-Steaks, gegrillte Hähnchenspieße, Lambi-Muschel-Eintopf, überbackene Auberginen und Kartoffeln, gebratene Bananen, Reis…
Es ist ein gemütlicher Abend und gleichzeitig netter Einstieg in die Chatham Bay.
Am Samstag haben wir Kino.
Ab 7.00h geht es lautstark zur Sache. Fischer bereiten am Strand ihre Netze vor, um sie dann – sorgfältig geordnet, mit schweren Steinen am unteren Rand versehen und zum Auswerfen bereit – in ein Boot zu hieven.
Ein zweites Boot (für den Netzanfang) bringt sich in Stellung.
Drei Fischer sind mit dem sehr anstrengenden Auslegen des Stein-beschwerten Netzes beschäftigt, während einer das Boot rudert.
Währenddessen versuchen zwei Schnorchler – mit seltsam heraus flappenden gelben Flossen – die Fische in Richtung Netz zu treiben.

Eine halbe Stunde hören wir lautes Rufen, Korrigieren, Auffordern, Anfeuern oder Schimpfen. Für uns nicht zu unterscheiden. Dann liegt das Netz im Kreis und 8 Männer sitzen lachend, scherzend und abwartend in den beiden Booten.
Eine halbe Stunde später wird das Netz vom Ende her – Hand über Hand – ins Boot gezogen, um die Fische sukzessive aus dem Netz zu „pflücken“.

Die magere Ausbeute dieser dreistündigen, Kräfte-zehrenden Aktion ist, soweit wir das sehen können, drei etwa 40cm lange Fische pro Person.

Zum Ausklarieren müssen wir nach Clifton Harbour. Die Luftaufnahme des Hafens zeigt türkisfarbenes Wasser über der Riffplatte, die mitten im Hafen liegt und über der, die den Hafen zum Norden hin begrenzt. Fährverkehr auf einer Seite, große Ausflugskatamarane auf der anderen, dazwischen Bojen und Ankermöglichkeiten (soweit vorhanden). Uiuiui! Mir rutscht da immer ein bisschen das Herz in die Holzschuhe. Aber Boatboy Benji kommt angerauscht und vermietet uns eine Boje. Guuuuut!

Funkruf vom just eingetroffenen Frank: Wir haben einen Bonito geangelt und bereits filetiert. Wollen wir Sushi essen? Klar! Rüber zur Obelix mit einer Flasche Sprudelndem aus der Champagne.

Und genießen…
Am späten Nachmittag fahren wir ins Örtchen. Tote Hose. Es wirkt wie ein verlassenes Wild-West-Kaff. Alle Läden geschlossen, die nicht vorhandenen Bürgersteige hochgeklappt, am Straßenrand ein paar traurige, träge Einheimische…


(Das Lambi-Muschelfleisch wird hier als Delikatesse angeboten, ist aber äußerst selten eine solche, da meist sehr zäh…)

Die Erklärung: Natürlich ist hier alles geschlossen und kein Mensch da, weil Karneval in St. Vincent. So, Mo, Di…ab Mittwoch wird hier wieder Leben einkehren und auch das Ausklarieren möglich sein. Also bleiben wir auf der PIA, genießen die Aussicht auf diese grandiose Wasserfarbe über dem Riff, lesen, schauen den vorbei rauschenden Kite-Surfern zu und nehmen zum Abschied einen Sundowner in der Hütte auf dem Riff, direkt vor unserer Nase.

Beim Ausklarieren am Mittwochmorgen sehen wir, dass die Aussage der Inselbewohner stimmt. Alle Geschäfte sind offen, es gibt einen kleinen Markt am Dorfplatz und viele Leute auf der Hauptstraße.

Aber es zieht uns nach Carriacou. Nur gut eine Stunde benötigen wir bis zum Ankerwerfen in der Hillsborough-Bay. Einklarieren bei den wichtigen und ernsten Beamten von Immigration und Zoll und Schlendern über die Hauptstraße, in der das Leben pulsiert. Ich find‘s einfach nur schön!
Frank und Brigitte haben ein Café entdeckt. Das Kajak-Café, betrieben von einer veritablen „Old English Lady“. Kuchen lachen mich normalerweise nicht sonderlich an, aber diese!!!! Suuuuper! Es gibt guten Kaffee mit Kaffeesahne (hier eine Rarität!!!) und wir können schwelgen.
Ein Einkauf noch in „Pattys Deli“, wo es Entsprechendes zu entsprechenden Preisen zu kaufen gibt und dann gehen wir Ankerauf, weil der Ankerplatz – wegen des Fähranlegers und der vorbei rasenden Powerboote einfach zu unruhig ist.
Wir funken mit Frank, der aber gerade zu beschäftigt ist, da er wieder einen Fisch an der Angel hat.

Peter meint, dass es auch für uns an der Zeit sei, mal wieder die Angel zu setzen. Gesagt, getan.

Die alternative Ankerbucht rückt näher. Wir fahren ein und beginnen mit dem Ankermanöver, d.h. Peter ist am Anker, ich am Steuer.

„Der Anker liegt, Maschinen rückwärts!“

„Jawoll!“ Und Sch….!!! Die Angelleine!!!

Sie strafft sich bereits unter dem Heck!!!

Stb-Maschine aus. Ist sie schon in der Schraube???

Peter kommt ans Heck und sieht die Bescherung. Badehose an, scharfes Messer, Schere und er verschwindet im Wasser. Er taucht auf und drückt mir das abgeschnittene Ende der Angelleine in die Hand, um wenigstens den Köder noch zu retten.
Dieser hüpft und springt beim Einrollen quicklebendig auf der Wasseroberfläche herum und…plötzlich…ich erschrecke mich zu Tode, wird das Wasser im Zickzack aufgepeitscht, ein langer, spitzer Fischkopf taucht auf, aufgerissener Schnabel, aufgepeitschtes Wasser…

Die Angelleine zieht sich in die Hand, ich halte fest, wage aber nicht, sie einzuholen, weil ich panische Angst habe, von diesem, mit spitzen Zähnen bewehrten Maul gebissen zu werden.

Stattdessen schreie ich meinen tauchenden Mann herbei. Er hält dann das zappelnde Monster, während ich ihm einen Schnaps in die Kiemen gieße und es mit weit aufgerissenem Schnabel (hoffentlich) einem gnädigen Ende entgegensieht.

Was für einen Fisch haben wir denn da gefangen? „Obelixens“ meinen, es könnte ein Hornhecht sein, womit sie Recht behalten, wie zwei Fischbestimmungsbücher beweisen. Er macht mir keinen besonders fleischigen Eindruck und ich würde ihn am liebsten wieder seinem Element überlassen als Futter für die Artgenossen.

Der experimentierfreudige Frank denkt anders. So ist der Kopf schnell abgeschnitten, der Bauch aufgeschlitzt und der ellenlange Darm mit allen anderen Eingeweiden entfernt. Noch schnell die Schuppen entfernen, vier Koteletts abschneiden und auf den Grill damit.
Eine Geschmacksexplosion ist das nicht, also wird es morgen die zweite Hälfte in Weißweinsauce geben. Um es vorwegzunehmen: Das schmeckt!!! Ein seltsam ästhetischer und gleichermaßen praktischer Effekt für Grätenhasser: Rückgrat und Gräten des Hornhechts sind oder verfärben sich beim Erhitzen hellgrün.

Das Corpus delicti aber, dem wir diesen Fang verdanken, hat sich unzählige Male um die Schraube gewickelt so dass Peter am nächsten Morgen noch einmal ans Werk gehen muss, um die Leine komplett zu entfernen.

Für den nächsten Tag haben wir ein Taxi gebucht. Vincent wird uns in etwa drei Stunden alle Sehenswürdigkeiten der Insel zeigen, die da wären: Paradise Beach, das Krankenhaus auf dem höchsten Punkt der Insel und die Schiffswerft in Windward.

…und es liegt direkt vor der Werft. Will man damit auf die Qualität der Arbeit hinweisen???

In helle Begeisterung verfallen wir, als wir von der Nordostspitze der Insel auf die Tobago-Cays, Mayreau, Petite Martinique, Petit St. Vincent und Union Island schauen können. Eine von Riffen umgebene Wasserfläche, die kaleidoskopisch alle Farbtöne zwischen hellem Türkis und Königsblau wiederspiegelt.
Hat man die Zeit, auf entsprechendes Wetter zu warten, sollte man dieses Gebiet auf keinen Fall unbesegelt lassen.

Unsere Zeit hingegen drängt. Wir müssen weiter…

20150715 Eine Geschichte von Zoll und Immigration

Lieschen Müller mag sich vorstellen, dass die Karibik ein Meer sei mit wunderschönen Inseln, die alle in einer Art Karibischer Föderation zusammen gehören und von Segelschiffen problemlos angelaufen werden können…

Da irrt Lieschen sich ziemlich.

Nicht jede Insel hat eine eigene Regierung mit allem was dazu gehört – manche haben sich auch zu einer Gruppe zusammengeschlossen (und da sollte man tunlichst wissen, wer zu wem gehört) – aber alle Karibikstaaten legen allergrößten Wert auf ihre Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Autorität.

So muss man vor dem Betreten eines Inselstaates einklarieren und unmittelbar vor dem Verlassen der Staatsgrenzen wieder ausklarieren. Man setzt also vor dem Einlaufen in den Hafen die Gastlandflagge und zusätzlich eine gelbe Flagge, die besagt, dass man einklarieren möchte. Danach marschiert man los mit Bootspapieren, Crewliste (beziehungsweise allen Crewmitgliedern in persona), Reisepässen und den Ausklarierungspapieren des zuletzt besuchten Staates.

In einschlägigen Führern ist beschrieben, wo man die Immigrationsbehörde und den Zoll findet und wie die Arbeitszeiten dieser Behörden sind. In der Regel arbeitet man hier zwischen 8.00h und 16.00h, bzw. 18.00h. Kommt man außerhalb der üblichen Öffnungszeiten, zahlt man „Overtime“, sozusagen Überstunden. Das „Zuspätkommen“ wird geahndet mit 40,00 – 60,00 US-Dollar.

Paradebeispiel: TRINIDAD

Wir machen um Punkt 18.00h am Zollstaiger fest, stürzen uns ins vorschriftsmäßige Gewand, d.h. keine Flip-Flops, keine Shorts, keine Miniröcke, keine Spaghettiträger, keine Muscle-Shirts, nichts Rücken- oder Bauchfreies, keine Kappen… , hetzen die Treppen hinauf zur Immigration und finden die Tür – wie erwartet – verschlossen.
Aber die Zollformalitäten sind möglich. Erhitzt und verschwitzt wie wir sind, geht’s ins tiefgekühlte Zollkabuff.
Drei Zollbeamte hintereinander sitzend, jeweils durch eine halbhohe Schrankwand voneinander getrennt, lassen sich von zwei Fernsehern und einem Radio beschallen.

Nr. 1 weist gebieterisch auf das Schalterfenster. Hierher! Peter nestelt die geforderten Papiere heraus.
„Murmel, murmel…“ „Pardon, Sir, we didn’t understand…“ „Murmel, murmel“… wir können rein akustisch kein Wort verstehen, da die beiden Fernseher und das Radio in unverminderter Lautstärke weiterdröhnen.

Nr. 2 wiegt sich im Takt des Songs und summt die Melodie mit.

Peter reicht die Bootspapiere über die Theke. Strafender Blick sagt: Falsch!!! Natürlich sollen es zuerst die Ausreisepapiere sein.

Nr.3 lugt hinter der Schrankwand hervor und zieht die Augenbrauen hoch.

Nr. 1 – Wann sind Sie ausgereist? Zu welcher Uhrzeit? Aha! – Zwei Formulare werden durch die kreisrunde Öffnung der vergilbten Plexiglas-Scheibe geschoben. – Ausfüllen!
Die Füße sind bereits eiskalt, den Rücken wärme ich mit den Händen auf und ab reibend, während Peter die Formulare ausfüllt.
Danach wird jedes Wort akribisch kontrolliert. Es wird gestrichen, erneut hingeschoben, zum Korrigieren aufgefordert.
Nach einer halben Stunde ist es endlich soweit.
Die Ausklarierungspapiere von Grenada behält er ein, händigt die neuen Papiere aus und verlangt 220 TT (d.h. Trinidad-Tobago-Dollar)
– Können wir auch in US-Dollar zahlen? –
– Nein –
– Gibt es einen Geldautomaten hier? – Ein diffuser Fingerzeig nach draußen folgt.
Ein Geistesblitz lässt uns fragen: – Können Sie eventuell wechseln?

Nr. 1: – Nein –

Plötzlich springt Nr.2 auf: – Ja, ich kann wechseln. –

Er macht ein kleines Geschäft, wir sind mit 48 US-Dollar dabei und sehr froh, den Eiskeller endlich verlassen zu können.

Eine Frage noch: – Dürfen wir bis morgen früh am Zollstaiger liegen bleiben?-
– Am Zollstaiger darf niemand liegen. –

Was nun? Das ausgewiesene Ankerfeld ist belegt und eine freie Boje gibt es auch nicht mehr.

Am Außensteg der „Crews-Inn-Marina“ ist noch ein Platz frei. Leider mit vielen Pollern zur Wasserseite hin. Dennoch nehmen wir das umständliche Anbinden mit Fenderbrettern in Kauf.
Ich fange an zu kochen während Peter noch „kurz“ den Müll wegbringt. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellt. Denn der Wachmann, den er nach dem Standort der Müllcontainer fragt, erklärt ihm gleich, dass wir – ohne einklariert zu haben – überhaupt und absolut nirgendwo festmachen dürfen. Peter will sich nicht einfach wegschicken lassen, es gibt eine längere Diskussion, bis der Wachmann schließlich telefonisch eine Autorität der Immigration erreicht, die uns für 100 US-Dollar doch das Liegen am Zollstaiger gestattet mit der Auflage, am nächsten Morgen um 7.00h bei der Immigration vorzusprechen. Also: Losbinden und zurück an den heiligen Zollstaiger.

Donnerstagmorgen, 7.00h, Immigration

Am Ende des Treppenaufgangs eine Informationstafel mit der Kleiderordnung…

Anklopfen, eintreten. Diesmal ist es eine Beamtin, die uns blitzschnell gescannt hat und uns durch entsprechende Blicke zu verstehen gibt, dass wir mit unseren Flip-Flops massiv die Kleiderordnung verletzt haben. Da hilft auch Peters üblicher, freundlicher Smalltalk nichts. Versaut ist versaut.

– Ausreisepapiere!!!-

– Die haben wir beim Zoll abgegeben. –
– Die brauche ich. Holen oder eine Kopie beschaffen! –

Einer soll die Papiere holen, der andere die Einreiseformulare ausfüllen.
Peter füllt drei ellenlange, gleiche Formulare aus, um hinterher – mit leicht süffisantem Lächeln der Dame – zu erfahren, dass es auch (wie fortschrittlich!!) Kohlepapier gegeben hätte.

Ich gehe inzwischen zur Zollbehörde.
Nr. 1 ist heute abwesend. Nr. 2 kommt summend und lächelnd an den Schalter, legt die Stirn ein wenig in Falten, als er vom Begehren der Immigrationsdame hört und …kann unsere Papiere nicht finden. Strange!!!
Wo könnte Nr. 1 die Papiere abgelegt haben? Stapel um Stapel wird durchsucht, bis ich plötzlich hinten in der Ecke Peters Unterschrift erkennen kann. Eine Kopie wird gemacht. In weiser Voraussicht, dass die gestrenge Dame der Immigration Letztere – wegen schlechter Leserlichkeit – nicht akzeptieren wird, gibt er mir das Original mit der Bitte, es später zurück zu bringen.
Bei der Immigration sind die Kontrollen im vollen Gange. Es dauert.
Dann die Rechnung. 220TT. Haben wir die nicht gestern bereits gezahlt?
– Nein – Hier ist Immigration, gestern war Zoll!
– Können wir in US-Dollar zahlen?
– Nein, unmöglich!
– Können Sie wechseln?
– Nein. Besorgen Sie sich TT-Dollar oder es gibt keine Papiere.

Nr.2, mein fröhlicher und diesmal ein breites, weißes Lächeln zeigender Helfer in der Not, wechselt mir bereitwillig auch diesmal den geforderten Betrag und wir dürfen – nach Entrichten des Obulus – endlich rechtmäßig den Boden Trinidads betreten.

20150625 St. Lucia – Bequia

Ein letzter Blick geht zurück in die Seitenbucht von Le Marin, wo wir – versteckt hinter der Landzunge vom Club Med – 14 schöne Tage verbrachten.

Am 25.6.15 geht’s weiter nach St. Lucia.
Da unser Heimflug für den 27.07. geplant ist und die Pia bereits am 21. Aus dem Wasser gehievt wird, bleibt uns für den schönen, vor uns liegenden Teil der Karibik nicht allzu viel Zeit.
Vergleicht man den Segler mit einem Landreisenden, so kann er wohl auch die Route planen; ob er allerdings in der Lage ist, den Fahrplan auch einzuhalten, hängt im entscheidenden Maße von Wetter, Wind, Wellen, Ankergründen und häufig auch von unerwartet anfallenden oder dringend zu erledigenden Reparaturen ab.
Wir müssen – wie sich herausstellt – straffen und streichen.
So nehmen wir uns für St. Lucia gerade mal drei Tage Zeit. Zwei Nächte in der Rodney-Bay,

der Bucht, die von der Atlantic Ralley for Cruisers (ARC) als Ziel angesteuert wird und – ähnlich wie Le Marin auf Martinique – sehr viel Platz für Yachties bietet. Ein Ausflug in die Marina, die etwas südlicher gelegene Mall, die alles bietet, was ein Segler braucht,

ein mäßiger, dafür aber teurer und mit Regenböen getoppter Tapas-Imbiss, ein Obst- und Gemüsekauf beim schwimmenden Händler

und weiter geht’s.

Es ist Samstag. Wir möchten den Markt im 5 sm entfernten Castries erleben und zum Sundowner bereits in der Marigot-Bay sein.

Seit Martinique sind Schiffe und Crew von Obelix und PIA im Doppelpack unterwegs. Haben wir nur eine kurze Distanz zum nächsten Ziel zu überwinden, ist die Obelix in der Regel zwei Stunden vor uns dort. Liegt eine größere Strecke zwischen Start und Ziel, schafft es die PIA, die Langsamkeit ihrer Crew durch größere Segelgeschwindigkeit auszugleichen oder gar die Obelix zu überholen.
Im Klartext: Sagt die Obelix-Frabrifix: „Wir werden um 8.00h ablegen, dann hört man um 7.30h das Anker-Aufhol-Manöver.
Auf der PIA hingegen sieht’s aus wie in unserem „richtigen“ Leben: Rechtzeitiges Aufstehen und Vertrödeln wertvoller Morgenstund‘ mit unverzichtbaren Ritualen wie Wasser- und Ingwerwasser trinken, einem kleinen Espresso obendrauf, drei großräumigen Schwimmrunden um die PIA, üppigem Frühstück und dem obligatorischen Gang aufs Örtchen…
Die kurze Strecke von Rodney-Bay nach Castries bestätigt Obiges. Frank und Brigitte sitzen bereits im Hafencafé als wir einlaufen. Kaum liegt der Anker, werden wir von Frank mit dem Beiboot abgeholt.

Weiter geht’s in die Marigot-Bay. Es hat mal wieder geregnet, als wir in diese schöne Bucht einlaufen.

Sofort gelingt es dem geschäftstüchtigen Boatsboy, uns eine Boje zu vermieten und etliche Flyer mit den Angeboten der umliegenden Restaurants werden uns zugesteckt.
Nach einem Sundowner auf der Obelix

verschaffen wir uns per Dinghi einen Überblick über die Situation und bleiben im „Rainforest-Hide-Away“ hängen. Hier hat alles Stil und Athmosphäre. Selbst der hauseigene Dinghi-Hafen wirkt romantisch.

Die Küche bietet „Sterne-Verdächtiges“ und unser Schmausen wird künstlerisch begleitet von Piano-Spieler und dezentem Jazz einer sehr filigran aussehenden Sängerin.

Hier in der Marigot-Bay erlebt man die Exclusiv-Variante der Karibik.

Die Souffrière-Bay an der Südspitze von St. Lucia mit den beiden berühmten Pitons (Zuckerhut -förmige Berge) lassen wir aus.
Vom Wasser aus können wir ein paar düstere Fotos schießen.

St. Vincent schauen wir uns gar nicht an. Auch die Küste dieser Insel zieht dunkel und regenverhangen an uns vorüber.

Wir rauschen in einer ungemütlichen, ziemlich stürmischen und wellenreichen Fahrt der Insel Bequia entgegen.

PIA holt auf…

Parallelfahrt mit der Obelix:

Unmittelbar vor Bequia, das wir nach einer neunstündigen Rauschefahrt erreichen, werden wir von einem Profi fotografiert. Die riesige Kamera auf einer Schulter, selber mit einem Gurt am Bug seines Dinghis gesichert, mit der freien Hand steuernd, tanzt er akrobatisch auf den Wellen herum und macht seine Fotos.
Farbe könnte allerdings auch er nur per Fotoshop in die Bilder zaubern…

Bequia
Die Admirality-Bay, eigentlich eine hübsche Bucht mit großen, hellen Sandstränden, einem wunderschönen Spazierweg entlang der Bucht, über Strände, am bewaldeten Felsen vorbei bis ins Dörfchen, Port Elisabeth, zeigt uns nicht ihre Sonnenseite. Die in der Hauptsaison wahrscheinlich aus allen Nähten platzenden Restaurants, Cafés und Strand-BBQs warten – verschlossen – auf die nächste Saison. Das Örtchen gehört den Einheimischen.
Starke Winde, häufige Regengüsse, die den Himmel düster und das Pfützen-Waten erforderlich machen, tragen nicht zur Stimmungsaufhellung bei.
Als kompletter Gute-Laune-Vernichter erweist sich mal wieder der Wassermacher. Nur mit hohem Reparaturaufwand, enorm viel Schweiß und noch mehr Ärger und Wut, können wir ihm immer mal wieder schwache Süßwasser-Rinnsale entlocken.
Einen halben Tag lang dürfen wir nachempfinden, wie schön die Bucht bei Sonne ist und nutzen das weidlich aus mit Schnorcheln und Spaziergängen.
Als wir Bequia am 3. Juli verlassen, ist uns ziemlich klar, dass wir die Cays, eines der schönsten Gebiete der Karibik wegen der vorhergesagten Starkwinde und der dort ungeschützten Ankerplätze nicht anlaufen können. Wir machen einen kurzen Stopp in Mayreaux, das unmittelbar vor den Cays liegt und fahren dann weiter nach Union Island.

20150624 Martinique

Wolkenverhangen und duster sah Dominika auf den ersten Blick aus. Auch beim Abschied wirkt es nicht wie eine Sonneninsel.

Starker Wind und kräftige Wellen treiben uns dem nächsten Ziel entgegen. Zwischen den beiden Inseln erwischt uns der erste Squall: Zwanzig Minuten lang bläst der Wind mit bis zu 39kn (Bft. 8) in die ungerefften Segel, dazu gibt der dichte, peitschende Regen das Gefühl, im Blindflug durch die Wellen zu rauschen. Dann ist der Spuk vorbei. Sein Markenzeichen: unvermitteltes Auftauchen und ebensolches Verschwinden.

Der Himmel reißt auf, herrliches Blau über und unter uns und die grüne Insel Martinique rückt näher. Wir ankern in der großen Bucht von Arlet, schnorcheln am nächsten Morgen über eine hübsche Korallenlandschaft, in der sich mehrere Schildkröten tummeln, zum Strand und genießen die Stille der Nebensaison.

…und lange Zeit der Zankapfel zwischen Franzosen und Engländern.

Die große Bucht von „Le Marin“ erreichen wir am frühen Nachmittag.

…auf der Landzunge, hinter der es in „unsere“ Bucht geht…

In der Einfahrt werden wir bereits vom Lotsenboot empfangen.

Matthias und Regina haben unsere Anfahrt per AIS (Automatisches Identifikations-System, mit dem man Schiffe erkennen und ihren Weg verfolgen kann) gesehen und lotsen uns – nachdem es an Bord ein großes Hallo gegeben hat – sehr geschickt in ihre, mit Untiefen übersäte Seitenbucht. Bei der Ehrenrunde um die dort liegende „Obelix“ werden wir von Frank und Brigitte zum Kaffee eingeladen.
Fast elf Monate liegen zwischen der letzten gemeinsamen Fahrt mit Matthias und Regina nach Lanzarote und heute. So wird‘s ein langer Abend, gefüllt mit den interessanten Erzählungen über die Afrika-Reise der Beiden auf ihrer Jasina.

(im Vordergrund rechts: Jasina; in der Mitte: Obelix)

Der nächste Tag ist komplett ausgefüllt mit einer gründlichen Einführung in die örtlichen Gegebenheiten. Le Marin bietet alles, was ein Seglerherz höher schlagen lässt oder die Geschmackspapillen eines Gourmets zum Flimmern bringen kann. Unsere unermüdlichen und äußerst ortskundigen Führer Matthias und Regina wissen sehr genau, wo man welche Schätze finden kann und lassen uns – nicht ganz unbeabsichtigt – am „Highfield“-Laden entlang schlendern.
Peters Augen glitzern. Schon lange liebäugelt er mit einem neuen Dinghi. Es sollte größer sein als das Bisherige, dickere Wülste haben und einen doppelten Boden. Und da steht „Sie“ aufrecht vor uns:
Die neue Liebe mit den Traummaßen: 3,48m x 171m und ganz schön aufgeblasenen Hüften.

Die Probefahrt gefällt. Motor und Dinghi passen perfekt zueinander. Einen Tag noch werden Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen bis der einzig übrig gebliebene Nachteil – der Preis – in Kauf genommen werden kann.

Zwei Tage mieten wir ein Auto und schauen uns die Insel an. Das Inselinnere – wie bereits Guadeloupe und Dominica – ist von üppigem Grün überzogen. Dschungelartig, sich teilweise wie ein ineinander geschlungenes Blätterdach über die gewundenen Straßen legend, wird es an anderen Stellen von ausgedehnten Bananen und Zuckerrohrfeldern abgelöst.

Im Norden der Insel bedeckt dichter Regenwald die Berge, die im einzigen aktiven Vulkan, dem Mont Pelée, gipfeln. Dessen letzter Ausbruch (1902) machte die ehemalige Hauptstadt von Martinique, St. Pierre, dem Erdboden gleich. Die Stadt erholte sich nie wieder und zeigt sich heute als ein verträumtes, ein wenig heruntergekommenes Dorf an der nördlichen Westküste.

Ein wundervoller tropischer Garten, der „Jardin de Balata“, schließt sich – in luftiger (und kühler) Höhe – um ein kreolisches Anwesen und zeigt in herrlichen Anlagen alles was auf Martinique wächst und gedeiht.

Der zweite Ausflug auf Martinique gilt der Ostküste. Dem Ozean zugewandt, ist sie wesentlich wilder und rauher als ihre Schwester im Westen, vom Bootstourismus kaum beleckt und von Badegästen wohl eher auch stiefschwesterlich behandelt. Vielleicht liegt es an der Nebensaison, dass wir an manchen Stränden einsame Spaziergänger sind, vielleicht werden die Touristen aber auch vom Gestank der verrottenden Sargasse vertrieben oder das Wetter lockt die wenigen Urlauber heute eher in die Städte als ans Wasser.

Aber sie hat ihren Reiz.

Die Halbinsel Caravelle erweist sich als ein ganz besonders schönes Fleckchen Insel.

Am Samstag können wir das neue Dinghi abholen.
Ein Schiff muss, bevor es in See sticht, getauft werden…das ist die einhellige Meinung unserer Freunde. Also gut. Der Tauftag ist festgelegt: Sonntag, der 21.6.2015. Nun muss nur noch ein Name her. Regina und ich haben die gleiche Idee: „Ti Pia“ .
„Ti“ bedeutet „klein“ auf Kreolisch. Und da man hier auf Martinique, wo wir das Boot gekauft haben, kreolisch spricht, wird es uns immer ein wenig an diese Insel erinnern.

Sonntagmorgen, 11.00h

Die Taufgesellschaft ist eingetroffen mit Geschenken und guten Wünschen und… dem Namenszug des Täuflings, von Regina entworfen. Wir sind total begeistert.

Der Segelfisch, ein Marlin, der an unseren Blog erinnert, springt elegant und schneidig zwischen „Ti“ und „Pia“ aus dem Wasser.

Die Taufe:
„Ich taufe Dich auf den Namen „Ti Pia“, wünsche Dir und Deiner Crew allzeit gute Fahrt auf den Meeren dieser Welt und immer so viel Wasser unterm Kiel, dass die Schraube des Außenborders nicht stecken bleibt“…

Darauf stoßen wir an.

Am Mittwoch, dem 24.Juni erhält „Ti Pia“ seinen (ihren) Namen, wird abends unter die Sonnenpaneele gewinscht, um am nächsten Tag die erste längere Fahrt – nach St. Lucia – in der Schwebe anzutreten…

20150606 Dominica

Ein letzter Blick vom Leuchtturm auf Basse Terre (Guadeloupe) auf die in der Ferne liegenden Îles des Saintes und wir segeln zum zweiten Mal diesem schönen Ziel entgegen.

Sechs Tage lassen wir die Seele baumeln, genießen die Stille, die lediglich vom unermüdlich krähenden Hahn unterbrochen wird und den Duft, der von der kleinen, bewaldeten Insel herüber weht. Mit Schnorcheln, Schwimmen, Spaziergängen an den kleinen Stränden und Lesen verfliegen die Tage im Nu.
Die Nebensaison hat begonnen und hier nimmt alles seinen beschaulichen Gang. Im Städtchen Bourg des Saintes, sitzt man dösend im Schatten der Häuser und die Motorroller, um die man sich vor vier Wochen noch heiße Schlachten geliefert hätte, stehen ungenutzt vor den Verleihen.
Das fühlt sich sehr nach Erholung an.
Aber wir sollten allmählich weiter südwärts segeln, da unsere Tage hier ab dem 1. Juli – wegen der beginnenden Wirbelsturm-Saison – gezählt sind. Da die meisten Yachtversicherungen sehr ausgeklügelte Bedingungen für den Standplatz einer unbewohnten Yacht während der Hurricansaison haben, wählen wir (ESA-Versicherungsgeschädigte) für die Zeit unseres Heimataufenthaltes eine Werft in Trinidad, wo es bisher keinen Wirbelsturm gegeben hat.
Wenn wir Mitte Juli dort sein wollen, bleiben uns nur noch wenige Wochen, um auf dem Weg dorthin noch einige Inseln anzuschauen.
Also verlassen wir am Freitag, dem 6. Juni die Îles des Saintes mit dem Ziel Dominika.
Kaum haben wir die Nase um die Ecke gesteckt, empfängt uns ein breiter Streifen Sargasse. Wieder müssen wir die Schrauben rückwärts laufen lassen, um diese lästigen Algen los zu werden.
Kurze Zeit später – wir sind nur einen Moment unaufmerksam – wird die PIA deutlich langsamer. Was ist das? Jedenfalls keine plötzliche Flaute… Der Wind bläst mit gleicher Stärke. Wir ahnen Böses und finden bald die Ursache: Unter dem BB-Heck strafft sich zusehends eine kräftige Fischerleine. Ob sie sich mitsamt ihrer Bojen in der BB-Schraube verfangen hat?
Peter dreht bei, die Leine driftet nach Stb. und ich kann sie – nach Abklappen der Passerelle – abschneiden. Aber was nun? Der Rest der Leine mit den Bojen befindet sich ja immer noch in der BB-Schraube. Einer von uns muss tauchen. Wer wohl? Es ist nicht ganz ungefährlich, bei immer noch 2 ½ kn Fahrt und ruppiger Welle zur Schraube abzutauchen, sich mit einer Hand festzuhalten und mit der anderen diese unerwünschten Souvenirs zu beseitigen. Natürlich ist es wieder Peter, der ins Wasser springt. Er kann sich an Sicherungsleinen bis zur Schraube vorhangeln und die Schwimmkörper mitsamt Leine von der Schraube abwickeln.
Hut ab! Mir schlottern – auch nachdem er wieder an Bord ist – immer noch die Knie…

Am Nachmittag laufen wir in die Prince Rupert-Bay von Dominica ein.

Sofort schießen mehrere lange, schmale Holzboote auf uns zu. Aus unserem maritimen Führer wissen wir, dass man sich lediglich mit einem Boot der Organisation P.A.Y.S (Portsmouth Association of Yacht Security) einlassen sollte, in der sich einige junge Männer zu einer Vereinigung zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, den Bootstourismus auf ihrer Insel attraktiver und sicherer zu machen und die Yachties in jeder Beziehung unterstützen. „Cobra“ heißt der junge Mann, der uns zuerst erreicht und unsere Wünsche in den folgenden Tagen erfüllen wird. Er bringt uns zu einer Boje, hilft uns beim Festmachen und bietet gleich weiteren Service an, wie z.B. Bootstaxi zum Einklarieren, Zoll und Polizei und gibt uns einen Katalog, in dem organisierte Ausflüge auf der Insel angeboten werden.

Ein Händler kommt angerauscht. Hochgewachsen, kohlrabenschwarz (wie alle hier), singing, swinging und sich vorstellend als: Hey Mam, I’m Dany but you can call me Dr. Love!
Er bietet mir an, frisches Obst, Gemüse sowie Fisch oder Fleisch zu bringen und ich gebe ihm den Auftrag. Zwanzig Minuten später ist er wieder da mit einem ganzen Mahi-Mahi (ich hatte zwei Filets bestellt), …“no problem, I’ll cut the filets“… Maracujas, Orangen, Avocados, Limetten, Papajas…

Es wird ein hartes Handelsgefecht: Er verlangt Astronomisches, was er wortgewaltig und mit großen Gesten ziemlich theatralisch verteidigt, ich biete ihm – wie ich meine – Realistisches an. Das Ende vom Lied: Wir einigen uns auf dem 2/3 Niveau, was ihm sicherlich sehr gut gefällt und mir das Gefühl gibt, mich nicht total über den Tisch haben ziehen zu lassen. Dafür erhalte ich 1 ½ kg allerfeinsten Fischfilets aber nur die Hälfte des Obstes, das er ursprünglich zur Lieferung vorgesehen hatte.

Für den nächsten Tag buchen wir eine Fahrt auf dem Indian River. Um 7.00h werden wir abgeholt. Mit drei Amerikanern und zwei Franzosen werden wir im Holzboot über diesen Fluss gerudert, der sich durch einen Wald mit exotischen, verwunschenen Bäumen schlängelt.

Ein wenig kitschig wirken die in den Bäumen hängenden Requisiten der Dreharbeiten zum „Fluch der Karibik“…

Am Ende des schiffbaren Flussbereiches angekommen, dürfen wir zu Fuß weiter in den Dschungel, diese stille, wuchernde Urwüchsigkeit vordringen. Es ist wild, märchen- und zauberhaft und lässt sich in seiner Tiefe und Dreidimensionalität von der Kamera eines Mobiltelefons einfach nicht einfangen.

Plötzlich hören wir den Klang einer Bambusflöte. Werden wir zurückgerufen oder soll die Flöte uns den Weg weisen? Wir kehren um und treffen nach wenigen Metern auf einen Flöte spielenden Rastamann, der uns vorkommt wie ein direkter Nachfahre der Kariben.

Er begleitet uns auf dem Weg zurück und schenkt mir eine Handvoll weiß-grauer Samen, die Gesundheit, Energie und Jugendlichkeit bewahren sollen.
Nach der Verkostung verschiedener Punschsorten in einer urigen Hütte treten wir den Rückweg an.

Dominika hat 365 Flüsse (für jeden Tag einen) und entsprechend grün und fruchtbar sieht alles aus. Unser Führer erklärt uns, was alles hier kultiviert wird und ermuntert uns, herabgefallenes Obst aufzuheben oder pflückt für uns von den Bäumen.

Wir kehren mit Mangos, Papayas, Brotfrucht, Avocados und Maracujas zur Pia zurück.

Am Abend sind wir eingeladen auf den Catamaran von Alain und Chantalle. Cobra, unser Guide, wird für uns ein köstliches, creolisches Essen zubereiten. Es wird ein sehr unterhaltsamer Abend mit den drei Amerikanern, die kein Wort Französisch verstehen, den beiden Franzosen, die kein Wort Englisch sprechen und uns beiden, die radebrechend versuchen, von einer Sprache in die andere zu übersetzen. Dennoch erfahren wir von „Cobra“ enorm viel über Dominika, da er die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen seiner Insel sehr genau kennt.

Für den nächsten Tag buchen wir eine Inseltour mit Robert. Die Nebensaison, in der es an Nachfrage für solche Touren mangelt, macht unseren Ausflug nicht zum Schnäppchen. Dafür lässt Robert aber keine Wünsche offen. Im 10-Personenbus werden wir von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gefahren. Eine Zeitlang haben wir von der Uferstraße aus herrliche Ausblicke auf die Küste, bis wir schließlich in das Dschungel-artige Inselinnere abbiegen.

Ein dunkler, wolkenverhangener Himmel über dem Regenwald gibt nur ab und zu den Blick frei auf Dominicas zweithöchsten Berg, den Morne Trois Pitons (1387m). Die Außentemperatur nimmt deutlich ab, kleine Regenschauern lassen herrliche Düfte aus dem wilden Grün aufsteigen.
Der Freshwater-Lake, wahrscheinlich 10°C wärmer als unsere Alpenseen und nicht so klar…

Die Trafalgar-Wasserfälle…

Schwefelquellen…

Die Ti-Tou-Schlucht…

Ziemlich müde steigen wir auf die PIA, um 20min. später unerwartete Gäste zu haben. Alain, Chantalle, Harry, Ellen und Gwinn wollen offensichtlich an den unterhaltsamen gestrigen Abend anknüpfen. Drei Frauen verschiedener Nationalität improvisieren einen Apero, mit allem was Pantry und Kühlschrank hergeben, während die Männer sich um Tisch und Getränke kümmern.
Es wird ein ausgedehnter Apero, der uns mit den Erzählungen aus dem „Leben der Anderen“ in sehr, sehr schöner Erinnerung bleiben wird.
Die letzte Nacht auf Dominica verbringen wir – gemeinsam mit den Amerikanern – in der Nähe von Roseau, vor dem Anchorage-Hotel, um am nächsten Morgen weiter zu segeln in Richtung Martinique.

20150528 Es ist ein holperiger Start…

nach dem Erreichen des ersten, richtig großen Etappenzieles, das immerhin ca.7500km von Deutschland entfernt ist…

Einerseits präsentiert sich die Karibik anders, als wir sie erwartet haben, andererseits lassen die traurigen Geschehnisse zu Hause keine richtige Freude aufkommen.

Daher gibt’s im Folgenden Fragmente eines Reiseberichtes.

Unser Ankunftshafen „Fort de France“ auf Guadeloupe ist in der jetzigen, von häufigen Regenschauern geprägten Saison ein stickiger Hafen. Eine Menge kleiner Lokale, in denen überwiegend gute französische oder kreolische Küche geboten wird, säumt das Hafenbecken. Leider wird die Nase – auch bei genussvollem Essen- immer von „fehlgeleiteten“ Abwässern umfächelt oder der „Faule-Eier“-Geruch der verrottenden „Sargasse“ steigt in die Nase.

Sargasse, so nennt sich die diesjährige Plage in der Karibik. Es ist eine Braunalge, die in großen Teppichen auf dem Wasser treibt (sich übrigens auch um unsere Schrauben wickelte, was zu starken Vibrationen führte und dadurch die Halterung der Lichtmaschinen abbrechen ließ) und sich in 40 – 60cm dicken Schichten an den Atlantikstränden auftürmt, um dort mit einem, den Atem raubenden Gestank zu verrotten. Touristen halten sich fern von den normalerweise sehr schönen und beliebten Atlantikstränden und Segolène Royale verspricht Guadeloupe und Martinique 800 000€, um die Inseln bei der Beseitigung dieser Plage zu unterstützen.
Point à Pitre ist m.E. keinen Besuch wert. Monsieur Hollande sieht das eventuell anders. Er kam am 10.Mai nach P.a.P. um die Gedenkstätte gegen die Sklaverei einzuweihen. Es ist ein monströser, langgestreckter Bau mit einer Art Tonnendach, das von vielen, glänzend-silbrigen Bändern umspannt wird, von EU-Geldern finanziert wurde und ganze 92Mill. Euro kostete. Ziemlich augenscheinlich hätten die Gelder sehr viel sinnvolleren Projekten zugeführt werden können.

Wir zücken unsere Kamera lediglich auf dem farbenprächtigen Gemüse- und Gewürzmarkt, dessen Produkte von Marktfrauen in gelb-rot-karierten, Spitzen-besetzten Kleidern präsentiert werden.

So schnell wie möglich wollen wir den stickigen Hafen und diese Stadt verlassen, kommen aber erst nach unserem zweiten Anlauf, am 27.April dazu, als Isabel und Klaus uns besuchen.
Endlich können wir auch Schönes entdecken.
Die Ilet de Gosier, eine Mini-Insel mit betagtem Leuchtturm lässt uns frische Luft atmen. Schnorcheln, Schwimmen und einfach Entspannen füllen die ersten Tage vor Anker.

Danach geht’s weiter auf die „Iles des Saintes“, die auch zur Inselgruppe von Guadeloupe gehören. In allen einschlägigen Führern werden sie als idyllisch und paradiesisch beschrieben. Das wissen natürlich die Einheimischen, die verlängerte Wochenenden (wir schreiben den 1.Mai…) nur zu gerne hier verbringen und tausende von Touristen zu Wasser und zu Lande haben es verinnerlicht. So finden wir in den großen Bojenfeldern der malerischen Buchten keine einzige freie Boje und auf den Ankerplätzen in annehmbarem Tiefenbereich geht man fast schon auf Tuchfühlung. Vorsichtig müssen wir uns – mit nur einem Motor – durch das dicht belegte Bojenfeld schlängeln, da Klaus entdeckte, dass die Backbordschraube eine Fischernetzgirlande mitschleift.
Kaum haben wir ein Ankerplätzchen gefunden, springen Isabel und Klaus ins Wasser und machen sich an das Herausoperieren der Fischerleine…

Auch im malerischen Örtchen Bourg des Saintes ist die Hölle los. Touristen schieben sich durch die Straßen, vorbei an unzähligen Läden, die alles Mögliche anbieten oder knattern auf Rollern oder kleinen Motorrädern über die Insel. Um einen Platz in einem der hübschen Restaurants zu bekommen, muss man beizeiten vorreservieren. Das machen wir für den Sonntagabend. Feingemacht sitzen wir im Dinghi und haben zum Schutz gegen eventuell überkommendes Spritzwasser -blauäugig – zwei Badetücher mitgenommen. Die beiden Gallionsfiguren, Isabel und ich merken bald, wie das „bisschen“ Spritzwasser aus den vollgesaugten Badetüchern in die Kleider dringt und sitzen anschließend – wie aus dem Wasser gezogen – mit triefenden Haaren und Klamotten – bei einem ausgesprochen leckeren Essen.

Drei Tage später sollen wir das Highlight des Urlaubs mit Isabel und Klaus erleben. Wir segeln nach Malendure,

um dort zwischen dem Strand und dem Inselchen „Pigeon“ (das Täubchen)zu ankern.

Hier erstreckt sich, wie ein Dreieck an der Küste entlang der Jaques-Cousteau-Unterwasser-Nationalpark. Der französische Meeresforscher sorgte dafür, dass Fischen hier verboten wurde und erklärte das Revier rings um die Insel zu einem der zehn besten Tauchplätze der Welt. Zahlreiche Tauchschulen bieten – für Nichttaucher oder Anfänger sogenannte „Baptêmes“ an, bei denen der Tauchschüler für eine halbe Stunde an die Hand genommen wird, um – Seite an Seite mit dem Tauchlehrer – durch die unglaublich schönen Korallengärten mit Tausenden bunter Fische zu gleiten.

Wir gönnen uns das Vergnügen drei Mal und sind jedes Mal von Neuem erstaunt über die unfassbare Vielfalt und Farbenpracht der Unterwasserwelt.
Selbst am Ankerplatz wird’s nicht langweilig. Schildkröten recken ihre Hälse aus dem Wasser, um kurz darauf wieder zum Grasen abzutauchen und Hai-ähnliche Putzerfische heften sich knabbernd an die Rümpfe der PIA. Leider fehlt es der Putzkolonne an Effektivität….

Zwei Tage haben wir noch ein Mietauto, um uns ein wenig das Inselinnere anzuschauen, das sich mit seiner überbordenden, Dschungel-ähnlichen Natur in allen Grüntönen der Welt präsentiert aber hier und dort den Blick auf intensiv rote, gelbe, rosafarbene oder blaue Blüten freigibt.

Die Insel ist reich an Wasser und bietet herrliche Wanderungen auf teilweise sehr schön gestalteten Wanderwegen zu verschiedenen Wasserfällen. Wir baden im Sammelbecken der kleinsten Fälle, der „Chutes d‘ Ecrivisses“

Den – für die Karibik obligatorischen – Besuch einer Rumdestille machen wir bei Longueteau. Nach dem Besuch der herrschaftlich wirkenden Präsentations- und Verkaufsräume und dem Anblick des edel wirkenden Landsitzes der Inhaber, fällt die Führung durch die Destille (vom Zuckerrohr bis zum Rum) sehr deftig und urtümlich aus. Eine Probe des frischen Destillats mit 81% Alkohol zieht uns fast die Schuhe aus.

Nun heißt’s für die Beiden Abschied nehmen.
Wunderschöne 16Tage sind zu Ende.

20150515 Angekommen schon…aber eigentlich nur physisch…

Eine Woche lang lassen wir – soweit das geht – die Seele baumeln,
empfangen die Obelix mit Sekt und großem Hallo, treffen Patrick und Milena, die bereits in Las Palmas neben uns lagen und schauen uns Point à Pitre an, das eigentlich keinen Besuch wert ist.

Dann beginnen wir mit den erforderlichen Reparaturen, die bei den hiesigen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit (hervorgerufen durch häufige kleine Regenschauern) einer gewaltigen Motivation bedürfen.

So schnell wie möglich wollen wir den Hafen verlassen, um endlich auf türkisfarbenem, klaren Wasser ankern zu können.

Da erreichen uns beunruhigende Nachrichten von zu Hause. Peters Schwester Ulla ruft uns an und sagt, dass die Mama mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden sei und dass es ihr sehr schlecht gehe.
Spontan beschließen wir, nach Hause zu fliegen.
Nach vier Tagen hat sich ihr Zustand auf einem niedrigen Niveau stabilisiert und wir hoffen, sie im August wiedersehen zu können.

So treten wir den Rückflug am 27.4. an und können, zwei Stunden nach unserer Landung, Isabel und Klaus abholen, die 14 Tage Urlaub mit uns verbringen wollen.

Sechs Tage später ereilt uns die Nachricht von Mamas Tod. Wir fliegen wieder nach Hause.

20150409 Aaaaaangekommen…

Am Donnerstag, dem 9.04.2015, um 22.07h (Ortszeit)d.h. 2.07h UTC liegen wir fest an der Tankstelle der Marina „Fort de France“ auf Guadeloupe.
Dreizehn Tage und elf Stunden waren wir im endlosen Blau unterwegs, sind nun müde aber glücklich, die letzten sehr spannenden Stunden hinter uns zu haben, werden nun erst einmal ausschlafen und uns danach zurückmelden.
Vorab aber möchten wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten, die unsere Reise mit verfolgt haben und die Daumen drückten, ein gaaaanz dickes Dankeschön aussprechen. Wir waren uns sicher, dass immer einer von Euch an uns dachte und haben uns nie alleine oder verlassen gefühlt.
Ein ganz besonderer Dank geht an unsere „ARD“. Dieter versorgte uns immer prompt mit den wichtigsten und aktuellsten Standortmeldungen, leitete unsere Botschaften weiter und sorgte dafür, dass wir – mit wenigen Worten – auch über die aktuellsten Geschehnisse in Mannheim informiert waren. So fühlten wir uns immer – wie bei der ARD – „in allererster Reihe sitzend“.
Ein dickes Dankeschön auch an Isabel, die meine Blog- Beiträge immer postwendend in den Segelfisch einstellte obwohl sie häufig erst tief in der Nacht bei ihr eingingen.
Fühlt Euch alle gedrückt und lasst Euch sagen: Es ist ein tolles Gefühl, solche Freunde zu haben…

20150408 Einmal ist keinmal…

wird so mancher Blogleser denken, wenn er das Malheur mit dem Stb-Motor liest, da er ja monatelang nichts anderes als Reparaturbeschreibungen vor die Linse bekam.
Nur 24 Stunden muss er diesmal auf eine ähnliche Geschichte warten…
Ich sitze am Kartentisch und bemerke plötzlich – links neben mir – das Aufflackern einer roten Warnblinkleuchte. Genaueres Hinsehen lässt mich die BB-Motorraum-Bilgenpumpe erkennen.
Im Handumdrehen haben wir den Motorraumdeckel geöffnet und schauen… in eine Dampfsauna. Aus dem Ausdehnungsgefäß des Kühlwasser-Kreislaufs schießen kleine Wasserstrahlen kreuz und quer in den Raum. Heißer Dampf steigt auf, Wasser tropft von den Wänden, kleine Wasserpfützen vibrieren in allen Vertiefungen des Motorblocks. Ich schalte schnell den Motor aus und Peter betrachtet mit krauser Stirn das Dilemma.
Uns beiden schießt gleichzeitig ein Gedanke durch den Kopf: Nicht auch noch der Totalausfall der zweiten Maschine!!! Damit würde die Stromversorgung schnell in die Knie gehen. Das Schreckgespenst, dass der Steuerautomat ausfällt und wir tagelang von Hand steuern müssen, meinten wir durch den Ersatz-Steuerautomaten gebannt zu haben; aber dass dieser Fall auch durch mangelnde Stromversorgung eintreten könnte, hätten wir niemals geglaubt. Allein der Gedanke daran lässt mich in einen sofortigen Erschöpfungs-Tiefschlaf fallen.
Aber mein findiger Kapitän arbeitet sich an die Lösung heran. Erste Maßnahme: Durchpusten des Kühlwasserzulaufs , um sicher zu gehen, dass der Motor nicht überhitzt ist wegen zu geringen Kühlwasserzulaufes. Nein, das kann’s nicht gewesen sein. Also: Kühlwasser-Geschmackstest: Es schmeckt salzig. Kühlwasser und Seewasser vermischen sich. Ist der Wärmetauscher defekt???
Das Ausdehnungsgefäß bleibt offen, wir schalten den Motor ein, geben etwas mehr Gas und können zusehen, wie das Wasser munter über den Rand des Ausdehnungsgefäßes quillt. Motor aus. Leeren des Ausdehnungsgefäßes und weiter suchen.
Peters Blick fällt auf die Gummikappe am Ende des Wärmetauschers, die durch Dichtungen gewährleistet, dass das kühlende Seewasser nach außen, die Kühlflüssigkeit im inneren Kreislauf bleibt. Diese Kappe ist verrutscht. Somit kann Seewasser in den inneren Kühlkreislauf eindringen, das Volumen deutlich erhöhen und sich – über das Ausdehnungsgefäß – herausdrücken. Peter nimmt die Kappe ab, positioniert sie richtig, setzt die Schlauchklemme erneut darüber und der Spuk ist gebannt.
Wir müssen keinen Strom sparen. Es gibt ein warmes Essen, Steuerautomat, Radar und Plotter bleiben eingeschaltet und ich darf – fast zur gewohnten Zeit – in die Koje steigen.