20190813 MÄANDERN

zwischen Sommer und Herbst,

zwischen den USA und Canada…

Noch ist Sommer aber es geht mit Riesenschritten in den Herbst. Wie in den USA, so auch in Canada fällt der Sommervorhang am 1. Montag im September, am  Laborday. Das bedeutet: Ende des Sommers, der Ferien, der Freizeitaktivitäten auf dem Wasser…Schluss mit lustig…

Während wir noch nordwärts fahren um die Highlights der großen Seen, die Georgian Bay und den Northern Channel zu erleben, zieht es die meisten Bootsfahrer in den Süden. Unser AGLCA-Wimpel, der uns als „Looper“ ausweist, lockt viele Bootsfahrer an. Bei einem Bierchen gibt’s  regen Erfahrungsaustausch.

Wir bekommen Bücher und Karten für die o.g. Highlights und verschenken diejenigen, die wir nicht mehr benötigen.

Den Erie See, der uns doch etliche Male seine garstige Seite zeigte, wollen wir so schnell wie möglich verlassen, um in den Lake Huron und die Georgian Bay zu gelangen, wo wir Isabel und Klaus erwarten.

Der letzte Stopp im Erie See gilt der „Put In Bay“ auf South Bass Island, einer von vier kleinen Inseln in der südlichen und damit amerikanischen Hälfte des Sees.

Hierher kommt man nicht, um der Geschichte zu huldigen; (eine 107m hohe Säule erinnert an Admiral Perry, der 1812 die feindliche englische Flotte besiegte und damit dafür sorgte, dass das gesamte Land südlich der großen Seen zu den USA kam und nicht zu Kanada) sondern zum Ausgehen und feiern. Als wir am Donnerstag die gähnend leere Bucht mit ihren vielen  unbelegten Bojen erreichen, können wir uns nicht vorstellen, dass die Bay sich ab Freitag in den Ballermann des Erie Sees  verwandelt.  

Ab mittags sind fast alle Bojen belegt, es wimmelt vor Touristen, die Restaurants, der „Beer Barrel Saloon“ mit seinem 124m langen Tresen und etliche Touri-Läden sind gut besucht, alle Seeterrassen belegt, Musik schallt aus allen Lautsprechern. Es ist zudem das vorletzte Wochenende der  Sommerferien.

Einige Terrassen am See…
Achtung!!! Leise und elektrisch…

Um 20.00h wird feierlich die Nationalflagge eingeholt, unter der – laut über die Bucht schallenden – von PINK gesungenen Nationalhymne… Die Kellnerin vergisst das Kassieren, der Barkeeper das Mixen… Beide sausen an die Terrassenbrüstung und stehen andächtig, bis die Flagge eingeholt ist.

God bless Amerika!

Als schönste Erinnerung an die  Put In Bay  bleibt die Nachricht, dass Linus, unser dritter Enkel geboren wurde.

Ein Hoch auf Linus Rasmus

Aber auch Bernhard, ein liebenswerter Amerikaner mit  deutschen Wurzeln und Beate aus Zweibrücken, die mit ihrer Familie zum Sonntagsfrühstück auf die PIA kommt, bleiben im Gedächtnis

Danach geht‘s weiter –  in gewohnter Erie-Manier – mit  Gewitterböen, gegen Wind und Welle  stampfend und stauchend. Cleveland schauen wir uns nicht an und auch Detroit lassen wir – buchstäblich – links liegen.

Detroit in Sicht…
Detroit: Das General Motors Building…

Der Detroit River, aus dem nördlich gelegenen Lake St. Claire kommend, fließt nach Süden und  bildet die natürliche Grenze zwischen den USA im Westen und Canada im Osten. Die Westseite, die von der Auto Industrie Detroits geprägt ist, steht im ziemlich scharfen Kontrast zum gepflegten  canadischen Villenufer. Wir sind froh, ein wenig mehr PS unter der Haube zu haben, da der Fluss – vor allem an Engstellen – eine kolossal starke Gegenströmung hat.

Der Lake St. Claire: Ziemlich glatt und klar liegt er in der Sonne. Ein mäßiger Wind zieht die PIA unter Genua voran. Entspannend…

bis wir am späten Nachmittag, in einiger Entfernung, ein Motorboot erkennen können, das sich nicht von der Stelle bewegt. Zwei Personen wollen offensichtlich Aufmerksamkeit erregen durch wildes Herumfuchteln mit den Armen. Beim Näherkommen erkennen wir, dass ein Mann sich am Außenborder zu schaffen macht, während die Frau vehement Hilfe herbei winkt.

Zum Glück kein medizinischer Notfall ! Das 180PS starke Außenborder-Ungetüm wollte wohl nicht mehr… Wir geben eine Leine über und schleppen das fröhliche Pärchen drei Stunden lang bis nach Algonac, in den Northern Channel des St. Claire River, der den Lake St. Claire mit dem Lake Huron verbindet. Ganz praktisch für die sich überschwänglich Bedankenden für uns eher ein wenig uncool.

Die „nachgeschleppte Navigation“ muss sich stimmlich schon ein wenig anstrengen, wenn der Skipper verstehen will, wo es lang gehen soll…

Es ist bereits ziemlich dunkel, als wir versuchen einen geeigneten Ankerplatz im Fluss zu finden. Wie überall hat auch hier das Hochwasser die Ufer überschwemmt. In der Mitte des V-förmig ansteigenden Kanals haben wir 13m Wassertiefe, 10m weiter seitlich, am überfluteten Ufer, ragen nur noch die Köpfe hochwachsender Stauden oder Schilf aus dem Wasser. Wollen wir die PIA für die Nacht zwischen die Blütenstängel eines Vorgartens setzen oder doch den Schilfgürtel nehmen? Im Schneckentempo tasten wir uns vorsichtig voran, das Echolot akribisch im Auge behaltend. 

Der Anker fällt irgendwo auf 1.70m Tiefe, wir treiben zurück und haben direkten Einblick in das Kaminzimmer  unseres ortsansässigen Nachbarn, der –  im Schaukelstuhl sitzend – in seiner Zeitung blättert. Ob es ihm recht ist, Mitleser zu haben???

Schlafen geht nicht. Ich warte – wachträumend – auf die Geräusche des an der Bordwand der PIA  kratzenden Schilfrohres… Aber… nichts passiert.

Um 4.00h klingelt der Wecker. Das Aufstehen fällt schwer. Es gibt kein Pardon. Die Wetterprognose für die nächsten vier Tage ist nicht spaßig. Der am Lake Huron vorherrschende Südwestwind wird übermorgen auf Nord drehen und dazu Starkwindböen, Gewitter und Regen mitbringen. Wir haben die Wahl, 95Meilen bis nach Harbor Beach, an der amerikanischen (West)Küste des Lake Huron zu segeln und dort die Schlechtwetterphase abzuwarten oder eine Nachtfahrt zum 200 Meilen entfernten Tobermory (auf kanadischer Seite) zu machen, um damit dem Wetterumschwung voraus zu segeln und gleich an der Eintrittspforte zur Georgian Bay zu sein.

Sonnenaufgang an der Einfahrt in den St. Claire River…
Ganz so harmonisch, wie hier auf kanadischer Seite zu sehen, ist das Verhältnis der beiden Staaten zueinander nicht unbedingt….
Die Brücke in Port Huron, die die kanadische Seite mit der amerikanischen verbindet und für uns das Eingangstor in den Lake Huron bildet…

Die Entscheidung „Tobermory“ fällt unmittelbar nach Port Huron, dem Einfahrtshafen in den See. Der Lake Huron zeigt sich von seiner Schokoladenseite: Ruhiges Wasser, wenig Wind, die Genua zieht uns gemächlich und stetig voran bis zum  herrlichen Sonnenuntergang.

10.30h
20.10h
20.19h
20.52h

Dann wird’s abrupt dunkel. Die Wettervorhersage scheint zu stimmen. Nur der Südwind hält noch ein bisschen durch.

21.30h: Rabenschwarze Nacht. Ab 22.00h begleitet uns eine Gewitterfront. Sie zieht in gleichem Tempo mit von Südwest nach Nordost. Gegen 0.00h scheint sie sich nähern zu wollen. Es ist Zeit, die Laptops und andere mobile, elektronische Geräte in  den Backofen zu stecken. Grelle Blitze zucken, von Donnergrollen begleitet, ab und zu schickt der Mond zwischen schwarzen Wolkenfetzen ein gespenstisches Licht aufs Wasser…

Um 2.00h ist der Spuk vorüber. Der Mond steht klar am Himmel, eine leichte Brise schiebt uns voran… Ich wecke Peter zur Wachablösung…

Was für ein Morgen!!!! Der letzte Dunst löst sich vom Cap, als wir die südliche Einfahrtstonne des Cape Hurd Channels passieren, um in den „Big Tub Harbour“ von Tobermory zu gelangen.

6.47h
Cape Hurd, die Nordspitze der Bruce-Halbinsel, die die Georgian Bay vom Lake Huron trennt
„Big Tub Harbour“..

In der traumhaften Morgenstimmung schieben wir uns durch das spiegelglatte, glasklare Wasser dieser „Badewanne“ und kommen aus dem Staunen nicht heraus, als wir das in 7m Tiefe liegende Wrack eines Schoners in allen Einzelheiten erkennen können…Paradiesisch für alle wasserscheuen Wracktaucher!!

Tiefe: 7m

Leider gibt es hier keine Möglichkeit, die PIA anzubinden. Wir müssen in die Marina des   „Little Tub Harbour“, wo wir anlegen und uns erst mal eine Runde wohlverdienten Schlafes gönnen.

Genussvolle Tage in Tobermory…

Im Little Tub Harbour: Blick aus dem Salonfenster
und auf das Thermometer im Salon…..
…immerhin 10°C mehr als draußen

Zum Glück haben wir eine funktionierende Heizung und dicke Decken für die Nächte im einstelligen Temperaturbereich.

… schwedisch anmutend…
Staudengärten…
Wandern auf dem Brucetrail…(Halbinsel Bruce)
Das umgebende Wasser: glasklar, türkis – blau – grün schimmernd…
Unterwegs mit dem Dinghi…
Flowerpot Island: Little Flowerpot
Big Flowerpot…
Blick von der Insel auf Bruce Peninsula…
Gastliche Terrasse….leider geschlossen

Nach vier wundervollen Tagen in Tobermory eilen wir Midland entgegen, das im südlichsten Zipfel der Georgian Bay liegt, um Isabel und Klaus dort an Bord zu nehmen.

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