20190901 Georgian Bay

Mount Frazer am nördlichen Ende der Georgian Bay:
Blick nach Norden, Richtung Jumbo Island…

Man schwärmt vom Wasser, von den Inseln, den kleinen, versteckten (niemals  einsamen) Ankerplätzen; macht aber fast immer – nach einem taxierenden Blick auf PIAs Breite – die Einschränkung, dass die Einfahrt in etliche dieser begehrten Ankerspots für uns wohl zu schmal sein könnte. Hm!!! Müssen wir wohl austesten und die Karte sehr genau studieren.

Die Georgian Bay

In vier Sätzen geht’s von Tobermory aus nach Midland.

Hinein in die Schären…
Auftakt einer Slalomfahrt…
Nervenkitzel zwischen Fels und Boje…

Wunderschöne Ankerplätze, sehr wechselhaftes Wetter und ein  turbulentes Wochenende im Parrysound liegen vor uns. Es ist das Laborday Wochenende (in diesem Jahr: 30.8.-2.9.). So wie am Independance Day  der Sommer mit all seinen Aktivitäten beginnt, so werden nach dem Laborday die Bürgersteige hochgeklappt. Da muss das letzte Sommer-Wochenende noch einmal voll ausgenutzt werden. Alles, was sich irgendwie auf dem Wasser bewegen lässt, ist da. Im Parry Sound ist die Fahrt zum zwei Stunden entfernten „Henry’s Restaurant“ ein absolutes Muss. Dahin gelangt man ausschließlich mit dem Boot oder per Flugzeug.

Einmal pro Stunde öffnet die Dreh/Schwingbrücke im Parrysound…
Durch Fluss-ähnliche Durchfahrten und ultraschmale Felsfurten geht’s Richtung Süden…
Nur Boote und Wasserflugzeuge erreichen Henry’s

Wir erwischen den letzten Öffnungstag und  essen das, was als Spezialität angeboten wird: Fish and Chips, d.h. Flusszander oder –barsch in Bierteig ausgebacken oder in Butter gebraten.

Sehr gut, nur die Beilagen, süße Coleslaw und Bohnen lassen wir links liegen.

Und: Abflug nach dem Essen…

Midland, im südlichsten Zipfel der Georgian Bay erleben wir nur im Streifflug. Seine interessante Geschichte konzentriert sich auf die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Ureinwohnern, den Huronen und französischen Forschern und Jesuiten, die die Seelen der Indianer retten wollten. Mehr als 30 große Wandgemälde lassen eine Geschichtsstunde unter freiem Himmel erleben.

Imposantes Mural auf der Fassade des alten Kornspeichers im Hafen

Verproviantieren in Midland, Gästerumpf herrichten für Isabel und Klaus und los geht’s im Mietauto nach Toronto. Unser schöner Plan, den beiden Toronto „von oben“ – nämlich beim Essen im CN-Tower zu zeigen – scheitert, da sie erst mit zwei Stunden Verspätung landen.

Angekommen…

Wir schleifen sie kreuz und quer durch die Stadt, die wir – entgegen unseres Vorhabens – vice-versa, d.h. von unten nach oben betrachten, bis sie sich vor Müdigkeit kaum mehr auf den Beinen halten können. Beim Abendessen überraschen uns die beiden mit ihren mitgebrachten Geschenken: Eine Box mit 4 dunkelblauen Polohemden (mit weißem PIA-Emblem; eindeutig für die PIA-Crew der folgenden 9 Tage) und….einem kleinen, weißen Polo-Strampler mit dunkelblauem Emblem, der ausdrücklich nicht für unseren jüngsten Enkel Linus gedacht ist sondern….???

???

Richtig geraten!!! Isabel und Klaus erwarten ein Baby. Die Freude ist riesig! Total beschwingt, überglücklich und gar nicht müde bringen wir die beiden Erschöpften (+) zur PIA.

Die Sonne, die mit den beiden ins Schiff einzieht, will sich draußen nicht mehr so recht ins Zeug legen. Der Herbst macht sich breit mit Wind und Regen, fallenden Temperaturen und oft – dank fehlender  Sonne – allen Schattierungen von Grau statt kräftiger Herbstfarben.

Wir machen das Beste daraus…

Cockpithock im Zwiebellook…
Steuern ebenso…

Landausflüge nicht ohne Regenschirm und Jacke,

Ruppiges Wetter, ruppige Landschaft…
Herbst…

Aber auch:

21, 20, oder 19°C ????
Nicht lange zögern…

Körper stählende Schwimmrunden bei 19°C Wassertemperatur sind gerade noch auszuhalten. Aber bei 16°C, wenn sich jedes einzelne Körperhärchen an der Wurzel gepackt, eisig umprickelt fühlt, reichen  3-5 Minuten für ein lang anhaltendes, fröstelndes Frischeerlebnis und ein klares NEIN zu weiteren Abhärtungsmaßnahmen.

Beaverstone Bay
Collins Inlet…

Bis auf die „Killarney Lodge“, die von Boots- und Landtouristen gleichermaßen geschätzt wird wegen ihrer Lage in dieser herrlichen, fjordähnlichen Landschaft, ihres rustikalen Ambientes mit ordentlichem Komfort und Gourmetküche, leben wir 9 Tage im ziemlichen Einklang mit der Natur.

Die Killarney Lodge…
Kaminzimmer..
Überall rote Lawn-Chairs…
Nachmittags…
Abendstimmung…
Morgennebel…

Unser nächstes Ziel: „The Pool“, ein kleiner See, am Ende eines langen, sehr schmalen Kanals, der im Sommer immer total überfüllt ist…

PIA im Pool mit…
ihrer Crew, die im März 2020 Zuwachs bekommen wird…
Ausgangspunkt für die Wanderung zum Lake Topaz

Ein bisschen aufregend ist’s schon. Wir haben nicht nur über Bären und Schlangen gelesen….nein, gestern Abend sahen wir einen ausgewachsenen Schwarzbären auf dem Felsvorsprung am Waldrand. Also achten wir darauf, wo wir die Füße hinsetzen und singen während der einsamen Wanderung ziemlich unentwegt (bis wir uns sicher fühlen), um die (eigentlich) menschenscheuen Bären fern zu halten.

Lake Topaz…
dito…
Drei beherzte Schwimmer….
Ein Weichei…
Glasklares Wasser…

Der letzte Ausflug lässt uns – nach einer einstündigen Dinghi-Fahrt – den Fuß des Mount Frazer erreichen.

Über Stock und Stein…
Mitläufer…

Nach einer ordentlichen Kletterpartie werden wir mit einer grandiosen Sicht über die Schärenlandschaft belohnt.

Grandios…
Gipfelstürmer…

Der Gipfel des Mount Frazer ist gleichzeitig auch der letzte Höhepunkt unserer neuntägigen Reise mit Isabel und Klaus. Eine lange, kalte und ruppigen Dinghifahrt bringt uns zurück auf die PIA. Ein letztes Mal heißt es Ankerauf…

…mit Abspritzen des Schmodders…
Dann geht’s nach Little Current, wo Isabel und Klaus uns wieder verlassen werden.
Ende einer schönen Reise…

20190813 MÄANDERN

zwischen Sommer und Herbst,

zwischen den USA und Canada…

Noch ist Sommer aber es geht mit Riesenschritten in den Herbst. Wie in den USA, so auch in Canada fällt der Sommervorhang am 1. Montag im September, am  Laborday. Das bedeutet: Ende des Sommers, der Ferien, der Freizeitaktivitäten auf dem Wasser…Schluss mit lustig…

Während wir noch nordwärts fahren um die Highlights der großen Seen, die Georgian Bay und den Northern Channel zu erleben, zieht es die meisten Bootsfahrer in den Süden. Unser AGLCA-Wimpel, der uns als „Looper“ ausweist, lockt viele Bootsfahrer an. Bei einem Bierchen gibt’s  regen Erfahrungsaustausch.

Wir bekommen Bücher und Karten für die o.g. Highlights und verschenken diejenigen, die wir nicht mehr benötigen.

Den Erie See, der uns doch etliche Male seine garstige Seite zeigte, wollen wir so schnell wie möglich verlassen, um in den Lake Huron und die Georgian Bay zu gelangen, wo wir Isabel und Klaus erwarten.

Der letzte Stopp im Erie See gilt der „Put In Bay“ auf South Bass Island, einer von vier kleinen Inseln in der südlichen und damit amerikanischen Hälfte des Sees.

Hierher kommt man nicht, um der Geschichte zu huldigen; (eine 107m hohe Säule erinnert an Admiral Perry, der 1812 die feindliche englische Flotte besiegte und damit dafür sorgte, dass das gesamte Land südlich der großen Seen zu den USA kam und nicht zu Kanada) sondern zum Ausgehen und feiern. Als wir am Donnerstag die gähnend leere Bucht mit ihren vielen  unbelegten Bojen erreichen, können wir uns nicht vorstellen, dass die Bay sich ab Freitag in den Ballermann des Erie Sees  verwandelt.  

Ab mittags sind fast alle Bojen belegt, es wimmelt vor Touristen, die Restaurants, der „Beer Barrel Saloon“ mit seinem 124m langen Tresen und etliche Touri-Läden sind gut besucht, alle Seeterrassen belegt, Musik schallt aus allen Lautsprechern. Es ist zudem das vorletzte Wochenende der  Sommerferien.

Einige Terrassen am See…
Achtung!!! Leise und elektrisch…

Um 20.00h wird feierlich die Nationalflagge eingeholt, unter der – laut über die Bucht schallenden – von PINK gesungenen Nationalhymne… Die Kellnerin vergisst das Kassieren, der Barkeeper das Mixen… Beide sausen an die Terrassenbrüstung und stehen andächtig, bis die Flagge eingeholt ist.

God bless Amerika!

Als schönste Erinnerung an die  Put In Bay  bleibt die Nachricht, dass Linus, unser dritter Enkel geboren wurde.

Ein Hoch auf Linus Rasmus

Aber auch Bernhard, ein liebenswerter Amerikaner mit  deutschen Wurzeln und Beate aus Zweibrücken, die mit ihrer Familie zum Sonntagsfrühstück auf die PIA kommt, bleiben im Gedächtnis

Danach geht‘s weiter –  in gewohnter Erie-Manier – mit  Gewitterböen, gegen Wind und Welle  stampfend und stauchend. Cleveland schauen wir uns nicht an und auch Detroit lassen wir – buchstäblich – links liegen.

Detroit in Sicht…
Detroit: Das General Motors Building…

Der Detroit River, aus dem nördlich gelegenen Lake St. Claire kommend, fließt nach Süden und  bildet die natürliche Grenze zwischen den USA im Westen und Canada im Osten. Die Westseite, die von der Auto Industrie Detroits geprägt ist, steht im ziemlich scharfen Kontrast zum gepflegten  canadischen Villenufer. Wir sind froh, ein wenig mehr PS unter der Haube zu haben, da der Fluss – vor allem an Engstellen – eine kolossal starke Gegenströmung hat.

Der Lake St. Claire: Ziemlich glatt und klar liegt er in der Sonne. Ein mäßiger Wind zieht die PIA unter Genua voran. Entspannend…

bis wir am späten Nachmittag, in einiger Entfernung, ein Motorboot erkennen können, das sich nicht von der Stelle bewegt. Zwei Personen wollen offensichtlich Aufmerksamkeit erregen durch wildes Herumfuchteln mit den Armen. Beim Näherkommen erkennen wir, dass ein Mann sich am Außenborder zu schaffen macht, während die Frau vehement Hilfe herbei winkt.

Zum Glück kein medizinischer Notfall ! Das 180PS starke Außenborder-Ungetüm wollte wohl nicht mehr… Wir geben eine Leine über und schleppen das fröhliche Pärchen drei Stunden lang bis nach Algonac, in den Northern Channel des St. Claire River, der den Lake St. Claire mit dem Lake Huron verbindet. Ganz praktisch für die sich überschwänglich Bedankenden für uns eher ein wenig uncool.

Die „nachgeschleppte Navigation“ muss sich stimmlich schon ein wenig anstrengen, wenn der Skipper verstehen will, wo es lang gehen soll…

Es ist bereits ziemlich dunkel, als wir versuchen einen geeigneten Ankerplatz im Fluss zu finden. Wie überall hat auch hier das Hochwasser die Ufer überschwemmt. In der Mitte des V-förmig ansteigenden Kanals haben wir 13m Wassertiefe, 10m weiter seitlich, am überfluteten Ufer, ragen nur noch die Köpfe hochwachsender Stauden oder Schilf aus dem Wasser. Wollen wir die PIA für die Nacht zwischen die Blütenstängel eines Vorgartens setzen oder doch den Schilfgürtel nehmen? Im Schneckentempo tasten wir uns vorsichtig voran, das Echolot akribisch im Auge behaltend. 

Der Anker fällt irgendwo auf 1.70m Tiefe, wir treiben zurück und haben direkten Einblick in das Kaminzimmer  unseres ortsansässigen Nachbarn, der –  im Schaukelstuhl sitzend – in seiner Zeitung blättert. Ob es ihm recht ist, Mitleser zu haben???

Schlafen geht nicht. Ich warte – wachträumend – auf die Geräusche des an der Bordwand der PIA  kratzenden Schilfrohres… Aber… nichts passiert.

Um 4.00h klingelt der Wecker. Das Aufstehen fällt schwer. Es gibt kein Pardon. Die Wetterprognose für die nächsten vier Tage ist nicht spaßig. Der am Lake Huron vorherrschende Südwestwind wird übermorgen auf Nord drehen und dazu Starkwindböen, Gewitter und Regen mitbringen. Wir haben die Wahl, 95Meilen bis nach Harbor Beach, an der amerikanischen (West)Küste des Lake Huron zu segeln und dort die Schlechtwetterphase abzuwarten oder eine Nachtfahrt zum 200 Meilen entfernten Tobermory (auf kanadischer Seite) zu machen, um damit dem Wetterumschwung voraus zu segeln und gleich an der Eintrittspforte zur Georgian Bay zu sein.

Sonnenaufgang an der Einfahrt in den St. Claire River…
Ganz so harmonisch, wie hier auf kanadischer Seite zu sehen, ist das Verhältnis der beiden Staaten zueinander nicht unbedingt….
Die Brücke in Port Huron, die die kanadische Seite mit der amerikanischen verbindet und für uns das Eingangstor in den Lake Huron bildet…

Die Entscheidung „Tobermory“ fällt unmittelbar nach Port Huron, dem Einfahrtshafen in den See. Der Lake Huron zeigt sich von seiner Schokoladenseite: Ruhiges Wasser, wenig Wind, die Genua zieht uns gemächlich und stetig voran bis zum  herrlichen Sonnenuntergang.

10.30h
20.10h
20.19h
20.52h

Dann wird’s abrupt dunkel. Die Wettervorhersage scheint zu stimmen. Nur der Südwind hält noch ein bisschen durch.

21.30h: Rabenschwarze Nacht. Ab 22.00h begleitet uns eine Gewitterfront. Sie zieht in gleichem Tempo mit von Südwest nach Nordost. Gegen 0.00h scheint sie sich nähern zu wollen. Es ist Zeit, die Laptops und andere mobile, elektronische Geräte in  den Backofen zu stecken. Grelle Blitze zucken, von Donnergrollen begleitet, ab und zu schickt der Mond zwischen schwarzen Wolkenfetzen ein gespenstisches Licht aufs Wasser…

Um 2.00h ist der Spuk vorüber. Der Mond steht klar am Himmel, eine leichte Brise schiebt uns voran… Ich wecke Peter zur Wachablösung…

Was für ein Morgen!!!! Der letzte Dunst löst sich vom Cap, als wir die südliche Einfahrtstonne des Cape Hurd Channels passieren, um in den „Big Tub Harbour“ von Tobermory zu gelangen.

6.47h
Cape Hurd, die Nordspitze der Bruce-Halbinsel, die die Georgian Bay vom Lake Huron trennt
„Big Tub Harbour“..

In der traumhaften Morgenstimmung schieben wir uns durch das spiegelglatte, glasklare Wasser dieser „Badewanne“ und kommen aus dem Staunen nicht heraus, als wir das in 7m Tiefe liegende Wrack eines Schoners in allen Einzelheiten erkennen können…Paradiesisch für alle wasserscheuen Wracktaucher!!

Tiefe: 7m

Leider gibt es hier keine Möglichkeit, die PIA anzubinden. Wir müssen in die Marina des   „Little Tub Harbour“, wo wir anlegen und uns erst mal eine Runde wohlverdienten Schlafes gönnen.

Genussvolle Tage in Tobermory…

Im Little Tub Harbour: Blick aus dem Salonfenster
und auf das Thermometer im Salon…..
…immerhin 10°C mehr als draußen

Zum Glück haben wir eine funktionierende Heizung und dicke Decken für die Nächte im einstelligen Temperaturbereich.

… schwedisch anmutend…
Staudengärten…
Wandern auf dem Brucetrail…(Halbinsel Bruce)
Das umgebende Wasser: glasklar, türkis – blau – grün schimmernd…
Unterwegs mit dem Dinghi…
Flowerpot Island: Little Flowerpot
Big Flowerpot…
Blick von der Insel auf Bruce Peninsula…
Gastliche Terrasse….leider geschlossen

Nach vier wundervollen Tagen in Tobermory eilen wir Midland entgegen, das im südlichsten Zipfel der Georgian Bay liegt, um Isabel und Klaus dort an Bord zu nehmen.

20190801 Niagara – Welland Canal – Lake Erie

Zwei Tage Zeit haben unsere beiden Gäste, um Toronto im Turbodurchgang anzuschauen und sich an Bord einzuleben. Dann verlassen wir den freundlichen TMCC und los geht’s in Richtung Niagara.

Ciao Toronto

Für Alex ist es der erste Aufenthalt auf einem Segelboot, was den Wettergott veranlasst, uns den passenden „Anfängerwind“ zu schicken.

So erreichen wir nach nur vier Stunden angenehmen Segelns bereits die Einfahrt in den Niagara Fluss. Von hier aus wollen wir die Niagara Fälle besuchen. Leider gibt es auf kanadischer Seite weder einen passenden Ankerplatz noch eine Marina, in die die PIA hinein passen würde. So bleibt uns nichts anderes übrig, als uns vor die erste Schleuse des Welland Kanals zu legen, den wir passieren müssen, um in den Lake Erie zu gelangen.

Gesagt – getan. Ein Schild unmittelbar neben uns weist darauf hin, dass man hier nur anlegen darf, um auf das Öffnen der Schleuse zu warten und nicht über Nacht. Hm! Was nun?

Zum Glück hat ein uns wohlgesinnter Dockmaster noch Dienst. Der gestattet uns, die Nacht zu bleiben und gibt uns die wertvolle Information, dass wir erstens – um die Ecke – in St. Catherines ankern können, um von dort aus Niagara zu besichtigen und desweiteren erst nach dem Wochenende den Wellandkanal durchfahren sollten, da gerade Kanalfest sei und in Colborne, am anderen Ende des Kanals, nirgendwo ein Liegeplatz für die PIA zu bekommen sei.

Der Tipp ist prima!  Unser Anker fällt am nächsten Morgen direkt vor dem kleinen Leuchtturm der Landzunge, unweit der Marina von St. Catherines, in der wir – gegen eine Gebühr von 17 CAD – unser Dinghi anbinden dürfen.   Mit „Uber“ nach Niagara on the Lake ist’s nur ein Katzensprung.

Das historische Städtchen, wohlhabend, mit schön restaurierten Häusern, baumbestandenen Straßen, grünen Parks, könnte – was Blumenschmuck und Blütenpracht betrifft – wohl Dauersieger sein  beim Wettbewerb: „Unser Dorf soll schöner werden“…

Eine historische Apotheke, ein sehr gut bestückter Weinladen mit den Gewächsen der Region (die vor allem berühmt ist wegen ihres Eisweins) und etliche, historisch altertümliche Boutiquen mit dem, was Touristen lieben.

Die „Niagara Falls“

Es ist Samstag! Das Taxi benötigt mehr als eine Stunde mit  „Stop and Go“, um uns am Rande des Getümmels von Niagara abzusetzen.

Menschenmassen schieben sich durch Clifton Hill und Lundy’s Lane, zwei Straßen, die an einen kitschigen Vergnügungspark erinnern. Schäbige Hotels, ein Sumpf von Spielcasinos, Bars, Breweries und Touristenfallen reihen sich aneinander und wirken mit marktschreierischer  Werbung gehörschädigend. Wir schlängeln uns durch bis zum Flussufer, können einen ersten Blick auf die amerikanischen Fälle, die „Bridal Veil Falls“ werfen und schauen zu, wie sich 700  rot bemäntelte Touristen, auf die „Hornblower“ (die kanadische Cruising Line), schieben, die bis dicht an die Wasserfälle heranfährt.

Bridal Veil Falls
Die „Hornblower“ füllt sich…

Auf amerikanischer Seite werden die „Nebelsüchtigen“ auf der „Maid of the Mist“ in blauen Regenschutz gehüllt.

Großartig!!! Die Niagara  Horseshoe Falls

Ein unaufhaltsamer Strom brausenden Wassers (Eine Million Badewannenfüllungen pro Sekunde!!!) rauscht mit donnernder Gewalt über einen hufeisenförmigen Felsabbruch in die Tiefe. Die beim Aufschlag hoch aufsteigenden Gischtschwaden kann man schon von weitem sehen. Wie Spielzeuge werden die beiden Cruisingboote auf und ab bewegt, von Strudeln gedreht und teilweise vom Wassernebel verschlungen. Ein faszinierendes Schauspiel sogar mit Regenbogen!

Die Horseshoe Falls….
etwa 100m vor der Abbruchkante…
Donnernde Flut..

Wir entscheiden uns für den „White Water Walk“ und entfliehen damit dem größten Touristenrummel. Wenige Kilometer flussabwärts gelangt man über Aufzug und Tunnel an den o.g. schattig-kühlen Holzpfad, der herrliche Blicke auf den tosenden Fluss mit seinen Stromschnellen bietet. Die Annäherung an dieses wilde Wasser – zwecks Fotos – fällt ziemlich respektvoll aus.

Weiß aufgeschäumtes Wasser am White Water Walk..
Da möchte man nicht versehentlich hinein geraten!!!

Für alles und jedes muss man ein Ticket lösen mit Besichtigungstermin  und Zeitspanne. Wir melden uns für den letztmöglichen Besichtigungstermin zur „Journey behind the Falls“ an und warten um  20.20h – in gelbe Capes gehüllt – auf den Einlass in die Stollen, die an ihrem Ende einen Blick von der Seite auf die Fälle gewähren.

Ein kalter Hauch weht uns bereits hier entgegen…
Am Ende des oberen Tunnels…

Es ist ein großartiges, beeindruckendes, nasses Vergnügen. Am Ende des Stollens schießt das Wasser direkt vor unserer Nase in die Tiefe und bedenkt allzu Neugierige mit ordentlichen Wassersalven.

Gebührenden Abstand wahrt man wie von selbst!!!


Der untere Stollen mündet in eine Terrasse, die sich etwa auf halber Höhe des Wasserfalls befindet und dem Zuschauer das Hautnah-Erlebnis bietet. Donnerndes Getöse der herabstürzenden Wassermassen, Wind- und Wasserwirbel, die die gelben Umhänge aufplustern und das Gefühl geben, im Sturm unter der Schwalldusche zu stehen (dem Hardcore Segeln nicht unähnlich!!!) Dazu eine dramatische Beleuchtung, die das Ganze farblich in Szene setzt. Man mag es eventuell kitschig finden aber so mittendrin zu sein, das hat was!

Die Terrasse am Ende des unteren Tunnels…
…mit Blick auf die Öffnung des oberen Tunnels (kleiner gelber Fleck)
Nächtliche Beleuchtung in allen Farbschattierungen..

Zum Abschluss des Tages gibt’s noch ein Feuerwerk. Danach ziehen die Menschenmassen ab.

Der letzte Tag ist dem Weingebiet Niagara gewidmet. Wir staunen nicht schlecht über ausgedehnte Apfel-  und Pfirsich-Plantagen und riesige Weinfelder (keine Weinberge!!!) in einem Land, in dem zwischen Januar und März tiefster Winter herrscht und selbst die Seen bis in den April oft zugefroren sind. Aber die Niagara Schichtstufe macht’s offensichtlich möglich. Zusammen mit dem Lake Ontario hat diese besondere geologische Formation wohl ein Mikroklima geschaffen, das Wachstumsbedingungen hervorruft, die denen im Burgund gleichen.

Exportschlager ist der Eiswein, der hier in jedem Weingut (und davon gibt es viele) entlang des „Niagara Wine Trail“ verkostet werden kann. Wir testen auf unserer Fahrradtour – an einem heißen Sonntag  – eine herrlich erfrischende Eiswein Bowle…(Rezept???) im deutschstämmigen Weingut „Reif“

Im Weingut Reif…
Weingut Peller…
Auf der „Barrel House Grill“ Terrasse…

und ersetzen den Afternoon Tea durch Snacks und Wein im Barrel House Grill, der Terrasse des Weingutes Peller.

Der Welland Kanal

verbindet den Lake Erie mit dem Lake Ontario und ermöglicht Schiffen, die Niagarafälle zu umfahren und über eine Strecke von 42 Km mit acht Schleusenkammern den Höhenunterschied (ca.100m) zwischen den beiden Seen zu überwinden.

… und wir befinden uns bereits seit gestern Abend hier, haben die Schleusengebühren von 200 USD entrichtet und warten auf das Öffnen der Tore…

Am Montagmorgen, dem 5. August fahren wir – von Port Weller aus – in die erste Schleusenkammer.

Es geht los…

Unsere „Agentin“, die uns von der ersten bis zur letzten Schleuse begleiten wird, stellt sich vor.

Unsere Agentin: Die Zierliche, die „die Zügel loslässt“…

Sie wird die Leinen an der Schleusenwand herunterlassen, mit Hilfe derer wir uns an selbiger halten können. Kurt, Alex und ich sind die „Leinenhändler“ während Peter am Steuer sitzt.

Kurt hält die Heckleine…

Einer verlässt die Schleuse, der nächste fährt hinein…
Und zwischendurch schiebt man sich aneinander vorbei..

Sehr unangenehm wird’s in der Dreifachschleuse 4/5/6, in die das Wasser Walzen-bildend von der Seite einströmt und die PIA so stark an die Wand drückt, dass die dicken Kugelfender auf Bratpfannenstärke zusammengedrückt werden. Die Motoyacht vor uns treibt quer bis unmittelbar vors Schleusentor. Dramatisch. Auch wir bekommen einen harten Knuff ans Heck.

Manche Schleusen haben eine 2. parallel liegende Schleusenkammer, in die sich Ozeanriesen in Millimeterarbeit hineinschieben, um abwärts geschleust zu werden.

Magnete????

Wir fragen uns, ob sie von solchen Magneten in Position gehalten werden…

Bei jedem Auftauchen aus der Tiefe der Schleusenkammer schauen wir auf eine enthusiastisch geschwenkte deutsche Flagge. Wir haben einen Fan. Leider verschwindet er nach der vorletzten Schleusung….

PIA Fans oder Deutschland Fans????

Erst am Abend erreichen wir Colborne am Eingang des Erie Sees und sind heilfroh zu sehen, dass nur noch die Reste des Canalfestes beseitigt werden, die Anleger aber wieder frei sind. Wir können die PIA anbinden.

Colborne, Public Pier

Die Wetterprognosen für den nächsten Tag sind nicht gerade prickelnd.

Bereits die Einfahrt in den Lake Erie sieht bewegt aus..

Wir haben starken Wind aus WSW, der unser Vorhaben,  Turkey Point auf kanadischer Seite (d.h. an der Nordküste) des Sees zu erreichen, zu einer harten Kreuz mit 30° am Wind werden lässt. Da weicht das angenehme Gefühl, auf einem Katamaran zu segeln abrupt dem, das ein ungeübter Reiter auf dem Rücken eines bockenden Rodeo-Pferdes hat. Manch ein Gesicht wird da blass und blässer… Nach vier Stunden  ändern wir den Kurs, um Dunkirk, das am (amerikanischen) Südufer liegt, zu erreichen.

Bei immer noch viel Wind und einem sich zunehmend verdüsternden Himmel lassen wir gegen 17.00h den Anker im großen, flachen Hafenbecken von Dunkirk fallen.

Das Anfangsszenario…

Wenige Minuten später zieht die Gewitterfront mit bis zu 40kn Wind über uns hinweg. Donnergrollen, starker Regen, aufgepeitschtes Wasser verursachen ziemlich viel Lärm, die Sicht ist eingeschränkt…

Der Anker hält nicht. Peter versucht, mit den Maschinen gegen zu halten. Dann zwei Schläge, die sich anhören, als hätten wir Felsberührung!!

Zum Glück nicht! Nacheinander sind die beiden Hahnepot-Leinen mit lautem Knall gerissen. Ein weiterer Knall und die Stb.-Lazy Jacks mitsamt Lazy Bag und Metallhalterung schlagen aufs Deck. Sie haben dem starken Hin- und Herschwingen des Baumes nicht stand gehalten…Wir müssen hier weg. Kurt und ich holen den Anker hoch, während Peter die PIA steuert.

Mitten im Chaos  taucht die Hafenbehörde auf und fragt – gegen den Wind brüllend – und über Funk, ob sie helfen könne. Peter fragt nach, ob wir – ohne einklariert zu haben – am Public Pier festmachen können. Ja, wir dürfen, schauen den abziehenden Wolken hinterher

und liegen eine Stunde später – als alles so aussieht, als habe es nie ein solches Unwetter gegeben an der blitzeneuen Spundwand von Dunkirk.

Peter kann telefonisch einklarieren und alles ist paletti. Schon am frühen Morgen beginnen die  Vervollständigungsarbeiten an der Pier. Elektrokabel werden in die Laternen der Pier eingeführt, Lampen eingeschraubt, lange Bügel für das Aufnehmen von Blumenampeln angebracht…Ein herrlich sonniger, ruhiger Tag!

An der Spundwand mit tückischer, scharfkantiger Leiter…
Einladend…

Man weist uns darauf hin, dass es abends am Harbourwalk ein Fest mit Life Musik geben soll. Da wollen wir dabei sein. Auf der großen Wiese sitzen nicht allzu viele Zuhörer und die Buden, am Rande des Geschehens haben nichts zu bieten, was nach Gaumenschmaus aussähe. So entschließe ich mich, auf die PIA zurück zu gehen und ein Abendessen vorzubereiten. Dazu soll es nicht mehr kommen.

Abendstimmung

Ich will die schöne Stimmung einfangen, die unmittelbar nach dem Sonnenuntergang da ist, halte mein Handy in der rechten Hand, in der linken eine Dose Bier und werde von hinten angesprochen auf unser schönes Schiff. Meine Antwort fällt kurz aus, da ich ja anderes vorhabe…ich drehe mich um, stolpere über irgendetwas, stürze zu Boden und sehe gerade noch im Augenwinkel, wie etwas Schwarzes im Bogen ins Wasser springt.  Die beiden Personen sind sofort zur Stelle, fragen, ob ich mich verletzt habe, ob sie Hilfe holen sollen und stellen fest, dass meine Nase blutet und dass es mein Handy war, das beim Aufschlag aus der Hülle ins Wasser katapultiert wurde. Trauer!!!

 …nicht um die total verkratzte Brille, die lädierte Nase, die schmerzende Kniescheibe, die aufgeschürften Handgelenke…Nein, es ist das Handy mit den nicht gespeicherten Fotos der letzten sechs Wochen, das nun unwiederbringlich auf dem Grunde des Erie Sees liegt.

Das Abendessen sieht heute spartanisch aus. Wir gehen ins Bett und… können nicht schlafen, da der Wind massiv zunimmt. Die PIA wird – durch die Ruckdämpfer in den Festmacher Leinen – halbwegs abgefedert aber mit viel Wucht und unter lautem Knarzen und Quietschen abwechselnd in die Vor- oder Achterleine gedrückt. Die Fender – eingeklemmt zwischen Bord- und Spundwand – ächzen schrecklich laut und wir hoffen, dass sie nicht nach oben herausrutschen oder gar platzen, um den scharfen Kanten der Spundwand nicht ausgesetzt zu sein.

An Schlaf ist nicht zu denken. Die Geräusche werden unerträglich, Wind und Welle nehmen erbarmungslos zu. Wir wecken Kurt, der sofort zur Stelle ist. Leinen lösen! Mit voller Kraft rückwärts schafft Peter es, die PIA von der Pier weg zu manövrieren.

Draußen steht üble Welle. Sie klatscht an die Seite und mit der Gewalt eines Vorschlaghammers unter das Brückendeck. Das Geschirr im  Schrank scheint sich auf den nächsten Polterabend zu freuen. Eine Ölflasche kippt im Schrank um, fällt  auf den Schnepper, die Tür fliegt auf, die Flasche heraus, kopfüber in einen darunter stehenden Becher und 1000 Minischerben spritzen durch den Salon. Wunderbar! Die arme Alex! Erstaunlich, dass sie dieses Tohuwabohu –  im Vorschiff liegend – aushält. Kurt holt sie hoch und sie ist froh, die restliche Nacht (nach einer weiteren Salve von Stugerontropfen gegen Seekrankheit) im Salon auf dem Sofa verbringen zu können.

Endlich, um 5.18 geht die Sonne auf. Ganz allmählich wird’s ein wenig ruhiger. Ich darf schlafen gehen. Peter und Kurt managen die Segelei, während das schwache Geschlecht ruht.

Um 10.00h fällt der Anker in der idyllischen Misery Bay im „Presque Isle State Park“ vor der Stadt Erie.  Frühstück! Danach nehmen die Männer eine Mütze Schlaf, bevor wir am Nachmittag noch einmal Ankerauf gehen, um uns für die nächsten drei Tage in den nordwestlichen Bereich der  „Presque Isle Bay“ zu legen.

Einfahrt in die Presque Isle Bay…
Und – schwupps – sind die Unbillen der Nacht vergessen…

Eine Fahrradtour durch das Naturschutzgebiet Presque Isle…

Sonnenanbeter…
Strandläufer..
ohne Worte
Drachen fliegen…
Biotope…
Paddeln…
Auch die Presque Isle ist vom hohen Wasserstend betroffen…

Den letzten Tag verbringen wir – radelnd – auf dieser hübschen Naturschutzinsel. Dann holt Peter das Mietauto ab, mit dem er die beiden am nächsten Morgen zum Flughafen nach Buffalo bringen wird und ich winke ihnen – nach dem Dinghi Transfer (morgens um 5.00h!!) ein letztes Mal hinterher.

Unglaublich, wie schnell die vierzehn Tage verflogen sind!

Schön war’s!

20190719 Ein Städtetrip…über Land…

Ottawa – Quebec – Montreal

Die PIA liegt sicher an einer Boje des TMCC in Toronto, so dass wir beruhigt zu einer Autotour über Land aufbrechen können.

Unser erstes Ziel heißt Ottawa, die Landeshauptstadt Canadas. Wir wohnen „mittendrin“ im ByWard-Viertel, benannt nach Colonel John By, dem visionären Ingenieur und Kanalbauer, dem Ottawa vieles zu verdanken hat.

Es ist glutheiß, als wir am Morgen zur Stadtbesichtigung aufbrechen. Da kommt uns der Byward Market, eine riesige, überdachte Markthalle, gerade recht. Das Paradies des Schlemmers… symbolisiert durch eine voluminöse, an der Decke hängende Pappmaché Wolke, aus der Würste baumeln, Früchte, ein aus dem Paradies fallendes Mädchen, das gerade eben noch vor dem Absturz gerettet werden kann durch einen dicken, rotwangigen Bauern, der es an den Händen in die Wolke Nr. 7 zurück zieht etc.

Die Verkaufsstände: Allesamt eines Schlemmerparadieses würdig: Käselaibe türmen sich auf, während ihr würziger Duft und der anderer Sorten aus aller Welt  beim Vorbeigehen die Nase umfächelt, daneben Fisch und Meeresgetier, das appetitlicher nicht hätte präsentiert werden können, Fleisch aller Art, dunkle Brotsorten, exquisite Patisserie, französische und italienische Stände, an denen frisch Zubereitetes  gekostet werden kann…

Vor den Mauern des  Marktes überbieten sich die Gemüse- und Obstbauern der Umgebung in der Präsentation ihrer Produkte. Unter schattenspendenden Marktständen leuchten uns die satten Farben der Sommerfrüchte entgegen. Die Angebote sind unwiderstehlich.

(Fotos dieser Appetit anregenden Arrangements liegen leider alle auf dem Grund des Erie Sees.)

Ottawa hat viel zu bieten.

Der Parliament Hill

Auf dem Parliament Hill, über dem Kern des Stadtzentrums thront Kanadas neugotischer Parlamentskomplex, mit seinen Kupfer verkleideten Türmen und dem Wahrzeichen des Center Blocks, dem Peace Tower.

Der Peace Tower

Wir schauen uns die „Northern Lights“ an, eine „Light and Sound Show“, die während des Sommers allabendlich,  nach Einbruch der Dunkelheit, auf das Parlamentsgebäude projiziert wird und in beeindruckenden Bildern (mit Ton) die Geschichte Canadas zeigt.

In einprägsamen Bildern die Geschichte Kanadas…

Im Gedächtnis bleiben die Worte des Erzählers, der Canada als ein Land beschreibt, das Einwanderer immer mit offenen Armen aufgenommen hat und stolz ist auf das friedliche Miteinander seiner Multi Kulti Gesellschaft.     

Eine Gebäude-Kunstwerk-Konstellation, die nachhaltig mein Bild von Ottawa beeinflusst, ist das räumlich fast unmittelbare Zusammentreffen der Basilika „Notre Dame“, der Skulptur „Maman“ und der „National Gallery of Canada“.

 „Maman“, eine überdimensionale, fast surreal wirkende, mehr als 9m hohe Spinne aus Bronzeguss, setzt ihre dünnen, langen Beine wie Greifer auf den Betonboden des Vorplatzes zur Kunstgalerie und wirkt auf den ersten Blick furchterregend.  Unter ihrem Bauch trägt sie ein Netz mit 26 weißen Marmoreiern. 

Nach links schauend wächst die National Gallery – selbst ein imposantes Kunstwerk aus rosa Granit und Glastürmen –  aus dem Boden, zur anderen Seite die mächtige Basilika „Notre Dame“ mit ihrem – in der Sonne silbrig glänzenden Zinndach.

Die Basilika „Notre Dame“

Eine völlig andere Sichtweise der „Spinne“ eröffnet sich, wenn man liest, was die Künstlerin Louise Bourgeois mit ihrer Skulptur ausdrücken wollte. Es ist eine Hommage an ihre geliebte Mutter, die Teppich-Restauratorin war und sich der Wiederherstellung angegriffener oder zerstörter Gewebe widmete, so wie sie sich im übertragenen Sinne – als mächtige Beschützerin – voller Hingabe um das Seelenheil ihrer Tochter kümmerte und damit Gefühle von Angst, Wut und Verlassenheit „zu reparieren“ vermochte. Unter diesem Aspekt gelingt es auch dem Betrachter, die zunächst als bedrohlich empfundene Geste in ein liebevolles Beschützen umzudeuten.

Die Basilika erweist sich als eine Oase der Stille und Kühle. Es tut gut, einfach zu sitzen und das schöne Ambiente auf sich wirken zu lassen.

„Notre Dame“

Den Sternenhimmel betrachtend, bemerken wir nicht, dass inzwischen eine Organistin an der Orgel Platz genommen hat. So bekommen wir (wahrscheinlich) die Probe zu einem Orgelkonzert mit und das völlig kostenfrei!!!

Die National Gallery ist wuchtig, großartig, lichtdurchflutet, bietet tief im Inneren zwei schöne Innenhöfe, eine interessante Architektur, die weltweit größte Sammlung kanadischer Kunst und eine Cafeteria mit Gourmet-Schmankerln, die wir nicht umgehen können.

Aufgang zu den Galerien…
Einer der beiden Innenhöfe
Unter den Glastürmen der Scotiabank Great Hall…
…mit Bistrot…

Der letzte Tag in Ottawa gehört den „Ottawa Locks“, einer Serie steiler, stufenartiger Schleusen, die das nördliche Ende des  200km langen Rideau Kanals bilden. (Dieser mündet, sich „unterwegs“ mit diversen Wasserflächen vereinend, bei Kingston in den Ontario See.)

Sieben Schleusen befördern vom Ottawa River hinauf in den Rideaucanal…
Handbetrieb!!!
Das sieht ordentlich aus!

Alle sieben Schleusentore werden von Hand bedient.  Wir schauen dem Schleusen zu und wundern uns über die teilweise recht chaotischen Manöver der Sportboote, denen – wie beim Fußball – von den Möchtegern-Kapitänen an der Schleusenmauer gute Ratschläge zugerufen werden.

QUEBEC

Der spontane Aufbruch zu unserer Städtetour und das Fehlen eines Reiseführers ließ keine Zeit zu einer gründlichen Reisevorbereitung. So nehmen wir das von den Städten auf, was wir mit allen Sinnen erfassen können.

Für Quebec bedeutet das: Leben wie Gott in Frankreich oder in der Bretagne oder auch ein bisschen Heidelberg mit Schloss und Altstadt…Dazu gibt’s noch die zum Unesco Welterbe gehörenden Festungsanlagen mit teilweise  erhaltener Stadtmauer und eine Zitadelle.

Blick von der Festungsanlage auf das am St. Lawrence- Strom gelegene Quebec…
Schloss Frontenac mit der berühmten Flaniermeile
“ Terrace Dufferin“ hoch über dem Fluss…
Im Sommer tummeln sich hier die Straßenkünstler, im Winter sausen die Schlitten von weiter oben hinunter…

Seil-tanzender Clown…
In der Stadt…
mit Blick auf das Schloss
Nur zwei Personen sind echt!!!
Eine fantastische Wandmalerei!

Eine Stadt mit äußerst interessanter Geschichte, dazu attraktiv, quirlig und ein echtes Paradies für Schlemmer.

Wir wohnen wieder mittendrin, im „La Maison St. Ursule“, einem kleinen alten Wohnhaus, das zeitweise als Unterkunft für die Nonnen des benachbarten Ursulinenklosters diente…gemütlich!!! (Die Ursulinen von Quebec gründeten übrigens 1641 die erste Mädchenschule Nordamerikas)

“ Maison St. Ursule“
Unterm Dach…
Nachbarhaus…
Wie in Frankreich!!!
Straßencafé…
Hinunter ins „Vieux Port Viertel“
Und Blick nach oben…
Und was gibt’s hier????
Lecker war’s…

Die Altstadt oder das Quartier Latin pulsiert. Enge Gassen, durch die sich viele Touristen schieben, Straßenkünstler – teilweise in historischen Kostümen -, Restaurants mit französischen Klassikern auf der Speisekarte, Straßencafés, Crèperien deren Duft in die Gassen dringt, üppiger Blumenschmuck in Kübeln, an Balkons und Fenstern und…. FRANZÖSISCH!! Wohlklang in den Ohren!

Natürlich versuchen wir uns zu assimilieren und unsere Französisch Kenntnisse zu reaktivieren. Dabei können wir – völlig ohne Scheu – drauf los plappern; denn wenn das entsprechende Vokabular fehlt, kann man getrost auf Englisch ergänzen oder weiterreden. Man versteht! Herrlich unkompliziert!

Auf allen Plätzen hängen kleine Tafeln mit einem Zeitplan für den jeweiligen Auftritt eines Straßenkünstlers an dieser Stelle. Morgens, mittags oder abends kann man – für jeweils 2 oder 3 Stunden – Jongleure, Feuerschlucker, Clowns, Seiltänzer oder allerlei Akrobatik bestaunen. Gleich abends erleben wir eine sehr zierliche, hyperbewegliche, junge Australierin, die total verrückte Sachen mit ihrem „einreifigen Rhönrad“? anstellt und anschließend sehr witzig um eine Spende bittet, indem sie die Zuschauer fragt: Findet ihr nicht auch, dass ich nach dem hohen Energieaufwand ein kräftiges Essen haben sollte, um den Bereich um meine Rippen herum ein wenig aufzupolstern??

Zum Glück hat Peter diesmal einige Fotos gemacht… Einige bekam ich über Whatsapp zurück! Danke dafür!

Am letzten Tag wird’s sportlich! Wir schauen wir uns die Wasserfälle von Montmorency an, die wohl höher sind als die Niagarafälle aber nicht so spektakulär…

Wasserfälle von Montmorency…
Bevor man an der Zip Line über den Wasserfall saust, muss man unterschreiben, dass man „herzgesund“ ist…
Stausee oberhalb des Wasserfalls
Hinunter geht’s über eine Treppe…
Die Treppe…

Vom Fuß des Wasserfalls kraxeln wir über ziemlich geröllige Wege wieder hoch zur Brücke…

Dann geht’s nach Montreal. Eine Großstadt französischer Prägung, mit allem, was dazu gehört: der Kathedrale Notre Dame (wie in Ottawa und auch nicht abgebrannt), wunderschönen historischen Gebäuden, interessanter neuer Architektur, dem „Resó“ einem Netz unterirdischer Tunnel und Gänge, das Geschäfte, Büros, U-Bahn-Stationen und Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet (wie „The Path“ in Toronto) und damit den Aufenthalt in der winterlichen Kälte stark verkürzt und einer sehr lebendigen Multi Kulti Altstadt mit entsprechender Gastronomie.

Die Fotos dazu bleiben der Fantasie des Lesers überlassen oder er findet sie auf den Seiten des Herrn Google…meine sind untergegangen….

Gerne wären wir ein wenig länger in dieser Stadt geblieben aber in drei Tagen werden unsere neuen Gäste Alex und Kurt an Bord sein. Wir fahren zurück nach Toronto.

20190710 CANADA

erleben wir von seiner Schokoladenseite. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort, weil sich Kanada nur zwischen Juni und September so präsentieren kann, wie wir es erleben: in den kräftigen Farben des Sommers, offen, mediterran und freundlich…

I. Thousand Islands, Kingston, Toronto

Alles, was im Freien stattfinden kann, wird geboten: Open Air Konzerte, Jazz und Blues-Festivals, Künstler jeder Couleur auf den Plätzen der Städte, Bootstouren auf allen Flüssen, Kanälen und Seen, die Sommerhäuser auf den Thousand Islands sind wieder bewohnt oder werden nach dem Hochwasser erneut bewohnbar gemacht…

Man lebt draußen, genießt den Sommer, ist einfach gut gelaunt und Touristen gegenüber äußerst freundlich und hilfsbereit.

Wir ankern in herrlicher Natur, zwischen den Inseln der „Thousand Islands“,  Schwimmen im klaren Wasser des Ontario Sees, lassen die Seele ein wenig baumeln …

Sommer, Sonne, Badefreuden…
Wassertemperatur: 22°C
Upps!!! Wurde der „Königlichen“ das „I“ gemopst???

Kingston erleben wir als eine Art Vorgeschmack auf Ottawa und Quebec. Eine Stadt die auch im Süden Frankreichs angesiedelt sein könnte, mit Kalksteinhäusern, die die Wärme des Sommers in die Straßen abstrahlen, mit großzügigen Plätzen auf denen unterschiedlichste Künstler ihre Performance zu Gesicht oder Gehör bringen, französische, spanische oder italienische Restaurants deren Speisekarte bereits das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt…

Das Rathaus…
Der Harbourwalk…

Nach so viel Amerika tut ein bisschen Europa gut. Ein Essen im italienischen Restaurant „Olivea“ mit Live Jazz Untermalung lassen wir uns nicht entgehen und ein abschließendes Craft Beer  in einer Rooftop-Bar – mit Blick auf den immer noch belebten Marktplatz rundet den Abend gebührend ab.

Die Supermärkte: Zum Reinbeißen!!! Käse, Fisch, Backwaren, Pasteten und Terrines, Foie gras..und die Präsentation von Obst und Gemüse…

Vorgewaschene, zerpflückte Salate in Plastik eingeschweißt, sucht man vergeblich…

Stattdessen: Knackige Frische in Wandregalen…

Unsere Fahrt entlang der kanadischen Nordküste des Ontario Sees beginnt in Gananoque (wo wir einklarierten) und führt über Kingston und Coburg nach Toronto. Streckenweise haben wir herrlichen Segelwind für Groß und Genua,

…wie man sieht…

manchmal auch ein paar ruppige Wellen, meistens aber spielt der Wind Verstecken, und wir motoren übers spiegelglatte Wasser.

Peter sitzt auf der Stb. Motorklappe, die Füße hochgelegt und döst in der Sonne. Ich will ihn aufmerksam machen auf das herrliche, milchige Türkis des Wassers. Er erschrickt, hebt den Kopf, greift sich impulsartig an die Stirn…Zu spät! Es tickt zweimal auf der Heckklappe und… weg ist sie: seine neue Gleitsichtbrille… Und zwei Segler blicken stumm auf dem ganzen See herum… 🙁 🙁

Da gleitet sie dahin…in ihr türkisfarbenes Grab…

Bis wir wieder nach Hause kommen wird er die Welt ‚Polarisations-gefiltert‘ durch die Sonnenbrille betrachten oder fürs Kleingeschriebene zur Lesebrille greifen müssen…

Coburg bietet seinen Bootstouristen ein kostenfreies Public Dock, das wir gerne für eine Nacht nutzen. Es ist gleichzeitig das Ende der Flaniermeile und offensichtlich gefällt die PIA, da sie hundertfach auf Handys oder Fotoapparate gebannt wird und Peter viele Fragen beantworten muss.

Erst am späten Nachmittag kommen wir von Bord, um einen Strandspaziergang zu machen. Bunt, fröhlich und sehr trubelig geht’s hier zu. Aber wen wundert’s? Es hat 32°C, es ist Sonntag und zusätzlich Ferienzeit…

In Toronto erleben wir einen sehr herzlichen Empfang durch die Mitglieder der TMCC (Toronto Multihull Cruising Club), dessen Mitglieder allesamt einen Catamaran oder Trimaran besitzen und das Problem der doppelten Liegegebühren für einen Catamaran sehr gut kennen. Sie bieten uns  einen kostenlosen Liegeplatz an der Boje an, den wir natürlich gerne annehmen und mit einer Spende an den Club honorieren.

Bernard, der selber Catamarane gebaut hat und auf allen Meeren dieser Welt bereits unterwegs war, wie auch Paul, der Chef des Clubs und andere Mitglieder sind sehr interessiert an der PIA, da sie ein individuell gebauter Catamaran ist und sich von den üblichen großen (Charter)-Marken (Lagoon, Fountain Payot, Privilège) unterscheidet. Sie kommen gerne auf einen Espresso vorbei, lassen mit ihren Erzählungen die Zeit verfliegen und wir müssen uns mit dem Sightseeing ein wenig sputen, da wir in drei Tagen zu unserem 10tägigen Städtetrip aufbrechen wollen und die nächsten Gäste zwei Tage nach unserer Rückkehr anreisen werden.

Toronto im Schnelldurchgang bedeutet: eine Fahrt mit dem Sightseeing Bus, eine Bootstour zu den Toronto Islands, einmal Toronto zu Fuß mit einem Bruchteil des Path (ein Labyrinth aus unterirdischen Gängen, das Sehenswürdigkeiten, Wolkenkratzer und Läden der Downtown miteinander verbindet und im eisigen Winter bevorzugt wird), einen Harbour Walk, den St.Lawrence Market, den Historic Distillery District und den Besuch des CN-Towers.  Es  reicht gerade eben, um sich einen Überblick über diese moderne, lebendige Multi Kulti Stadt zu verschaffen.  

Der CN- Tower, das Wahrzeichen von Toronto…
Eine Fahrt auf den CN-Tower..
Mit Ausblick auf die Toronto Islands…
…und auf die PIA… In der Mitte des Fotos…
Financial District…
Das neue Rathaus zwischen zwei Halbschalen…von oben
und von unten…
MoCA – Museum of Contemporary Art
OCAD Ontario College of Contemporary Art and Design
Das Bell Medien Center: Breaking News????
Der Historic Distillery District mit vielen Kneipen, Restaurants, Boutiquen…

Dann mieten wir für 10 Tage ein Auto, um die Städte Ottawa, Quebec und Montreal zu besuchen.

20190620 Wieder unterwegs…

Das eigentliche Programm der diesjährigen Segelsaison heißt

                                                     –  THE GREAT LOOP

wie die Amerikaner einen Wasserweg beschreiben, der sich wie eine Schlaufe – von der Südspitze Floridas  -an der Ostküste der USA hoch zieht bis nach New York City, dort über den Hudson, über verschiedene kleinere Flüsse oder Kanäle in die großen Seen führt, bis  Chicago, um danach südwärts über den Mississippi und den Tombigbee  in den Golf von Mexiko zu münden und darauf über Key West die Schlaufe nach Florida zu  schließen..

Die Wahl der kleineren Wasserwege wird bestimmt durch Größe, Breite, Höhe und Tiefgang der Schiffe, da viele Brücken nicht hoch genug, manche Flussbette nicht tief genug sind und etlichen Schleusen die nötige Breite fehlt.

Für uns bedeutet das auf jeden Fall MASTLEGEN und – wegen Überbreite unseres Catamarans – Umfahren des Rideau Kanals und des malerischen Trent Severn (Von Trenton, Ontariosee nach Port Severn, Lake Huron)

The Great Loop

Um sich ein Bild machen zu können: ca.6000 Meilen oder 9700km durch 18 US Staaten und Canada…

Wir starten – mit Wim und Trudi an Bord am 20.6.19 von Port Washington, Long Island aus und biegen bei strömendem Regen in den East River ein. Dunkle Wolkenformationen türmen sich über New York City und verschlucken die Spitzen der Wolkenkratzer. Eine bedrohliche Kulisse.

Die Brooklyn Bridge

Doch beim Unterqueren der Brooklyn Bridge bekommen die Wolken einen gleißenden Silberrand und als wir die Spitze Manhattans umrunden, hat sich das Himmelsblau wieder durchgesetzt.

Eine sehr angenehme und ruhige Nacht vor Anker – hinter Miss Liberty – wird uns gegönnt, mit voran gehendem Fotoshooting und Abendessen im Cockpit…

Am nächsten Tag kreuzt alles  –  was Rang und Namen oder nichts von beidem hat –  in der Hudsonbay herum: Traditions-Segler, Regatta-Begleitboote mit zahlenden Gästen an Bord, laute, aggressive Funboats mit aufgemalten Haizähnen, die mit abrupten Stopps und Wenden die Gäste zum Kreischen bringen,  Waterscooter… 

Ziellinie: vor dem Brookfield Center

Die GP SAIL ist angesagt, die Regatta der Starkatamarane (Foiling Catamarans), die auf dem Hudson, vor dem Brookfield Center ausgetragen wird.

Dabei durchpflügen nicht mehr die Rümpfe das Wasser, sondern schmale, ins Wasser ragende Schwerter, sogenannte „Foils“ lassen – durch ihren geringen Widerstand – die Katamarane mit Highspeed übers Wasser „fliegen“.

Sechs Nationen sind heute am Start: USA, Frankreich, Großbritannien, Japan, China und Australien. Morgen wird’s das Finale zwischen den beiden Schnellsten geben.

Großbritannien – China – Frankreich
China
Die Briten sind bereits sehr emsig…

Eigentlich eine Schande, dass wir uns dieses Spektakel entgehen lassen, zumal wir es – kostenfrei – von der gegenüberliegenden Seite – und an Bord der PIA!!! – „life“  hätten miterleben und verfolgen können.

Aber wir Schnarchnasen ziehen es vor, 1 ½ Stunden vor Beginn des ersten Rennens den Hudson hoch zu segeln und begnügen uns mit dem Anblick der sich allmählich  in Stellung bringenden Foiling Catamarans.

(Interessierte finden Mengen an Informationsmaterial und You Tube – Aufzeichnungen unter:  sailgp new york 2019)

Stattdessen können wir zum ersten und vorläufig letzten Mal die Schokoladenseite NYC mit all ihren großartigen Gebäuden vom Hudson aus betrachten.

The Vessel: Baby zwischen Riesen…
Wie vom Reißbrett…

Eine angenehme sechsstündige Flussfahrt bei Sonne und leichtem Wind  endet – unmittelbar nach Sonnenuntergang – mit dem Ankerfall vor Nyack.

Bye Bye New York City…
Oder lieber: Auf Wiedersehen…
Unser erster Ankerplatz im Hudson…

Am nächsten Tag wollen wir Catskill erreichen, wo der Mast gelegt werden soll.

Unser Ankerplatz vor der Rip van Winkel Bridge, direkt gegenüber von Catskill, ist malerisch. Weiter Blick auf die letzte Brücke, Seerosen und Entengrütze in Ausbuchtungen mit stehendem Gewässer, Waldduft, Vogelgezwitscher.

Es ist Sonntag…

Und der wird – an diesem idyllischen Ankerplatz – mit einem Glockenspiel eingeleitet, das stimmungsvoll vom anderen Ufer herüber klingt. Alles wirkt so friedlich, ruhig. Da möchte man ein guter Christ sein und am 7. Tage ruhen.

Wir sind eher „Sabbat schänderisch“ zu Gange, da umfangreiche Vorarbeiten für das Legen des Mastes getroffen werden müssen. Großsegel, Lazy Bag, Baum und Vorsegel werden demontiert, am späten Nachmittag geht’s an die knifflige Elektrik, die am Mastfuß getrennt werden muss. 25 Kabel müssen säuberlich gelistet, ordentlich versorgt und vor Feuchtigkeit geschützt, verpackt werden.

Als wir von der Dinghi-Erkundungsfahrt zurückkommen, ist klar, dass wir die – von allen Seglern empfohlene – Hop o Nose Marina zum Mastlegen nicht anlaufen können. Sie ist viel zu schmal und der Kran nicht hoch genug.

Es bleibt die Riverview Marina.

Montagmorgen. Ein komisches Gefühl beschleicht mich. PIA kommt unter die Guillotine. Wir legen an der Riverview Marina an.

Die Vorstellung, dass man uns aktiv berät bei der Überlegung, wie man den Mast für den Transport an Bord am besten unterstützt und sichert, müssen wir begraben. Emotionslos wird gefragt, was wir denn benötigen. Man will es im Baumarkt kaufen und uns zur Verfügung stellen. Wim und Peter diskutieren die günstigsten Stellen zur Unterstützung von Mast und Baum, Peter berechnet das Material und der Chef kippt uns später Holz und Spanngurte sozusagen vor die Füße.

Messen, sägen. anpassen – das Zimmern beginnt…
Die erste Stütze steht…

Abends stehen alle Stützen – mit Spanngurten gesichert – aufnahmebereit.

Mir scheint, dass der Chef der Riverview Marina ein wenig verunsichert an diesem Monstrum von Mast rauf und runter schaut bevor der Kran über die PIA schwenkt. Wir haben ein Diamond Rigg, d.h. jede Saling hat einen 3. Spreizarm, was  zur Folge hat, dass der Mast vor dem Legen gedreht werden muss, um die Spreizarme in die korrekte Lagerposition zu bringen.

Mit viel Bedacht und Umsicht wird der Mast vom Kran gehalten während die Wanten, das Vorstag und die Backstagen gelöst werden.

Lösen der Wanten…

Dann wird er aus dem Schuh gehoben, angehoben, parallel zur PIA fast abgelegt, gedreht und wieder über die PIA geschwenkt, um ihn dort vorsichtig auf den Stützen abzulegen.  Der Mast bleibt in der Halteschlaufe des Krans, bis wir Sitz und Stand der Stützkonstruktion genauestens überprüft haben und erste Gurte verspannt sind.

Geschafft!!!

Ich glaube erkennen zu können, wie dem Chef ein Stein vom Herzen fällt, als die Aktion beendet ist.

Später, als er uns frisch geerntete Kirschen aus seinem Garten bringt, erfahren wir, dass wir die hiesige Premiere für das Legen eines Diamondriggs erlebt haben.

Sehr praktisch: Das Arbeiten am horizontalen Mast…
Vollgetankt und bereit für die Fahrt als Motor Catamaran…

Nach wenigen, zurück gelegten Meilen unter akribischem Beäugen aller Haltevorrichtungen haben wir Vertrauen in unsere Konstruktion. Nichts bewegt sich.

Hinter Troy biegen wir in den Erie Kanal ein. Waterford, ein ganz hübsches, sehr verschlafenes Städtchen, überrascht uns mit Folklore am Public Peer. Zu Klängen aus dem Dudelsack, der Piccoloflöte, einer Ziehharmonika tanzen und singen weiß gewandete, dürre, ein wenig schratig wirkende Personen, die uns nachdrücklich auffordern, mit ihnen zum Dinner zu gehen. Wir betreten einen spelunkenhaften Irish Pub. Die Regale hinter der Bar sind prall gefüllt mit irischen und nicht irischen Spirituosen. Stehende, heiße Luft. Das Essen: sehr irisch-amerikanisches Eintopf-Allerlei. Es lässt sich mit Bier hinunter spülen; aber der Wirtin, die 7 Jahre in Mannheim gelebt hat, sowie ihren Folklore Gästen machen wir eine Riesenfreude.

Die regenreiche  Nacht, die die PIA – wie ein Penner – unter einer(Straßen)Brücke verbringen muss hat zur Folge,  dass sie am nächsten Morgen aussieht wie nach einem Ascheregen.

Die Folge: Putzen noch vor dem Frühstück 🙁

Um 7.00h öffnen sich die Schleusentore…Wir fahren in die „Flight of Five“, Fünf Schleusen hintereinander, teilweise nur 500m voneinander entfernt. Alle haben einen ordentlichen Hub von 12 -13m. Wir fahren in die Schleusenkammer, angeln uns zwei, an der Schleusenwand herunter hängende Seile, führen eines über die Bug-, eines über die Hecklampe mit und „hangeln“ uns so – während das einströmende Wasser recht gemächlich die Schleusenkammer füllt – auf die nächst höhere Stufe…

Die erste Schleuse der „Flight of Five“…

Vier Tage befahren wir abwechselnd den  Erie Kanal und den Fluss Mohawk mit grünen, blühenden Ufern, manchen Stromschnellen – an  in den Mohawk einfließenden Nebenflüssen- verschlafenen Örtchen, freundlichen Schleusenwärtern, die allesamt zu einem Schwätzchen aufgelegt sind. Beim Ankern im Fluss scheint einerseits der Katamaran, andererseits die deutsche Flagge mit Heimathafen Heidelberg magisch anzuziehen. Jogger, Walker, Spaziergänger, Fahrradfahrer bleiben stehen und zeigen sich sehr interessiert, wollen ihre Deutschkenntnisse an den Mann bringen oder uns erzählen, dass sie Frankfurt, Heidelberg und München (Kulturreise Deutschland) gesehen haben.

Pure Natur…
Blühende Ufer..
Manchmal wirkt es eng…
Stopp am Ende der Schleusenmauer…
Strudel beim Einfluss eines Seitenarmes..
Wasserfall am Stauwehr neben der Schleuse…

Unsere Fahrstrecke klingt Welten-bummlerisch. Wir passieren Manheim, Francfort, Oppenheim, Rotterdam, Amsterdam, Rome aber auch Canajoharie, Poughkeepsie und anderes Zungenbrecherisches… Je mehr wir uns dem Ontario Lake nähern, umso mehr Treibholz kommt uns entgegen. Dicke Planken, grobes Geäst und sogar ganze, entwurzelte Bäume treiben auf und teilweise unter Wasser und verhindern zweimal (weil sie sich eingeklemmt haben) das Schließen der Schleusentore. Wir befürchten einen Rückstau mit Wartezeiten vor den Schleusen des Oswego Kanals, da letztere wegen des Hochwassers zeitweise geschlossen waren.

Am frühen Nachmittag des 30.6 erreichen wir den Oneida Lake. Ein ordentlicher Wind bläst uns entgegen und die kurzen, steilen Wellen lassen die PIA kantige Nickbewegungen machen. Wir kehren um, da wir die Stützkonstruktion nicht gefährden wollen, ziehen einen Strandspaziergang vor und lassen uns mit fetziger Musik vom benachbarten Vergnügungspark beschallen.

Es sieht nicht nur ungemütlich aus… es ist so!!!
Strandspaziergang: barfüßig…
Danach: Sand aus den Zehen puhlen…

Am nächsten Morgen sitzen Hunderte libellenartiger Wesen auf der taubedeckten PIA. Unfähig, sich zu bewegen, können wir sie regelrecht abpflücken.

Schön anzuschauen aber wie gelähmt sitzen sie da…

Im glatten Oneida Lake spiegelt sich die Sonne, erste Angler warten auf den großen Fang und wir haben nach 3Std. das gegenüber liegende Ufer erreicht. Nach Brewerton verlassen wir den Erie Kanal,  biegen ein in den schönen Oswego Kanal, nehmen die letzten 8 Schleusen und legen am Nachmittag in der Oswego Marina an.

 PIAs 8tägige Reise ohne Mast ist beendet. Am nächsten Tag soll hier, in der Oswego Marina der Mast gestellt werden.

Zwei Kräne, die am Kai stehen, sind zu kurz. Diskussionen zwischen dem Chef der Marina, seinen Angestellten und Peter:

Peter – seine Espressotasse gerade abstellend – sprudelt seine Vorstellung von der Vorgehensweise beim Maststellen heraus und endet mit der Frage an den Chef: „Would you like to have an espresso?“ Die prompte Antwort: „Cool down man! No, I won’t…but you shoudn’t take  a second one!!!“

Ein Autokran muss geholt werden. Ein Autokran, zwei Standkräne, wovon einer handbetrieben, leisten schnelle, präzise Arbeit.

Drei Kräne für einen Mast???
Los geht’s…
Der Mast steht! Und: „hoch die Tassen“!
Mit „escht Monnemer Kerscheplotzer“
Ontario-Kirschen sind auch gut…

Eineinhalb Tage noch fürs Aufriggen und Anschließen der Kabel dann brechen wir auf in die großen Seen. Der Ontario See liegt vor uns.

Nun fehlt nur noch der Wind; die Hauptsache, wenn man segeln möchte. Wir versuchen, ihn herbeizurufen aber er ist schwerhörig und bleibt es auch die nächsten Tage.

Beim Zwischenstopp vor Stony Island gibt‘s (nach sieben Jahren Salzwasser) einen erfrischenden Kopfsprung ins Süßwasser!!! Herrlich! Weder Salz noch Chlor in den Augen oder im Badeanzug…und das Wasser ist ziemlich klar!!!

Unser erster Ankerplatz im Ontariosee: Cape Vincent. Unmittelbar vor dem historischen Museum. Schlimm für die Anrainer: Hochwasser überflutet die Ufer und alles Ebenerdige. Bootsstege, die in der Karte eingezeichnet sind, sieht man nicht; wohl aber die Laternen, die sie beleuchten sollen…Sie wirken seltsam staksig und funktionslos auf den überfluteten Stegen.

Wo die Laternen einst einen Steg beleuchteten…

Wir wollen das Städtchen anschauen, steigen ins Dinghi, suchen eine Anlegestelle. Aber alles ist überschwemmt: Stege unter Wasser, Vorgärten überschwemmt, Parks und Anlagen eine einzige Sumpflandschaft.

Wie schön! Neben dem „Water Pilot“ Schiff gibt’s eine Möglichkeit fest zu machen. Wir schlendern durchs Städtchen, stehen Schlange an der Eisdiele, schlecken ein Eis und… stellen bei Rückkehr zum Anleger fest, dass das Dinghi verschwunden ist. Oh! Ratlose Gesichter!!

Nicht lange! „Mr. Important“ stürmt herbei, uns von Weitem bereits entgegenschleudernd: „This is Private Property“! Trespassing not allowed!!!

Nur unterwürfige Minen, mehrfach wiederholtes „Sorry“ und zaghafte Erklärungsversuche können letztendlich sein stramm amerikanisch patriotisches Herz erweichen. Er öffnet das Rolltor des benachbarten Bootsschuppens, in dem die „Ti Pia“ vor Blicken verborgen lag und lässt uns – kommentarlos und mit stoischer Mine – ausfahren. Puh!!! Das ist noch mal gut gegangen!!!

Herrliches Segeln zwischen den Inseln von Thousand Islands
Aber überall Hochwasser! Die meisten Ferienhäuser sind davon betroffen…
Der Parasailor zieht die PIA – bei leichten Winden – durchs leise plätschernde Wasser…

Überfahrt auf die kanadische Seite, Einklarieren in Gananoque, zurück zu einem herrlichen Ankerplatz ist das Programm des vorletzten Tages mit Wim und Trudi

Die letzte Nacht vor Anker mit Wim und Trudi…

Am 10.6. legen wir in Kingston an. Unglaublich aber wahr ist die Tatsache, dass die Organisation einer Reise von A nach B (im Mietauto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln) sowohl in den USA als auch in Canada äußerst kompliziert und nervenaufreibend ist. Letztendlich gelingt es uns, eine Zugverbindung zu finden, die Wim und Trudi zu den Niagara Falls bringt, um von dort den Flughafen in Buffalo zu erreichen.
Danach heißt’s Abschied nehmen nach 3 1/2 schönen Wochen mit ihnen…

20190615 Die Unbeschreibliche Teil III

Was uns auch noch gut gefallen hat…

Lange Textpassagen langweilen, eine Bilderflut ohne Erläuterungen ebenso. Ich versuche, den goldenen Mittelweg zu finden.

Die letzten, uneingeschränkt sonnigen Tage verbringen wir in den Straßen und Parks von New York. Wir schlendern durch das Brookfield Center mit einem Atrium in dem sich Palmen bis unters Glasdach recken, Luxusgeschäfte  aneinander reihen und die Produkte der Food Mall die Zunge flimmern lassen.

Das Brookfield Center

Leider mangelt  es – wie fast überall in den USA – an Stil und Gemütlichkeit beim Genießen dieser Köstlichkeiten.

Die Generation „Plastik“ oder die umweltfreundlichere Schwester „Pappe“ lässt grüßen.

Café Leisinger auf Amerikanisch: Auf verkrümelten Bistrot Tischen feinste Patisserie aus Pappschachteln. Dazu „Utensils“ – Plasitkbesteck…und Kaffee aus Pappbechern.

Wie war das noch??? Das Auge isst mit? …das amerikanische jedenfalls nicht.

Dafür gibt’s draußen reichlich Futter fürs Auge.

Der kleine Stadthafen von New YorkCity (North Cove Yacht Harbour) im Hudson vor der Skyline von Hoboken, NJ

Von dort zieht’s uns auf die Brooklyn Bridge. Das Besondere an dieser sechsspurigen, zweistöckigen  Brücke ist die Tatsache, dass Fußgänger – wie die Könige – auf der oberen Etage über die Brücke schlendern können, während die Autos sich auf den den rechts und links darunter liegenden Fahrspuren im Schneckentempo vorwärts bewegen.

Die Brooklyn Bridge

Brooklyn, das inzwischen als kleiner Bruder Manhattans gilt, empfinden wir mit seinen vielen Grünflächen als sehr ruhig und entspannend.

Villa im grünen Brooklyn

Heute noch soll es den berühmten Blick vom höchsten Wolkenkratzer New Yorks, dem One World Trade Center (541,3m) geben. Die  Observatory Plattform bietet von drei Etagen (100., 101. und 102. ) einen atemberaubenden 360° Blick über die Stadt.

In den sogenannten Skypods (Aufzügen) werden wir in rasanten 57 Sekunden – erstaunlich sanft – nach oben befördert
Eine überschaubare Menschenmenge wegen des unspektakulären Sonnenunterganges
Rechts unten Ellis Island; re. oben Liberty Island;
Links: Governors Island
Links unten: Südspitze von Manhattan
Blick nach Norden…
Blick nach Osten: Eastriver
Die Lichter New Yorks um 20.49h…
Ground Zero mit den beiden Wasserbecken und dem „Okulus“von oben…

Das Flatiron Building, den Madison Square, den Washingtonsquare und den Timesquare schaffen wir „Fußmarsch Geübte“ ganz locker an einem Tag.

Das Flatiron Building…
Sonnenbaden im Madisonsquare…
Kinder…
Piano Player
Schach Spieler im Washington Square
Cafè Wha im West Village, das für viele Künstler aus der Musikszene zum Sprungbrett in eine steile Karriere wurde..
Jimmy Hendrix, Bob Dylon, Bruce Sprigsteen
Der Time Square: rastlose Flut an glitzernden Lichtern, bombastische Reklametafeln…
Verkörperung des kultigen, zur Massenware verkörperten Bildes von New York…

Ein ganz besonderes Highlight  ist der TWA-Terminal – 5 –  des Flughafens JFK. 1960 wurde er vom Star Architekten Eero Saarinen entworfen, reichte in den 90iger Jahren – wegen des ansteigenden Flugverkehrs nicht mehr aus und wurde vor Kurzem renoviert. Ein Teil beherbergt nun ein schickes Hotel, das erst im Februar ’19 eröffnet wurde.

Wir erleben ihn als eine wahre Stilikone dieser Zeit.

Dynamisch – elegant geschwungen: Eero Saarinens weißer Vogel: Der TWA Terminal
Ellipsen…
Von Ebene zu Ebene…
wie schwebend zwischen den Gewölben…
Eine „Achtundsechzigerin“ im Ambiente der „Sechziger“

Dann kommen Wim Und Trudi zu Besuch und mit ihnen der Regen, der sich manchmal morgens, manchmal abends einstellt.

Gemeinsam mit ihnen wollen wir uns das MET (Metropolitan Museum of Art) ansehen.

Die Überschrift dieser Aktion könnte sein: Zur falschen Zeit am falschen Ort.

Der Himmel ist bedeckt als wir losfahren. Schon beim Ausstieg aus der U-Bahn gibt’s Stau am Treppenausstieg. Die verflixten Regenschirme lassen sich nicht öffnen. Man patscht von Pfütze zu Pfütze. Als wir das Museum erreichen müssen wir erkennen, dass wir nicht die Einzigen sind, die Museumsbesuche an Regentagen vorhaben. Eine Riesenschlange wartet auf Einlass. Zu allem Überfluss scheint die Regenrinne über dem Einlass perforiert zu sein, so dass man, bereits in einer Pfütze stehend, auch noch von oben Wasserberieselung bekommt, bevor man in die dampfende Eingangshalle  gelangt. Vor lauter Menschen ist nichts zu sehen. Aus meinen Espandrillos drückt sich bei jedem Schritt leise quietschend das Wasser; an der Garderobe werden Rucksäcke, nasse Anoraks und Regenschirme gnadenlos in ein Fach gestopft… Luftfeuchtigkeit knapp unter 100%.

Wir sind überfordert. Kunst und Kunsthistorisches aus 5000 Jahren füllen die 4—5 m hohen Hallen. Es ist überwältigend! Immer schart man sich traubenförmig um die Kunstwerke. Um in eine Sonderausstellung zu gelangen, steht man – angemeldet!!!! – um eine halbe Etage herum in der Schlange. Die Treppenhäuser sind  – warum auch immer – größtenteils gesperrt, man wartet vor den Aufzügen.

Konzentrieren kann man sich nicht. Wir verlassen nach drei Stunden das Museum mit der Gewissheit, dass sich weitere Besuche unbedingt lohnen, man sie allerdings auf einen Tag legen sollte, an dem es die meisten Menschen in die Parks oder ans Wasser zieht.

Oder sieht es an sonnigen Tagen doch genauso aus????

Gerne hätten wir die als großartig beschriebene Akkustik der Metropolitan Opera bei einem Konzert der New Yorker Philharmoniker erlebt; aber das Orchester macht gerade Urlaub und die versprochene Führung durch das Lincoln Center, an deren Anschluss man für die Veranstaltung des Abends ermäßigte Karten kaufen kann, fällt aus.   

Enttäuschung…
Lincoln Center mit Annonce der Veranstaltungen in den Stufen…
Warten auf… im Café..

Ganz anders erleben wir das  MoMA und das Guggenheim Museum. Wir haben offensichtlich den richtigen Tag erwischt und können Kunstwerke und Architektur der beiden Häuser sehr genießen.

Sehr edel: Das Museum of Modern Art – MoMA
Klare Linien, helle, weite Räume, tolle Exponate, ganze Räume einem einzigen Künstler gewidmet.
Das Guggenheim Museum…
Spiralförmig geht’s nach oben…
..bis unter die Glasrosette…

Unser letzter Tag in New York führt uns  – per Ausflugsboot – nach Ellis Island, das – vor den Toren New Yorks gelegen – für Tausende von Einwanderern und Flüchtlingen als Übergangs- und Quarantänestation in ein freies, und selbstbestimmtes Leben diente.

Warten auf die Fähre…
Blick auf Ellis Island…

Gekoppelt an diese Bootstour ist der Besuch von Liberty Island.  Noch imposanter als vom Ankerplatz sieht die 42m hohe Statue auf ihrem Sockel aus, wenn man sie zu Fuß umrundet.

Gesamthöhe: 42m

Im Museum kann man die in Einzelteile „zerlegte“ Schöne in Originalgröße bewundern

Ein wenig herb schaut sie drein…
Der „zierliche“ Fuß…
Die mächtige Fackel, die sie in der Hand hält…
Ein letzter melancholischer Blick auf Manhattan…

Morgen werden wir ein letztes Mal hinter der Freiheitsstatue ankern. Danach soll es auf den „Big Loop“ gehen.

20190608 Die Unbeschreibliche Teil II

                                                             Ground Zero

Vielleicht ist es der andächtigste Ort der Stadt, auf dem das „National 9/ 11 Memorial“ angesiedelt ist. Auf dem Platz, wo einst die Zwillingstürme standen, befinden sich seit 2006 zwei riesige quadratische Wasserbecken, von deren Wänden unablässig Wasser rieselt, das in einer nicht einsehbaren quadratischen Leere verschwindet…

                                                             „Reflecting Absence“

Im Vordergrund: Der Abgrund – dahinter : Phönix aus der Asche???

In die glänzend polierte Kupferumrandung wurden die Namen derer eingraviert, die der grausige Anschlag mit in den Tod riss…2983 Menschen.

Das riesige, unterirdische Museum, das man über eine Rampe betritt, lässt das Attentat mit Ton- und Bilddokumentationen und unendlich vielen Exponaten unter die Haut gehend nachfühlen.

Der Anschlag….
Gegen das Vergessen…

Nach so viel Bedrückendem tut der Blick nach oben gut. In den blauen Himmel ragt das neue One World Trade Center, das mit seiner Höhe von 541m und seinem Observation Deck in der 104. Etage derzeit das höchste Gebäude New Yorks ist.

Das neue One World Trade Center

Wie eine Feder nimmt sich der schlanke äußere Rand des Oculus daneben aus.

Der „Oculus“ – von Calatrava entworfen – ist der neue Bahnhof am World Trade Center. Ein Aufsehen erregendes Gebäude, das Assoziationen zulässt wie ‚Phönix aus der Asche‘ oder ‚Raubvogel‘ oder ‚Dinosaurier‘ aber am wenigsten an ein Auge erinnert…

OCULUS – das AUGE…

Das Innere des Bahnhofes: kathedralenhaft, säulenfrei, lichtdurchflutet, weiß, fast steril vereint in sich  Einkaufszentrum, Fußgängertunnel und Bahnhof.

Kathedralenhaft…

Wir haben gelernt, uns zu orientieren (was uns – aus der „Welt-Quadrate-Stadt“ Mannheim kommend 😉 😉 )  nicht schwer fällt, da NYC , Mannheim-ähnlich, in Quadrate eingeteilt ist. Von Nord nach Süd die Avenues mit der Hauptachse Fifth Avenue, von West nach Ost die numerierten Querstraßen, die –je nach Lage zur Mittelachse (Fifth Avenue) den Zusatz ‚East‘ oder ‚West‘ tragen.

Auch unterirdisch fällt  die Orientierung leicht. Verschiedenfarbige Linien, die mit Zahlen oder Buchstaben gekennzeichnet sind, bringen schnell an den gewünschten Zielort, wenn man sich erst mal durch die heißen, schlecht belüfteten, teilweise dreistöckigen  Umsteigeplattformen mit  dahineilenden Menschen gewühlt hat , um dann  „Subway-eisgekühlt“ am Zielort auszusteigen.

So gelangen wir schnell an unser nächstes Ziel: Die Highline…

Eine zum langgestreckten Park umfunktionierte alte Eisenbahnlinie, die sich auf Höhe des 3. Stockwerkes von Lower Manhattan bis zu den Hudson Yards, parallel zum Hudson erstreckt.

Überwucherte Vergangenheit…

Herrlich, in luftiger Höhe herumzulaufen, an manchen Stellen noch zu erkennen, wie brach Liegendes von der Natur zurückerobert wird,

Grünendes und farbenprächtig Blühendes,

Robert Indiana: Schon mal gesehen????
Jaaa… in Philadelphia…

Kunstobjekte überall, Musik aller Stilrichtungen liegt in der Luft,

Füße kühlen…

von Wasser überspülte Eisenbahnbohlen oder Steinplatten wo sich heiß gelaufene Füße prächtig kühlen lassen,

Menschen, die auf verschiebbaren Liegen die Abendsonne genießen…Da möchte man bleiben!!!

Die Highline mündet an ihrem nördlichen Ende in die Hudson Yards,

Flaneur zwischen riesigen Blumenkübeln…

dem neuen, coolen Geschäfts- und Finanzviertel New Yorks (SAP ist auch vertreten!!!) mit einer LuxusMall, diversen Restaurants und Wohnungen ( deren Preis ich nicht kennen möchte) dem Neuen Veranstaltungsort „The Shed“ und „The Vessel“ einem Zwitter aus Skulptur und Gebäude, das aussieht wie eine Laterne, die man horizontal, wellenförmig eingeschnitten hat… 

Links: „The Vessel“, rechts – ziemlich unscheinbar – das wie mit Baufolie verkleidete Gebäude: „The Shed“
Mittendrin…
Blick nach Norden…
Blick nach unten: 15 Etagen, 154 Treppenfluchten…

Die Zeit fliegt dahin und wir müssen erkennen, dass 16 Tage für New York – mit täglich drei Stunden für die An- und Rückfahrt – und der, wie in jedem Haushalt anfallenden, Putz-, Wasch-, Aufräum- und Reparaturarbeiten einfach zu kurz sind.

Wir müssen uns beschränken und setzen Plan A konsequent um: Museumsbesuche oder notwendige Arbeiten am Schiff nur an Regentagen, „Outdoor“ Besichtigungen an überwiegend sonnigen Tagen.

20190605 Die Unbeschreibliche…Teil I

Puzzleteile einer faszinierenden Stadt

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht zu Füßen der Freiheitsstatue gehen wir Ankerauf. Noch ist relativ wenig Verkehr in der großen Hudsonbay. Wir überqueren sie, biegen ein in den Eastriver, dessen Strömung uns sofort packt und uns mit 5kn unterstützend in Richtung Hellgate schiebt.

Augen rechts und links und nach oben: überall Interessantes: links von uns Manhattans Eastside mit seinen schmalen Straßenschluchten zwischen den Wolkenkratzern, das grüne Brooklyn rechts, über uns wunderschöne Brücken: die Brooklyn-, Manhattan-, Williamsburg- Throgs Neck Bridges…

Unter der Brooklyn Bridge…
Vorläufig letzter Blick auf NYC
Throgs Neck Bridge

Perfektes Timing ermöglicht ein ruhiges Kreuzen des „Hellgate“, das wegen der gegeneinander laufenden Strömungen des Eastriver und Long Island Sounds (in den wir einbiegen) höllisch brodelnd sein kann. Nach drei Stunden haben wir Port Washington, in der Manhassetbay, am Long Island Sound erreicht und an einer Boje festgemacht. Von hier aus wollen wir New York erobern.

Der Wetterbericht für die nächsten Tage präsentiert eine bunte Mischung. Da wir – wie könnte es anders sein – natürlich Reparaturen auf der to-do Liste haben, wollen wir die sonnigen Tage für Freiluftbesichtigungen nutzen und die Regentage für Museen und Reparaturen an Bord.

Gleich am nächsten Tag gibt’s den Probelauf: Rein ins Dinghi, rüber an die Anlegestelle (ca. 5Min.) zu Fuß die hügelige Mainstreet entlang zum Bahnhof (ambitionierte 15min.) und rein in die „LIRR“ – die „Long Island Rail Road“, die täglich ca. eine halbe Million Menschen aus dem Umfeld New Yorks in die Metropole und zurück befördert und zu Stoßzeiten entsprechend überfüllt ist. Wir Landeier wundern uns über die ca. 20 Waggons, die – natürlich außerhalb der Rush Hour – ziemlich leer sind und genießen die Zugfahrt. Kurz vor NYC geht’s in den Untergrund. Hässlich aber funktional nähert man sich der Penn Station wie ein Maulwurf und steigt – nach 45min. – an der Ecke 7th Avenue/ 34. Straße ans Tageslicht.

Sofort geht der Blick nach oben: Hoch und höher die Fassaden, Häuserschluchten…Kaum ein Gebäude hat weniger als 5 Stockwerke. Wie ein „Hans guck in die Luft“ möchte man herumlaufen. Nicht ratsam allerdings, da die Gehwege von dem sich nach oben entwickelnden Glanz absolut nichts abbekommen haben. Hier gilt: Hoch-„Blick“ kommt vor dem Fall!!

Das Empire State Building

Mäandernd zwischen 5. 6. Und 7. Avenue bewegen wir uns Richtung Centralpark.

Das Rockefeller Center mit dem Prometheus Brunnen
Das höchste Art Déco Gebäude des Rockefeller Centers mit der
Aussichtsplattform Top of the Rock
Vor wem oder was verschließt sie oder er denn die Augen?
Der ‚Atlas‘ an der Fifth‘, vor dem Rockefeller Center..
Er scheint die Orgel der St. Patrick’s Cathedral einrahmen zu wollen
Die Orgel…

Wir laufen und laufen und Laufen…

Nach ca. 5km des Staunens, Stehens und Laufens in der Hitze findet man uns „ermattet“ im Centralpark.

Pause…
Eine der vielen Brücken im Centralpark…

Die Idee, den ersten Tag in New York mit dem Anblick eines grandiosen Sonnenunterganges ausklingen zu lassen, scheitert daran, dass die Plattform „Top of the Rock“ im 70. Stock des Rockefeller Centers zum Sonnenuntergang ausgebucht ist. Der nächst verfügbare Aufzug würde uns 90 min. nach Sonnenuntergang hinauf befördern…

So lassen wir uns von der LIRR wieder nach Port Washington befördern und schmieden Pläne für Weiteres.

Einen wunderschönen Abend verbringen wir mit Eric, Peters Patensohn, der seit 20 Jahren in NYC lebt, in Brooklyn, in einem Privatclub. D.U.M.B.O. (Down Under Manhattan Bridge Overpass) heißt der District und das Haus, von dem aus man einen tollen Blick auf Manhattan, die Manhattan-  und Brooklyn Bridge hat.

Blick auf die Brooklyn Bridge
Drei Friedrichsfelder in New York…

20190603 New York, New York…

Vier Wochen sind verflogen wie im Zeitraffer, 1300 Fotos auf meinem Handy, nichts ist sortiert, weder in meinem Kopf noch im Computer. Wo und wie soll ich da beginnen? Seit vierzehn Tagen drücke ich mich vor der Qual der Auswahl…

Diese Stadt ist unbeschreiblich, laut, hektisch, brillant, großartig.  Geballte Kunst, Kultur und Architektur…

Ihre Silhouette aus südlicher Richtung kommend – chamäleonhaft – je nach Wetter und Tageszeit…

majestätisch, bedrohlich, funkelnd, abweisend

oder pastellfarben in der Abendsonne leuchtend mit magischer Anziehungskraft…

oder glasklar, wie vom Zeichenbrett oder im Modell; ineinander geschachtelt, in die Vertikale strebend mit  schlanken, glänzenden Wolkenkratzern, deren exzentrisch auskragende Plattformen den Blick auf sich ziehen, während manche Kirche zu ihren Füßen sich wie Spielzeug ausnimmt…

Wir nähern uns von Süden, da wir hinter Miss Liberty übernachten wollen.

Manhattan… Lower Manhattan mit dem Financial District…
Die dem Hudson zugewandte Seite von Lower Manhattan.. (man beachte die Kirche unten rechts im Bild9
Blick zurück auf der Fahrt in Richtung Miss Liberty…
Die Betrachtung von vorne…
…von der Seite…
…von hinten, d. h. von unserem Ankerplatz aus…

Vom Ankerplatz aus: Blick übers Heck…

Allmählich bricht die Dunkelheit herein…
Es ist eiskalt…
Miss Liberty hat ihre Fackel angezündet…
und New York erstrahlt in nächtlicher Lichterpracht
Man sagt, es sei der schönste Ankerplatz der Welt…

Ja das Erlebnis ist da… mit viel Welle und Wind (zum Glück ist die PIA ein Cat, der in den Wellen nicht so stark schaukelt!!!), der erhoffte grandiose Sonnenuntergang hinter Wolken verklemmt, Miss Liberty zeigt uns die kalte Schulter und ein ordentlich kühler Wind fegt das Knabbergebäck mitsamt Schale vom Cockpittisch.

Dennoch: Eingehüllt in Pullover, Daunenjacke und Wolldecke kann auch ein nicht ganz so schöner Rücken entzücken, wenn er denn  Miss Liberty gehört.

Und der Anblick von Manhattan bei hereinbrechender Dunkelheit – grandios!

Am nächsten Morgen brechen wir auf in Richtung Port Washington. Von dort aus wollen wir New York City erobern.

Chronologisch ein wenig vorgreifen möchte ich mit den Fotos von der PIA – unter Segeln – beim Kreuzen vor Miss Liberty, von dem jeder Segler, der sich dort bewegt, ein wenig träumt. Wir machen es, als Wim und Trudi mit an Bord sind; Wim am Steuer, Trudi mit wachen Augen bezüglich des regen Schiffsverkehres, ich das Segel (nur Genua) im Auge behaltend und vor allem den rasenden Reporter Peter, der – im Dinghi hinterher düsend –  versucht, ein paar gute, nicht allzu verwackelte Fotos von der PIA zu schießen.

Der rasende Reporter im Dinghi…
New York, wir kommen!!!