20160801 Mehr Meer…

Für drei Tage…
Schon lange haben wir keine Nachtfahrten mehr gemacht. Da wir aber die PIA – während unseres fünfmonatigen Heimaturlaubs – auf Curacao an Land stellen wollen, sollten wir uns demnächst auf den Weg machen.
Der tägliche Wetter-Check zeigt, dass die Bedingungen für die dreitägige Überfahrt zwischen dem 25. und 30.7. recht gut aussehen. So starten wir am Mittwoch, dem 27.7.

Die vorhergesagten leichten Ost-Nord-Ost-Winde sind wie geschaffen für den Parasailor.

Bereits um 6.30h zieht er uns – voll aufgebläht und wie auf Schienen – in Richtung Westen.

Drei Stunden später ist das geliebte Martinique am Horizont verschwunden.

Geschwindigkeitsrekorde werden wir bei dem schwachen Wind (10-15kn) nicht aufstellen, dafür ist es ein Kaffeesegeln vom Feinsten. Selbst ein Landei würde sich jetzt auf der PIA wohlfühlen.

Aber es gibt ja noch den ständig auf der Lauer liegenden Fehlerteufel. Um 15.00h schlägt er zu. Der Navigations-Bildschirm fällt aus. Was nun? Die Fehlersuche geht los. Der erste Versuch: „Reboot tut gut“ scheitert. Steckkontakte, Kabel, Bedienkonsole werden gründlichst untersucht, ohne dass wir einen Fehler entdecken können. Das DVI-Kabel wird in eine Parallelbuchse gesteckt und alles wieder zusammengebaut. Und siehe da: Es funktioniert wieder. Leider nur für zwei Stunden. Unsere Vermutung: Dem Gerät ist’s einfach zu heiß geworden, also hat es sich mal eine Pause gegönnt, die es noch weitere dreimal in Anspruch nehmen wird.

Nachts können wir auf dem Radar die Regenschauern um uns herum beobachten. Ein Squall erwischt uns mit viel Wind und Regen, bügelt die Wellen glatt und beschleunigt die PIA auf 14kn. Herrliches Rauschen!!

Danach ist Bordreinigung angesagt. Etliche Fliegende Fische haben ihren Höhenflug nicht überlebt und sind – dummerweise an Bord und im Trampolin gelandet. Erstens: tot und angetrocknet, zweitens: klein, drittens: wahrscheinlich ziemlich grätig, lassen sie uns nicht auf die Idee kommen, sie in einen Gaumenschmaus zu verwandeln aber erinnern uns daran, dass wir ja noch eine Angel haben, um möglicherweise besseres zu fangen.

Die Dämmerung ist die Zeit der Räuber. Also ziehen wir ab 17.00h den munter von Welle zu Welle hüpfenden oder sie unterschneidenden Oktopusköder hinter uns her.
Um 18.20h gibt es Fischalarm. Die Angelleine – obwohl recht straff eingestellt – rauscht wild sirrend aus. Die Angelrute gleicht einer Bogenlaterne und bei jedem Versuch, die Angelleine ein Stück einzurollen, macht sie einen tiefen Bückling. Das aggressive Kerlchen am Haken kämpft wie wild und….siegt. Es macht „Peng“, die Angelrute schnellt zurück und mindestens 100m Angelleine samt Köder sind verschwunden.
Irgendwie tut mir der Fisch leid. Ein kräftiger Schlag auf den Hinterkopf, um hinterher in unserer Pfanne zu landen, wäre sicherlich ein gnädigerer Tod gewesen, als mit Haken im Maul und Angelleine daran vielleicht jämmerlich zu verenden.

Auch der dritte Tag auf See verläuft sehr ruhig.

Da Bonaire allmählich in Schlagweite rückt, wird der nautische Reiseführer noch einmal studiert. Hier stolpern wir über die Empfehlung – wegen steigender Piraterie – von den Venezolanischen Inseln einen Mindestabstand von 30sm zu wahren. Mit dem Einhalten der bisherigen Kurslinie würden wir die „Islas de Aves“ in einem Abstand von nur 5sm passieren.
Wir ändern also den Kurs, um die Inseln wenigstens 20sm nördlich passieren zu können und werden später das aktive AIS ausschalten und keine Navigationslichter setzen. Das Radar wird uns – falls nötig – hoffentlich rechtzeitig warnen.

Für den Wassertourismus ist es traurig, dass ein Land mit einer so wunderschönen Küste und Inseln wie den „Islas de los Roques“ und den „Islas de Aves“, die zum Schönsten gehören, was die Karibik zu bieten hat, inzwischen zu einem „No Go“ geworden sind.
Um 18.00h befinden wir uns genau 19sm vom nördlichsten Punkt der „Aves de Sotovento“ und schauen sehr oft in diese Richtung, um das eventuelle Herannahen einer Piroge erkennen zu können. Wir sehen nichts und hoffen sehr, dass unsere PIA nicht – als vorbei schwimmende „Opportunität“ – von möglichen Piraten erkannt wird aber in der hereinbrechenden Dunkelheit allmählich verschwinden wird.

Das Sirren der neu bestückten Angel lässt uns aufhorchen. Schnell bin ich an der Angelrute, gebe noch ein wenig Leine, dann gibt’s einen mächtigen Ruck, ein herrlicher Bonito macht einen blitzschnellen, hohen Salto mit zirkusreifer Drehung in der Luft und verschwindet wieder im Wasser.
Die schlaff hängende Angelleine ist das Indiz für einen weiteren Misserfolg. Die Diagnose: Der Angelhaken ist in der Mitte abgebrochen.

…und die Jungs, die blicken stumm auf dem (wieder einmal) leeren Fischteller herum…

Der Ersatz aus der TK-Truhe, Lachs in Wein-Sahnesauce mit Linguine und Fenchelsalat ist auch sehr lecker aber so ein Bonito wäre das Tüpfelchen auf dem „i“ gewesen…

Nach dem Abendessen wird’s spannend. Die Navigation zeigt noch 3Std. bis nach Bonaire an, d.h. wir werden bei absoluter Dunkelheit, zwischen 23.00h und 0.00h die Südspitze von Bonaire erreichen. Sicherheitshalber aktivieren wir das Backup, die „Open Sea“ Karten auf dem Laptop, falls der Navi-Bildschirm wieder ausfallen sollte und halten angestrengt Ausschau nach den angegebenen Leuchtfeuern. Sehr spät erst lässt sich das Leuchtfeuer an der Südspitze Bonaires erkennen, an der wir den Parasailor bergen wollen. Als es endlich erscheint, gibt’s als Gratiszugabe starke Windböen, die die PIA impulsartig auf 10kn beschleunigen. Na, bravo! Den Spaß hätten wir gerne ein bisschen früher gehabt! Jetzt soll er in die Tüte, d.h. in den Bergeschlauch. Wir starten die Stb.-Maschine, laufen vor dem Wind ab, fieren Stb.-Schot und Niederholer und können so –bei nur noch 6kn scheinbarem Wind – in perfektem Teamwork und punktgenau dieses blähfreudige Segel in den Bergeschlauch ziehen.
Eine Stunde motoren wir noch an der Westküste von Bonaire hoch und suchen vergeblich das Leuchtfeuer von „Punt Vierkant“. Aber wir schaffen es auch so. Es ist zwar nicht leicht, die vor der Hauptstadt Kralendijk ausliegenden Bojen bei Nacht zu erkennen und aus dem Wasser zu fischen, aber auch das gelingt und wir haben, in der Nacht von Freitag auf Samstag, (nach 66Std, um 1.00h) das gute Gefühl, angekommen zu sein.

Und was uns am nächsten Morgen begeistert ist das schönste und klarste Wasser, das wir bisher in der Karibik gesehen haben und eine Stadtsilhouette, die sehr an holländische Seebäder erinnert…

Später mehr über das hiesige Meer…