20150528 Es ist ein holperiger Start…

nach dem Erreichen des ersten, richtig großen Etappenzieles, das immerhin ca.7500km von Deutschland entfernt ist…

Einerseits präsentiert sich die Karibik anders, als wir sie erwartet haben, andererseits lassen die traurigen Geschehnisse zu Hause keine richtige Freude aufkommen.

Daher gibt’s im Folgenden Fragmente eines Reiseberichtes.

Unser Ankunftshafen „Fort de France“ auf Guadeloupe ist in der jetzigen, von häufigen Regenschauern geprägten Saison ein stickiger Hafen. Eine Menge kleiner Lokale, in denen überwiegend gute französische oder kreolische Küche geboten wird, säumt das Hafenbecken. Leider wird die Nase – auch bei genussvollem Essen- immer von „fehlgeleiteten“ Abwässern umfächelt oder der „Faule-Eier“-Geruch der verrottenden „Sargasse“ steigt in die Nase.

Sargasse, so nennt sich die diesjährige Plage in der Karibik. Es ist eine Braunalge, die in großen Teppichen auf dem Wasser treibt (sich übrigens auch um unsere Schrauben wickelte, was zu starken Vibrationen führte und dadurch die Halterung der Lichtmaschinen abbrechen ließ) und sich in 40 – 60cm dicken Schichten an den Atlantikstränden auftürmt, um dort mit einem, den Atem raubenden Gestank zu verrotten. Touristen halten sich fern von den normalerweise sehr schönen und beliebten Atlantikstränden und Segolène Royale verspricht Guadeloupe und Martinique 800 000€, um die Inseln bei der Beseitigung dieser Plage zu unterstützen.
Point à Pitre ist m.E. keinen Besuch wert. Monsieur Hollande sieht das eventuell anders. Er kam am 10.Mai nach P.a.P. um die Gedenkstätte gegen die Sklaverei einzuweihen. Es ist ein monströser, langgestreckter Bau mit einer Art Tonnendach, das von vielen, glänzend-silbrigen Bändern umspannt wird, von EU-Geldern finanziert wurde und ganze 92Mill. Euro kostete. Ziemlich augenscheinlich hätten die Gelder sehr viel sinnvolleren Projekten zugeführt werden können.

Wir zücken unsere Kamera lediglich auf dem farbenprächtigen Gemüse- und Gewürzmarkt, dessen Produkte von Marktfrauen in gelb-rot-karierten, Spitzen-besetzten Kleidern präsentiert werden.

So schnell wie möglich wollen wir den stickigen Hafen und diese Stadt verlassen, kommen aber erst nach unserem zweiten Anlauf, am 27.April dazu, als Isabel und Klaus uns besuchen.
Endlich können wir auch Schönes entdecken.
Die Ilet de Gosier, eine Mini-Insel mit betagtem Leuchtturm lässt uns frische Luft atmen. Schnorcheln, Schwimmen und einfach Entspannen füllen die ersten Tage vor Anker.

Danach geht’s weiter auf die „Iles des Saintes“, die auch zur Inselgruppe von Guadeloupe gehören. In allen einschlägigen Führern werden sie als idyllisch und paradiesisch beschrieben. Das wissen natürlich die Einheimischen, die verlängerte Wochenenden (wir schreiben den 1.Mai…) nur zu gerne hier verbringen und tausende von Touristen zu Wasser und zu Lande haben es verinnerlicht. So finden wir in den großen Bojenfeldern der malerischen Buchten keine einzige freie Boje und auf den Ankerplätzen in annehmbarem Tiefenbereich geht man fast schon auf Tuchfühlung. Vorsichtig müssen wir uns – mit nur einem Motor – durch das dicht belegte Bojenfeld schlängeln, da Klaus entdeckte, dass die Backbordschraube eine Fischernetzgirlande mitschleift.
Kaum haben wir ein Ankerplätzchen gefunden, springen Isabel und Klaus ins Wasser und machen sich an das Herausoperieren der Fischerleine…

Auch im malerischen Örtchen Bourg des Saintes ist die Hölle los. Touristen schieben sich durch die Straßen, vorbei an unzähligen Läden, die alles Mögliche anbieten oder knattern auf Rollern oder kleinen Motorrädern über die Insel. Um einen Platz in einem der hübschen Restaurants zu bekommen, muss man beizeiten vorreservieren. Das machen wir für den Sonntagabend. Feingemacht sitzen wir im Dinghi und haben zum Schutz gegen eventuell überkommendes Spritzwasser -blauäugig – zwei Badetücher mitgenommen. Die beiden Gallionsfiguren, Isabel und ich merken bald, wie das „bisschen“ Spritzwasser aus den vollgesaugten Badetüchern in die Kleider dringt und sitzen anschließend – wie aus dem Wasser gezogen – mit triefenden Haaren und Klamotten – bei einem ausgesprochen leckeren Essen.

Drei Tage später sollen wir das Highlight des Urlaubs mit Isabel und Klaus erleben. Wir segeln nach Malendure,

um dort zwischen dem Strand und dem Inselchen „Pigeon“ (das Täubchen)zu ankern.

Hier erstreckt sich, wie ein Dreieck an der Küste entlang der Jaques-Cousteau-Unterwasser-Nationalpark. Der französische Meeresforscher sorgte dafür, dass Fischen hier verboten wurde und erklärte das Revier rings um die Insel zu einem der zehn besten Tauchplätze der Welt. Zahlreiche Tauchschulen bieten – für Nichttaucher oder Anfänger sogenannte „Baptêmes“ an, bei denen der Tauchschüler für eine halbe Stunde an die Hand genommen wird, um – Seite an Seite mit dem Tauchlehrer – durch die unglaublich schönen Korallengärten mit Tausenden bunter Fische zu gleiten.

Wir gönnen uns das Vergnügen drei Mal und sind jedes Mal von Neuem erstaunt über die unfassbare Vielfalt und Farbenpracht der Unterwasserwelt.
Selbst am Ankerplatz wird’s nicht langweilig. Schildkröten recken ihre Hälse aus dem Wasser, um kurz darauf wieder zum Grasen abzutauchen und Hai-ähnliche Putzerfische heften sich knabbernd an die Rümpfe der PIA. Leider fehlt es der Putzkolonne an Effektivität….

Zwei Tage haben wir noch ein Mietauto, um uns ein wenig das Inselinnere anzuschauen, das sich mit seiner überbordenden, Dschungel-ähnlichen Natur in allen Grüntönen der Welt präsentiert aber hier und dort den Blick auf intensiv rote, gelbe, rosafarbene oder blaue Blüten freigibt.

Die Insel ist reich an Wasser und bietet herrliche Wanderungen auf teilweise sehr schön gestalteten Wanderwegen zu verschiedenen Wasserfällen. Wir baden im Sammelbecken der kleinsten Fälle, der „Chutes d‘ Ecrivisses“

Den – für die Karibik obligatorischen – Besuch einer Rumdestille machen wir bei Longueteau. Nach dem Besuch der herrschaftlich wirkenden Präsentations- und Verkaufsräume und dem Anblick des edel wirkenden Landsitzes der Inhaber, fällt die Führung durch die Destille (vom Zuckerrohr bis zum Rum) sehr deftig und urtümlich aus. Eine Probe des frischen Destillats mit 81% Alkohol zieht uns fast die Schuhe aus.

Nun heißt’s für die Beiden Abschied nehmen.
Wunderschöne 16Tage sind zu Ende.

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