20190601 Alles reine Nervensache!

Der Tag der Abreise ist gekommen. 6.00h Aufstehen, Genua anschlagen, schnelle, kleine Verproviantierung, eine letzte Maschine Wäsche waschen, Verabschiedung von den Werft- Mitarbeitern, danach Abpumpen der Fäkalientanks, Diesel und Wassertanks füllen…Abfahrt zwischen 13 und 14.00h. So der Plan…

Die Wirklichkeit funkt wieder einmal dazwischen, denn als wir uns von den Mitarbeitern verabschieden wollen, sind alle in der Pause. Zurück an der Waschmaschine treffe ich Gwen, die ganz beiläufig erwähnt, dass sie und ihr Mann 2015  den Big Loop gemacht haben. Ich bombardiere sie mit Fragen, sie ruft ihren Mann, ich den meinen und schon beugen sich vier Köpfe über die Karte: „Big Loop“. Chris erzählt begeistert, Gwen holt Visitenkarten diverser uns nützlich erscheinender Personen und schenkt uns eine Flagge der AGLCA, der Vereinigung der Freunde des Big Loop…

Die Verabschiedung von den Werft-Mitarbeitern macht ein bisschen wehmütig, vor allem bei Nick.  Rückblickend war die Zeit hier gar nicht so schlecht.

Es ist 17.00h als wir ablegen. Fäkalientanks leer, die Wassertanks voll, wir bis auf die Haut durchnässt, da das Abpumpen und Auffüllen im strömenden Regen stattfinden musste.

Nach dem großen Regen…

Weit werden wir heute nicht mehr kommen.

Nach einer Nacht vor Anker im Bohemian River geht’s morgens um 6.20h weiter. Über dem CD Canal (der die Chesapeake Bay mit dem Delaware verbindet) liegt Morgenstimmung. Die Sonne lässt das Wasser grün leuchten, würzige  Waldluft weht vom Ufer herüber und zwitschernde Vögel begleiten uns. Wir haben 5kn Strom mit und schießen mit teilweise 10kn der Mündung in den Delaware entgegen.

Herrliche Morgenfahrt auf dem CD Kanal

Zweieinhalb Stunden später haben wir sie erreicht, setzen das Großsegel und werden mit Windunterstützung und 5kn Strom der Mündung des Delaware entgegen geschoben, bis…

die Idylle urplötzlich und abrupt beendet wird. Ein lauter, anhaltender Piepton und eine blinkende Warnanzeige am Autopiloten lassen den Puls hochschnellen. Das Steuerrad wird vehement nach links gedreht, die PIA beschreibt mit 7kn. Geschwindigkeit einen Kreis; ich will die Handsteuerung aktivieren, was mir nicht gelingt; PIA setzt zum Gegenkreis an. Peter, an der Navigation sitzend, bemerkt mein Geschrei und die Kapriolen der PIA und kann den Autopiloten ausschalten.

Meine Nerven liegen blank! Ich traue mich kaum, das Steuerrad wieder in die Hand zu nehmen. Zum Glück waren weder Bojen noch andere Schiffe in unmittelbarer Nachbarschaft.

Peter behält die Ruhe. Er schaltet den Autopiloten wieder ein, der antwortet prompt mit Piepton, Warnleuchte und Kreisfahren…Wir können den Warnhinweis nicht erkennen…

Mit zittrigen Knien und Händen steuere ich von Hand während Peter den Autopiloten abklemmt, um den Ersatzsteuerautomaten anzuschließen. Nach einer Stunde ist alles erledigt und der Raymarine AP tut zuverlässig seine Arbeit. Aber der Schrecken sitzt tief. Immer wieder werfe ich misstrauische Blicke auf das Display, um mich zu vergewissern, dass alles ok ist.

Gegen 17.00h werden wir die Mündung des Delaware in den Atlantik erreichen. Der Plan, dort – in Lewes –  für die Nacht  noch einmal zu ankern wird verworfen, da der Wetterbericht sagt, dass das für den Sonntag angekündigte Tief mit  Sturmböen und viel Regen bereits am Samstag über unserem Fahrtgebiet sein soll. Also nehmen wir eine Nachtfahrt in Kauf, die wir beide ziemlich anstrengend finden, da wir sehr müde sind. Einige Boote haben kein AIS, sind auf dem Radarbild schlecht zu erkennen oder haben keine regelrechte Lichterführung, was die Identifizierung erschwert.

Die Morgendämmerung lässt auf sich warten. Um 7.00h: der nächste Schreck. Peter öffnet den Wasserhahn. Kein Wasser fließt, nur ein müdes Röcheln und Gurgeln ist zu hören. Die Tankanzeige sagt, dass der BB-Tank leer sei. Schreck lass‘ nach! Wo sind die ca. 250 Liter geblieben? Ist eine Leitung geplatzt? Gönnen wir unserem Biervorrat, den Wasserflaschen und den Ersatzteilen in der Bilge  mal wieder ein Vollbad??? Nein! Auf der BB-Seite ist alles trocken.

Heimlich und leise hat sich der gesamte Tank über den nicht ganz geschlossenen Wasserhahn im Stb.-Bad entleert. 🙁 🙁 Die „Silverline“ an der „Dark Cloud“: 350l Wasser haben nicht die Bilge der PIA geflutet, sondern das Salzwasser des  Ozeans homöopathisch verdünnt. 🙂 🙂

Endlich: Die Verazzano Bridge mitsamt der Silhouette von New York löst sich aus dem Dunst.

Wir haben  Sandy Hook erreicht, die Einfahrt in die Bucht von New York. Um 9.00h liegen wir fest an der Boje in Great Kills. Vor der wohlverdienten Mütze Schlaf wird uns das telefonische Anmelden in New York auf nette Art und Weise abgenommen. Die Custom and Boarder Protection kommt höchstpersönlich an Bord, nimmt alle Daten auf, gibt noch ein paar Tipps und verschwindet wieder.

Endlich schlafen!!!

Abends zieht es uns zur Fähre. Einmal Manhattan und zurück. Von der Boje mit dem Dinghi an Land, 500m zu Fuß zum Bahnhof, von dort mit dem Zug zur Fährstation. KOSTENLOSE Fährfahrt (das einzige Transportmittel New Yorks, das kostenfrei für alle Benutzer ist) an der Miss Liberty vorbei, mit Blick auf Manhattan nach South Manhattan und wieder zurück nach Staten Island.

Wow! Manhattan!
Einsam sieht sie aus in der stillen Dämmerung…
Bis bald! Wir kommen!

Wir sind angefixt. Da wollen wir so schnell wie möglich hin. Das erste Ziel: Ankern vor bzw. hinter Miss Liberty, Sonnenuntergang dort erleben und übernachten; dann weiter nach Port Washington (in der Manhasset Bay am Long Island Sound), um von dort NYC zu erobern…

Für die nächsten beiden Tage ist diesiges Wetter angesagt; d.h. schlechte Aussichten für ein gelungenes Sonnenuntergangserlebnis zu Füßen der Freiheitsstatue. Also heißt es: Abwarten. Wir nutzen den Sonntag zum Erkunden des Great Kills Parkes, der ein hübsches Stück Wald, die Ankerbucht und den Strand umschließt.

Aus dem Wäldchen heraustretend schlägt uns der Geruch von verwesendem Fisch entgegen. Eine Fischfabrik? Nein! Schlechte Sitten! Die grobe Steinschüttung am Ende der Ankerbucht ist übersät von verwesenden Fischköpfen und –gerippen… Der Park samt Bucht und Strand gehört am Wochenende den Latinos. Ganze Familien kommen zum Lunchen hierher,

Vorsicht Fußangeln!!!

Angler hängen schlafend in ihren Strandstühlen, während wir höllisch aufpassen müssen, nicht über die drei bis fünf ausgelegten  Angelleinen zu stolpern. Der frisch gefangene Fisch wird gepackt, mit zwei gekonnten Messerschnitten von den Filets befreit, Gerippe und Kopf weggeworfen.

Wenn das Foto auch Gerüche wiedergeben könnte…

Es stinkt zum Himmel. Nasenbeleidigend!! Trotz flotten Schrittes benötigen wir 3 Stunden, um wieder auf der „wohlriechenden“ PIA anzukommen.

Noch mindestens 3 km bis zur PIA auf der anderen Seite der Bucht…

Abends laufen Karin und Michael mit ihrer „Via Nostra“ ein. Die deutsche Flagge am Heck lockt uns an. Sie haben einen anderen Wetterbericht als wir und gehen davon aus, dass der Montag der geeignete Tag für das Ankern hinter Miss Liberty ist.

Mit dem Versprechen, uns in Port Washington auf einen Schnack zu treffen gehen wir auseinander und erleben am Montag Miss Liberty bei Nacht: Karin und Michael in der Liberty Marina, wir vor Anker…

20190526 Memorial Day

Endlich an der Boje…Es ist Sonntagmorgen, 7.00h. Sonnenstrahlen fallen durch die aufgestellte Luke und der blaue Himmel lässt einen schönen Tag erahnen. Im Cockpit ist alles nass, da es in der Nacht kräftig geregnet hat. Wassertropfen glitzern an der Reling. Munteres Vogelgezwitscher und der frische, würzige Duft des regennassen Waldes wehen zu uns herüber. Während ich die unglaublich schöne Stimmung in  sonntäglicher Stille genieße, scheint man auf den umliegenden Booten noch zu schlummern.

Die Sailing Association mitten im Grünen
Gegenüber bewaldetes Ufer
Unser Freund der Reiher…

Um 9.00h gibt’s Szenenwechsel: ein leichter Windhauch kräuselt die Wasseroberfläche und lässt die kleinen Wellen in der Sonne glitzern, Gemurmel, Lachen und Musik kommt von den umliegenden Schiffen, erste Sonnenanbeter knattern mit ihren Dinghis an uns vorbei, das Wassertaxi transportiert bereits Unternehmungslustige.

Es ist das Wochenende um den Memorial Day herum, der immer am letzten Montag im Mai gefeiert wird. Man gedenkt an diesem Montag der gefallenen Soldaten, schmückt ihre Gräber mit kleinen Flaggen und die Nationalflagge weht auf Halbmast.  Wir erleben hier die zweite Bedeutung dieses Tages: Langes Wochenende für die arbeitende Bevölkerung, Eröffnung der Sommersaison und Hochbetrieb in allen Freizeiteinrichtungen. So auch hier im Sassafras River.

SUPs mit Angel und Fischerutensilien darauf, daneben röhrende Cigars, die mit qualmenden, dröhnenden Auspuffanlagen an der Tankstelle anlegen, schnelle Sportfischerboote, gemütliche Freizeitkapitäne und jede Menge Ausflugsboote.

Angler mit Ausrüstung auf SUP

Ferienstimmung auch bei uns. Trotz des Rummels tagsüber genießen wir es, im Wasser zu sein, mitten im Grünen, von Singvögeln geweckt zu werden, Adlern, Geiern und Fischreihern zuschauen zu können…Wir laden ein zu Kaffee mit selbstgebackenem Rhabarberkuchen, was für Amerikaner sehr ungewöhnlich ist, sitzen abends in gemütlicher Runde zusammen und werden von Bodo und Mary zum Lunch eingeladen.

Das fühlt sich sehr gut an, nach den stimmungsmäßigen Hochs und Tiefs der letzten Tage.

Die Neugier zieht ihn auf unsere Boje…

Das Pläneschmieden kann beginnen.

Leinen einziehen, Segel anschlagen, Wetterfenster abwarten, Strömungsrichtungen beachten und New York anpeilen…

Schnell noch ein paar Stellen flicken…
Dann: Segellatten einschieben…

…und hoch die Lappen

Al Capone bei der Arbeit…

20190520 Gänseblümchenblätterzupfen…

Sie liebt mich – sie liebt mich nicht“

Wer denn wen? Oder wer wen nicht? 

Geht es da etwa um eine kapriziöse PIA mit ihren stimmungsschwankenden Liebhabern?

Seit 5 Wochen wird sie nun von uns verwöhnt. Immer wenn wir glauben, dass sie uns liebt und mit uns ins Wasser will, wartet sie mit neuen Kapriolen auf: nasse Stellen im Rumpf, nicht funktionierende Betriebsteile, die nicht nur den komplizierten, verrenkungsreichen Ausbau, sondern auch das komplette Zerlegen selbiger erfordern, um der Ursache auf die Spur zu kommen…

Wie oft wünschen wir uns da ein Oktopus zu sein, der sich mit seinem – in alle Richtungen faltbaren – Körper  in die kleinste Spalte hineinzwängen kann, um dann mit acht Armen gleichzeitig sich abstützen, Werkzeuge halten, zusätzlich schieben, schrauben und vieles mehr zu können…

Heute sollen die ‚Sie liebt mich nicht –Tage‘ beendet sein, da der Travellift uns ins Wasser bringen wird.   Bis… Peter noch schnell die Opferanoden an den Kühlschwämmen unter dem Schiffsboden austauschen möchte…

Ausbau des Kühlschwammes

Dabei stellt er fest, dass sich ein Schwamm gelockert hat und Wasser über diese Öffnung ins Schiff eindringen könnte.

Fazit: Sie liebt mich nicht… Ein weiterer Tag an Land  mit Ausbauen, Einkleben, Abdichten…

Dienstag, der 21.5.19

Um 12.00h rollt der Travellift an, PIA wird eingegurtet, zum Einsatzbecken transportiert und sanft ins Wasser gesetzt.

Wieder im Wasser

Leider haben wir heute einen kräftigen Wind, der das Manövrieren nicht gerade leicht macht. Aber die Motoren starten prima und zwei perfekte Anlegemanöver an der Tankstelle sowie am Mausefallen-ähnlichen Steg veranlassen die  Betrachter zu Beifallsbekundungen und wirken wie Balsam auf des Skippers Seele, gepaart mit ein wenig Stolz.

Die Mausefalle:

Sie liebt mich!!!!

Aber nicht lange!

Als Peter die Maschinen wieder starten will um zu testen, ob die Lichtmaschinen funktionieren, springen zwar beide Motoren an aber die Stb-Maschine setzt nach wenigen Sekunden wieder aus. Erneute Versuche zeigen immer wieder das Gleiche.

Maßlos enttäuschte Liebhaber!

Innerliche Abwendung, Wut oder Resignation helfen nicht. Tatkraft ist gefordert: kontrollieren ausbauen, umbauen, testen.

Die vorsichtige Prognose (am Abend) nach achtstündiger Arbeit am STB- Motor: Er springt sofort an und läuft zuverlässig durch. Wiederholte Starts am nächsten Morgen zeigen Gleiches.

Das veranlasst den Skipper, auch an der BB-Maschine die Dieselpumpe (die sich als das Hauptproblem erwiesen hatte) gegen eine größere auszutauschen.

Um 12.00h mittags, 24 Stunden nach der Wasserung: Wohlklang zweier schnurrender Motoren in den Ohren, strahlende Gesichter, Sonne…

Sie liebt mich!!!

20190506 Aussichten – Einsichten – Zukunftsvisionen

Seit 19 Tagen sind wir wieder in den USA, vor 14 Tagen in die PIA eingezogen, wo wir seitdem „unter der Haube“ leben, in die wir drei Gucklöcher geschnitten haben, um eine „grandiose“ Aussicht zu genießen…

Ausblicke

Die Aussicht aufs Wasser und in selbiges hinein gehoben zu werden ist verstellt von zwei Katamaranen, an denen Restarbeiten ausgeführt werden….

Dafür gibt es jede Menge Einsichten, Draufsichten und Übersichten, die viel Arbeit verheißen. Wo bleibt die Zuversicht???

Eine erste, flüchtige Inspektion der PIA zeigt keine besonderen Auffälligkeiten, bis auf zwei kleine Risse am Heck, denen wir zunächst keine besondere Aufmerksamkeit schenken.

Bei genauerem Hinsehen aber erkennen wir, dass sowohl die Spannschraube des BB-Wantes stark verbogen ist, als auch der gleichseitige  Bugkorb.

Starke Kräfte müssen da eingewirkt haben…

Das muss beim Rangieren der Boote im Winterlager passiert sein. Die Reparaturkosten werden von der Werft übernommen.

Die von der Fahrwassertonne derb geküsste Stb.-Seite ist vom Tausendsassa Nick perfekt repariert worden. Nicht die geringste Spur einer Kollision ist mehr zu erkennen.

Dafür gibt’s nun zwei weitere Baustellen: Vom Bad aus erkennen wir ein schmales braunes Rinnsal, das sich seinen Weg von unterhalb der Deckenpaneele in die Seitenverkleidung gebahnt hat.  Die böse Ahnung: Wasser konnte – durch Risse am Fuß der Relingsstütze – ins Holz eindringen. Die Probebohrung zeigt es: Der Bohrer flutscht nur so durchs marode Holz und gewährt Durchblick ins Bootsinnere…

Nick bei der Arbeit…
Durchfeuchtete Späne…

Schlimmer noch erweisen sich die Baustellen am Heck. Das, was wir beim Öffnen des bösen Risses an der Außenkante des Hecks vorfinden, wirkt harmlos im Vergleich zu dem Krater, der sich unter dem Haarriss auftut.

Aufbohren des kleinen Haarrisses…

Hydraulikstempel ausgebaut, Seitenwand wird entfernt…

Die Trennwand zwischen den Stufen zur Passerelle und dem Gehäuse des Hydraulikzylinders ist komplett morsch. Wo ist das eingedrungene Wasser und woher kommt es?

Die erste Frage beantwortet sich teilweise beim Blick durch die Inspektionsluke am oberen Rand des Motorraumes. Eine Dampfsauna!  Wassertropfen glitzern an Wänden und Decke.

Sägegeräusche, danach ein plötzliches, lautes „Wow“ von Peter und Nick, Pumpengebrumm und starkes Wasserrauschen lassen mich hochschrecken.

Nick hat eine zweite Inspektionsluke vom Motorraum in die Trennwand zum Heck gebohrt, Wassermassen schießen in den Motorraum, die Bilgenpumpe springt sofort an und pumpt ca. 80 l Wasser nach draußen. Oh,Oh!!!

Der Einblick ist da (…und was für einer!!!!);

Der Durchblick fehlt;

Der Lichtblick: Wir haben Nick…

Der entfernt alle maroden Hölzer, zwei Tage laufen die Trocknungsgeräte, dann wird geschliffen, gespachtelt, mit Gewebe verstärkt und lackiert….

Schöne Einblicke in die Arbeit eines Profis…

Schaden behoben, perfekt erneuert, 1. Lackschicht aufgebracht…

 Peter widmet sich indes der Stb.-Heizung, die uns beim Anlaufen stark einnebelt. Einen Tag braucht er für Ausbau, Zerlegen in Einzelteile, Einsetzen von Ersatzteilen und Wiedereinbau.

Alt und neu…der Brennkappenvergleich…

(Danach hätten Weicheier – sollte es solche an Bord der PIA geben – wieder die Möglichkeit, morgens im vorgewärmten Bad die Morgentoilette zu betreiben.)

Der komplett verregnete Sonntag scheint geeignet, das seit drei Jahren  vor uns hergeschobene Projekt der Toilettenauswechslung in die Tat umzusetzen. Die eigentliche Toilette bleibt,

Vakuumbehälter und Pumpen-Sensibelchen: Eigentlich schön anzuschauen…

Vakuumbehälter und Pumpe fliegen raus und werden durch eine elektrische Zerhackerpumpe ersetzt, die hoffentlich auch das, was nicht in Atomteilchen zerkaut wurde, zuverlässig zerhackt und in den Fäkalientank befördert.

Die neue Zerhackerpumpe…

Der Probelauf – in der Versuchsanordnung –  gelingt….

Zu Peters wahrem Hobby scheint sich allerdings das Basteln an der Elektrik zu entwickeln. Stundenlang liegt er – höchst unkomfortabel und seltsam verdreht- in der Hundehütte unter der Navigation, prüft den Verlauf von Kabeln, trennt sie, sucht nach Möglichkeiten, neue Kabel z.B. für das zweite Echolot und dessen Anzeigeinstrument zu verlegen, bringt eine Ladestation für die diversen Laptops an mit zentralem Schalter und sinniert auf langen Autofahrten (oder vielleicht sogar nachts im Schlaf!!!) über neue elektrische Finessen oder Vereinfachungen in der Bedienung vorhandener Geräte.

So fließt die Zeit dahin…

Crab Apple???

Und wenn der letzte Baum die letzte Blüte abgeworfen hat und das frische Frühlingsgrün sich in dunkleres Sommergrün wandelt, dann werden wir hoffentlich im Wasser sein und vom baldigen Ankern zu Füßen der „Miss Liberty“  in New York träumen können.

– ohne Worte –

20190501 Start in die Segelsaison 2019

17.April 2019, 12.00h Ortszeit New York

„Welcome to the USA“ hören wir (mit breitem Strahlemannlächeln, das der gesamten Dentalbranche zur Ehre gereichen würde) aus dem Mund des hoch  gewachsenen Zollbeamten und es ergießt sich wie Balsam über Körper und Seele.

Ein Teilziel ist erreicht: Der Flughafen JFK von New York… Leider nur das Teilziel, weil unser Flug ja eigentlich nach Baltimore gehen sollte.

Aber…es ist wie immer bei uns: Über den geraden Weg erreichen wir selten ein gestecktes Ziel. Wenn es große Umwege gibt, die entweder viel Zeit, Strecke, Geld, Nerven oder alles zusammen kosten, dann  greifen wir beherzt zu.

Kommt dann noch „Höhere Gewalt“ hinzu heißt es: „Gehe zurück auf ‚Start‘“!

Diesmal fordert „WOW AIR“, bei der wir den Flug nach Baltimore gebucht hatten, besagtes Prozedere.

Die Airline ist pleite, was wir durch Zufall – 8 Tage vor dem geplanten Abflug – beim gemütlichen Beisammensein mit Freunden (Gerhard sei Dank!!!) erfahren.

Ersatzflug oder Kostenerstattung: Fehlanzeige!

Die neue Herausforderung: Finde ultra-kurzfristig einen bezahlbaren Flug – vier Tage vor Ostern – in die USA; nach Möglichkeit Nähe Baltimore…

Drei Personen suchen fieberhaft. Isabel findet die einzige Kompromisslösung: Mit Singapur Airline Abflug am gleichen Tag (17.4.) aber viel früher, doppelt so teuer und nicht nach Baltimore sondern nach New York.

Danke an Dieter M. der uns – fast mitten in der Nacht – rechtzeitig am Flughafen Ffm abliefert.

Das Einchecken ist flott erledigt: ca. 60 kg Ersatzteile und 50 kg Eigenbedarf rollen kommentarlos über das Gepäckband und wir stehen 10 Std. später – nach angenehmem Flug mit gutem Unterhaltungsprogramm – im JFK-New York vor der Passkontrolle…

Das Dental-Model, Officer Nr. 1, nimmt unsere Pässe, hört sich Peters Erläuterungen bezüglich des Aufenthaltswunsches in den USA an, sperrt seinen Schalter vor den nachfolgenden, verdutzt dreinschauenden Einreisewilligen ab und bringt uns zu seinem Kollegen. Der tut – wortkarg – das Gleiche und bringt uns in einen großen Wartesaal.

Hier geschieht 1 ½ Std. nichts. Es ist Mittagspause. Danach geht  alles sehr schnell. Peter zeigt dem Officer unseren einjährigen Reiseplan (Landkartenausschnitt) mit den wahrscheinlichen Aufenthaltsdaten entlang der „Big Loop“-Route; der erkundigt sich sehr interessiert nach unserem Schiff, dem Leben auf selbigem, gibt uns im Handumdrehen zwei Stempel in die Pässe mit der Genehmigung, bis zum 16.4.2020 ununterbrochen die USA bereisen zu dürfen und wünscht uns eine gute und interessante Reise.

Der nächste Schritt: Mietwagen. Vier große Koffer, zwei Bordcases, zwei Handgepäckstücke passen mühelos in den Fiesta.

Vollmundig verspricht die Navigationstante, unser Ziel – Baltimore – in 3 ½ Stunden zu erreichen. Diese gründliche Fehlprognose baden wir mit 3 ½ zusätzlichen Fahrstunden aus, sind glücklich, nach 6 1/2 Std. die erste Brücke von Baltimore zu sehen und fallen – nach 24 Stunden des „Auf den Beinen Seins“ total erledigt in die Hotelbetten.

Die Francis Scott Key Bridge in Baltimore

Neuer Tag, neues Glück: Der Fiesta wird abgegeben und eingetauscht gegen einen sehr komfortablen Chevrolet, den wir die nächsten 4 Tage fahren werden. Neugierig und ein bisschen aufgeregt geht’s zum Wiedersehen mit der PIA. Ein freundliches „Welcome back“ von Seiten der Werfmitarbeiter lässt ein erstes, zartes „Zu Hause- Ankommen-Gefühl“ auftauchen.

Da steht sie: Eingehüllt in eine „Shrink-Wrap“ wie eine Schneegans…

Eine Reißverschlusstür ermöglicht uns den Einstieg ins Cockpit.

…und ein Herausrufen froher Osterwünsche in die Welt…

Ein bisschen Staub, einige Blätter im Cockpit, drinnen alles blitzesauber und trocken: das beruhigt.

Dennoch wollen wir die ersten Tage im Hotel verbringen. Eine krasse Fehlentscheidung! Nun ja!

Tag 1 auf der noch unbewohnten PIA: Alle winterfest gemachten, Wasser führenden Systeme werden gespült. Alles paletti, bis auf die undicht gewordene Küchenarmatur, die – im geschlossenen Zustand – fast eben so viel Wasser durch die Ventile drückt wie im offenen…

Tag 2: Die Heizung sorgt im Stb.-Rumpf für seltsamen, die Atemwege jedoch nicht reizenden Nebel. Ausbau, Zerlegen, Reinigen, Ersetzen… Viel Arbeit aber Erfolg und „ungetrübte“ Wärme sorgen für sehr zufriedene Gesichter.

Ostersonntag:

Wir besuchen Peters Cousine 2. Grades, die uns zum Brunch in ihr Haus nach Philadelphia eingeladen hat und bekommen erstmals einen Einblick in das Leben einer amerikanischen Familie.

Das große Haus auf einer kleinen Anhöhe, eines unter lauter gepflegten Anwesen mit herrlich blühenden Bäumen, prächtig angelegten Gärten und ausgedehnten Grünflächen wirkt sehr einladend. Und die Inhaber sind’s.

Wir werden herzlich aufgenommen und sind im Nu von der Familie umringt. (Debbies Bruder ist mit seiner 5köpfigen Familie aus NY angereist, ihre 82jährige Mutter Marianne, Oma Lilos Cousine, aus dem Nord westen von Philly).

Marianne, Omas Cousine mit Tochter Debbie und Sohn Brian…

Hier mit zweien ihrer Kinder und Schwiegerkinder sowie Vieren der insges. 8 Enkel

Allie, Debbies jüngste Tochter wird heute 16, Connor, Brians jüngster Sohn wird im Mai 13…

Man möchte  den Familien-Stammbaum genauestens erläutert haben und stellt viele Fragen.

Das typisch amerikanische Brunchbuffet bietet alles, was das amerikanische Herz begehrt.

Wir tafeln und reden und lachen, versprechen, den Kontakt zu halten und planen ein Wiedersehen auf der PIA.

Ostermontag

Die erste Hürde (Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr) ist genommen, die zweite steht bevor: Der Erwerb einer neuen Cruisinglicense (Genehmigung für das Befahren amerikanischer Gewässer). Auch hier hängt die Gültigkeitsdauer dieser Bewilligung sehr vom Wohlwollen des Beamten der „Customs and Boarder Protection“  ab.

Unser Mietauto muss in Baltimore (dem Sitz auch dieser Behörde) zurückgegeben werden, also bietet es sich an, das in einem Aufwasch zu erledigen.

Der holperige Ablauf:

Fahrt nach Middletown zu Enterprise:

Anmieten eines neuen Mietautos, um nach Abgabe des Chevrolets in Baltimore wieder zur PIA zurückkehren zu können.

Zwei Mietautos fahren nach Baltimore. Mit zwei Stunden Verspätung gibt Peter den Chevrolet ab, was man uns mit 80 USD hoch anrechnet,

während ich verzweifelt versuche, mich in konzentrischen Kreisen dem „Car Return“ zu nähern. Vergeblich. Peter muss mit dem Bus zum „Abflug“ kommen…

Fahrt zur „Custom and Boarder Protection“. Kontrollen wie vor dem Betreten des Hochsichherheitstraktes einer Staatsbehörde.

Drei Stufen hoch, 1. Tür rechts: Darauf der deutliche Hinweis:

„This Office is temporarily closed“

Telefonnummern der Vertretungen im Cruising Terminal oder Airport (wo wir gerade herkommen!!!) Beide haben bereits geschlossen…

Ohne Cruisinglicense fahren wir nach Georgetown zurück, nicht ohne den Frust des Tages bei einem außergewöhnlich leckeren Essen in „The Kitchen“ in Chestertown auf wohlschmeckende Art hinunter zu schlucken…

Dienstag, 23.4.19

Morgens um 8.00h ist die Welt noch in Ordnung. Telefonauskunft der Behörde: „Yes Sir, we are open“.

Also fährt Peter wieder nach Baltimore, lässt sich auf die gleiche Weise durchchecken, darf nach kurzer Wartezeit sein Anliegen vortragen und bekommt – nachdem der offensichtlich unerfahrene Officer sich diverse Male rückversichert hat – die Cruising License EBENFALLS für 1 Jahr, d.h. bis zum 22.4.2020!!!

Erfolge müssen gefeiert werden. So geschieht’s am Abend des Oster-Dienstags auf der PIA…..

 

20180919 Auf nach Maine Teil II

Maines Küste: Lobsterparadies oder Lobsterhölle?

Es kommt immer auf den Standpunkt des Betrachters an….

Je weiter wir in den Norden kommen, umso felsiger und schroffer wird die Küstenlandschaft, was sich in den Ortsnamen manifestiert: Rockland, Rockport, Rockville etc. Auch die Häuser an der Küste wirken mit ihren grauen, rauen Holzschindeln wettergegerbt und trutzig.

Hier lebt man von den Früchten des Meeres, die da heißen: Lobster

Und darum dreht sich hier alles. Urlauber mit einer Krustentier-Allergie und Segler mit einer Lobsterpot-Phobie sollten diese Region schlichtweg meiden.

Unser Hotel –  kleine, zweistöckige, aneinander gereihte Häuschen –  liegt auf einem Felsvorsprung am Glen Cove, einer Meeresbucht zwischen Rockport und Rockland. Frühstück auf dem Balkon mit Blick auf die in der Morgensonne glänzende Bucht bleibt ein „Sommertraum“. Wir schalten erstmals die Heizung ein und schauen auf die sich auflösenden Nebelschwaden…

Von hier aus wollen wir uns die Küste in Richtung Süden und den im Norden liegenden Akadia National Park anschauen.

Unser erster Ausflug geht zum Rockland Breakwater Lighthouse, das am Ende eines 2 km langen – aus Granit Quadern bestehenden – Wellenbrechers steht und ….nicht zu sehen ist, weil vom Nebel verschluckt…

…Lichtblicke…nach 1 km

Dennoch tapern wir vor bis an die Spitze,

entdecken den ersten, angespülten Lobsterpot

und trotz Nebels – etliche Bojen, die den Lobsterfischern als Markierung für die (an Langen Leinen) auf dem Meeresgrund liegenden Lobsterpots dienen.

Zu tausenden schwimmen sie  – wie ausgesät – in Küstennähe und sogar in Hafeneinfahrten herum und versetzen jeden Segler – bei unzähligen und wegen der ständigen Abdrift schwierigen Ausweichmanövern  – in Höchststress. (Kritische Zungen behaupten, dass es einem PIAno von 7.70m Breite niemals gelingen könnte, so ein „vermintes“ Feld ohne „Beifang“ in dem einen oder anderen Propeller zu durchfahren.)

Wie schön, dass wir das nicht austesten müssen und diese hübsche „Bojenpest“ ganz entspannt von Land aus betrachten können…

so gebündelt…

oder so…

 

Lobsterpots sind Stahlgitterkörbe, die – an langen Leinen mit der Boje verbunden und mit Ködern bestückt – für die Hummer zur tödlichen Falle werden und meistens zweimal täglich von den Fischern kontrolliert und geleert werden.

Aber auch hier gilt der alte Wahlspruch:

„Wat dem einen sin Uhl, is dem anderen sin Nachtigall“

Fette Beute für den Fischer  –  möglicher Verlust des Propellers für den Segler…

Und die  Lobsterpot Metamorphose…

wird zum  Ruhesessel für den Lobster Gourmet…

 

 

Pittoresque wirkt die Landzunge weiter südlich mit ihrem Owls Head Lighthouse…

dem Blick auf die gegenüber liegenden Inseln und die – auf dem Foto nur schlecht zu erkennenden – unzähligen Lobsterbojen

und immer wieder Leuchttürmen…

mal vor – in Knallfarben leuchtenden – Küstenabschnitten, mal an neblig trüben…

Fischerorte und Hafenstädtchen scheinen sich allmählich auf den Winterschlaf vorzubereiten oder sehnen sie sich bereits jetzt nach den Touristenströmen des Sommers?

Unbeeindruckt vom Tourismus sorgen äußerst emsige Fischer für den geschmeidigen Lauf der Nahrungskette…

So zu sagen   >Von der Hand in den Mund<

Anlanden des Fischerbootes: Lobster satt…

Sortieren des Fanges und Verladen in Transportkisten…

Auf die Waage, an den Verladekran  und ab in den Kühltransporter…

…oder in die Kneipe nebenan….

wo die Lobster Lady…

Na, was wohl anbietet???

Das auserkorene Exemplar auf der Waage…

Und 15 min. später – mit zerlassener Butter – auf meinem Tablett….(typisch amerikanisch: aus Plastik!!!)

Aber das „mitessende“ Auge kann sich auf den Lobster focussieren, das Umweltbewusstsein ist ausgeblendet der Gaumen wird gekitzelt… Schmatzifeini!!!

 

Unser nächstes Ziel ist der Acadia National Park, in dem wir zwei größere Wanderungen machen wollen.

Da wir aber bekanntlich nicht zu den „Early Birds“ gehören und nicht damit gerechnet haben, dass man für den Weg dorthin – je nach Verkehr – mehr als zwei Stunden benötigt, geraten unsere sportlichen Ambitionen eher zu Bonsai Wanderungen.

Eine Brücke verbindet die „Mount Desert Island“ mit dem Festland.

In Bar Harbor, einem kleinen aber ziemlich mondänen Hafenstädtchen am Eingang des Akadia Parks, spazieren wir am berühmten Heckenrosenweg entlang

und beobachten das Hin- und Herfahren der zu den Kreuzfahrtschiffen gehörenden Zubringerboote.

Für ca. fünf Stunden herrscht im Städtchen  und der näheren Umgebung Hochbetrieb, dann wird die „Touristenflut“ wieder eingesammelt und  Gemütlichkeit kehrt ein.

 

Der eigentliche Acadia Nationalpark  liegt auf dem östlichen Teil der  –  durch den Somes Sound Fjord  geteilten  – Mount Desert Island  und verdankt seine unberührte Natur dem Stifter John D. Rockefeller, der das Land dem Parkservice stiftete, um es vor den Interessen der Holzwirtschaft zu schützen. Die Kutschwege, die er damals anlegte, werden heute von Wanderern oder Fahrradfahrern genutzt.

Die Park Loop Road führt an der Ostküste entlang und bietet diverse Parkmöglichkeiten, um  von dort aus mehr oder weniger anstrengende Wanderungen – runter an die Küste oder hoch in die bergige Gegend zu unternehmen.

Ocean Trail

Sand Beach

Thunder Hole

Die Sonne verschwindet allmählich als wir uns auf den Rückweg machen…

Für den zweiten Tag haben wir uns die Wanderung um den Jordan Pond vorgenommen. Ein wunderschöner See, der sich in ca. 2 – 3 Stunden umwandern lässt,

auf schmalen, teilweise stark umwucherten Pfaden…

…mit erstaunlichen Begegnungen am Rande…

teilweise über steile, mit Findlingen und Felsstücken übersäte Strecken

oder man wird zum  Balancieren  auf  Balken aufgefordert…

Kernige Wanderer wären von hier aus aufgebrochen zum „majestätischen“ Mittelpunkt des Parkes, dem Cadillac Mountain (466m hoch und damit höchster Küstengipfel der östlichen USA).  Wir ziehen die Fahrt im Auto vor

und werden mit herrlichen Ausblicken auf Bar Harbor

die umliegende Inselwelt…

 

 

und einem ansehnlichen Sonnenuntergang belohnt…

 

 

 

 

 

20180919 Auf nach Maine!!!

Mit dem Auto Auto von Maryland nach Maine…

…durch die New England Staaten…

Das Ziel heißt Maine, Land der Lobster, Leuchttürme, langer Wanderwege und des „Indian Summer“…

Lobster! Allgegenwärtig!!!

Leuchttürme…

Der beginnende Indian Summer…

Der 1. Teil

Von Georgetown an der Chesapeake Bay in Maryland  über  New York mit Long Island nach Cape Cod in Massachusetts…

Klar, das Lobster-Festival, das vom 2.-4. August in Rockland stattfand, ist vorüber. 44.000 Hummer sind in drei Tagen verspeist worden (ohne uns!!!)… Schade!

Aber es gibt ja noch den „Indian Summer“, der die ausgedehnten Wälder Maines mit prächtigen Herbstfarben überzieht. Und den hätten wir weder im August noch auf dem Wasser erleben können.

Nach so viel Pleiten, Pech und Pannen auf dem Wasser hoffen wir nun – wie schon auf unserer Camper Reise – die Schönheit des Landesinneren und seiner Küstenabschnitte (diesmal von der Landseite aus)  genießen  zu können.

Unser erster Anlaufpunkt ist Long Island, wo wir Brigitte und Frank treffen wollen, die mit ihrer Obelix  vor Huntington im Long Island Sound vor Anker liegen.

Die erste Herausforderung: New York City…Sechsspurig geht’s in die Metropole hinein, um sich mehrfach aufzuspalten in vier- und zweispurige Abzweigungen, durch lange Tunnel hindurch,

über  Brücken mit einer oberen und unteren Fahrbahn,

durch die Bronx bis in die östlichen Außenbezirke, die fast nahtlos in die Halbinsel Long Island übergehen.

Wie im Zeitraffer vergeht der Abend auf der Obelix mit Leckerem aus Brigittes Küche, Wein und interessanten Berichten über die letzten Wochen ihrer Segelreise.

Die Sightseeing Tour am nächsten Tag vermittelt uns ein fast melancholisches Bild dieser Halbinsel. Leer gefegte Strände, Parkplätze mit Flatterband abgesperrt, Kiosks mit zugeklappten Läden. Kaum vorstellbar, dass sich im Sommer nicht enden wollende Autoschlangen auf der Suche nach einer Parkmöglichkeit auf einem der immensen Parkplätze hier entlang wälzen.

Aber der Laborday, (Tag der Arbeit in den USA) der am ersten Montag im September gefeiert wird, ist vorüber und damit das Ende des Sommers und der Reisesaison gekommen. Der Hausstrand der New Yorker wirkt verwaist…

„Fire Island“ heißt der schmale Streifen Land, der Long Island noch einmal vorgelagert ist und eine herrliche Wanderung – auf dem Boardwalk – durch die Dünen bietet, immer mit Blick auf den Leuchtturm…

…mit sehr engagiertem „Leuchtturmwärter“…

An diesem Abschnitt des kilometerlangen Strandes braucht man keinen Parkplatz. Man fährt – wie die Spuren beweisen – mit dem „Allrad SUV“ bis zum erkorenen Badestrand…

 

Abschiedsfrühstück im Café Kopenhagen…

Völlig anders als die südliche „Gabelzinke“ von Long Island präsentiert sich die nördliche. Während wir gestern an nicht enden wollenden Stränden entlangfuhren,  wo Nobelvillen sich hinter hohen Hecken versteckten, staunen wir heute – auf dem Weg zur Fähre, die uns ans Festland bringen soll – über das krasse Gegenteil: Schroffe Felsküsten, auf denen vereinzelt ein Herrenhaus thront, kleine Gehöfte mit Ackerbau und Viehzucht  und sogar Weinberge (bzw.-felder), die sich in der Ebene ausbreiten …

Mit der Fähre setzen wir von der Nordspitze Long Islands über nach New London, Connecticut. Durch Rhode Island geht’s nach Massachusetts zum Cape Cod.

Wie ein angewinkelter Arm grenzt die Halbinsel ihre gleichnamige Bay vom Atlantik ab.

In der kleinen Hafenstadt Hyannis haben wir das nächste Hotel gebucht. Der Ort erinnert mit seinem JFK Museum und einer großen Gedenkstätte an den beliebten Präsidenten, dessen Familie hier ihre Sommerresidenz hatte.

Das Kennedy Museeum..

Das Kennedy Memorial…

und seine „Rasenpfleger“, die den Martinstag bestimmt nicht fürchten müssen…

Wir erobern von hier aus die Halbinsel Cape Cod zu Fuß, per Fahrrad oder  mit dem Auto. Der beginnende Herbst mit recht kühlen Temperaturen, stürmischen Böen und häufigen kleinen Regenschauern hält die Touristenströme in Grenzen.

So sind wir nicht sonderlich erstaunt, dass wir in Provincetown, der Touristenhochburg mit alternativem Flair, Kunstgalerien wie Sand am Meer, tollen Cafés und Restaurants und der nicht zu übersehenden LGBT Gemeinde so entspannt herumschlendern können.

Hauptstraße Provincetown

 

Das Café Heaven..

 

 

– heavenly –

Nach einem echten Sonntagsfrühstück (23.9.) im – Nomen est Omen – „Café Heaven“  mit Cava und Hummer-Omelette und Egg Benedikt obendrauf, strampeln wir die eingeschobenen Köstlichkeiten auf Leihfahrrädern ab. Düne rauf, durch Nadelgehölze runter, über Holzstege und unbefestigte Wege… Dunkler Himmel, der Wind pfeift durchs Gehölz. Erinnerungen an Nordseeinseln im Herbst.

 

 

Auch der zweite Tag per Fahrrad auf dem Cape Cod Rail Trail, einer ehemaligen, 36km langen Bahnstrecke führt  vorbei an Salzwassertümpeln und -marschen, durch Kiefernwäldchen, über schmale, von Wurzeln durchzogene Waldwege…  Kalt ist’s! 

Alles andere  als einladend wirkt die Küstenlandschaft. Stürmische Böen treiben eine die weiße Brandung an den Strand…

Wie mag das Wetter gewesen sein, als die Pilgrim Fathers auf der Mayflower (am 9. November 1920) an diesem Punkt vorbeisegelten und wie groß ihr Jubel, als sie nach ihrer 66 Tage dauernden, entsetzlich kalten und feuchten Überfahrt die Genehmigung bekamen, hier eine Weile vor Anker zu gehen…

 

Der Leuchtturm von Nauset Beach, der – wegen starker Erosionen – zwischen 1838 und 1923 dreimal versetzt werden musste…

Die Sonne ist gerade untergegangen, als wir – auf der Heimfahrt  – Chatham erreichen. Das Fischerörtchen wirkt mit seinen weiß getünchten Holzhäusern wie aus dem Bilderbuch. Geduckte, von Wind und Wetter gegerbte Holzhäuser an der Pier, wo die Fangflotte nach getaner Arbeit in der Dämmerung dümpelt.

Ein Seehund reckt neugierig den Kopf aus dem Wasser und schaut uns unbewegt mit großen Kulleraugen an.

Aber die noch hell erleuchtete, berühmte Gourmet-Fischbude mit eigenem Sushi Koch schließt gerade vor unserer Nase (die wir – enttäuscht wegen der entgangenen Genüsse – nur noch an der Fensterscheibe plattdrücken können)

 

Da gibt’s zur Abwechslung mal im Hotelzimmer einen guten europäischen Mix: Spanischen Manchego, italienischen Prosciutto, dänisches Vollkornbrot, irische Butter, dazu ein paar spanische Datteltomaten und einen Wein von Cupcake, durch den französischer Burgunder gehuscht sein soll …. Und das – man höre und staune – zu den Wettermeldungen von Claudia Kleinert nach den Tagesthemen…(Im Süden Deutschlands: Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 100 – 160km/h am 22. Sept. 2018)

 

Unser nächstes Ziel heißt Camden, das 413 km weiter nördlich, bereits in Maine liegt.

Auf dem Weg dorthin passieren wir Plymouth, dessen Besichtigung buchstäblich ins Wasser fällt. Die Mayflower II, ein Nachbau des kleinen Schiffes, mit dem die Pilgerväter ihre schicksalsträchtige Ozeanüberquerung wagten, um letztendlich hier an Land zu gehen, liegt im Dock zur Restaurierung.  Lediglich auf großen Holztafeln wird die entbehrungsreiche Ozeanüberquerung der „Religionsflüchtlinge“ geschildert.

Die „Plimoth-Plantation“, der authentische Nachbau der ersten englischen Siedlung in Gestalt eines Freiluftmuseums, in dem Schauspieler originalgetreu das Leben und Arbeiten der ersten Siedler darstellen, ersparen wir uns wegen wolkenbruchartiger Regenfälle.

 

20180907 Sechs Wochen später…

Die Tage zu Hause vergehen wie im Flug. Gründliche Untersuchungen bezüglich Peters Beschwerden schließen eine ernsthafte Erkrankung aus, ergeben aber diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Wir werden uns bei der Gestaltung des Speiseplans an die Ampelkennzeichnung  bestimmter Lebensmittel halten und hoffen damit weitere Attacken vermeiden zu können.

Schöne Stunden mit unseren Kindern, Enkeln, Verwandten und Freunden lassen uns die Zeit zu Hause genießen..

Mit 40kg Übergepäck – auf zwei Autos verteilt – bringen Brigitte und Dieter uns wieder an den Flughafen nach Frankfurt. Nach einer Übernachtung in  Baltimore geht’s am 8.9. weiter nach Georgetown zur PIA. Verlassen sieht sie aus, behängt mit vielen Spinnennetzen, in denen –  an diesem diesigen Morgen – die Tautropfen glitzern.

Kündigt sich nun der Herbst mit Regen und Kälte an?

Schnell haben wir alle Systeme wieder in Betrieb genommen inclusive der  Heizung, die nach etwa fünf Jahren Pause problemlos anspringt.

Wenig  später sind die Lebensmittelvorräte und Tanks wieder aufgefüllt,  alle mitgebrachten Ersatzteile eingebaut und die PIA ist startklar für die geplante Fahrt in Richtung NewYork.

Tante Emmas Brotkasten… perfekt ins Dinghi eingebaut als geräumige Backskiste…

Hat nicht  irgend jemand einmal geäußert, dass man nur so lange jung sei, wie man nicht zulassen könne, dass  das Schöne vom Nützlichen unterdrückt wird???

Dann kündigt sich – urplötzlich – unerwünschter Besuch an. „Florence“,  ein Hurricane der Stufe 3 mit starker Tendenz nach oben, bewegt sich sehr langsam  aber mit enormen Windgeschwindigkeiten und großem  Zerstörungspotential auf die Küste von North Carolina zu.

Wie das Kaninchen vor der Schlange starren wir mindestens fünf Mal täglich auf die Prognosen des NHC (National Hurricane Center), das Stärke, Fortbewegungsgeschwindigkeit und Zugrichtung des Wirbelsturmes berechnet und vorherzusagen versucht. Momentan sieht es so aus, dass Florence  vor dem (oder beim) Erreichen der Ostküste nach Norden abdrehen wird. Damit wäre unsere Fahrt nach NewYorkCity gefährdet.

Wieder einmal bekommt das Motto unserer diesjährigen Segelreise „Warten auf…“ neues Futter.

Wollen wir hier weitere 14 Tage warten was passiert oder unseren Plan, ab NY für drei Wochen einen Camper zu mieten,  vorverlegen und von hier aus die Camper-Reise starten?

Hier in Georgetown, das mehr als 300km von der Atlantikküste entfernt, im Landesinneren liegt,  merken wir absolut nichts von dem Geschehen da draußen. Man geht auch davon aus, dass die zerstörerische Kraft des Wirbelsturmes deutlich nachgelassen haben wird, falls er über diese Region ziehen sollte. Lediglich mit großen Wassermassen, die von der Mündung in die Chesapeake Bay gedrückt werden, müsse man rechnen. An der Boje lägen wir aber absolut sicher.

Eine Woche nach unserer Ankunft sollen wir das Mietauto abgeben. Da es unmöglich ist, so kurzfristig einen Camper zu bekommen, entscheiden wir ad hoc, die Reise durch die New England Staaten mit dem Auto zu machen. Also fährt Peter nach Baltimore und kommt mit dem neuen Mietwagen zurück… just an dem Tag, als  Florence einen Haken schlägt und nicht – wie vorhergesagt – nach Norden abdreht, sondern sich südlich der Chesapeake Bay über North- und South Carolina austobt. Hm…

Die Bilder, die im Fernsehen gezeigt werden sind erschreckend und furchtbar für die Menschen, die in der Region leben.

Wir sind dankbar, dass wir hier, nur 300 km entfernt vom Ort des Geschehens, so ruhig und sicher liegen und beginnen unsere Autoreise.

Philadelphia heißt unser erstes Ziel. Die Hauptstadt von Pennsylvania (das eine Schlüsselrolle in der  Geschichte der USA spielte) präsentiert sich sehr geschichtsbewusst mit imposanten historischen Gebäuden, interaktiven Museen zur amerikanischen Geschichte und der Rolle, die Philadelphia darin spielte.  Gleichermaßen beeindruckend, locker und offen wirkt das moderne Philadelphia mit seinen eleganten, filigran erscheinenden Wolkenkratzern, interessanten Museen und Kunstgalerien.

 

Vor der City Hall

 

 

Berühmtester Sohn dieser pulsierenden  Stadt:

Benjamin Franklin:   Wissenschaftler, Philosoph, Staatsmann, Erfinder und Drucker, führender Kopf bei der Formulierung der Ideale der Revolution, der Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung.

Das Philadelphia Museum of Art, vor dem man nicht Schlange stehen muss…

Dafür aber  gleich nebenan, vor einem weiteren Sohn dieser Stadt…

Na, wer ist’s???

Sylvester Stallone alias „Rocky“

Weiter geht’s  zum One Liberty Observation Deck

Der große Franklin: 57 Stockwerke von den Füßen…

…bis zum Kopf

Von hier aus überschaut er ganz Philadelphia…

und herab auf den Gründer der Stadt:

William Penn, der als Bronzestatue  (11,36m hoch, 24t schwer) seit 1894 auf dem Turm der City Hall steht und kein höheres Gebäude neben sich haben sollte…

Aber…1985 wurde das ungeschriebene Gesetz gebrochen. Es entstand der Liberty Complex mit zwei Wolkenkratzern, die nicht nur an seiner Hutschnur kratzten, sondern ihn weit überragen.

Der Liberty Place Complex im Regen

…und wir (gleichzeitig!!!)- bei strahlendem Sonnenschein – davor

Die City Hall, Blick von der John F. Kennedy Plaza, oder inoffiziell „Love Park“ genannt wegen der Love-Skulptur von Robert Indiana

Die Barnes Foundation, die uns mit ihrer Architektur, Raumgestaltung und der extraordinären Kunstsammlung des Herrn Barnes in ihren Bann zieht…

 

Im „Reading Terminal Market“: Delikatessen, Spezialitäten aller Herren Länder, Düfte und Gerüche, Genießer und Schnellesser…

Erste Vorboten für Maine…

Die „Stadt der brüderlichen Liebe“ (wie Philadelphia auf griechisch heißt) zählt zu den amerikanischen Städten mit der größten ethnischen Vielfalt. Neben der mehrheitlich schwarzen Einwohnerschaft, deren Einfluss auf die Kunst- und Musikszene überall zu hören und zu sehen ist, gibt es eine große asiatische und italienische Gemeinde, wobei letztere sich wohltuend in der Gastroszene bemerkbar macht.

Zum Besuch dieser Stadt gehört unbedingt das berühmte „Phillysteak“, das es in verschiedener Zubereitungsart gibt, aber immer aus  sehr dünn geschnittenem, scharf angebratenem Roastbeef besteht, das in einem weichen Brötchen serviert und mit Käse überbacken wird. Käsesorte (Povolone, Mozzarella) Salat oder Röstzwiebeln, Sauce Tatar oder Mayonnaise frei wählbar…Lecker!!!

Elfreth’s Alley…

heißt es, sei die älteste Straße der USA. 30 Häuser mit schmiedeeisernen Toren, hölzernen Fensterläden, Wasserpumpen liegen an einer malerischen Kopfsteinpflasterstraße…

Es gäbe noch soooo viel Interessantes zu sehen aber wir wollen weiter…

 

 

20180722 Und nun???

Georgetown, 26.6.2018: Tag 1 nach dem Crash

Der Werftchef empfängt uns geschäftig. „ Ah, ach ja, die PIA! Sie haben sechs Monate an Land von Oktober bis April gebucht. Und Edelstahlarbeiten wollen Sie ausführen lassen? Und einen Schaden am Stb-Rumpf haben Sie auch noch?“

Dann buchen Sie zunächst mal einen Bojenplatz (500 USD) bis zum 9.Juli. Bis dahin läuft hier nichts.

Man muss wissen, dass in den USA am 4. Juli der Independence Day gefeiert wird, der Tag, an dem die ersten 13 Kolonien 1776 ihre Unabhängigkeit von den Briten erklärten. Da wird 14 Tage lang um diesen Feiertag herum gefeiert…Es gibt Veranstaltungen für Kinder, Sportevents, Grillfeste und in jedem Ort, der etwas auf sich hält, ein Feuerwerk…

Wassersportbegeisterte nehmen in dieser Woche Urlaub und wollen ihre (vorwiegend) Powerboats ins Wasser bringen. Da ist jede Werft bis zur Halskrause mit Arbeit eingedeckt…

Aus der Traum von einer schnellen Reparatur und anschließender Weiterfahrt nach New York zum großen dortigen Feuerwerk 🙁  🙁

Das vorauszusehende Szenario:

‚Vierzehn Tage Schwojen und Warten an der Boje‘…kommt uns irgendwie bekannt vor…Hm!!!

Dennoch besteht Handlungsbedarf. Der Schaden muss der Versicherung gemeldet werden. Die umgehende Antwort der „Pantenius“ mit der Aufforderung, einen Kostenvoranschlag erstellen zu lassen, weckt wieder die Hoffnung auf Vorankommen.

Die Stimmungsschwankungen zwischen ‚Hopp‘ und ‚Topp‘ sind beträchtlich. (Keine ICD aber bipolare Störungen schildern ziemlich treffend unseren Gemütszustand)

Zur Begutachtung des Schadens müssen wir an den Werftsteg. Mit den Facharbeitern wird die Vorgehensweise besprochen. Eine provisorische Reparatur wird angedacht, die Genehmigung dazu muss bei der Versicherung eingeholt werden. Warten auf den Kostenvoranschlag von Seiten der Werft…

Am 27. kommt die Obelix. Ein stimmungsaufhellender Besuch, der uns – bei einer Flasche Sekt – daran erinnert, dass die „Feindberührung“ ja ganz anders hätte ausgehen können. Hurra, ihr lebt und habt nicht mal eine Schramme abbekommen….

Der T-Shirt-Tropfenfänger…

für das Schweißtropfen-freie Begrüßungsküsschen

Das Stimmungsbarometer zeigt Tendenz zum oberen Pol, die Temperaturen leider auch. An manchen Tagen steigt das Thermometer auf 41°C, null Wind, rinnender Schweiß beim Nichtstun. Die Wassertemperatur des Sassafrasriver: 29°C, das erfrischende Wasser im Pool 32°C. Die Sehnsucht nach kühleren Gegenden wächst, der Wunsch nach einer Klimaanlage auch.

Letzterer geht in Erfüllung im Mietauto, mit dem wir die Umgebung erkunden wollen.

Die Fahrt über Land zeigt viel Land (Mais- und Weizenfelder) und trotz sengender Hitze überall saftiges Grün, was wahrscheinlich an dieser, an Flüsschen und Wasseradern reichen Gegend liegt.

Mit Chestertown, Easton, St. Michaels und Oxford hat die Westseite der Halbinsel, die östlich  vom Delaware und westlich von der Chesapeake Bay gerahmt wird, sehr attraktive Örtchen zu bieten. Man lebt hier herrlich AM Wasser, das – durch Fisch- und Krabbenfang – dem Lebensunterhalt dient und am Wochenende (beim Freizeitsport) – AUF dem Wasser.

St. Michaels, wenige Meter vom Hafenbecken entfernt…

Das Marina Office mit Galionsfigur (vor dem Bug)

Das Chesapeake Bay Maritime Museum

Hier findet man auf der Speisekarte köstliche Fisch- und Meeresfrüchte-Produkte. Hervorzuheben ist  die Blue Crab, die ihren Namen trägt wegen der Blaufärbung ihrer Klauen und zu köstlichen Crabcakes verarbeitet wird. (Unliebsamen, indirekten  Kontakt hat so mancher Segler mit diesem Getier, wenn sich die Leine eines sogenannten Crab Pots, im Propeller verfängt…)

 

Für den Sonntag ist ein Ausflug nach Baltimore geplant. Die Fahrt dorthin führt über die Chesapeake-Bay Bridge. Natürlich recken wir beim Überqueren die Hälse, um das wehrhafte Tonnen-Ungetüm zu erspähen. Geradezu unschuldig, harmlos und zierlich wirkt das Monster aus der Vogelperspektive.

 

Baltimore  an diesem Tag zu erkunden ist weder Entspannung, noch Genuss. Backofentemperaturen von aufgeheizten Mauern und Betonwänden umgeben uns, um die Häuserecken fegt heißer (Sahara)wind. Jeder Schritt bedeutet Anstrengung und das Bedürfnis nach Flucht aus der Sonne und rein in klimatisierte Räume lässt sich kaum unterdrücken.

Die Flaniermeile am Hafenbecken…

Offensichtlich geht es nicht nur uns so. Im Vorraum klimatisierter Restaurants wartet man in langen Schlangen gemäß der Aufforderung: „Wait to be seated“.

Wir finden ein einigermaßen schattiges Plätzchen in einem Fastfood-Restaurant, dem das begehrteste Gericht der Amerikaner, nämlich „Burger“ ausgegangen ist. Sandwiches repräsentieren die einzige Alternative…

…von der Stirne heiß…

Für Brigittes Knie ist das zu viel. Sie wartet geduldig im Halbschatten bis wir (Frank, Peter und ich) von der Besichtigung des U-Bootes ‚Torsk‘ und der ‚USS Constellation‘, der einzigen noch intakten Fregatte aus der Zeit des Bürgerkrieges und letzten Kriegsschiffes unter Segeln zurückkommen.

Das U-Boot „Torsk“ vor dem Aquarium …

Innen vollgestopft mit Technik…

und beklemmende Enge…

Ganz anders auf der USS Constellation…

Das Kanonendeck

Schaukelnde Kojen…

Speisen „vom Boden“ für die Besatzung…

steht im krassen Gegensatz zur Kapitänsmesse…

Eine Offizierskajüte

Mannshohe Winsch…

Einen tollen Blick bietet die Aussichtsplattform ‚Top of the World‘ auf Baltimores World Trade Center am Nordpier.

Zurück fahren wir am Westufer der Chesapeake Bay entlang und machen  Stopp in ‚Havre de Grace.‘ Das ganze Örtchen ist auf den Beinen. Das Stadtfest mit vielen Buden am Straßenrand, Fressständen und Flohmarktartikeln neigt sich dem Ende zu.

Mütter ziehen kleine Mädchen mit vielen Schleifen im Haar in Richtung der großen Wiesen des Susquehanna Rivers, Väter schieben Kühltaschen- und Container hinterher. Alle strömen auf die Flussauen, um sich einen guten Platz für das abendliche Feuerwerk zu sichern.  Auch wir werden ihnen später – nach einem guten Essen beim Italiener – dahin folgen, um ein recht ordentliches Feuerwerk zu sehen…

Der Montag beendet abrupt das Stimmungshoch. 6.00h Aufstehen, Fahrt zum Werftsteg, wo die neue Lichtmaschinenhalterung angebracht werden soll, drei Stunden Warten in sengender Hitze, um danach weggeschickt zu werden mit der Begründung, keine Zeit für uns zu haben…das zehrt gewaltig am Willen zur guten Laune.

Nick, der u.E. beste Facharbeiter der Werft, hat wohl die maßlose Enttäuschung aus unseren Gesichtern gelesen. Er kommt am Nachmittag, holt die alte Halterung der Lichtmaschine sowie das neue Gerät ab und verspricht daran zu arbeiten.

Am Dienstagabend kommen Frank und Brigitte zum Abschiedsessen zu uns. Wie viel Zeit wird vergehen bis zum nächsten Begrüßungssekt? Morgen werden sie in Richtung New York aufbrechen und wir hinterher winken bis sie hinter der Flussbiegung verschwunden sein werden…

Arbeit lenkt ab. So stürzen wir uns hinein. Das neue Echolot wird getestet und eingebaut. Prima! Es funktioniert.

Am Nachmittag kommt der nächste Tiefschlag in Form des Kostenvoranschlags für die Reparatur.  Er wird gleich weitergeleitet an die Versicherung. Dennoch haut uns die Höhe der veranschlagten Reparaturkosten aus den Schuhen.

Wir müssen auf andere Gedanken kommen. Annapolis, die Hauptstadt des Bundesstaates Maryland schafft das.

In der traditionsreichen Hafenstadt – hier an der Chesapeake Bay – dreht sich alles um die Schifffahrt. Die US Naval Academy bildet ihre Offiziere hier aus, Segeln scheint hier keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Lebensstil zu sein. An unzähligen Bojen schwojen unzählige Schiffe jeder Art und Größe. Eine Sailfish-Regatta geht gerade zu Ende.

Eltern empfangen die Zöglinge im Club  neben der Spa Creek Bridge, Grillgerüche steigen in die Nase.

Das Städtchen selbst wirkt wie eine skandinavische Kleinstadt. Kopfsteinpflaster, Reihenhäuser aus Backstein, an deren Fassaden Blumen emporranken, bunt blühende Gärten, Restaurants und Boutiquen, die die Hauptstraße säumen, wunderschöne Gebäude aus der Kolonialzeit, die zum Teil besichtigt werden können..

Das älteste Kapitol eines US Staates, das ununterbrochen für die Legislative genutzt wurde (und 1783/84 sogar 6 Monate lang der Sitz der US Zentralregierung war), steht hier. Die auf dem Kopf stehende riesige Eichel auf der Spitze der Kuppel symbolisiert übrigens Weisheit.

Wir essen zu Mittag in einer dieser vielen historischen Inns und bekommen Leckeres, in historischem Ambiente, stilvoll serviert: weiße Tischdecken, Porzellan, Gläser und Edelstahlbesteck….

Reynold’s Tavern…

Peter holt das Tablet heraus. Was sehen wir? Die Versicherung hat geantwortet. Sie hat bereits einen Gutachter beauftragt, mit dem wir einen Termin ausmachen sollen. Wir telefonieren umgehend mit ihm und bekommen bereits für den nächsten Tag (Fr.: 6.7.) einen Termin.

Zurück auf der PIA entdecken wir, dass Nick – während unserer Abwesenheit – die neue Halterung und die Lichtmaschine eingebaut hat. Toll!!! Das Stimmungsbarometer erreicht 8°!!! (von möglichen 10°) Ein schöner Tag geht zu Ende.

Der Gutachter, ein sehr sympathischer Mensch ist am nächsten Morgen pünktlich, um 10.00h, am Steg. Er misst aus, macht Fotos, klopft den Rumpf der PIA von vorne bis hinten ab, schaut sich die gebrochene Seitenwand an und bespricht alles mit uns. Sein Urteil: der Kostenvoranschlag ist viel zu hoch.

Er will mit dem Werftchef reden und sein Gutachten – noch am Wochenende – erstellen, um es umgehend der Versicherung zusenden zu können.

Die neuen Umstände wirken beflügelnd. Die PIA wird blank geschrubbt und abends sieht man zwei zufriedene – den Sundowner genießende Gestalten – auf dem Vordeck…

Der Tatendrang hält an.

Nach einer herrlich kühlen Nacht beschäftigt Peter sich mit dem neuen Regler für die Lichtmaschine, während ich mich um das Teakdeck kümmere. Die Sika-Fugen sind zu prominent geworden. Sie müssen abgeschält werden, um das auf dem Holz stehende Wasser besser abfließen zu lassen.

Wir werden beschenkt mit einem herrlichen Sonnenuntergang und können ihn total entspannt und zufrieden genießen.

 

Am siebten Tage sollst du ruhen… Das kann nicht aus dem Mund eines Seglers kommen…Es gibt genug zu tun. Peter baut den neuen Regler an die Lichtmaschine. Der aber zeigt sich verstockt: kein Ton, keine Aktion…L Vier Stunden lang Kabel suchen, testen, prüfen, aus- und wieder einbauen, kontrollieren… lassen uns letztendlich herausfinden, dass der Regler für die 24V Lichtmaschine erst dann funktioniert, wenn er Strom von der 12V Starterbatterie bekommt…(oder so…)

🙂 🙂  …Zufriedene Gesichter…

Der Sonntagnachmittag-Ausflug

Das Tagespensum ist erledigt, wir wollen – per Dinghi – einen kleinen Seitenarm des Sassafras River erkunden, der jenseits der Zugbrücke liegt. Es ist noch kein Hochwasser und wir müssen uns beim Unterqueren der Brücke nicht ducken. Eine herrliche Stimmung liegt über dem Gewässer.

Die tiefstehende Sonne taucht die bewaldeten Ufer in goldenes Licht, das Kielwasser breitet sich fächerförmig hinter uns aus. Kolonien von Enten und Gänsen am Ufer und Fischreiher, auf – aus dem Wasser ragenden – Baumstümpfen scheinen die Idylle ebenfalls zu genießen. Wir düsen flussaufwärts bis wir den Eindruck haben, dass es nun nicht mehr weiter geht. Dann kehren wir um und biegen in ein schmales Gewässer ein, an dessen Ufer wunderschöne Villen stehen.

Bild von Villa???

Man sitzt auf der Veranda und speist zu Abend. Neugierig die Köpfe nach links gedreht, werden wir schlagartig nach vorne katapultiert. Was war das? Peter reduziert das Gas, fährt aber weiter. Dann kommt der zweite Schlag. Uhuhuh!!! UNTERwassertonnen???

Der Außenborder wird hochgeklappt. Ein Propellerblatt sieht ein wenig mitgenommen aus. Was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt, ist nicht zu erkennen, da das Wasser des SassafrasRiver grün und absolut undurchsichtig ist.

Nun heißt es: Paddeln. Der Tiefenmesser, unser Paddelblatt zeigt, dass wir allenfalls noch 10cm Wasser unter dem Kiel haben…Wie zwei arme Sünder, nebeneinander auf der Bank sitzend, stochern wir uns langsam durch den Modder voran.

Und wieder einmal sind wir geplättet von der schon des Öfteren gezeigten Hilfsbereitschaft der Amerikaner. Der ältere Herr, den wir eben noch beim Abendessen sahen, kommt in Richtung Ufer gelaufen und fragt, ob er uns helfen könne, ja, ob er uns abschleppen soll…

Wir sind ganz gerührt und bedanken verneinend, versuchen aber  zu zeigen, dass  es um unsere Kondition nicht ganz so schlecht bestellt ist. Freundlich winkt er hinter uns her…

Auf soviel „Hoch“ muss naturgemäß wieder ein „Tief“ folgen.

Peter erfährt vom Werftchef, dass die Beurteilung des Gutachters noch in der Mache sei. Er hat zwar grünes Licht gegeben für eine provisorische Reparatur, die wir auf jeden Fall selber zahlen müssen aber Peter möchte den Bescheid der Versicherung abwarten. Um es vorweg zu nehmen: es dauert weitere 10Tage, bis Werft und Gutachter sich auf die Hälfte der ursprünglichen Reparaturkosten einigen.

Das Stimmungsbarometer ist bereits im Minus angekommen aber es geht noch weiter…

Der Autovermieter berechnet zusätzliche Leihgebühren für 3 Tage, da er behauptet, von uns keine Aufforderung zur Abholung bekommen zu haben.

Dieser Tag fühlt sich an wie ein Griff ins Klo…

Körperliche Betätigung lenkt ab. Wir schwimmen ein paar Runden Slalom im 32°C warmen Wasser unseres Pools, plantschenden und tauchenden Kindern ausweichend…

Anschließend montiert Peter die Holzwegerung im Bereich des „Tonnenschadens“ auf der Innenseite des BB-Hecks ab.

Am Mittwoch, dem 11.7.18 binden wir die PIA erneut am Arbeitssteg der Werft an. Unser Lieblingsmensch, Nick, hat bereits alles vorbereitet für die provisorische Reparatur. Dieser Mann geht nicht, er läuft. Flink und behändig wie ein Wiesel arbeitet er.

Im Nu sind Risse ausgefräst, gespachtelt, am Bug ein Ausschnitt gemacht, eine neue Holzplatte eingesetzt, verleimt, gespachtelt und mit Farbe übersprüht. Nach fünf Stunden sieht die PIA aus, als hätte es nie eine solche Berührung gegeben. Lediglich die Nachlackierung lässt erkennen, dass da mal was war…

Wo noch vor wenigen Stunden ein Pfeil-förmiges Loch war…

Als ich eine Binde aus dem Arztkoffer holen möchte, um Peters verstauchte Hand zu bandagieren, muss ich erkennen, dass sich eine selbstkühlende Binde aufgelöst hat, deren Kühlflüssigkeit in alle Spalten und Ritzen gedrungen ist und alle Aluminium-Reißverschlüsse zerfressen hat. Zwölf Beutel im Koffer sind von Aluminiumsalzen bedeckt und ihre Reißverschlüsse komplett zerstört.

Auf einem Segelboot musst du keine Arbeit suchen…sie findet dich…

Freitag, der 13.!!!

Die Erfahrung zeigt inzwischen, dass uns dieser Tag – mindestens einmal pro Jahr – Scherereien macht.

Vor dem Frühstück bereits gibt’s Diskussionen mit diversen Versicherungen bezüglich der Wasserschäden zu Hause.

Das Gutachten an die Bootsversicherung ist immer noch nicht auf den Weg gebracht.

Nach dem Frühstück bekommt Peter wieder Bauchschmerzen. Seit April tauchen sie immer wieder plötzlich auf, halten 4-5 Stunden mit großer Intensität an und verschwinden dann wieder. Zum ersten Mal quälen ihn heute zusätzlich Durchfall und Erbrechen. Ich mache mir große Sorgen und rufe unseren Freund Matthias an. Die empfohlene Medikation hilft und Peter kann schlafen. Während er schläft, durchforste ich das Internet nach einer Klinik. Die nächste große Klinik ist in Baltimore, zwei Autostunden von hier entfernt und ich befürchte, dass Peter im jetzigen Zustand nicht transportfähig ist. Ratsuchend wende ich mich an die Marina. Die freundliche Dame erklärt mir, dass es in Middletown, das nur ca. 30 km von hier entfernt ist, eine ausgezeichnete Diagnoseklinik gäbe.

Drei Stunden später – Peter geht’s inzwischen wieder gut – bestellen wir ein Taxi, das 90min. braucht, um endlich hier anzukommen.

In der Klinik geht‘s hochprofessionell zu. Kaum angekommen, befinden wir uns in einem kleinen, freundlichen Behandlungsraum, Peter darf sich hinlegen, der behandelnde Arzt kommt, lässt sich die Beschwerden genauestens beschreiben, palpiert Ober- und Unterbauch und sagt, dass er in 30-40min. wiederkommen werde, um die Ergebnisse der Blutuntersuchung zu besprechen. Eine Assistentin nimmt die  Patientendaten auf, eine Krankenschwester entnimmt Blutproben.

Nach 30min. ist der Arzt wieder da, um uns zu sagen, dass kein einziger Wert der Blutuntersuchung aus dem Rahmen falle und fragt, ob wir ein CT wünschen. Ja, wollen wir.

Einerseits sind wir sehr erleichtert, dass das CT nichts Besorgniserregendes zeigt, andererseits aber nicht beruhigt, weil die Ursache für die so plötzlich auftretenden Bauchschmerzen ja immer noch nicht gefunden ist. Der Arzt erkundigt sich nach unseren Reiseplänen und meint uns mit der Aussage  beruhigen zu können, dass wir entlang der Ostküste – in Richtung Norden – ja nicht in der Klinik-Diaspora segeln würden. Geht er von weiteren Attacken aus? Können wir nicht bis November warten, um weitere Untersuchungen zu Hause machen zu lassen? Peter ist nicht beruhigt und horcht in sich hinein.

Dennoch folgen zwei sehr entspannte Tage mit Schwimmen, Radeln, kleinen Polier- Ausbesserungsarbeiten und wir schmieden Pläne für die Abfahrt gen Norden.

Am 16.7. werden die Schäden an der Stb-Innenseite ebenso schnell und professionell behoben wie auf der Außenseite. Nichts erinnert mehr daran, dass Holzplatten und Stringer hier gebrochen waren.

Zufrieden fahren wir zurück an die Boje.

Beim alltäglichen Email-Check – bereits vor dem Frühstück – findet Peter die Nachricht, dass Derek, unser Gutachter, seine Bewertung gestern Abend an die Versicherung geschickt hat. Peter wartet ungeduldig auf die Reaktion der Pantenius aber nichts geschieht. Er ist ziemlich enttäuscht und prompt stellen sich – vier Stunden nach dem Frühstück – wieder seine Bauchbeschwerden ein. Die bewährte Medikation lässt ihn schlafen, die Schmerzen verschwinden, gute Stimmung will sich aber nicht einstellen.

Erst am nächsten Tag bestätigt die Pantenius, dass sie die Kosten übernehmen und den Betrag an die Werft überweisen wird. Also werden wir so schnell wie möglich lossegeln. Peter holt die  bestellten Pakete aus dem Marinabüro, bespricht die Reparatur, die für Ende Oktober angedacht ist und fährt bei Larry und Barbara vorbei, die sich angeboten haben, uns mit ihrem Auto zum Großeinkauf nach Middletown zu bringen. Gesagt –getan. Fünf Stunden begleitet Barbara uns durch alle möglichen Läden bis unser Vorrat für die nächste Woche aufgestockt ist.

Als alles verstaut ist, platzen Gefriertruhe und Kühlschrank fast aus den Nähten, die Trockenvorräte stapeln sich. Matthias – unser Freund und Hausarzt –  hat noch einmal eine Mail geschickt mit Empfehlungen für weitere Untersuchungen in Deutschland. In Peters Kopf geistern schlimme Vorstellungen über mögliche unentdeckte Krankheiten. Das Damoklesschwert eines möglichen Pankreaskarzinoms lässt sich nicht mehr ausblenden. Unbekümmertes Weitersegeln ist nicht mehr möglich.

Wir beschließen, nach Hause zu fliegen. Dann geht alles ganz schnell. Peter bucht die Flüge, Barbara und Larry müssen ziemlich viel essen, als sie zu einem fröhlichen Abendessen zu uns kommen, Angelika und Johannes auch, dann werden die Vorräte geleert, auf die beiden Paare verteilt, Koffer gepackt und am 23. fliegen wir nach Hause…

20180702 Chesapeake Bay: SCHRECKLICH schön…

Ausgeschlafen, frisch und munter machen wir uns am 14. Juni auf nach Norfolk, um unser neues Cruising-Permit zu erwerben.

Das ist die ominöse Erlaubnis, die es dem ausländischen Bootsfahrer gestattet, innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens, amerikanischen Grund und Boden zu betreten, ohne sich bei jeder Anlandung (für jeweils 19USD) neu an- und abmelden zu müssen. Sie ist unter Seglern heiß diskutiert und die Tipps, wo man sie am besten erhält oder verlängern lassen kann, werden unter der Hand weitergegeben.

Wir sind schon mehr als drei Wochen überfällig, da unsere Lizenz am 24. Mai abgelaufen ist, haben uns in St. Augustine vorschriftsmäßig abgemeldet und als nächste Anlandung Norfolk angegeben. „Oh,Oh“…hört man nun vom aufmerksamen Leser… „und was ist mit dem Betreten von Cumberland und Jekyll-Island“???? Hm…Niemand hat’s bemerkt.

Aber unsere fleißigen Scouts, die Obelixens, haben ja bereits DIE Antragsstelle gefunden. Es ist der Zoll in Norfolk.

Ein freundlich dreinschauender, dunkelhäutiger Beamter dirigiert uns augenzwinkernd beim Ausfüllen der Antragsformulare. Kopierergeratter, Stempelgräusche, ein paar Unterschriften, 19USD (ABGEZÄHLT!!!) und wir verlassen mit dem begehrten „Cruising-Permit das Gebäude. Toll! Das muss begossen werden.

 

 

 

 

Da bietet sich doch nichts mehr an, als die Dachterrasse des Hilton direkt gegenüber.

 

 

 

 

 

„Ein Prost auf Euch, liebe Brigitte, lieber Frank!“… mit Ferrari-Sekt

 

Norfolk ist der größte Marine Stützpunkt an der Atlantikküste der USA.

Die USS Wisconsin

Ein kleiner Rundgang durch die am Wasser liegenden Bezirke der Stadt zeigt, dass Wohnen, Leben und Arbeiten größtenteils von der Marine geprägt sind.

 

Im – als Park angelegten Uferbereich – befinden sich neben dem „Nauticus“ – National Maritime Center und dem Schlachtschiff „USS Wisconsin“ zahlreiche Dokumente, Skulpturen, Gedenktafeln und Erinnerungen in vielgestaltiger Form an die Gefallenen diverser Kriege.

Eine Gedenkstätte geht sehr unter die Haut. Inmitten eines kargen, mit grauen Steinplatten belegten Platzes weht die Nationalflagge an hohem Mast;

auf dem Boden „herumfliegende“ dünne Kupferplatten mit aufgebogenen Ecken symbolisieren die Briefe von Kriegsgefallenen an ihre Lieben…

Wie lose Blätter – vom Wind verweht…

 

Segler vor dem Marinestützpunkt

…und überall: Meerjungfrauen….Hier vor dem Stadthafen

…aber auch in Vorgärten…

Am nächsten Tag geht’s weiter nach Deltaville, wo Frank und Brigitte bereits auf uns warten. Es gibt ein fröhliches Wiedersehen mit Erdbeerbowle und viel Erzählstoff.

Die Beiden sind – mit einer Unterbrechung von 14 Tagen bei ihrer Tochter Jenny in Kanada – seit dem 11. April hier und kennen Deltaville wie ihre Westentasche. Ein Fleckchen Erde oder Wasser, das – umgeben von Natur pur – Ruhe und Entspannung bietet.

Zehn Tage Deltaville wirken wie „Ferien auf Saltkrokan…“ Kiefernduft und Vogelgezwitscher am Morgen machen gute Laune und wecken das monatelang verschüttete Bedürfnis nach Frühsport. Im 25m langen Pool der Marina können wir uns austoben.

Alles hier ist äußerst kundenfreundlich und günstig. 50,- USD/Woche für den Dinghi-Anleger, ein Courtesy-Car, d.h. die KOSTENLOSE Benutzung eines Autos, um Besorgungen im Umkreis von 15Meilen machen zu können, des Schwimmbades, der Waschküche, der Grills… Einigermaßenes WiFi gibt’s auch gratis.

Ganz wichtig für Peter: Fernsehen in der Captains Lounge mit Übertragung der WM…

Nebenbei leeren wir unser „Paketdepot“ auf der Obelix, die freundlicherweise unsere hierher beorderten Ersatzteile entgegengenommen hat. Neue Werkzeuge kommen erstmals zum Einsatz, einige Ersatzteile und Neuanschaffungen werden eingebaut, für die neue Lichtmaschine muss allerdings noch die Halterung abgeändert, eine neue Keilriemenscheibe bestellt, sowie ein neuer Regler eingebaut werden.

In fröhlicher Gesellschaft von Obelixens schauen wir uns die nähere, seeehr ländliche Umgebung an, lassen uns im Museum von Gloucester ein wenig in die Geschichte dieser Kleinstadt einführen, machen Großeinkäufe und landen zu mehr oder eher weniger „kulinarischen“ Abstechern in diversen Dorfkneipen…

 

Oft schaue ich auf weise (oder greise) Häupter, die sich theoretisch und praktisch mit Technik und Elektrik befassen.

Hier beim Zerlegen des ehemals Allerheiligsten der Navigation, des Furuno-Computers… ein exclusives, wunderschönes Stück Schrott, dem die Spätfolgen des Blitzes von Teneriffa letztendlich (und kaum sichtbar) den Todesstoß versetzten…

 

Ein ordentliches Donnerwetter beendet die erholsamen Tage in Deltaville. Während Peter das WM Spiel Schweden Deutschland sieht, fahre ich zum Einkaufen ins Örtchen. Als ich den Supermarkt verlasse, sieht die Welt um mich herum dunkellila aus. Blitze zucken, Donner grollt und dann ergießen sich die Regenmassen trommelnd aufs Autodach. Das schafft kein Scheibenwischer.

Das Ende vom Lied: Nach der Rückkehr zur PIA hat Deutschland 2:1 gegen Schweden gesiegt, im Dinghi haben sich ca. 100l Wasser gesammelt, die Polster im Cockpit sind triefend nass, die Betten auch.

Mit Frank und Brigitte treffen wir uns wieder in Solomons. Eine herrlich weite Bucht mit Sandstrand, hübschen Häusern und kleinen Bootsanlegestegen. Würzige Waldluft weht herüber….Ein stimmungsvoller Grillabend vor einem unheilvollen Tag…

Bereits um 7.50h gehen wir Ankerauf, da wir eventuell heute noch in Georgetown, am Sassafras River, am Nord-Ost-Ende der Chesapeake ankommen wollen. Hier wird die PIA von Oktober bis April an Land stehen und wir möchten uns

1. Die Marina ansehen, die weit und breit die einzige ist, die einen Travellift hat, der Katamarane mit unserer Breite herausheben kann und

2. die erforderlichen Schweißarbeiten an der Lichtmaschinenhalterung dort ausführen lassen.

Die ersten Stunden zeigen, dass wir bei dem Gegenwind und der Gegenströmung nicht segeln können, sondern 70sm Motorfahrt vor uns liegen.

Ab ca. 14.00h können wir die große Brücke erkennen, die Ost- und Westufer der Chesapeake Bay miteinander verbindet. Uns fällt ein, dass wir uns ja unmittelbar nach dem Verlassen eines Staates beim darauffolgenden anmelden müssen. Gestern haben wir Virginia verlassen, also sollten wir uns schleunigst in Maryland anmelden.

Wir finden die Telefonnummer der Behörde, werden in rasend schnell und nuschelig gesprochenem Englisch mit 10 Auswahlmöglichkeiten für entsprechende Informationen konfrontiert und verstehen nur die Hälfte.

Die Brücke rückt näher. Das Telefonieren wird auf später verschoben. Während Peter fährt, versuche ich – vom Cockpit aus – ein paar Fotos von dieser imposanten Brückenkonstruktion zu machen.

Der westliche Teil der Brücke, der nach Annapolis führt…

…eigentlich zwei parallel verlaufende Brücken…

Die Brücke ist passiert, Peter setzt – bei eingeschaltetem Steuerautomaten – den neuen Kurs ab.

Dann versucht er erneut die Zollbehörde (Customs and Boarderprotection) telefonisch zu erreichen und ruft mich zum Mithören.

Am Salontisch, dem derzeit geräuschärmsten Platz im Schiff, lauschen wir gemeinsam der Ansage…

…als es kracht…

Ein Schlag dröhnt durchs Schiff und ehe wir begreifen, was das war, kracht es ein zweites Mal…

Die Inspektion zeigt Scheußliches: Lateraltonne L94 hat ein pfeilförmiges Loch in den Bug gerissen, um danach – sich schwankend drehend – ein zweites Mal (mit dem Sockel) in die Flanke der PIA zu krachen…

Das Ungetüm!  Später von Frank fotografiert…

Sprichwörtlich „wie vom Donner gerührt“ stehen wir da und können es nicht fassen.

Als Wut, Ärger und Zittrigkeit nachlassen, machen wir uns daran, das Loch zu verschließen. Ausstopfen mit Folie und Tüchern und Zukleben mit der amerikanischen Wunderwaffe: Duct Tape…(reichlich erprobt während unserer Camperreise zum Abkleben diverser Undichtigkeiten am Wohnmobil)

Die Folgen des derben Kusses dieses Ungetüms…

Außen…

Innen…

Außen…

Innen…

Wieso konnte das passieren? Wir zermartern das Hirn. Der eingegebene Kurs führt in deutlichem Abstand an der Stb-Seite der Tonne vorbei. Ihre BB-Seite hat uns aber Stb-seitig erwischt. Was ist da schiefgelaufen? Sind wir von einer Strömung erwischt worden? Spinnt die Navigation oder der Steuerautomat? Wir können es nicht fassen! Nicht auszudenken, wenn wir mit 6,5kn Geschwindigkeit frontal auf den stählernen Koloss gerauscht wären…

Wir haben Zeit verloren und müssen unsere Geschwindigkeit auf 8kn erhöhen, wenn wir Georgetown noch vor Dunkelheit erreichen wollen. Außerhalb des Fahrwassers – wo wegen geringerer Strömung das Vorankommen leichter ist – lauern Fallen in Form von „Crab Pots“. Das sind versenkte Krabbenkörbe, mit denen man hier die Spezialität der Region, die köstlichen Blue Crabs fängt. Kleine weiße Bojen markieren den unter ihnen befindlichen Crab Pot und sind mit selbigem über eine Leine verbunden. Eine solche Leine im Propeller würde uns zu unserem Glück gerade noch fehlen! Wachsamkeit ist gefragt. Dem GPS können wir nicht mehr vertrauen. Er fällt immer wieder aus oder springt von rechts nach links.

Mit dem Einbiegen in den Sassafras River kommt die nächste Herausforderung. Grüne und rote Tonnen – zickzackförmig ausgelegt – verlangen das ständige Kreuzen des Flusses, um die Untiefen zu umfahren. Wegen der allmählich hereinbrechenden Dunkelheit kann man die Farben nicht mehr ganz so leicht erkennen, d.h. ich versuche mittels Fernglas jeweils die nächste Tonne und Farbe zu erkennen, während Peter die flott dahin schnurrende PIA von Hand steuert.

Mit dem allerletzten Büchsenlicht fischen wir die Bojenleinen aus dem Wasser und binden die versehrte PIA an.

 

Sie hat jetzt erstmal wieder Pause; die Köpfe vom Skipper und siner Fru nicht…