20140209 Every dark Cloud has a Silverline…

pflegte unsere Lehrerin anzuführen, wenn es um trostspendende, angelsächsische Redewendungen ging.
Dunkle Wolken machen sich auch über Las Palmas und in unseren Köpfen breit. Die Sonne hat momentan keine Chance, einen Wolkenrand silbrig hervorzuheben, da es keinen gibt.
Das gesamte Firmament ist von einer einzigen, geschlossenen Wolkendecke überzogen.
Seit 6 Wochen warten wir nun (nach unserem Blitz- bzw. Überspannungsschaden) auf einen Regulierungsvorschlag der ESA, unserer Yacht-Versicherung. Bisher vergeblich.
Das ist zermürbend. Setzt man bei der ESA eventuell auf diese Taktik?
Unsere Spontaneität leidet. Mit ihr erlahmt das Interesse an der Erkundung von Stadt und Insel und wir hocken – trübe Gedanken schiebend – auf unserer Insel der (Un)seligen…
bis Matthias und Regina ankommen…

Mit ihren farbenfrohen Reise-Erzählungen und verführerischen Bildern aus Marokko verstehen sie es, uns aufzumuntern, den größten Frust ein wenig zu mildern und die alte Neugier auf Unbekanntes wieder aufleben zu lassen.

Matthias, seines Zeichens Schiffsbetriebsingenieur mit C6 Patent holt uns aus unserer Lethargie heraus. Stückchen für Stückchen arbeitet er sich durch die komplexe elektronische Installation. Peter und er schlüpfen in alle Winkel, bauen ab und auseinander, prüfen und testen, um letztendlich festzustellen, dass der von der ESA beauftragte Sachverständige, nur etwa die Hälfte des tatsächlich entstandenen Schadens diagnostizierte.
Nicht nur die zu ersetzenden Geräte, sondern auch die Reparaturkosten übersteigen den von ihm veranschlagten Aufwand um ein Mehrfaches.

Donnerstags bieten die Bars der Altstadt einen „Pincho“-Abend an, d.h. man geht auf Tapa-Tour und zieht von einer Tapasbar in die andere, um dort das spanische Fingerfood genießen zu können. Natürlich nehmen wir die Gelegenheit wahr – auf vergnügliche Art für Kopf und Magen – die Altstadt mit ihren Bars zu erobern. Pro Häppchen zahlt man nur einen Euro und wir bedauern das geringe Fassungsvermögen des Magens, da wir die Palette der kleinen Köstlichkeiten bei Weitem nicht ausschöpfen können.

Am Wochenende mieten wir ein Auto, um die Insel im Viererpack zu erobern. Der erste Tag ist der Küste gewidmet. Unzählige Strände reihen sich aneinander auf unserem Weg vom Inselnorden in den Süden. Der grau verhangene Regenhimmel wird lichter je weiter wir in den Süden kommen.

In Maspalomas erwartet uns zunächst strahlender Sonnenschein, was die auf den Kanaren geltende Regel (dass der Süden der Inseln immer wesentlich trockener, wärmer und sonniger ist) wieder einmal bestätigt. Aber auch hier zieht sich der Himmel bald zu.

So wirken die Dünen zwar immer noch sehr imposant, lassen bei unserer anschließenden Wanderung aber den Eindruck entstehen, sich nicht im Atlantik, sondern irgendwo an der Nordsee unter einem (fast) Nolde-Himmel zu befinden.


Auf dem Video lassen sich regelrechte Sand-Sturzbäche erkennen

Unser nächster Stopp ist Puerto Mogan, ein ehemals kleiner Fischerhafen, der sich zu einem für Yachties äußerst beliebten und attraktiven Hafen entwickelt hat. Hier kommen Bootsfreunde und Blumenliebhaber gleichermaßen auf ihre Kosten. Es ist ein reiner Augenschmaus!

Einen veritablen Sundowner nehmen wir in der kleinen Bar am Molenkopf und beobachten, wie die Sonne, bevor sie endgültig im Meer versinkt, noch einmal kurz durch die Eintrittspforte in die Open-Air-Bar schaut.

Den weniger attraktiven Abschluss unserer Küstenroute bildet Puerto Rico, das wir nach einem kurzen Spaziergang wieder verlassen, um in unserer Lieblings-Bar in Las Palmas noch ein paar Tapas genießen zu können.

Am Sonntag soll es ins Landesinnere gehen. Unser Ziel ist Tejede, der Ort, an dem die Mandelblüte gefeiert wird. Auf dem Weg dorthin werfen wir zunächst einen Blick auf „Las Canteras“ den herrlichen Strand am nordwestlichen Stadtrand von Las Palmas.

Arucas erreichen wir zur sonntäglichen Frühschoppenzeit.

Nach der Messe in der wunderschönen neugotischen Kathedrale mit herrlichen Fenstern trifft man sich in den umliegenden Cafés und Bars.

Uns gelingt es, vor dem nächsten Regenguss noch einen Spaziergang durch dieses schöne Örtchen zu machen mit einem Stopp in einem der hübschen Straßencafés.

Weiter geht es nach Teror, dessen Stadtkern – wegen des heute stattfindenden Marktes – gesperrt ist. Wir schlängeln uns durch Menschentrauben an Marktständen und Buden mit lokalem Speisenangebot hindurch und bestaunen die historische Hauptstraße mit ihren schönen „Holzbalkon“-Häusern.

Pünktlich zur Ankunft im Zentrum der Mandelblüte – Tejeda – zieht die Sonne sich komplett zurück. Blaue Gucklöcher werden vom Einheitsgrau verschluckt. Schade! So wirken die farbenfrohen festlichen Trachten der Einheimischen nur halb so fröhlich. Der Gesang hingegen schon.

Kräftige, markante Frauenstimmen schmettern kehlige Weisen in den Äther, begleitet von zahnlosen, (wie pietätlos!!!), Castagnetten über eine Knochenleiter ziehenden, älteren Männern sowie wohl genährten Artgenossen mit Gitarre, Mandoline oder Tambourin.

Fasziniert beobachten wir das Spektakel, das in dieser Art wohl seit Freitag geboten wird. Die steile Dorfstraße wird gesäumt von Fressbuden aller Art, Ständen mit Bier und Hochprozentigem und einigen Kunstgewerbeständen, die sich des Themas „Mandelblüte“ angenommen haben.
Dass das Fest von der Bevölkerung angenommen wird, lässt sich nicht nur an den vielen Besuchern, sondern auch am säuberlich aufgetürmten Wohlstandsmüll erkennen…

Die Mandelblüte allerdings geht in diesem Jahr – wegen „nebulöser“ Wetterbedingungen – ein wenig unter…

20140120 Las Palmas, Gran Canaria

Montag, 20.01.2014
Eigentlich sollte es erst am Dienstag (21.01.)nach Gran Canaria gehen aber unsere Pläne scheinen in der letzten Zeit gemacht zu sein, um sie schnellstens wieder zu verwerfen.
Das Auto, das wir für 4 Tage mieteten, wird nach 3 Tagen wieder abgegeben. Die geplante Tour zu den „Besenwirtschaften“ in Teneriffas Weinregion wegen Kälte und Regen gestrichen, die für den Freitag vorgesehene Stadtbesichtigung der Universitätsstadt La Laguna (Weltkulturerbe) lassen wir nicht ausfallen, aber sie fällt buchstäblich ins Wasser. Der gesamte Freitag ist dunkelgrau, das Thermometer erreicht gerade mal 10°C und ein unangenehmer, heftiger Wind treibt uns unablässig Regen ins Gesicht. Ein versöhnendes Highlight an diesem trüben Tag ist der urgemütliche, wohlig BEHEIZTE Dorfgasthof in Güimar mit seinem „Sterne“-verdächtigen Menü.
Für den Sonntag ist die Reinigung des Unterwasserschiffes vorgesehen. Aber bei uns beiden ist plötzlich die „Ich hab’s satt-Stimmung“ da. Irgendwie hält uns nichts mehr auf dieser Insel. Wir wollen so schnell wie möglich weg, schauen noch einmal die Wettervorhersage an und sehen, dass die Bedingungen auch am Sonntag gut ein sollen. Nun geht alles ganz schnell. Abmelden und Liegegebühren im Hafenbüro zahlen, Eis und Wasser per Auto herbeischaffen, Auto abgeben, Schiff segelfertig machen, früh schlafen gehen, um dann am Sonntagmorgen – wie geplant – um 8.00h auszulaufen.

Wir sind angekommen!


Am Willkommenssteiger von Las Palmas‘ Yachthafen…

Traditionell navigierend, ohne Elektronik. Das geht auch! Aber seit gestern wissen wir, dass die Entscheidung, (den noch zu installierenden) Ersatz-Steuerautomaten zu kaufen, goldrichtig war. Elf Stunden Rudergehen im Zweistunden-Rhythmus (davon 8h „am Wind“) zeigen, dass wir das zu zweit nicht über einen längeren Zeitraum leisten könnten.
Bei den 2-3m hohen Wellen, die in einem Winkel von etwa 45°auf uns zu rollen, kann man das Steuerrad nicht loslassen. Man spürt den enormen Druck auf die Ruderblätter und – nach getaner Arbeit – den auf die Schulterblätter und Schultern. Der Freigänger hat nicht wirklich frei, da der Rudergänger seinen Platz nicht verlassen kann und er für jede Segeloperation oder jedwede Handlangertätigkeit zur Verfügung stehen muss. Unachtsamkeit (beim Ansteuern der Wellen)wird sofort mit einer Salzwasserdusche bestraft. Auch da muss der Freigänger wieder übernehmen, um dem Tropfnassen das Umkleiden zu ermöglichen.
Die Einfahrt in den Hafen wird noch einmal sehr spannend, da sich eine Hilfsleine unter einen Mastrutscher geschoben und um die Befestigung des Backstags geschlungen hat, um so das Fallen des Großsegels zu verhindern. Nach dem dritten vergeblichen Versuch befürchten wir, vor Anker und in den Mast gehen zu müssen. Dann kommt die rettende Idee: Backstag lösen, Richtung Bug ziehen, rütteln. Es klappt. Segel runter, Fender raus, Festmacher ausgelegt, angelegt am Gästesteiger, Abendessen… und um 21.50h (haben wir bisher jemals so früh im Bett gelegen???)
…seliges Schnarchen.

20140114 Und immer noch: TENERIFFA

Für den Samstag (11.01.) haben wir einen Ausflug geplant. Klaus und Liane, die Peter aus Süba-Zeiten kennt, verbringen die Wintermonate (ihres „Unruhestandes“) hier auf Teneriffa.
Sie laden uns zu einer Inselrundfahrt ein. Im neuen Auto geht’s zunächst in Richtung Teide, dessen schneebedeckte Spitze sich glitzernd vom stahlblauen Himmel abhebt.

Er ist DIE Wochenend-Attraktion!

Myriaden und Hekatomben von Tenerfenos sind auf den Berg gepilgert, um sich – mit Schneebrocken in der Hand – fotografieren zu lassen oder sie in Tüten oder Taschen herum zu tragen. Kleine Kinder, vermummt wie Eskimos, stecken ihre Händchen in den Schnee oder quietschen vor Freude, wenn sie auf dem Schlitten über die holprigen, nur zum Teil mit Schnee bedeckten Steinfelder gezogen werden. Schneespaß auf Teneriffa!

Die Beiden zeigen uns wunderschöne Orte, die wir bisher nicht gesehen haben.

Beeindruckt sind wir von einer alten Klosteranlage in der Nähe von Orotava. Mit wenigen, architektonisch sehr geschickten Änderungen hat man die Klosteranlage in eine touristische Attraktion verwandelt. Wie zu Klosterzeiten wirkt der gesamte Komplex autark, heute mit diversen Restaurants, Bodegas, Terrassen-Café unter Arkaden und einer Delikatessen-Boutique mit Produkten aus (größtenteils)eigener Herstellung.
Verschüttetes Gourmetfeeling ist augenblicklich wieder da bei dem, was sich dem Auge des Betrachters bietet: Dunkles Brot mit Körnern und Nüssen, Torten, nach deutschen Rezepten hergestellt, Florentiner, diverse Öle und Essige, Weine, Käse, iberischer Schinken, Hochprozentiges von Morand;
Hm, da flimmert es auf der Zunge…
Schnell haben wir Etliches in Tüten und Taschen gefüllt, um die Schätze ins Auto zu tragen.
Zum späten Mittagessen bewirtet uns die Bodega mit Deftigem, äußerst Schmackhaftem und einer herrlichen Erdbertorte zum Dessert. Und die begleitende Show zu unserem Essen: Rad schlagende Pfauen, eifrig pickende Hühner – unter und zwischen den Tischen – und ein gebieterisch krähender Hahn, der seinen Harem in Schach zu halten versucht.
Wir schlendern noch eine Weile durch die schöne Anlage, müssen uns dann aber auf den Heimweg machen, da die Sonne um 18.20h untergeht und wir noch ein paar Ausblicke auf die Nordküste genießen wollen.

Angekommen in Los Gigantes, an der Westküste Teneriffas, beschließen wir den herrlichen Tag mit einem Gläschen Wein im Appartement von Klaus und Liane und werden anschließend von den beiden zurück gebracht zu unserem Schiff, das immer noch in San Miguel, an der Südspitze Teneriffas liegt.

Es liegt und liegt und liegt…allerdings inzwischen wieder in der Mitte des Hafenbeckens, an der Stelle, wo es vom Überspannungsschaden erwischt wurde.

Und wir??? Peter telefoniert mit der Versicherung, den Yachtelektrikern, prüft hier, kontrolliert dort, poliert manches, schmiert und ölt anderes und macht die letzten Tauchgänge zur Erlangung des Open- Water-Diver-Certificates.

Und ich bin nicht neidisch! Im Gegenteil! Ich genieße das unkomplizierte Atmen über Wasser, Sonne und Wärme und erledige die Arbeiten, die zu Hause oder in einem Ferienappartement auch anfallen würden: Einkaufen, Waschen, Nähen, Ausbessern und Putzen.
Nur, dass es hier im Moment nicht ganz so komfortabel zugeht.

Der nächste Supermarkt liegt etwa 5km entfernt, jenseits der Hotelburgen und Golfplätze, auf ungefähr 300m ü.N. Die Bevorratung frischer Lebensmittel ist bei nicht funktionierenden Kühlgeräten stark eingeschränkt und der Transport von 10kg Eiswürfeln im Gepäckträger unserer wackeligen Klappfahrräder jedesmal eine schlingernde Herausforderung.

Da auch der Wassermacher nicht funktioniert und Frischwasser nur am Steg zu bekommen ist, gehen wir mit unseren Wasservorräten ein wenig sorgsamer um.

Dennoch ist das alles – aus der Sicht eines wahren Seefahrers – Jammern auf hohem Niveau.

Vor 100 Jahren gab es weder Kühlschränke noch komfortable Herde und Backöfen auf Segelschiffen. Man ernährte sich von Lebensmitteln, die getrocknet, gesalzen oder in anderer Form konserviert werden konnten.
Und was das Segeln betrifft sah die Situation nicht sehr viel anders aus. Es gab zwar bereits Seekarten und Sextanten für die Astronavigation aber weder Steuerautomaten noch Satelliten-Navigation.

Heute genügt ein Blick aufs Display, um in Sekundenschnelle zu erfassen, wie der Kurs durchs Wasser oder über Grund ist, wie hoch die Geschwindigkeit durchs Wasser oder über Grund ist, die Windgeschwindigkeit, die zurückgelegten Meilen, die – mit der augenblicklichen Segelgeschwindigkeit – errechnete, voraussichtliche Ankunftszeit am Ziel…und eine leichte Knopfdrehung, um dem Steuerautomaten die Richtung vorzugeben.

Fazit: Segeln wie vor 100 Jahren könnten wir heute mit unserer PIA auch… Aber ohne Elektronik ist alles soooo unkomfortabel!!!

„Was für Weicheier“ sagt da der gestandene Seefahrer.

Um diesem Image nicht ganz zu entsprechen werden wir in der kommenden Woche – so Wind und Wetter das zulassen – nach Gran Canaria segeln…
…handgesteuert und handgekoppelt…

20140107 Die Lage…

ist ernst aber nicht hoffnungslos. Das Stimmungsbarometer, das zwischen den Jahren immer weiter Richtung Null sinkt, zeigt seit dem 3.01.2014 wieder eine zarte Tendenz nach oben.
Herr Linke, der von der Versicherung geschickte Sachverständige, reißt uns aus Lethargie und trüben Gedanken heraus, indem er uns aktiv mit einbezieht in die Suche nach der Schadenursache.
Die Inspektion der Schiffshaut lässt keine Spuren eines Blitzeintrittes erkennen. Auch die akribische Betrachtung der Borddurchlässe innerhalb des Schiffes lässt nicht auf ein solches Ereignis schließen. Peter inspiziert und fotografiert alle Borddurchlässe von der Unterwasserseite, kann aber auch hier keinen Beweis für den eventuellen Austritt eines Blitzes finden.
Dennoch stellt sich heraus, dass die Steuerbordseite stärker geschädigt wurde als die Backbordseite, da hier weder Heizung, noch Tankanzeige, noch Kühl- und Gefrierbox, noch Lichtmaschine funktionieren. Ein kleiner Lichtblick im Dilemma ist das Wieder-Aufleben der Lichtmaschine nach einem Sicherungswechsel.
Der 4.01.2014 bestätigt unsere schlimmen Vermutungen. Ein Überspannungsschaden hat die gesamte Bordelektrik zerstört. Herr Linke tröstet uns mit der Aussage, dass wir nun unsere Weiterreise evtl. um zwei Monate verschieben müssen, dass wir uns aber – bei einem direkten Blitzeinschlag – mit einer Teil-Zerstörung des Schiffskörpers sicherlich ein ganzes Jahr hätten gedulden müssen.
Hatte ich nicht schon einmal erwähnt, dass Geduld nicht zu unseren Stärken gehört? Ab sofort heißt es: Üben, üben, üben… denn nur das macht bekanntermaßen den Meister.

Unser Übungsprogramm für die nächsten Tage (Wochen, Monate???):
-Warten auf das Gutachten des Sachverständigen
-Warten auf die Stellungnahme der Versicherung
-Warten auf die Genehmigung zur Bestellung neuer Geräte und deren Lieferung bei Zusage
-Warten auf die Bordelektriker, die hoffentlich aus Hooksiel anreisen dürfen
-Warten auf die Wiederherstellung des Urzustandes…

Unser Zeitvertreib zwischendurch:
-Zentnerweise Eiswürfel herbei schleppen für die defekten Kühler
-PIA wieder auf Hochglanz bringen, Fender reinigen und Edelstahlteile polieren, den Bart am Unterwasserschiff beseitigen, knarrende Scharniere ölen
-Ab und zu einen Ausflug in die Unterwasserwelt machen, um anschließend – wegen der doch recht
niedrigen Wassertemperatur – einen Aufwärmtag zu benötigen. (Anmerkung: Unsere Tauchlehrerin
Marimar hat mich doch noch überreden können, den Basic-Kurs abzuschließen)

-Leute treffen, Schwätzchen halten, um dabei zu erfahren, dass auch andere Segler ihre Reisepläne wegen langwieriger Reparaturarbeiten verschieben müssen

-Und das Wichtigste überhaupt: Telefonieren mit Oma und unseren Kindern, Philipp und Isabel, die redlich bemüht sind, unsere Stimmung aufzuhellen. Das tut gut! Manchmal gelingt es sogar, trotz der hier üblichen, sehr schlechten Internetverbindung mit Philipp und Lena zu skypen und unseren prächtig gedeihenden Enkel zu sehen…

Die bei alledem neu gewonnene Erkenntnis: Wir sind vor Heimweh absolut nicht gefeit.

Abschließend möchten wir Euch mit großer Verspätung ein gutes, gesundes und rundherum glückliches Neues Jahr wünschen!

20131225 Wasserfarbene Weihnachten

bedeuten: Kontrastprogramm:

– Kein Tannengrün, kein Rot, kein Gold, keine Kugeln,
keine Strohsterne
– Kein Gottesdienst am Heiligabend
– Aber: hübsch verpackte Geschenke von Kindern und Oma, eine
Minikrippe von Mary und die Sternenkette von Brigitte, die das
kanarische, weihnachtliche Stillleben unter dem Zweig eines
Drachenbaumes – auf türkisfarbenem Untergrund – in ein schönes
Licht taucht…

– Peter und ich, zum ersten Mal seit 34 Jahren, am Heiligabend
alleine…
– Wir stoßen an mit Freixenet, wickeln dann die hübsch
verpackten Geschenke aus und freuen uns riesig über so viel
Schönes, Köstliches und Nützliches…

Dann gehen wir in die Koje.

25.12.2013
Ein strahlend schöner erster Weihnachtsfeiertag! Unser morgendlicher Spaziergang, der Sonne entgegen, führt uns – unter blauem Himmel, am gleichfarbigen, von leichten Wellen gekräuselten Atlantik entlang – vorbei an etlichen Hotels und Ferienanlagen (Luxus – Basic).
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Riesiger weißer Hotel-Komplex mit großzügiger Pool-Landschaft, die gesäumt ist von unzähligen Strandliegen, belegt von Alabaster-farbenen Körpern unterschiedlichster Formate, der Geruch von Sonnenmilch in der Luft…
Und… aus den Lautsprechern dröhnt: „Gloria in excelsis Deo…“
Am Rand der Pools hüpfen Animateure mit roten Zipfelmützen herum…
Selten ist wohl die Frage: „Sind wir im falschen Film?“ so zutreffend.
In „Los Abrigos“, einem kleinen, gewachsenen Örtchen im Osten von San Miguel, ist der Weihnachtsgottesdienst gerade zu Ende. Aus den Lautsprechern der kleinen, weihnachtlich geschmückten Kirche tönt ein anheimelndes „Noel, Noel…“ Wir stehen, lauschen, lassen diese schöne Stimmung auf uns wirken und bedauern sehr, diese Kirche nicht einen Tag früher gefunden zu haben.
Aber dem Gottesdienst hier werden wir am Sonntag beiwohnen.

26.12.2013
Einen zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es – selbst im katholischen Spanien – nicht. Man geht zum Alltagsgeschehen über. So beginnt auch heute der Tauchkurs, den Peter und ich uns zu Weihnachten geschenkt haben. Das Geschenk entpuppt sich – mit 240 Seiten Theorie plus DVD (in 3 Tagen) zu einem echten Büffelkurs.

Am 27. findet der erste Tauchgang mit entsprechenden Übungen statt. Peter hat einen Tauchlehrer, ich eine Tauchlehrerin. Eigentlich ideale Bedingungen. Wir zwängen uns in die Tauchanzüge mit angeschnittener Kopfhaube. Bereits beim Schließen des Reißverschlusses habe ich das Gefühl, dass meine Luftröhre eingeengt wird. Also lasse ich den Kopfschutz weg.
Wir werden regelrecht an die Hand genommen und behutsam in die Unterwasserwelt eingeführt.
Meine schlimmen Befürchtungen, keinen Druckausgleich machen zu können, bestätigen sich nicht. Alle Übungen gelingen mir einwandfrei. Aber ich kann einfach nicht entspannt sein. Ich habe keine Panik-Attacken aber zittere permanent innerlich und äußerlich.

Am 28. gibt’s erneut 4Std. Theorie. Keine Praxis. Mir wird immer mehr klar, dass Tauchen nicht mein Ding ist. Ich beschließe aufzuhören und rufe damit bei Peter maßlose Enttäuschung hervor.
Trübe, trübe Stimmung legt sich über den Tag. Peters Hoffnung, ich könnte es mir doch noch anders überlegen, bestätigt sich nicht. Er wird den Kurs ohne mich machen müssen…Sehr schade für ihn, da man nie alleine tauchen darf und wir gemeinsam Erfahrung hätten sammeln können…

20131224 Spannung, Überspannung, Schockstarre…

Ein komischer Titel, oder? Beim Weiterlesen aber selbsterklärend…

Der wunderschöne Anlass unserer Heimreise, nämlich die Geburt unseres Enkels Thies, liegt nun 24Tage zurück. Wir, die frischgebackenen Großeltern und die Urgroßmutter durften das Wonneproppen-Sonntagskind schon in den Armen wiegen und teilhaben am Glück der kleinen harmonischen Familie.

Es ist erstaunlich, welche Anziehungskraft ein so kleines Wesen ausübt und wie es den Drang, lange Fernreisen zu machen, mindern kann.
Drei Wochen, die mit Besuchen in Zürich, von und bei Freunden, mit Geburtstagsfeiern und einem Berg von Organisationsaufgaben wie im Flug vergingen.

Samstag, 21.Dezember: Die Befürchtung, Schwierigkeiten wegen unserer riesigen Gepäckstücke (mit Bauteilen für den 2. Steuerautomaten)zu bekommen, bestätigt sich nicht. Wir fliegen mit einer Stunde Verspätung ab, landen bei einsetzender Dämmerung, machen einen kurzen Stopp am Supermarkt, um ein paar Lebensmittel einzukaufen und warten dann bei absoluter Dunkelheit darauf, von den Marineros im Schlauchboot übergesetzt zu werden.

Spannung: Finden wir die PIA vor, wie wir sie verlassen haben?
Mit dem uns wohlvertrauten Brummen öffnet sich die Passerelle, die Gepäckmonster werden abgeladen und im Nu sind wir wieder in unserem schwimmenden zu Hause.
Die erste Amtshandlung: Hauptstromschalter ein, Licht an, Kühlschrank und Gefrierbox einschalten, eine Handvoll Kleidungsstücke verstauen, dann Abendessen. Nach dem Essen stellen wir fest, dass die Kühlaggregate nicht angesprungen sind. Ein Fluch entfährt uns. Aber um diese verflixte, neue Reparaturbaustelle werden wir uns morgen kümmern.

Sonntag, 22. Dezember
Nach dem Frühstück: Fehlersuche. Wir schieben die Köpfe in den Kühlschrank, die Eisbox, um Leitungen und Drähte herum, in unwegsame Fächer, betasten, bewegen, rütteln an allen möglichen Bauteilen aber nichts passiert.
Peter geht – bewaffnet mit dem Stromprüfer – zum Schaltpaneel, öffnet die Tür und betätigt einen Schalter. Der quittiert mit einem Knall und lässt ein schwarzes Rauchwölkchen von der Platinenoberfläche aufsteigen. Wir sind total verdattert. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir vier schwarze Stellen auf der Platine.
Die Kontrollmimik für die Navigationslichter ist komplett ausgefallen. Ein weiterer Kippschalter verabschiedet sich mit Knall und Rauch.
Der Masterview, auf dem die Funktion aller wichtigen Elemente der Bordelektrik angezeigt wird, bleibt schwarz. …Schockstarre!!!

Was nun? Ein telefonisches SOS an Axel, unseren Bordelektriker. Das Diagnoseflackern in Axels Kopf ist förmlich zu spüren, dennoch kann auch er sich zunächst keinen Reim auf diese seltsamen Vorgänge machen.
Wenig später kommt sein Rückruf: Gab’s auf Teneriffa nicht Sturm, Regen und Gewitter, evtl. Blitzeinschläge?…. Ja, allerdings.
Der aufmerksame Beobachter und Verfolger unserer Route über den Satellitenorter kann erkennen, dass die letzte Spannungsmeldung am 10.12.2013 gesendet wurde. Danach Totenstille.
Die Marineros bestätigen den Höllenschrecken, der ihnen eingejagt wurde, als unmittelbar neben ihnen mit einem ohrenbetäubenden Donnerschlag und einem gleißend grellen Licht der Blitz einschlug, während sie dabei waren, die PIA mit weiteren Leinen zu sichern.
Die traurige Schlussfolgerung: Überspannungsschaden.
Und nun? Testen, was alles kaputt ist, Versicherungsmeldung machen, Schadensgutachten abwarten, Reparieren oder Ersetzen der „kostbaren“ Bordelektrik.

Fazit: Zwangspause auf den Canaren, Harren der Dinge, die da kommen werden und Überfahrt zu den Cap Verden und in die Karibik auf unbestimmte Zeit verschoben.

24.12.2013
Auch wenn zu Hause kein Schnee liegt, sieht’s zu Weihnachten doch sehr viel anders aus.

Eine etwas exotisch wirkende Weihnachtsstimmung kommt auf, als wir (in T-shirt und kurzen Hosen) um 14.00h zu einer 3-stündigen Wanderung aufbrechen und den Teide mit einer weißen Schneemütze sehen.

Pünktlich zum Sonnenuntergang zurück, nehmen wir einen kleinen Sekt in der Marina-Bar, um den Heiligen Abend (mit canarischem feeling) einzuläuten.

Das Weihnachtsmenü gibt’s an Bord und anschließend dürfen wir (Rollentausch?)die Geschenke Omas und unserer Kinder auspacken!

Nun wünschen wir Euch ein frohes Weihnachtsfest mit allem, was in unserem Kulturkreis dazu gehört, Freude und Harmonie und grüßen Euch gaaaaanz lieb von Teneriffa

Eure Dorothee und Peter

20131113 Von Teneriffa über La Palma nach La Gomera

Dienstag, 12. November 2013
Da wir heute nur 12sm vor uns haben, lassen wir es gemütlich angehen. Wir bestaunen das hinter uns liegende Touristen-U-Boot, ein veritables „Yellow Submarine“, das 20 – wie ich finde – mutige Neugierige aufnimmt, um mit ihnen dann allmählich unter der Wasseroberfläche zu verschwinden.

Dann legen wir ab, beschäftigen uns – aufgrund sehr böiger Winde -ausgiebig mit allen möglichen Segelkombinationen, versuchen mal wieder vergeblich….


(leider nicht zu erkennen: die Angelschnur)

und lassen gegen 16.00h den Anker vor „Los Christianos“ fallen.
Peter rudert Trudi und mich – ganz Kavalier – rüber zum Strand.


Der einzig schöne Teil von Los Christianos

Ein Spaziergang zeigt uns ein vom Tourismus total überlaufenes Örtchen, mit Hotels, die sich an Kitsch und baulichen Scheußlichkeiten überbieten, mehreren Einkaufszentren, Illuminationen aller Art und diversen Fast Food – Sättigungsstationen. Ein Ort mit einem schönen Strand aber keiner, an dem man Ruhe finden kann.

Mittwoch, 13. November 2013
Um 7.00h ist die Nacht zu Ende. Kleines Frühstück, 8.10h Anker auf. Wir wollen nach La Palma, haben 70sm vor uns und würden gerne – vor Einbruch der Dunkelheit – dort ankommen. Der Wind bläst mit sehr unterschiedlichen Stärken, sodass wir wieder mit den Segeln gut beschäftigt sind.
Etwa 15sm vor La Palma erwischt uns die berühmt-berüchtigte „Düse“ zwischen den Inseln. Mit gerefftem Groß und Fock zischen wir mit 10-12kn La Palma entgegen, das wir selbst – auch als wir nur noch 7sm entfernt sind – nicht erkennen können. Erst 5sm vor dem Ziel zeigt sich ein helles, flaches Podest am Horizont, über dem sich riesige, dunkelgraue Wolkengebirge auftürmen.
Nach den – wie immer – sehr viel Zeit in Anspruch nehmenden Anmeldeformalitäten liegen wir um 19.OOh an unserem Platz.

Donnerstag, 14. November 2013
Dunkelgraue Regenwolken, aus denen es häufig schauert, lassen uns den Tag „Leguan-mäßig“ angehen. Erst abends machen wir uns zu einem Stadtbummel auf. Im warmen Schein der Laternen glänzt das regennasse Pflaster, die Plaza de Espagna wirkt einladend und gemütlich,

über unseren Köpfen – von einer Straßenseite zur anderen gespannt – wartet die Weihnachtsbeleuchtung bereits auf ihren Einsatz. Wir finden, in einem, der für diese Stadt sehr typischen Balkon-Häuser

ein schnuckeliges, kleines Restaurant, wo wir gut zu Abend essen und schlendern dann zurück zum Schiff.

Freitag, 15. November 2013
Peter holt das Mietauto ab. Heute wollen wir von Santa Cruz, das an der Ostküste (ungefähr in der Mitte) von La Palma liegt, über die Südspitze der Insel, an die Westküste, nach Tazakorte fahren.
Den ersten Halt machen wir am erloschenen Vulkan San Antonio. Über seinen, vergleichsweise wenig spektakulären Kesselrand, der zur Westküste hin eingebrochen ist, pfeift ein sehr kalter Wind, der uns schnell wieder zum Auto zurückkehren lässt.

Über die Westküstenstraße geht’s nach Tazakorte, einem beliebten Ferienort, der mit seinem schwarzen, feinsandigen Strand im ersten Moment exotisch wirkt.


An der Westküste von La Palma

Peter stürzt sich nach dem Essen in die Fluten, während Trudi, Wim und ich noch ein wenig die schöne Stimmung genießen.
Im Vergleich zu „Los Christianos“ wirkt hier alles so ruhig, erholsam und beschaulich.

Samstag, 16. November 2013
Dieser Tag ist ein Highlight! Der Norden der Insel steht auf dem Programm mit der Vulkan-Landschaft von „Los Muchachos“. Zwei Stunden lang winden wir uns in endlos scheinenden Serpentinen bergan. Dann sehen wir den Hinweis auf den „Pico de la Cruz“ , der nur 700m entfernt liegt.
Es ist ein Leichtes, ihn zu erklimmen. Belohnt werden wir mit Blicken in eine „Caldera“ (Vulkankessel), die gespickt ist mit schroffen Gebirgsnadeln und Felsabbrüchen.

Von Osten treibt der Wind dicke, weiße Wolken heran, die von den Felsnadeln zerfetzt werden, um sich hinter ihnen wieder zu einem weißen Wolkenmeer zusammen zu schließen.
Von hier aus könnte man zum „Roque de los Muchachos“ wandern, was wir aber – wegen der fortgeschrittenen Stunde – nicht mehr machen, da wir im Dunkeln zurückkehren müssten.
Vielleicht hätte man das, was wir vom Gipfel dieses Berges sehen, als persönliche Eroberung empfunden, wenn wir den steilen Weg dorthin auf Schusters Rappen zurückgelegt hätten; aber auch die „Mühelos-Variante“ mit dem Auto bietet Unvergessliches.
Schon beim Aussteigen pfeift ein eisiger Wind durch die Kleider und färbt die Nasen blitzschnell rot. Schlotternd laufen wir – teilweise in der Abdeckung der Berge, teilweise uns gegen den eisigen Wind stemmend – zur Aussichtsplattform und sehen das, was folgt.

Im Nachhinein bedauern wir, kein Video gemacht zu haben.

Etliche Parabolspiegel und eine große Sternwarte zeigen, dass die Astrophysiker ihre Forschungsarbeit von Teneriffa hierher verlegt haben. Wir erfahren, dass die Beobachtung des Nachthimmels auf Teneriffa – durch die vielen Lichter der in letzter Zeit entstandenen Ferienorte – doch empfindlich gestört wurde.
Auch uns erscheint La Palma als sehr viel wilder und urwüchsiger.

Für Sonntag und Montag ist Starkwind angesagt. So bleiben wir gerne noch zwei Tage in diesem wunderschönen Städtchen. Im katholischen Spanien wirken die Innenstädte am Sonntag meist ziemlich verlassen. So machen wir einem Bummel in die Peripherie und bestaunen die Exponate eines kleinen Kunstmarktes vor der Marina.

Schon beim Joggen am Montagmorgen erleben wir die pure Animation von Santa Cruz. Geschäftiges Treiben in den Straßen und Gassen, Kaffee schlürfende und dabei temperamentvoll diskutierende Spanier, vor oder in unzähligen Kaffees und Bars, ofenwarmes Brot, das seinen Duft verströmt; ja, man kann mit Augen, Ohren und Nasen genießen …

Später machen wir noch einen Stadtbummel und gönnen uns eine Mittagspause bei Oktopus-Salat und Wein mit der Beobachtung des angenehm touristischen Treibens.

Dienstag, 19. November 2013
Um 9.00h wollen wir auslaufen. Es schüttet bis 10.00h.

Alle Leinen für das sofortige Setzen des Parasailors sind ausgelegt (da Windstärke 3 vorhergesagt ist) aber bereits im Hafenbecken bekommen wir einen kräftigen 5er Wind auf die Nase. Gerefftes Groß und Genua gehen hoch. Als sich unser Ziel, La Gomera sehr deutlich zeigt, fährt die berühmte Düse (zwischen den Inseln) in die Segel. Konstante 6Bft mit 7er Böen lassen uns das Groß komplett wegnehmen und nur die Genua ziehen. Dennoch rauschen wir mit 12-14kn unserem Ziel entgegen. Nach der Umrundung der Südspitze wird’s ruhiger, 6-7kn sind offensichtlich genau die richtige Geschwindigkeit, den Jagdtrieb eines Bonitos herauszufordern. Um 14.50h hängt dieser wunderschöne Fisch an der Angel (s.Bericht).

Gegen 16.00h legen wir an der Hafenmauer eines kleinen Örtchens im „Valle Gran Rey“ an, schlürfen einen Kaffee an der Hafenmole

und suchen uns danach einen wunderschönen Ankerplatz, um unser köstliches Thunfisch-Menü vorzubereiten.

Beim Schwimmen am nächsten Morgen erkennen wir die neben uns ankernde „et voilá“, den Catamaran von Heinz und Ursula, die wir über Danielle und Hans kennen lernten, aber bisher eben nicht persönlich…
Unser Rufen wirft Ursula aus dem Bett und wir verabreden uns locker zu einem ersten Treffen, was aber leider wieder nicht klappt, da die Beiden Besuch erwarten und wir ablegen müssen, um Wim und Trudi rechtzeitig auf Teneriffa ankommen zu lassen.

Gegen Abend legen wir in San Sebastian, der Hauptstadt von La Gomera an, wo wir Elke und Bert von der „Anjuli Nui“ zum 3. Mal treffen und wieder wertvolle Tipps von ihnen bekommen. Nach einem morgendlichen Stadtrundgang durch das hübsche Örtchen (u.a. mit dem Haus von Christopher Columbus, der von hier aus zu seinen Seereisen startete),

legen wir ab in Richtung Teneriffa.
Um 18.00 abends kommen wir an, genießen ein schönes Abschiedsessen mit Wim und Trudi und winken dem Taxi, das sie heute Morgen abholt, lange hinterher.
Nun heißt es für uns: Schiff sauber machen, Waschen, Auftanken, an die Mooring gehen, Kofferpacken und am Dienstagabend: Nach Hause fliegen…
Weiter geht’s dann mit uns im neuen Aggregatzustand, nämlich dem der Großeltern…

Anmerkung einer dilettantischen Fotografin: Wahrscheinlich rührt die miserable Qualität der Fotos daher, dass ich sie alle im „Makro-Modus“ aufgenommen habe.Sorry!
Wenns nicht so viel Zeit gekostet hätte, sie (bei der miserablen Internetverbindung) einzustellen, hätte ich sie alle gelöscht.

20131119 *****BREAKING NEWS*****

Dienstag, 19.11.2013, 14.50h
Es ist gelungen! Hier die Dokumentation!

Frischer geht’s nicht! Selbst für ausgefuchste Schleckermäuler lässt das keine Wünsche offen.

Hier nochmal die Speisekarte:

Vorspeise: – Thunfisch (bzw. Bonito)-Carpaccio

Hauptgericht: – In Zitronen-Olivenöl, Knoblauch, Rosmarin
marinierte,gebratene Bonito-Kotelettes,
– in Butter geröstete Papas de arrugar
– Lollo bianco mit Staudensellerie u. Avocado

Nachtisch: – entfällt. Stattdessen: nicht spanisch
aber holländisch:1Gläschen Oude Genever

Nach diesem schönen Tag sehen wir abends noch mit folgendem Scenario belohnt.

(kleine Anmerkung zu den Bildern: Den Titel findet Ihr, indem Ihr mit der Maus aufs Foto geht)

…und Berichtenswertes dessen, was vor dem „Bonito“ geschah, wird in den nächsten Tagen nachgeliefert…

20131112 Von Passatsegeln und Notpinnen…

Wir haben Segler an Bord. Da heißt es Segeln. Wozu ist man sonst auf einem Katamaran?
Zwei Dinge sollen getestet werden: Die Notpinnen, für den Fall, dass die Radsteuerung ausfallen sollte und die Passatsegel, die uns (nach Möglichkeit, ohne sie auszubaumen) über den Ozean in die Karibik ziehen sollen. Unsere Jungs, Wim und Peter, haben endlich wieder etwas zu basteln. Am Vorabend noch werden die Notpinnen aus dem tiefsten Verlies der hinteren Backskiste heraus gekramt, die Schäfte montiert, die Pinnen aufgesteckt und verschraubt.
Am Morgen wird die kleine Fock heruntergenommen und der Zwilling unseres Genua-Segels eingefädelt.
Der Wind kommt aus NE, wir wollen nach SW, in die ca. 35sm entfernte Marina San Miguel. Ideale Bedingungen, um die Passatsegel zu testen.
Um 11.00h legen wir ab. Um uns in die richtige Position zum Wind zu bringen, fahren wir mit an Stb aufeinander gelegten Segeln ca. 3sm in Richtung Osten. Dann entfalten wir den Schmetterling. Ein NE-Wind mit 5 Bft lässt uns herrlich davon rauschen.

2. Test: Die Notpinnen…
Bei diesem Kurs ein echtes Kinderspiel. Mit dem kleinen Finger kann „Frau“ das Schiff über die Pinnen steuern.

„Mann“ wird immer experimentierfreudiger. Können wir eine automatische Windsteuerung erreichen, wenn wir die Schoten überkreuz an den Pinnen festbinden?
Spinnakerschoten raus, vom Schothorn über einen Block am Heck überkreuz auf die Pinnen und??? Irgendwie muss das noch einen Haken haben… Die Schoten ziehen ungleichmäßig. Man hilft einseitig nach mit ein wenig Ziehen oder Drücken.

Nein, das funktioniert so auch nicht. Die Pinnen bewegen sich nicht parallel. Auch eine Leine, die die Pinnenausleger an ihren freien Enden miteinander verbindet und so, in Verbindung mit dem Rudergestänge über eine Art Parallelogramm die Steuerung übernehmen müsste, zeigt keine Besserung. Alle Leinen werden weggenommen. Der Versuch muss wiederholt werden.
Kaum sitzen wir entspannt im Cockpit, hören wir ein Knacken, das in unregelmäßigen Abständen auftritt. Alle verfügbaren Ohren horchen an allen möglichen Flächen um herauszufinden, woher das Geräusch kommt. Es ist die Backskiste. Vom Motorraum aus kann man erkennen, dass es ein Gelenk der Kardanwelle ist, das sich gelockert hat. Da heißt es schnell reagieren, bevor größerer Schaden entstehen kann. In Windeseile ist die Backskiste ausgeräumt, Peter in selbige eingeklemmt und Wim über ihn gebeugt, um im rechten Moment das passende Werkzeug anreichen zu können.

Nach einer halben Stunde ist der schlechte Spuk vorbei. Keine beunruhigenden Geräusche sind mehr zu hören , nur noch das angenehm rauschende Kielwasser und der Wind, der die Passatsegel herrlich aufbläht.
Um 16.00h werden wir von den freundlichen Marineros der Marina San Miguel empfangen. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl . Hierher werden wir mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch zurückkehren, um unser Schiff – Ende November – für etwa drei Wochen alleine zu lassen.

20131111 Teneriffa,

eine der kanarischen Inseln, der „Inseln des ewigen Frühlings“, lässt uns das Eiland genauso empfinden: tiefblauer Ozean, schöne Strände, schroffe Küsten und Schluchten, dichte Wälder, karges Ödland, bizarre Lavameere und trotz des bereits weit fortgeschrittenen Herbstes immer noch kräftig blühende Bäume und Sträucher.
Magisch angezogen werden wir vom „El Teide“, dem mit seinen 3717m höchsten Berg Spaniens, aus dessen Flanken hin und wieder immer noch ein paar Rauchfähnchen aufsteigen. In unserem kleinen Mietauto heulen wir – auf Serpentinen – dem Gipfel entgegen.

Auf 1800m Höhe schauen wir auf eine dicke Wolkenschicht,

die die Welt darunter verhüllt, während – noch weiter oben – der Gipfel des Vulkans wie ein einsamer Herrscher über einer bizarren Mondlandschaft thront.

Rostrote, gelbe, schwarze und kreidefarbene Gesteinsschichten haben sich gleichmäßig hochgeschoben, wie ein an den Berg gemaltes Farbmuster, von einem breiten Pinsel gezogen.
Aus einem riesigen, elliptischen, kahlen Kraterkessel ragen schroffe Gesteinszinnen auf mit gewaltigen, zerfurchten oder zersprungenen Zacken,

farbig schillernde Aschehügel sowie Geröllhalden, die teils glatt poliert, teils pockennarbig aussehen. Das geeignete Szenario für großes Kino einer Mondlandung (oder das Paradies für Geochronologen, Ursula???)

Nur das Firmament ist völlig anders. Die weißen futuristisch anmutenden Türme einer Sternwarte ragen in einen knallblauen Himmel und würden sicherlich jedem Sterngucker beim Betrachten des Sternenhimmels in dieser klaren Bergluft das Herz höher schlagen lassen. (gell Dieter???)
An der Talstation der Gipfelbahn angekommen, fährt gerade die letzte Gondel vor unseren Augen davon. Wieder einmal zu spät!.
Die Kraterwanderung auf 2600m Höhe, die wir für den nächsten Tag planen, fällt ins Wasser, bzw. den Nebel. Der Nationalpark verschwindet hinter dicken, dunkelgrauen Regenwolken.
Wir nutzen den Mietwagen, um eine Wanderung im Lorbeerwald des Anaga-Gebirges zu machen, der uns allerdings seine vielgepriesene Schönheit und Urwüchsigkeit nicht offenbaren kann, da auch hier nur ab und zu ein paar Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke dringen können.

Nach kurzen Streifzügen durch Orotava,

Puerto Sta. Cruz

(das fest im Griff deutscher Touristen ist)und einem abschließenden Stadtgang durch Sta. Cruz, der Hauptstadt Teneriffas, legen wir ab. Beim Auslaufen aus dem Hafen grüßt uns ein letztes Mal das Wahrzeichen von Santa Cruz, das „Auditorio“, ein schneeweißes, vom Stararchitekten Calatrava entworfenes Konzerthaus, das seine riesigen Flügel über die muschelförmigen Veranstaltungssäle neigt.

Von See aus betrachtet geht leider viel von der Eleganz und Leichtigkeit des Gebäudes verloren, das der Sockel durch die massive Kaimauer verdeckt wird.