20140809 „Kein-Titel“ – Eintrag

…da alle Titel, die passen würden, bereits verbraucht sind.

Das Montieren geht weiter, der „Mensch“ muss sich öfter mal wieder ärgern und das Motto: „Zwei vor, eins zurück“ zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Woche.

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Schön wäre gewesen, wenn es Peter in der Gestalt dreier weiterer Klone gegeben hätte. Ich (als Faktotum) hätte locker 4 Personen bedienen können und zu fünft hätten wir an maximal zwei Tagen das erreicht gehabt, wofür wir- als Unikat mit Faktotum –eine ganze Woche benötigten.
Wir arbeiten 5 Listenpunkte ab und haben das Gefühl, dass am anderen Ende der Liste ein Medusenhaupt mit fünf neuen Köpfen entsprießt.

Eine aufkeimende Hektik können wir bereits am Anfang der Woche feststellen. Am Montagmorgen kommt Herr Deubler, um Peter abzuholen und gemeinsam mit ihm zum Elektronik- Fachhandel zu fahren. Zurückgekehrt stellen sie fest, dass ein weiteres Ersatzteil fehlt.
Während die beiden unterwegs sind, kommen die Rigger, um die Maststufen anzubringen. Da reicht natürlich die Anwesenheit des Faktotums.

Kaum zurück, verschwindet Peter für die nächsten Stunden – in Sachen Seefunk – in der Hundehütte, um den Dialog von unten nach oben mit Herrn Deubler zu führen.

Zwischendurch kommt unser Schlosser Jose Luis. Ihm muss Peter erklären, wie die neue Halterung für den Bildschirm gebohrt werden muss
.
Der Seefunk will nicht so wie er soll. Die beiden stellen fest, dass wahrscheinlich unsere wunderschöne Funkantenne mit dem wohlklingenden Namen “Shakespeare“ auch vom Blitz getroffen wurde… Eine neue muss bestellt werden, d.h. Arbeit an der Stelle für heute abgeschlossen.

Der Taucher ist da. Er soll das Unterwasserschiff reinigen, an dem sich Seepocken, alle Arten von Muscheln und Algen häuslich niedergelassen und wie die Reinigungsgeräusche vermuten lassen, „Wurzeln“ geschlagen haben.

Peter erklärt ihm, wie er – mit dem Drehmomentschlüssel – fachgerecht die Propeller löst, um sie zur Reinigung an die Wasseroberfläche zu bringen…

Uijuijui! Da taucht harte Arbeit auf!!!

Zum Reinigen der Propeller benötigen wir fast so lange wie der Taucher für das gesamte Unterwasserschiff.
Die Rigger sind inzwischen fertig geworden. Die Maststufen sitzen aber leider in der falschen Höhe, so dass Peter – bei der Arbeit an der Mastspitze immer noch nicht stehen kann, sondern die Stufen – nun im unbequemen Bootsmannsstuhl sitzend – vor den Knien hat.
Ein weiteres Stufenpaar wird in Auftrag gegeben.

Die Stahlschlaufe für den Bauchgurt kann nicht angebracht werden, da sie sich nicht der Mastform anschmiegt. Also wird ein weiterer Einsatz fällig.

Ein „einschlägiger“ Beweis dafür, dass man sich bei Arbeiten am Mast tunlichst NICHT unter selbigem aufhalten sollte.

Nun geht’s ans Eingemachte! 80% der Geräte sind montiert, jetzt sollten sie wieder zum Leben erweckt werden. Sie müssen z.T. neu figuriert werden und vor allen Dingen miteinander kommunizieren. Das kostet drei Tage – bis in die Nacht hinein – richtig Nerven und ist nur mit der freundlichen, geduldigen und immer hilfsbereiten Telefon-Seelsorge des Herrn Thiede von Furuno, HH-Rellingen möglich.

Am Donnerstag montiert Peter die beiden neuen UKW-Antennen und den Windgeber auf der Mastspitze und baut das defekte Topplicht ab.

Auch da ergeben sich wieder Probleme. Das neue Topplicht passt nicht auf den Sockel. Wieder muss Jose Luis her, um exakte neue Bohrungen zu machen… Damit wird also eine weitere Kletterpartie fällig.

Zwischendurch kommt René vorbei, um uns den reparierten Außenborder zu bringen.

D.h. der schicke, verführerisch schwarzglänzende, viertaktige Yamaha (Peter korrigiert: Suzuki) darf das Schaufenster des Händlers weiter zieren.

Die inzwischen neu installierte „Shakespeare“ beginnt – mit Hilfe von Herrn Deubler zu „flüstern“. Es kommt ein Funkgespräch zwischen Österreich und Gran Canaria zustande. Glasklar. Funktioniert prächtig.

Abends noch tauscht Peter die GPS-Antenne am Heck aus.
Er jauchzt! Wir empfangen GPS-Daten. Das MFD (Multifunktionales Display), der große Bildschirm wird angeschlossen. Alles funktioniert.

Lediglich das Radar hält sich noch ein wenig bedeckt. Aber mit Hilfe von Herrn Thiede wird sich das Problem lösen lassen…

Abends herrscht Hochstimmung bei uns…

bis Peter die Motoren „Probe“ laufen lässt. So ein Mist!!! Der BB-Motor wirft kein Kühlwasser aus.
Die bald gestellte Diagnose: Der innere Wärmetauscher ist Algen-verstopft und Kalk-verkrustet. Ebenso die sogenannte Bärentatze, d.h. der Auslass, in dem die Auspuffgase mit dem Kühlwasser gemischt werden.
Ist das nun der Dämpfer, der nach jedem Hoch kommen muss?

Nun ja, da hängen die Köpfe schon ein wenig, zumal wir keinen Rat wissen.
In Porto wurden die inneren Wärmetauscher von einer Spezialfirma perfekt gereinigt; aber hier gibt es nur eine Werkstatt, die Volvo-Motoren repariert – und wie man von verschiedenen Bootsbesitzern hört – äußerst schlecht.
In der Hoffnung, dass unser Taucher – in seiner kleinen Werkstatt – sich dieses Problems annehmen könnte, bringe ich den Tauscher dorthin. Er verspricht, sein Bestes zu tun, hinterlässt aber bei mir leider nicht den Eindruck eines Fachmannes, der weiß, wovon er redet.
Die gusseiserne Bärentatze nehmen wir uns selber vor. Ein hilfsbereiter französischer Nachbar bringt verdünnte Salzsäure, die die Kalk-Algenverstopfung grün-braun-blasig blubbernd über das Einfüllrohr quellen lässt.
Aber an ein Durchkommen ist abends um 23.00h noch nicht zu denken. Wir spülen den Einfüllstutzen aus und füllen ihn bis zum Rand mit einem aggressiven Kalklöser.
Am nächsten Morgen erkennen wir, dass das Einfüllrohr leer aber der Boden des Eimers bedeckt ist.
Die Gartenspritze bringt den schönen Beweis: Die Bärentatze ist wieder durchgängig.

Nun hoffen wir, dass nach unserer Rückkehr auch der Wärmetauscher wieder einwandfrei funktioniert und das Schiff so – fast runderneuert – wieder göttlich fahren wird.
Eine Woche werden wir nun versuchen, die Probleme, die zu Hause entstanden sind, zu lösen.

20140802 Das Montieren geht weiter…

Samstag, der 2.08.

Den ganzen Tag sind wir mit der Montage von Radar- und Sat-Pro – Antennen beschäftigt, sehr glücklich, dass wir alles geschafft haben aber am Abend auch todmüde vom langen Halten, Stehen und Kauern in äußerst unbequemen Positionen.

Die Punkte 69 und 68 werden von der Liste gestrichen und wir lassen uns exquisit bekochen im „Gabinete Literario“.

Sonntag, der 3.8.
Soll auch nicht ganz frei von Arbeit bleiben. Herr Däubler bringt die reparierte Seefunkanlage, die von Peter eingebaut wird (Punkt 67)

20140801 Sex in der Hundehütte?

Freitag, der 1.08.’14

Fetzen eines Dialoges:

– „Oh, ach, hm“…
– „Hast du’s?“
– „Halt, nein, warte… verflixt…wieder rausgerutscht!… Du musst es halten!!!“
– „Och, kann nicht mehr…“
– „Sekunde, gleich hab‘ ich’s, jetzt ist es drin…“

-„Dann nimm bitte jetzt das Knie von meiner Nase! …. Aaaah, endlich!“

Die „Hundehütte“, d.h. der mit Elektronik vollgestopfte Raum unter dem Navigationstisch, der früher – wie die heiligen Hallen – äußerst selten betreten (bzw. bekrochen) wurde, ist inzwischen zu Peters Wohnzimmer geworden…
Handlangernd darf ich hin und wieder das eine oder andere Teil hineingeben.

Heute durfte es ein bisschen mehr sein.

Das 23kg schwere Herzstück der Navigation, die Blackbox sollte wieder eingebaut werden. Auf der Seite liegend wollte Peter das Schwergewicht an die Wand wuchten, um es dort mit 4Schrauben zu befestigen.
Leider ist er keine achtarmige, indische Tempeltänzerin.
Da mussten doch meine Arme helfend eingreifen.

…OHNE WORTE…

20140731 Stop and Go…

Es gibt Positionen in unserer Punkteliste, die einem Fliegenschiss gleichen und auch fast ebenso schnell abgearbeitet sind; aber wiederum auch solche, die ich mit einem Hubschrauber-Landeplatz vergleichen möchte: 20mal denkt und tastet man sich an ein Detail heran und außen herum, versucht, seine Funktion im großen Ganzen zu verstehen und was passieren würde, wenn es nicht richtig eingebaut wird…
So kann das Hirn an manchen Tagen erst sehr, sehr spät abschalten.
Dennoch können wir uns über das Vorankommen mit den Reparaturarbeiten nicht beklagen. Zwangspausen, die entstehen, weil z.B. die benötigten Maststufen zum bequemeren Arbeiten an der Mastspitze noch nicht angebracht sind, werden gefüllt mit kleineren „Punkten“, die man mit ein wenig Fingerfertigkeit – ohne große Hirnmanöver – erledigen kann. So baut Peter alle (bisher reparierten) Anzeigeinstrumente in das Tableau am Kartentisch und in den Außensteuerstand ein (7 Stck), ich montiere den neuen Ventilator für den Kühlkompressor, säge eine Inspektionsluke in die Bank über dem Kompass, lackiere anschließend alles und somit haben wir uns bis Mittwoch von Punkt 79 auf den Listenplatz 70 vorgearbeitet.

Mittwoch, der 30.07.

Gefühls-Tsunamis

9.30h: Steuerbüro Langlotz-Wagner ruft an: 6m gestautes Schmutzwasser ergießt sich beim Öffnen einer verstopften Abwasserleitung in die Büroräume unseres Mietshauses in Mannheim. Hilfe!!!

15.30h: Peter ist gerade dabei, eine Mail an Axel zu schreiben, um ihm die Probleme mit den Solarreglern zu schildern, die immer viel zu heiß werden und undefinierbare Signale anzeigen. Plötzlich: Rauchalarm in der Hundehütte (Elektroraum unter dem Kartentisch).Der Rauchmelder schrillt infernalisch. Schnell – wie ein geölter Blitz – hechtet Peter in die qualmende, nach schmorendem Kunststoff stinkende Hundehütte, reißt das erste Kabel aus dem unteren Regler, schraubt die 7 weiteren Kabel – unter zuckenden Blitzen und weiterer Rauchentwicklung – ab, um dann, ein wenig bleich, wieder hervor zu kriechen.

Der Supergau konnte abgewendet werden…Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir zu diesem Zeitpunkt nicht an Bord gewesen wären.

17.00h: Unsere Maklerin, Frau Illig, ruft an: Sie hat unsere Wohnung in Karlsruhe zu unserem gewünschten Preis verkauft. Das tagelange Schuften in Karlsruhe hat sich gelohnt.

20.30h: Wir sitzen im „Allende“ – unserem Lieblingsrestaurant – und begießen die überstandenen Gefühls-Tsunamis…

Ein Prost auf das Leben!!!

Donnerstag, der 31.07.
Ein Tag ohne Punkte… Die verschmorten Solarregler werden demontiert. Ein kleiner Schauer läuft uns wieder über den Rücken beim Anblick des schwarz verschmorten und z.T. geschmolzenen Reglers.
Und die Ursache für die Beinahe – Katastrophe? Sie ist immer noch nicht eindeutig zu definieren:
Ist die Sonneneinstrahlung durch die größere Nähe zum Äquator so viel intensiver, dass die Regler mit dem Energiefluss überfordert waren? Könnten stärkere Regler das Problem lösen?

20140727 „Mensch ärgere Dich nicht“…

haben wir nun oft und lange genug gespielt. Es macht keinen Spaß mehr. Wir hassen die Ansage:“Zurück auf Los“.
Ganz von vorne anfangen mussten wir bisher (zum Glück) nicht! Aber es kommt schon vor, dass wir statt eines Schrittes vorwärts, zwei zurück machen müssen, um eine Position noch einmal zu überarbeiten.

So geschehen gestern (Mittwoch, 23.7.) mit der Position 86: Solarregler. Nachts ist alles ok, tagsüber wird „Overload“ angezeigt. Ist die Ladung zu hoch, der Regler zu schwach oder kaputt? Spinnt die Anzeige?
Wie bei allen Detektiven, ob Arzt, Kriminologe oder Techniker ist die Differentialdiagnose gefragt…
…und da heißt es: beobachten, testen, tüfteln, alternieren, kombinieren und ausprobieren!
Derzeitiges Stadium: beobachten…

Donnerstag, 24.Juli, 11.00h: Der Rigger ist da. Seine Fachkraft: Ein drahtiges, junges Fliegengewicht, das in Windeseile im Bootsmannsstuhl sitzt und von der (hörbar gering belasteten Winsch)in den Mast gezogen wird. Staunend beobachten wir, wie dieses Eichhörnchen – mit Armen und Beinen wedelnd, sich ab und zu leichtfüßig vom Mast weg schubst , um dann im hohen Bogen weiter hoch zu fliegen.
Ob wir uns ALT FÜHLEN beim Anblick von so viel Behändigkeit? Was für eine Frage!!! Never ever! Bloß: Wir sind’s (kleingeschrieben…wohlbemerkt).
Eine halbe Stunde später hat er alle Wanten, Stagen und Verbindungen abgerieben und inspiziert und kommt zu dem für uns sehr erfreulichen Ergebnis, dass alles in Ordnung ist. Damit ist der
Punkt 85 erledigt.

Nachmittags nehmen wir uns den hinzugekommenen Punkt 96, das defekte BB-Positionslicht vor: Das kaputte wird aus-, das neue eingebaut, eingeschaltet und…es funktioniert. Yippie Yeh!!!

Punkt 84: Der Ankerkettenzähler. Nach den üblichen Widersetzungsversuchen muss auch dieses Instrument vor Peters Hartnäckigkeit kapitulieren, um einfach zu funktionieren. Brav!!!

Punkt 83: Eine schöne Aufgabe: Unser Schiff soll sicherer werden, da wir ja Ende August Besuch bekommen von Philipp und Lena mit unserem Enkel Thies. Dieser süße, inzwischen krabbelnde, kleine Fratz sollte auf keinen Fall die Treppen hinunter purzeln!!! Wir messen aus und erstellen eine Arbeitszeichnung für den Segelmacher: Beide Niedergänge werden ein stabiles, von straffen Gurten eingefasstes Netz bekommen und die Achterkoje ein ebensolches Leesegel. Befestigungshaken und Ösen kaufen wir auf der Stelle.

Punkt 82 steht unmittelbar vor unserer Nase. Ein neuer Yamaha-Außenborder: Groß, 4-taktig, schwarzglänzend und Geldbeutel-plündernd. Der Ersatz des alten Außenborders ist, nach zwei teuren Reparaturen, die nur allzu kurz von mäßigem Erfolg gekrönt waren, längst überfällig.
Aber neue Zweitakter sind – aus ökologischen Gründen – nicht mehr im Handel und Viertakter wesentlich größer, schwerer, empfindlicher und teurer…Somit wird Punkt 82 wohl noch eine ganze Weile diskutiert werden müssen.

Freitag, 25.7.
Punkt 81: Das neue Log (für Nichtsegler: Der “Tacho“ eines Schiffes) wird eingebaut. Ein bisschen knifflig und nur zu Zweit zu schaffen, da das Messgerät aus dem Boden des Schiffes herausgezogen werden muss, um das neue Messrädchen einzusetzen. Dabei sprudelt natürlich Meerwasser ins Schiff und wenn man nicht schnell genug ist, auch ziemlich viel. Wir sind sehr schnell, müssen den Vorgang aber zweimal wiederholen und somit doch Salzwasser auftunken und mit Süßwasser nachwischen. Das Übertragungskabel muss nun durch Bilge, Schapps und Schränke ins Anzeigeinstrument gezogen werden. Ob’s wieder funktioniert, werden wir erst feststellen können, wenn die Blackbox montiert ist.

Samstag, 26.7.
Punkt 80: Auswechseln der elektronischen Füllstandsanzeige des Stb.-Dieseltanks. Auch das ist ein wenig knifflig, da das neue Messgerät keine Steckkontakte hat und fantasievolles Basteln gefragt ist. Sehr präzise müssen 4 Dichtungsringe genau übereinander sitzen. Alles klappt und überhaupt ist der Samstag ein schöner, sonniger Tag mit gutgelaunter Crew …bis wir uns mal wieder mit der vermaledeiten (uns leider nicht locker von der Hand gehenden) Kommunikationstechnik befassen.

Punkt 79: die neue, schicke Glomexantenne, die perfektes WLAN verspricht und die WiFi-Signale des Hafennetzes zuverlässig und beständig empfangen soll. Peter schließt sie provisorisch an, eine Simcard wird eingeführt und wir versuchen die erforderliche App herunterzuladen, folgen exakt den Anweisungen, laden die App auf mein Gerät, lesen wieder und wieder… nichts rührt sich, nichts wird angezeigt. Frustriert bauen wir die Antenne ab, lösen den Dom von der Grundplatte und erkennen sofort den umher kullernden Fehlerteufel: Die Sicherung. Der zersprungene und abgebrochene Sicherungshalter konnte sie nicht mehr fixieren. Fazit: Ohne Moos (Strom) nix los! Italienische Wertarbeit:
“Bella figura“ pero dentro: niente!!!

Sonntag, 27.7.
Wir werden von strahlendem Sonnenschein geweckt und folgen dem christliche Gebot: …“am siebten Tage sollst Du ruhen!“ D.h. wir gehen an den Strand.
Saharafarbener breiter Strand, herrlich blaues Wasser, hunderte knallbunter Sonnenschirme, die munter palavernde Familienclans zum Teil vor der Sonne schützen, deren eigentlicher Zweck aber darin besteht, die bis an den Rand gefüllten Kühltaschen zu beschatten.
Wer hier Langeweile hat, der hat keine Augen im Kopf. Schöne, junge Spanierinnen mit samtig gebräunter Haut, glänzenden schwarzen Haaren und Figur-betonenden Bikinis flanieren am Wasserrand entlang, von schmachtenden Blicken balzender Spanier verfolgt, während kleine Kinder im Wasser toben, sich und die Flanierenden bespritzen und mit lautem Geschrei ihre Treffer kommentieren.
Erstaunt sind wir über die mittlere bis ältere Generation, die völlig ungeniert üppigste Formen – lediglich das Wichtigste von einem minimalistischen Textildreieck bedeckt – präsentiert.

20140724 Der Tag danach…

(d.h. der Tag nach der Abreise unserer Gäste: 21.Juli’14)

Eli und Dieter sind – nach einer hektischen Verabschiedung (weil das Mietauto nicht anspringen wollte und für die Fahrt zum Flughafen kurzfristig noch ein Taxi organisiert werden musste) – wieder zu Hause.

Geblieben ist (wie Eli wahrscheinlich annähernd richtig schätzte) die 99Punkte-Liste der abzuarbeitenden Positionen. Ich werde versuchen, den Fortschritt der Arbeiten – Punkt für Punkt abwärts zählend – zu dokumentieren. Vielleicht gibt’s großes Jubelgeschrei, wenn wir ab Punkt 34 plötzlich nichts mehr zu tun haben… möglich wäre aber auch, dass wir, angekommen bei Punkt eins, noch einmal kräftig durchatmen müssen, um den Endspurt zu schaffen.

Punkt 99: Einbau der Toilettendichtung und
Punkt 98: Wiedereinbau des reparierten Ladegerätes gelten bereits am Tag nach unserer Rückkehr als abgehakt.

Die Leere nach der Abfahrt unserer Freunde wird gefüllt mit ersten Reparaturarbeiten.

Punkt 97: Das Demontieren des defekten Stb.-Positionslichtes und Anbringen des neuen Lopolights. Bei der Inbetriebnahme des neuen Pos.-Lichtes fällt uns auf, dass nun auch das BB.-Licht ausgefallen ist. Strom liegt an – wie Peter feststellt – also muss das Pos.-Licht defekt sein. Damit wird – plötzlich und unerwartet – eine weitere Position belegt, nämlich die 96.

Punkt 95: Anbringen der Temperaturfühler auf den Batterien, für den Energie-Einspeise-Vorgang aus den Solarpaneelen.

Am Dienstagmorgen(22.7.) bringt Herr Deubler, ein deutscher Funktechniker, das reparierte VHF-Funkgerät. Einbau und Inbetriebnahme können erst NACH der Montage der neuen Antenne erfolgen.

Punkt 94: Am Mittwochmorgen bringt die Fa. Bridgecom das reparierte Satellitentelefon und baut es ein. Nun können wir via Satellit wieder telefonieren und unsere Wetter-Grib-Daten empfangen.

Punkt 93: Ein harter Brocken: Der Abbau von 3 Antennen, des Windmessers und der Dreifarbenlaterne im Mast. Ich winsche Peter mit dem unbequemen Bootsmannssitz bis zur Mastspitze. 1 ½ Stunden arbeitet er – 22m über dem Wasser – hart aber vorsichtig (um keine Werkzeuge zu verlieren), um dann mit den Antennen aber auch abgeschnürter Blutzirkulation in den Beinen, blauen Flecken und kleineren Schürfwunden wieder an Deck zu stehen. Leider sitzt die defekte Dreifarbenlaterne immer noch wie einbetoniert auf der Mastspitze.

Die Großhirnrinde flimmert bei der Suche nach einer besseren Ausgangs-, Sitz- oder Stehposition für die Arbeiten dort oben. Peter kommt die zündende Idee, die nun allerdings vom Rigger umgesetzt werden muss: Zwei Maststufen auf Brusthöhe zur Spitze sollen montiert werden und ein starker Gurt den Mann am Mast halten. Schaun wir mal, ob der Rigger das kann!

Listenplatzkorrektur!!! Wir geben jeder Antenne und dem Windmesser jeweils eine Position; d.h. wir sind nun bei…

Punkt 88: Die bestellte, neue Rettungsinsel wird fachgerecht verstaut, die vorübergehenden Platzhalter werden umverteilt.

Punkt 87: Drei Tage sind bereits ins Land gegangen… Heute wird sich (hoffentlich) zeigen, ob der Mast gelegt werden muss oder nicht. Peter „klingelt“ die Kabel durch, d.h. er prüft, ob die Kabel intakt sind oder neue eingezogen werden müssen.
Die Kabel scheinen intakt zu sein, der Mast kann vorläufig stehen bleiben.
Also marschieren wir zum Rigger (für Nichtsegler: Der Mann, der sich um das stehende und laufende Gut eines Segelschiffes kümmert; d.h. er kann den Mast setzen, ihn ausrichten, mit Wanten (Drahtseilen) verspannen und natürlich auch alles auf Unversehrtheit und einwandfreie Funktion überprüfen). Wir erteilen ihm den Auftrag zur Inspektion.

Punkt 86: Abends noch schließt Peter die Solarpaneele wieder an die Regler an, die das „Füttern“ der Batterien steuern. Ob das alles reibungslos funktionieren wird, können wir wohl erst im Laufe des morgigen Tages, des Donnerstags feststellen.

20140721 Cargo nach Gran Canaria

Sonntag, der 13.07.2014

Wir sind wieder da… 😉 😉 Wo? Na, ist doch klar:

– physisch wieder in Las Palmas auf Gran Canaria,
– virtuell, d.h. im Blog, erst dann, wenn das Internet, bzw.
WLAN wieder funktioniert, bzw. wir den Umweg über das
nächste Internetcafe nehmen.

Die vergangenen neun Wochen ohne PIA verfliegen wie im Zeitraffer, sodass wir nicht einmal dazu kommen, sie zu vermissen. Nicht nur das Herum-Transportieren von PIAs “inneren Organen“ zwecks Kontrolle, Reparatur oder Ersatz hält uns auf Trab; auch das Heraustüfteln von Alternativlösungen für ein redundantes Navigationssystem lässt Ohren beim Telefonieren heiß werden und so manches Hirn rauchen.

Blauäugig glauben wir auch, dass dort, wo wir uns gerade nicht aufhalten, der Zahn der Zeit schon nicht zu arg knabbern wird. Leider weit gefehlt! Ein Haus, bei dem diverse Systeme ausgefallen sind, ein Garten, der einem Dschungel gleicht, ein rostendes Auto, eine von Grund auf zu sanierende Mietwohnung und Mieterwechsel fordern Organisationstalent, unermüdliche Tatkraft und lassen obendrein das ersehnte Reisepolster schmelzen…

Doch weniger Erfreuliches verblasst zum Glück in der Erinnerung, während die vielen schönen Erlebnisse mit unseren Kindern, unserem Enkel Thies, der gesamten Familie und unseren Freunden sich farbenprächtig in Kopf und Computer ausbreiten.

Dann ist es soweit: Wir planen den Rückflug für den 11.Juli und die Elektriker wollen am 13. hinterher kommen.
Also starten wir am 2.07. zu unserer Geräte-Einsammeltour in Richtung Norddeich.
Kontrollierte, reparierte und neue Geräte werden auf Vollständigkeit geprüft, gezählt, gelistet und ins Auto geladen. Danach werden Arbeitsplan und Vorgehensweise für die Montage entworfen und alles scheint in trockenen Tüchern zu sein… bis wir zu Hause ankommen und uns – durch die von den Monteuren vorgenommenen Buchungen – fühlen, wie ausgenommene Weihnachtsgänse.
Das Fass ist übergelaufen. Wir stornieren den Auftrag.

Im Klartext heißt das jetzt: „Selbst ist der Mann“ (möglicherweise mit der Frau… im Kleingedruckten)
Ein gesunder Optimismus, der Glaube an Peters analytischen und findigen Ingenieursverstand und vier nicht ganz ungeschickte Hände werden uns das Ding sicherlich ein gutes Stück weit schaukeln lassen. Und für den Rest finden wir dann ganz bestimmt den geeigneten Fachmann.
Nach dem Motto:“ Dat löpt sich allens torecht“ werden wir nun an die Sache herangehen.

160 kg Gerätschaften, in acht großen Paketen und Koffern verstaut, bedeuten für die Condor nichts, übersteigen aber bei Weitem unsere Transportmöglichkeiten.
Eli und Dieter bieten ihre Unterstützung für den Schwertransport unseres Riesengepäcks nach Gran Canaria an. Gerne nehmen wir auch Dietmars freundliches Angebot an, uns mit seinem gepflegten, großräumigen Oldtimer-Bus nach Frankfurt zu bringen.
So geht’s am Sonntag, dem 13.7.’14 – dem Tag des WM-Endspieles – zurück nach Gran Canaria…

Das Endspiel…
Mäßig interessierte, dafür umso lauter schwätzende Spanier um uns herum, über jeden deutschen Patzer schadenfroh lachende und feixende Argentinier vor uns, schauen wir das Endspiel in einer Hafenkneipe und vermissen sehr – in der von Werbung gefüllten Halbzeit – die Kommentare von Mehmet Scholl o.a.
Aber: „Wir sind Weltmeister“ am Ende des Tages…

Peter und mir würde – bei den bevorstehenden Reparaturarbeiten – ja schon ein 3.Platz in der Bezirksliga genügen, wenn es denn einen Wettstreit für dieses Metier gäbe…

Erste Amtshandlung: Einbau von neuem Toilettenventil und repariertem Ladegerät…

Nun sind wir schon fast eine Woche wieder an Bord und können die PIA als Hausboot uneingeschränkt nutzen, da Toilettenventil und Ladegerät wieder eingebaut sind und prima funktionieren.
Haben wir Gäste an Bord, so bedeutet das auch für uns Urlaub. Und zum Entdecken gibt es hier noch genug. Eine Tagestour über die kurvenreichen Ministraßen lässt uns das schroffe, wilde und ziemlich einzigartige Inselinnere bestaunen…

Impressionen vom Inselinneren…

Der obligatorische Spaziergang durch die Dünen von Maspalomas weckt Assoziationen zur Sahara…

Wanderung vom Ende des Agaetetales zum Höhlendorf Hornillo…

Die Zenzi von der Alm…

Das Ziel ist erreicht:

Der Donnerstagabend treibt allwöchentlich tausende fröhlicher, junger Spanier in die Gassen der Altstadt, auf ihrer Tour durch die Kneipen, die an diesem Abend – für jeweils 1€ einen Pincho (kleine Leckerei am Spieß)und ein Getränk anbieten, was natürlich auch wir uns nicht entgehen lassen…

Und last but not least gibt es noch den Stadtstrand „Las Palmeras“, den Peter – seit wir Weltmeister sind – kurzerhand „Copa Cabana“ nennt.

20140416 Ein Tag zum Einrahmen…

Wir schreiben den 16.April 2014.
Hat die ESA etwa unseren Blogeintrag vom 10.04.gelesen???
Um 16.15h klingelt das Telefon. Unser Anwalt teilt uns mit, dass die ESA bereit ist, den vorgeschlagenen Vergleich zu akzeptieren. Na endlich!
Gleich einer Energiespritze für den ausgepowerten Sportler, stellt sich auch bei uns augenblicklich neuer Tatendrang ein. Das zermürbende Warten hat ein Ende und wir beginnen, die defekten Geräte auszubauen. Das Radargerät wird aus dem Mast geholt, das Herzstück der Navigation – die Blackbox – „herausoperiert“, ankommende und abgehende Kabel abgeklemmt. Funktionslos ragen sie in den Raum. Das Armaturenbrett gleicht einem Schweizer Käse,

in Salon und Cockpit herrscht Tohuwabohu mit all‘ den ausgeräumten Teilen.
Nun heißt es zunächst einmal eine Fluglinie finden, die unser “Schwergepäck“ transportiert .Danach müssen entsprechend stabile Kartons gebastelt werden, die die kostbare Luftfracht sicher und unbeschädigt in Frankfurt ankommen lassen.

Ab dem 9.Mai werden wir dann wieder zu Hause sein, aber in der ersten Woche wohl eher auf Deutschlandreise, da die defekten Geräte zur Überprüfung kreuz und quer durchs Land transportiert werden müssen.

Das bedeutet für unsere geschätzten Leser zunächst einmal: Blogfreie Zeit

Es wird wahrscheinlich Juli werden, bis es wieder Neues oder Lesenswertes über Stillstand oder (was wünschenswerter wäre) Vorankommen hinsichtlich unserer Reisepläne zu berichten gibt.

Bis dahin wünschen wir Euch – mit ein paar stimmungsvollen Fotos von Gran Canaria – schöne Sommertage, wo auch immer Ihr Euch gerade befinden möget!

20140414 Wir sind nicht faul

Das Warten auf eine Entscheidung von Seiten der Versicherung fällt nicht leicht. Wir müssen auf andere Gedanken kommen und betreiben ABN.
Ein Blick auf die To-Do-Liste zeigt, dass wir nicht suchen, sondern eher abarbeiten müssen.
Die Verbindung von Ruderschaft und Steuerautomatik – eine Edelstahlkonstruktion für den zweiten Steuerautomaten – ist hergestellt und Peter mit der Arbeit unseres Schlossers José-Luis sehr zufrieden.

Das veranlasst ihn, den Schlosser auch mit der Herstellung eines Teleskop-Kragarmes für den Baum zu beauftragen. Im bewährten „Desperanto“ oder nach dem neuen Sprachprogramm „Babbel“ vielleicht auch als Babbelonisch zu bezeichnenden Sprachen- und Gestengemisch tüfteln sie auch hier das Richtige heraus. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die gute Idee von Ralf, eines Kieler Segelfreundes, das Steuerrad –bei Bedarf – mit Hilfe eines klappbaren Edelstahlkammes festzulegen, wird von Schlosser und Skipper – in bewährter Manier – in die Tat umgesetzt.

Der kleine, fröhliche Spanier bringt – mit lauter Stimme und ebensolchem Lachen – einfach gute Laune ins Schiff.

20140410 Die unendliche Geschichte…

einer Schadensregulierung durch die Yachtversicherung

E S A

EuroShip GmbH
Oder: Ein Sack (voller) Ausreden

11.Dezember 2013, 9.30h

Die Pia liegt ordentlich vertäut und ahnungslos im Hafen von San Miguel auf Teneriffa.
Ein Gewitter mit starken Windböen zieht auf. Marineros gehen an Bord, um die Festmacherleinen zu straffen. In diesem Moment entlädt sich ein gleißender Blitz mit ohrenbetäubendem Donnerschlag.
Buchstäblich vom Donner gerührt aber G.s.D. nicht vom Blitz getroffen verlassen die beiden Männer das Schiff.
Das Gewitter zieht ab und die PIA liegt wieder ruhig und – rein äußerlich – unversehrt in der Mitte des Hafenbeckens.
Meteorologen zählen an diesem Morgen mehr als 1500 Blitze über dem Süden Teneriffas.

21. Dezember 2013, 23.30h
Peter und ich kehren nach einem dreiwöchigen „Heimaturlaub“ zurück auf die PIA, um gleich in der Nacht noch festzustellen, dass die Kühlgeräte nicht funktionieren.
Auch die gesamte Bordelektronik hat sich offensichtlich verabschiedet. Geschockt hören wir von unserem Yachtelektriker, dass die geschilderten Symptome möglicherweise auf einen Blitzschaden zurückzuführen seien. Die Marineros bestätigen uns das gewaltige Ereignis.

23.Dezember 2013
Wir melden den Schaden unserer Yacht- Versicherung, der ESA-EuroShip GmbH.
Weihnachten und der Jahreswechsel stehen vor der Tür, das bedeutet für die meisten Einrichtungen in Deutschland Weihnachtsferien. Wir sind erstaunt, dass der Schaden bei der ESA-Yachtversicherung dennoch aufgenommen wird und ein Gutachter bereits für den 4./5. Januar avisiert wird.
Der Gutachter ist ein freundlicher und besonnener Mensch, der aber – wie sich im Nachhinein herausstellt –eine falsche Ursache, nämlich einen Überspannungsschaden diagnostiziert und einige Geräte – wegen nicht mitgebrachter Testinstrumente und -software – nicht eindeutig überprüfen kann.

7. Januar 2014-04-09
Wir erhalten das Gutachten, das offen lässt, welches Gerät zerstört ist und ersetzt werden muss, welches eventuell repariert werden könnte und welches möglicherweise noch funktioniert.
Wir fordern die Fa. Lexatronik (die die gesamte Elektrik auf der PIA erneuerte) auf, auf der Basis dieses Gutachtens ein Reparaturangebot zu machen.
Natürlich kann die Firma keine Ferndiagnose liefern, bietet aber an, mitsamt aller tätsächlich und möglicherweise defekten Geräte anzureisen, um eventuell das Austauschgerät für ein nicht defektes Teil original verpackt und kostenneutral wieder mit zurück zu nehmen.
Die Höhe des Kostenvoranschlages lässt die ESA-Yacht-Versicherung in Schweige-Exerzitien verfallen.
Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, denn wir wollen ja immer noch über den Atlantik.
Peter ergreift die Initiative und telefoniert mehrfach und lange mit dem Sachbearbeiter, um von ihm eine Reparatur-Freigabe zu erwirken. Dabei kommen dann von Seiten der ESA erste Ausreden:

1. „Es wurde ja festgestellt, dass der Schaden nicht durch einen
direkten Blitzeinschlag, sondern durch eine Überspannung
hervorgerufen wurde und dieses Risiko ist bei uns nicht
versichert“.

2. „Und überhaupt: Wie können Sie Ihr Schiff drei Wochen – ohne
Aufsicht – lassen?“

3. „Ja, wenn man so weit weg fährt, dann muss man schon damit
rechnen, dass man Frachtkosten für Geräte und Reisekosten
der Yachtelektriker selber zahlen muss…“

4. „Und im Übrigen erwägen wir, Ihnen grobe Fahrlässigkeit
vorzuwerfen, da Ihre Yacht keinen Blitzschutz hat…“

Wir fühlen uns total überrumpelt von so vielen, ungerechtfertigten Vorwürfen und nehmen uns das „Kleingedruckte“ des Versicherungsvertrages noch einmal vor.

Zu den Vier geäußerten Vorwürfen finden wir Folgendes:

1. Es wird nicht differenziert zwischen „Blitzeinschlag“ und
„Überspannung“. Das versicherte Risiko ist: Blitzschlag

2. Es gibt keine Vorschrift, die besagt, dass man ein Schiff,
dass sicher vertäut im Hafen liegt und unter der Aufsicht
von Marineros ist, nicht für einen längeren Zeitraum
unbewohnt lassen kann…

3. Die ESA hat ihre Beitragszahlungen (wie jede andere
Yachtversicherung auch) gestaffelt, d.h. der Beitrag steigt,
je weiter das Fahrgebiet der Yacht vom Versicherungsort
entfernt ist… Als ordentliche Versicherungsnehmer haben wir
das entsprechende Fahrgebiet versichert.

4 . An keiner Stelle gibt es Auflagen für einen Blitzschutz, den –
im Übrigen – fast keine Yacht hat.

Nebenbei stoßen wir auf eine weitere,unscheinbare, leicht zu überlesende Vertragsklausel, die besagt (NEUKUNDEN AUFGEPASST!!!!), dass das Rigg nur bis zu einem Alter von 4Jahren (neu für alt) versichert ist. Was für ein Glück, dass unserem Rigg nichts passiert ist!!!
Das deprimierende Fazit aber ist: Die ESA will nicht zahlen und sucht nach Ausreden.

19. Januar 2014
In San Miguel, zwischen Golfplätzen und Hotelburgen, fernab von guten Versorgungsmöglichkeiten, (d.h. jeden 2. Tag in den 5km entfernten Supermarkt radeln, um – zur Kühlung der Lebensmittel – auf dem wackeligen Klappfahrrad teures Cocktaileis herbei zu karren) fällt uns die Decke auf den Kopf. Am 19. Januar, vier Wochen nach der Schadensmeldung segeln wir – ohne elektronische Hilfsmittel und handgesteuert – nach Gran Canaria. Der Yachthafen von Las Palmas sowie die Stadt bieten alles, was das Herz begehrt, uns aber nicht zu begeistern vermag, da eine Schadensregulierung in unerreichbare Ferne gerückt zu sein scheint.
Dann kommen Matthias und Regina an. Matthias, seines Zeichens Schiffsbetriebsingenieur mit C6 Patent hat bereits von unserem Schadensfall gehört. Gemeinsam mit Peter überprüft er das Gutachten mit der Erkenntnis, dass die Aussagen in weiten Teilen falsch sind. Die Basis des Gutachtens erweist sich als nichtig, da der Schaden nicht – wie behauptet – durch Überspannung, sondern durch einen direkten Blitzeinschlag verursacht wurde. Die UKW-Antenne im Mast-Top ist pinselförmig aufgeplatzt.

Mit detektivischem Spürsinn verfolgen die beiden den Pfad der Zerstörung und müssen erkennen, dass der Blitz auf seinem Weg durchs Schiff saubere Arbeit geleistet hat: Von Antenne bis Log (der Austrittsstelle) keine groben, äußeren Spuren der Verwüstung, aber ein innerer Rundumschlag.

24.Januar 2014
Alle überprüften Geräte und Positionen (156) werden mit dem Vermerk „defekt“ oder „ok“ (nur 6 Positionen lassen sich nicht überprüfen) minutiös in eine Liste eingetragen, mit Fotos hinterlegt und sowohl der ESA, als auch dem Gutachter zugesandt.

19. – 26. Januar 2014
Bootsmesse Düsseldorf
Der Gutachter versucht, bei namhaften Herstellern von Yachtelektronik die Preise der auf der PIA zerstörten Geräte zu erfahren, um der ESA-Yachtversicherung mitteilen zu können, dass die Gerätepreise wohl gerechtfertigt seien, der Arbeitsaufwand zum Einbau jedoch auf ein 10tel der veranschlagten Arbeitsstunden reduziert werden könne.

29.Januar 2014
Das Telefon klingelt. Es meldet sich ein Kundenberater der ESA-Yachtversicherung aus Mallorca, seines Zeichens auch Leiter einer dortigen Party-Band, der von der ESA beauftragt wurde, sich als Vermittler in unserem Schadensfall einzuschalten. Seine vornehmliche Qualifikation besteht wohl darin, Spanisch zu sprechen. Mit Eloquenz versucht er, uns davon zu überzeugen, dass es etliche, fachlich kompetente, ortsansässige Unternehmen gäbe, die den Schaden ebenso gut, allerdings deutlich kostengünstiger reparieren könnten.

2 Tage später steht ein von ihm geschickter, spanischer Fachmann in unserem Schiff, der einmal das Schaltpaneel öffnet, um mit Anerkennung die Top-Verkabelung (an der auf Anhieb keine Schäden zu erkennen sind) zu betrachten, das Tableau mit den Anzeigegeräten löst, um auch dort nichts zu finden und dann achselzuckend das Schiff verlässt.
Bis heute haben wir kein Angebot zur Reparatur des Schadens erhalten.

3. Februar 2014
Der Sachbearbeiter der ESA-Yachtversicherung erhält den detaillierten Bericht aller, durch Matthias Rössler (Schiffsbetriebsingenieur) durchgeführten Prüfungen und Messungen mit einer ausführlichen Stellungnahme zu den vom Gutachter aufgeführten Punkten und der Widerlegung der von Letzterem angegebenen Schadensursache. Die ESA jedoch hüllt sich weiterhin in Schweigen.
Auch telefonisch ist niemand mehr zu erreichen.
Total frustriert, da wir den Glauben an die Regulierungswilligkeit der Versicherung verloren haben beauftragen wir einen Rechtsanwalt.

10. Februar 2014
Der Rechtsanwalt erhält eine Stellungnahme der Versicherung, in der sie – ausgehend vom Bericht des Gutachters – behauptet, dass der Schaden
1. durch Überspannung hervorgerufen worden sei,
2. sie aber ausschließlich Schäden eines direkten Blitzeischlages reguliere (unsere detaillierten, fachlich fundierten Ausführungen werden komplett ignoriert)
3. und dass sie dem Eigner Fahrlässigkeit unterstelle…

Aus genannten Gründen sei sie bereit, eine Regulierung ohne Präjudiz vorzunehmen, indem sie 1/3 der von der Firma Lexatronic veranschlagten Reparaturkosten zahlen wolle.
Damit können wir uns nicht einverstanden erklären, da wir nicht fahrlässig handelten, der Schaden auf einen direkten Blitzeinschlag zurückzuführen ist und alleine die zu ersetzenden Geräte bereits 2/3 der Schadenssumme ausmachen.

14.- 21. Februar 2014
Nach zähen Verhandlungen glauben wir, einen kleinen Schritt in Richtung Regulierungswilligkeit erkennen zu können, da die ESA unserem Rechtsanwalt mitteilt, 2/3 des Kostenvoranschlages übernehmen zu wollen. Wir fliegen nach Hause.

März-April 2014
Als unser Anwalt – Anfang März – das persönliche Gespräch mit dem Sachbearbeiter der ESA-Yachtversicherung sucht, wird ihm mitgeteilt, dass dieser z.Zt. in Urlaub sei. Beim 2. Versuch, mit ihm zu verhandeln ist er krank. Sein Vertreter, der sich (nach 14 Tagen erfolgloser Kommunikationsversuche) mit dem Fall befassen soll, hat offensichtlich nicht die Nerven dazu und beauftragt kurzerhand einen Rechtsanwalt.

Das bisherige Ende vom Lied ist sein Anfang.
Der Rechtsanwalt – um keine Ausrede verlegen – vertröstet uns weitere 3 Wochen. In einem ersten Schreiben zweifelt er alles an, geht von grober Fahrlässigkeit aus und zitiert seitenweise aus „Seemannschaft – Handbuch für den Yachtsport“.
Demzufolge würden mindestens 98% aller Skipper grob fahrlässig handeln, denn keine Serienyacht – und schon gar nicht ein Catamaran – hat einen Blitzschutz.
Untermauert wird unsere Auffassung durch einen Artikel im „Palstek“, Ausgabe 2/14, S.94 „Blitzschutz in der Praxis“.
Inzwischen schreiben wir den 10. April. Und sind wir einer Schadensregulierung um ein Jota näher gekommen???

DIE ESA SETZT AUF ZEIT

E S A
endlose skandalöse Ausreden
systematische
seichte
schräge….

…vielleicht entspringen der Fantasie des geneigten Lesers
treffendere Synonyme…
…Er möge die Liste erweitern!