20141210 „Hasta luego Lanzarote“…

Das Resumee von drei Monaten Lanzarote: Es war eine wunderschöne Zeit.

Unser letzter Hafen, die Marina Lanzarote in Arrecife ist blitzneu. Sie ist gerade eingeweiht und die PIA ist das 3. Boot, das vom Riesen-Travellift auf das schier jungfräuliche Werftgelände gehievt wird.

Von den Glasfronten an der schick angelegten Flaniermeile verschwinden nacheinander die Ankündigungen: „Wir sind in Kürze für Sie da“, um den Blick auf ansprechend Gestaltetes frei zu geben. Restaurants verschiedenster Geschmacksrichtungen, Cafés, Bistrots, hübsche Boutiquen und Parfümerien öffnen ihre Pforten.

Arrecife hat – neben dem „Charco“ – einem, von Meerwasser gespeisten, runden Stadtsee, auf dem kleine Fischerboote liegen und an dessen Rand sich viele, kleine Restaurants mit Pfiff angesiedelt haben, eine weitere Attraktion bekommen.

Bleibt zu hoffen, dass die kühle, moderne Marina von Einheimischen, Seglern und Kreuzfahrt-Touristen ebenso angenommen wird wie der von spanischer Lebensfreude und Lebendigkeit geprägte „ Charco“.

Die grauen Panther von Arrecife gehören zu einer – fast schon schützenswerten – Minderheit innerhalb der überwiegend jungen Seglergemeinde.
Frank, Brigitte, Peter und Dorothee haben sich nicht gesucht, sie sind fast aufeinander geprallt. Anfang November, im Morgengrauen, legen zwei windzerzauste, in rote Segelanzüge gehüllte Gestalten dieser Gattung neben uns an. Der erste Ausruf nach der Begrüßung: „Nie Wieder“!… Sie hatten eine stürmische Überfahrt von Lagos nach Arrecife und wollen sich so etwas keinesfalls noch einmal antun.

Vier Wochen vergehen, wir sind häufig zusammen, haben sehr ähnliche Lebensumstände, Vorlieben, Erfahrungen und Ziele und diskutieren über die geeignete Besegelung, Ausrüstung, Notfälle und auch darüber, ob man in unserem Alter den Sprung über den Atlantik alleine wagen sollte.
Aus dem „Nie Wieder“ wird ein „eventuelles Eventuell“ oder eher „Vielleicht“, das man mit geeigneter, zu beherrschender Besegelung unter Umständen in ein allmählich kräftiger werdendes „Ja“ umwandeln könnte.

„Passatsegel“ mit Spinnakerbaum gefahren, heißt der Favorit für unsere PIA, (die von Frank als segelndes Klavier bezeichnet wird); „Twisselrigg“ heißt die geeignete Zwillingssegelvariante für Franks und Brigittes „Obelix“ oder das halbe Schiff
(wie wir Catamaransegler eine Einrumpfyacht bezeichnen).

Henning Krützkamp
oder die Firma Waterline-Yachtservice ist unser gemeinsamer Berater. Er versteht es, sich in Probleme hineinzudenken und tüftelt – gemeinsam mit Peter – auch andere geschickte Lösungen heraus. Ein Spinnakerbaum wird gebaut, der exakt so lang ist, dass er bei Ausfall des Lenkgetriebes auf die beiden Notpinnen aufgesteckt werden kann, um die parallele Steuerung der Ruderblätter zu gewährleisten. Der Aufsatz für den 2.Steuerautomaten wird so geändert, dass er im Notfall auch mit der Pinnensteuerung funktioniert.

Einstiegssicherungen für die großen Luken werden gebaut,

eine pfiffige Konstruktion zum Setzen des Großsegels ebenfalls. Und alle Arbeiten kommen mit Liebe zum Detail und perfekt poliert daher… Wir sind sehr zufrieden.

Dennoch macht sich Kribbeln breit. Wir müssen endlich los! So ziehen wir noch am Abend des 7. Dezembers bei sehr viel Wind die beiden Vorsegel ein, die mit ihren wild schlagenden Schoten die frisch polierten Fensterscheiben malträtieren.
Bei Windstärke 5 laufen wir am nächsten Morgen aus. Schwupp sind die Passatsegel ausgerollt und stehen prächtig. Wir rauschen mit 9-12kn Richtung Rubicon, testen die neue Furlex, indem wir die Segel mehrfach einrollen und wieder ausreffen und sind allerbester Laune.
Um Kurs auf die Hafeneinfahrt von Rubicon nehmen zu können, müssen wir das Stb.-Segel auf die BB-Seite holen und die Schothörner zusammenbinden. Nicht ganz einfach aber auch das klappt.
Dann kommt der Befehl: „Fieren“, der von mir sofort befolgt wird. Aber was ist das? Peter kurbelt aus Leibeskräften mit immer lauter werdenden Kommandos. Schoten und Segel knallen und schlagen bereits wie verrückt aber die Furlex bewegt sich keinen Millimeter.
Ein Blick nach links erklärt das Dilemma. Peter hat die Schoten verwechselt und statt des Fockholers die lose an der Relingsstütze belegte 2. Schot gewinscht und damit die stabile Edelstahlstütze rechtwinklig abgeknickt.

Eine tolle Bescherung, die sich da hinter dem 8. Adventskalendertürchen auftut!
Zum Glück erweist sich das 8. Türchen als Doppeltür. Hinter der 2. Tür tauchen Gaby und Wolfgang auf. Sie empfangen uns am Gästesteg der Marina Rubicon und laden uns zum Adventskaffee mit selbstgebackenen Plätzchen, auf ihre weihnachtlich geschmückte Yacht ein. Die Gesellschaft der Beiden sowie das adventliche Ambiente mit ebensolchen Köstlichkeiten sind Balsam für Körper und Seele.
Am späteren Nachmittag erfahren wir noch einmal, wie gemütlich der Advent – wenn er denn auf deutsche Art und Weise begangen wird – sein kann, als wir von Henning und Katrin in ihr wunderschönes Zuhause eingeladen werden. Da schleicht sich dann doch massiv die Vorfreude auf den Heimataufenthalt ein.
Ein letztes Abendessen mit der „Rubicon“-Seglergemeinde im Stammlokal „Eve“ bedeutet das endgültige „Hasta luego“ von Lanzarote.

Die Langschläfer des Marinabüros verhindern das frühe Auslaufen am Morgen des 9.12.’14. Wir müssen Zwei Stunden warten, um unsere Liegegebühren zahlen zu können. Unser Ziel, die Marina von Las Palmas, werden wir schätzungsweise in 12 – 14Std. erreichen.
Die Beständigkeit des Tages liegt in ihrer Unbeständigkeit. Windstärke und –richtung, Sonne und Wolken scheinen uns ziemlich an der Nase herumführen zu wollen.

Ausbaumen des Stb.-Segels mit dem neuen Spi-Baum, zusätzliches Festlegen des BB-Segels mit dem Großbaum, flotte Fahrt, dann Fast-Flaute mit Sonnen auf dem Vordeck und flappenden Segeln, Kursänderung, um Passatsegel noch ein wenig fahren zu können, Winddrehung und damit Ende der „Passatsegelei“. Bäume werden weg- bzw. zurückgebaut und die Segel auf die Stb.-Seite genommen. Mit mäßigen, nun aber gleichbleibenden Winden segeln wir Las Palmas entgegen und müssen uns ab 23.00h durch das verwirrende Lichtermeer des emsigen Vorhafens bis zum Sportboothafen durchhangeln. Der sieht sehr belegt aus und wir befürchten, keinen Liegeplatz zu bekommen.
Um 0.00h, d.h. nach 14Std. machen wir an der Tankstelle fest. Ziemlich müde wollen wir uns noch ein Schlafbierchen genehmigen. Niemand hat bisher an das Adventskalendertürchen Nr. 9 gedacht. Fatal! Hat es sich gedanklich vernachlässigt gefühlt? Es ergießt sein Füllhorn buchstäblich über uns. Beim Betreten der BB-Achterkajüte beschleicht mich das unbestimmte Gefühl, in eine abgekühlte Dampfsauna zu kommen. Auf dem Boden die Reste kleiner Wasserpfützen, deren Hauptanteil in die Bilge gelaufen ist, wo unsere Getränkevorräte bereits im Wasser schwimmen. Beim Öffnen der Tür zu Boiler und Wassermacher blicke ich in ein Hammam: Wasserdampf, der sich an Decke und Wänden abgesetzt hat und außerdem von allen Geräten tropft. Die Ursache: Eine geplatzte Heißwasserleitung
Wir nehmen es einfach so hin, liegen um 3.00h endlich in der Koje und schlafen in den 10. Dezember hinein.
Um 8.00h klopft es ziemlich forsch an der Bordwand: „Wollt ihr tanken?“ Dann aber „ rapido, por favor!!!“ …oder ihr verschwindet augenblicklich. Noch ziemlich verschlafen stürzen wir an Deck. Peter nimmt den Schlauch entgegen, füllt die Dieseltanks bis die Füllstandsanzeige den Maximalstand von 350l anzeigt, um dann festzustellen, dass wir den antibakteriellen Zusatz vergessen haben. Schnell ist er hinein gekippt und mit zusätzlichen 20l Diesel pro Tank ordentlich untergemischt. Nun wird der Reservetank noch gefüllt. Fertig. Allseits zufriedene Mienen und Freundlichkeit und das Geleit an einen freien Liegeplatz runden den frühen Morgen harmonisch ab. Um 10.00h liegen wir gut vertäut vor Mooring und Steg und lassen uns das Frühstück schmecken.
Danach wollen wir uns an die „Trockenlegung“ des Sumpfes in der BB-Bilge machen.
Noch hat das Adventskalendertürchen Nr. 10 uns seine Überraschung ja nicht offenbart. Aber jetzt. Es riecht ein wenig nach Diesel. Auf dem Wasser in der Bilge schwimmt ein Dieselfilm. Nett.
Die schnelle Diagnose: Tanks überfüllt, sodass sich der Diesel an einer kleinen, undichten Stelle herausdrücken konnte. Das Ende vom Lied und die Arbeit eines ganzen Tages heißt: 20l aus jedem Tank umpumpen in den Reservetank, von dort Abpumpen in Kanister und anschließend Trockenlegung der Bilge, in die sich immerhin ca. 80l Wasser ergossen haben
Ein Tag bleibt uns noch, um das Schiff für die Zeit unserer Abwesenheit vorzubereiten, dann geht’s mit dem Flieger nach Hause. Die Aussicht auf das Weihnachtsfest mit der ganzen Familie, den Verwandten und Freunden lässt unsere Herzen höher schlagen.

20141127 Glückspilze oder Pechvögel?

…wir entscheiden uns für die optimistische Variante…

denn wenn das auf hoher See passiert wäre, säße der Pechvogel möglicherweise nicht mehr am Rande…

Im Sommer des letzten Jahres musste Hannes das Gleiche erfahren. Er montierte das Netz ab und gab es dem Segelmacher zur Reparatur. Der stellte fest, dass das Trampolin nicht mit UV-beständigem Material genäht war und setzte drei zusätzliche Nähte mit dem „richtigen“ Garn in die Einfassung. War das Garn zwar UV-beständig aber zu schwach oder ist das Netz nicht durchgängig erfasst worden? Vor der Reparatur gibt’s nochmal `ne Runde Denksport.

Am gestrigen Abend, vor Peters „Einbruch“, wird mir ein Schrecken eingejagt. Eine Deckenleuchte im Salon schießt mir – mit lautem Knall – die Plexiglas-Abdeckung entgegen und verabschiedet sich mit kleiner Flamme und unsäglichem Schmorgestank.

Ist das ein Randausläufer des Blitzschadens???

Wir stellen uns allmählich die Frage: Reißt das denn nie ab??
Rein verbal gesehen in Sachen „Trampolin“ wohl doch, alles andere müssen wir wohl noch ein Weilchen beobachten, testen oder einfach ersetzen.

20141122 PIA hängt mal wieder in den Seilen…

Mit Sorge beobachten wir die milchige Verfärbung des Getriebeöles der Steuerbordmaschine. Reicht es, bis zur Ankunft in der Karibik, immer wieder das Getriebeöl zu wechseln, um die PIA dort aus dem Wasser zu holen, oder sollten wir das lieber hier machen lassen?
Beim Schnorcheln vor der kleinen Insel Lobos müssen wir auch erkennen, dass unser Unterwasserschiff wieder zum paradiesischen Asyl für Muscheln, Seepocken, Algen und diverse Kalkbärte geworden ist.
Hinzu kommt die schwergängige Rollfockanlage, die sich eigentlich leicht drehen lassen sollte, wenn wir sie – bei der Atlantiküberquerung – mit einem Zwillingssegel fahren wollen.
Also entscheiden wir uns für einen neuerlichen „Landaufenthalt“, als wir von der blitzneuen Marina in Arrecife die Zusage bekommen, die PIA zu einem annehmbaren Preis aus dem Wasser zu holen.
Am 31.10. verlassen wir die schöne Marina Rubicon und damit auch Wolfgang, Gabi, Kalle, Sybille, Uli und Renate, die freundlichen, hilfsbereiten und sympathischen Menschen, die wir dort kennenlernen durften.

Ein zarter Regenbogen wölbt sich zum Abschied von Rubicon über die Marina…

Das Castillo de San José, auch ein Manrique-Bau liegt in der Einfahrt von Arrecife,

von der Landseite betrachtet sieht man es so…

Bereits am frühen Nachmittag laufen wir in Arrecife ein und haben noch genügend Zeit, einen ersten Spaziergang durch die schicke Marina zu machen.
In fieberhafter Eile wird gemalert, geschliffen und gehämmert, Möbelstücke und Geländer werden umhergetragen, um die Rezeption fertig zu stellen und den bald eintrudelnden Teilnehmern der Altlantic-Odyssey – dem kleinen und familiären Pendant zur großen ARC von Las Palmas – einen würdigen Empfang zu bieten.
Ab dem 4.11.’14 können sich die Teilnehmer für dieses Ereignis registrieren. Und dann kommen sie: Ca. 40 Schiffe mit der unverkennbar, groß auswehenden, rechteckigen, blauen Flagge und mit ihnen etwa 30 Kinder. Zwölf Tage lang wird das beschauliche Hafendasein regelrecht aufgemischt:
Munter plappernde, lachende, auf Rollern umher flitzende Kinder, in Grüppchen flanierende 8-12jährige junge Damen, kleine Jungs, denen das Erkunden von so viel Neuem nur im Sauseschritt möglich zu sein scheint, Mütter, die ihre Kinder herbeizitieren und kleine Racker, die auch hin und wieder mal ins Wasser fallen, von den größeren Kindern aber sofort wieder herausgefischt werden.
Es ist herzerfrischend, dieses Treiben vom Café aus zu beobachten. Hier kann man sich nicht vorstellen, dass unser Land allmählich vergreisen soll…
Am 5.11. rollt der 850t-Monster-Travellift über das Wasserbecken und senkt seine roten Gurte ab, um die PIA aus dem Wasser zu holen.


Kleiner Mann dreht großes Rad über Fernsteuerung…


Was für eine Farben- und Formenvielfalt taucht da auf…

Noch während die PIA in den Gurten hängt, werden tausende von Seepockenbewohnern ihres gemütlichen Heimes beraubt: Krebse, Garnelen, Schnecken…von Hochdruckreiniger und Spatel mitleidlos ausgerottet.
Schlimmer noch: Ein neues Antifouling soll das Heranwachsen nachfolgender Generationen verhindern…

Der Volvo-Monteur nimmt die Welle ab, bestellt eine neue, dichtet alles ab und setzt sie fünf Tage später wieder ein.

Henning kommt, um unsere neue Rollfockanlage zu montieren.

Die Wanten und Backstagen sollen auch ausgewechselt werden. Beim Demontieren müssen wir leider erkennen, dass sich ein Terminal nicht mehr lösen lässt. Ein neuer muss bestellt werden. Erstaunlicherweise erfolgt die Lieferung – selbst aus dem Ausland – sehr schnell. Zu einigen Auffrischungsarbeiten reichts aber noch…

So können wir unseren einsamen „Hochstand“ auf dem Werftgelände nach einer Woche wieder gegen einen Liegeplatz- mitten im Leben – im Hafenbecken eintauschen.

Vierzehn Tage werden hoffentlich ausreichen, gründliche Putzaktionen, Malerarbeiten und die restlichen Montage-, Kontroll- und Eistellungsarbeiten zu erledigen…
Da es im Moment recht viele Deutsche hier gibt, findet ein reger Austausch statt. Kaffeeklatsch, Diskussionen über das Segeln, die nächsten Reiseziele, gemeinsames Fernsehen oder die allesamt neuen Restaurants der Marina testen sind ein angenehmer Zeitvertreib.
Am Sonntag, dem 16.11.2014, 12.00h ist es dann soweit. Vierzig Schiffe brechen auf zur Atlantik-Odyssey. Einige der deutschen Familien, die im Rahmen eines Sabaticals mit ihren schulpflichtigen Kindern unterwegs sind, lernen wir näher kennen. Ich höre, staune und bin voller Bewunderung für die jungen Frauen, denn ihnen obliegt ja in der Regel das „sich Kümmern“ um die Kinder, Kochen und Haushalt…und ganz nebenbei werden die Nachtwachen meist recht gleichmäßig auf beide Eltern verteilt…
In manchen Gesichtern liest man nicht nur freudige Erregung, auch Besorgnis schmuggelt sich hier und dort durch. Der gemeinsame Start vermittelt da schon eine gewisse Sicherheit und vor allem das Gefühl, nicht mutterseelenallein auf dem riesigen Atlantik unterwegs zu sein, bei widrigen Bedingungen Mitkämpfer zu haben und die Freude über schöne Tage – per Funkrunde – teilen zu können.

Bis zur Startlinie begleiten wir sie hinaus und tröten ihnen laute Grüße und viel, viel Glück entgegen…


…und man rauscht auf die Startlinie zu.


…da gibts ein ziemliches Gedränge


und sie ziehen von dannen…

Wir werden in den kommenden drei Wochen häufig an sie denken und wünschen allen, dass sie wohlbehalten auf der anderen Seite des Atlantiks ankommen.

Hier ist wieder absolute Stille eingekehrt und der Himmel scheint sich seit Tagen ausschütten zu wollen über das Verschwinden dieser fröhlichen Kinder…

20141030 Ulla und Gerd

…zehn sonnige und vergnügliche Tage auf Lanzarote und Lobos…

Wenn Gäste an Bord sind, dann bedeutet das auch für uns immer „Urlaub“: Installations-, Reparatur-, Putz- und Polierarbeiten werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Wir genießen das Hier und Jetzt.

Beim Frühstück auf der PIA steht die Sonne in der Regel schon fast im Süden…

Kaum von Bord schlüpft man in die Wanderschuhe…

Gerne schauen wir uns ein zweites Mal das Wohnhaus von Manrique an…

Der von Bougainvilleas überwucherte Patio einer Bodega in Teguise, wo jeden Sonntag der größte Markt der Insel stattfindet…

Das LagOmar in Nazaret…eine arabisch anmutende Festungsanlage im Fels.
Ähnlichkeiten zu Manriques gestalterischem Schaffen sind nicht zu verleugnen, dennoch wirkt hier alles nicht so raffiniert.
Die Legende sagt, dass Omar Sharif sich – bei den Dreharbeiten zum Film „Herrscher einer versunkenen Welt“ – in dieses Anwesen verliebt habe, es gekauft habe, um es einen Tag später wieder bei einer Bridge-Partie zu verspielen…

Hat Omar Sharif Nachahmer gefunden?

In einem der zahlreichen Cafés der Marina Rubicon…

Abendstimmung am Strand von Papagayo…

Sundowner eben dort…

Doppelkinn? Niemals!!!

Mit „Binter-Air“: die kleine Insel Lobos aus der Luftperspektive… (Weiter rechts im Bild übrigens einer der riesigen Strände von Fuerteventura)

Mit der PIA: Annäherung an „Lobos“ von der Wasserseite…

Nach dem Schnorcheln: Huuuuunger!!!

Nacht senkt sich über die Ankerbucht…

Ein Prost auf den Sonnenuntergang…

Schichtbeginn für die Grillmeister…

Premiere unseres „Vulkans“ an Bord…

Das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen…

Ein zarter Wind bläht PIAs Segel und lässt sie durch leicht gekräuselte See die müden Krieger sanft nach Hause tragen…

Marina Rubicon in Sicht…

Sehr schöne Tage mit den Beiden enden am 24.10. mit der morgendlichen Fahrt zum Flughafen…

20141018 Schwein gehabt!!!

Wir sind zurück auf Lanzarote. Diesmal sind Ulla und Gerd mitgekommen, um die nächsten 10Tage mit uns zu verbringen.

Die PIA liegt in der schönen Marina Rubicon so, wie wir sie verlassen haben. Alles scheint in Ordnung zu sein und die ersten Kontrollen bestätigen diesen Eindruck.

Nach der Rückkehr vom Abendessen bemerken wir ein wiederholtes Piepen. Ohne uns weitere Gedanken zu machen, gehen wir schlafen und wachen mit dem Gepiepe wieder auf.
Es erscheint uns zu regelmäßig, um von einem Vogel zu stammen. Mit aufgestellten Ohren – aufmerksam lauschend – schleichen wir uns vom Heck in Richtung Bug, um dabei festzustellen, dass das Piepen vom Nachbarschiff kommt.
Da dort zwei kleine Decksluken einen Spalt breit geöffnet sind und auch der Niedergang nicht hermetisch verriegelt ist, vermuten wir, dass die Geräusche von einer Alarmanlage kommen, deren Batterie allmählich schlapp macht…

Peter bittet den Hafenmeister, sich mit dem Eigner in Verbindung zu setzen.
Letzterer kommt nachmittags angerannt, erkundigt sich bei uns, wie lange wir bereits das Piepen hören und verschwindet dann in seinem Schiff. Nach längerem Rumpeln und Werkeln schleppt er einen großen Behälter heraus und… das Piepen hört auf.

Unsere Frage nach der Ursache für das Piepen beantwortet er kurz und treffend mit:“ GASALARM“.

Da er immer nur übers Wochenende zum Segeln auf seinem Schiff ist, hätte das Gas ungehindert eine ganze Woche auslaufen und sich in der Bilge sammeln können.
Durch eine klitzekleine Unvorsichtigkeit (mit Feuer oder Elektrofunken)hätte sein Schiff explodieren können, um dabei
– aus reiner Freundschaft – die unmittelbaren Nachbarn
mitzunehmen…

Allzuweit ist unsere Nase offensichtlich nie von solch „brenzligen“ Gegebenheiten entfernt…

20140920 Lanzarote Sightseeing

Wir sind wieder alleine auf der PIA und haben noch bis Freitag, den 12.09 das Auto gemietet. So heißt es nun für uns: Inselbesichtigung. Schön, wenn man „Vorläufer“ hatte, die interessante Hinweise und Tipps für lohnenswerte Ziele geben können.

Wir erleben eine Insel, die sich von den bisher gesehenen Kanaren deutlich abhebt. Sie wirkt wie ein harmonisches Gesamtkunstwerk aus Feuer, Wasser und menschlicher Fantasie.

Keine Hochhäuser, keine Leuchtreklame. Tagsüber heben sich die flachen, weiß gekalkten Häuser der Küstendörfer auf der schwarzen, mit niedrigen Sträuchern bewachsenen Lava von einem knallblauen Horizont ab.

Abends, bevor die Sonne im Meer versinkt, lässt sie die Vulkan-Landschaft vor dem weiten Blau aus Meer und Himmel in wunderschönen, milden Braun und Ocker-Farbtönen leuchten.

Harmonie und Ästhetik sind die beiden Ausdrücke, die mir immer wieder in den Kopf kommen, wenn ich das, was ich sehe, beschreiben soll. Zu verdanken hat Lanzarote das zu einem großen Teil dem berühmten Sohn der Insel, dem Maler und Architekten Cesar Manrique. Er wollte „seine“ Insel vor dem Schicksal der Nachbarinseln mit ihren baulichen Ungetümen bewahren. Unterstützt wurden seine Pläne vom Gouverneur der Insel, so dass man heute alle seine Werke über und UNTER der Erde bestaunen kann.

Unser erster Ausflug führt in die Feuerberge, eine sehr junge Vulkanlandschaft, die erst durch die Ausbrüche vor nicht einmal 300 Jahren entstand.

Momentan will das Internet nicht, dass ich weitere Bilder lade…
WLan-Nutzer dürfen hier allenfalls die Hektik einer Schnecke haben…
Apropos: Kommentieren: Da ich gerade dabei bin, das zu tun, möchte ich die Frage beantworten, warum meine Fotos weder Über- noch Unterschriften haben. 99% der eingestellten Bilder haben einen Titel oder Kommentar, der sichtbar wird, wenn man die Maus auf das Foto setzt.

Von Manrique entworfen: Das Restaurant “El Diablo“, einer seiner typischen Rundbauten mit großen Panoramascheiben, hier ausschließlich aus Stein und Metall gebaut wegen der enormen Erdwärme: In wenigen Metern Tiefe herrschen noch 400°C.

Praktischer Nutzen: Auf einem Grillrost über einem ca. 3m tiefen „Erdwärmebrunnen“ brutzeln die Hähnchen.

Ein Ginsterbusch, der nur 20cm tief ins Gestein gesteckt wird, beginnt lichterloh zu brennen.
Kaltes Wasser, das in ein Erdloch geschüttet wird, schießt wenige Sekunden später als zischende Dampffontaine meterhoch aus dem Loch.

Ja und so ein bisschen echtes Touri-Feeling muss dann auch noch sein. Die Kamel-Station zieht uns magisch an. Ein zwanzigminütiger Ritt lockt.

Gut festgezurrt im Zweiersitz überstehen wir das etwas ungelenke, ruckartige Aufstehen dieser Tiere, samt etlicher Schmuse- und Schubsversuche des schnaubenden Passgängers hinter mir…

Im Folgenden nur ein paar Eindrücke dieser wunderschönen Insel…

In der „Cueva de los Verdes“ der grünen Grotte…

Dazu eine kleine Geschichte: Unsere Gruppe steht vor einer niedrigen Felsbrüstung und bestaunt diese All-ähnliche Grotte, die sich vor unseren Blicken nach oben und unten auftut.
Unsere Führerin fordert uns auf, mucksmäuschenstill zusein, um den Aufprall des Steines zu hören, den sie gleich in die Tiefe werfen wird.
In der absoluten Stille macht es – nach dem Bruchteil einer Sekunde -„Platsch“….
Der Stein ist in ein etwa 20cm tiefes Wasserbecken gefallen, dessen Boden von schwarzem Lavasand bedeckt ist und dessen spiegelglatte Oberfläche das Grottengewölbe perfekt wiederspiegelt. Eine verblüffende Sinnestäuschung, die sich auf dem Foto leider als solche enttarnen lässt…


Hat Michael Ende sich hier inspirieren lassen???

20140831 Sonniges Lanzarote

Ja, wir befinden uns in der wunderschönen, gepflegten Marina Rubicon, an der Costa blanca, der Südküste Lanzarotes. Wie auf allen kanarischen Inseln ist auch hier der Süden wesentlich sonniger als der Inselnorden. Diesmal jedoch bekommt der Himmelskörper Konkurrenz. Die kleine Sonne aus Zürich reist an und versetzt die Großeltern ins Glück.

Am letzten Samstag im August holen wir Philipp, Lena und Thies vom Flughafen ab. Sie werden die zweite Hälfte ihres Urlaubs mit uns auf der Pia verbringen. Für die beiden Architekten gibt’s hier vieles anzuschauen, was einen neunmonatigen kleinen Jungen so gar nicht interessiert. Wie schön für die Großeltern!

Eine Woche lang wird weder repariert noch installiert, weder Wind-noch Motorengeräusche finden Beachtung. Stattdessen horchen wir auf, wenn morgens das erste fröhlich-zufriedene Gebrabbel aus der bb-Achterkoje kommt und Thies daraufhin noch mal für ein Kuschel-, Spiel und Plapperstündchen in unser Bett gebracht wird. Hier gibt es Vieles zu „begreifen“. Weit Vorstehendes wie Omas und Opas Nasen und Ohren müssen gedrückt, gedreht, gekniffen werden; Omas Bücher im Leseschapp werden gepackt, auf und zugeklappt, gewischt oder als Hürde fürs „Hinderniskrabbeln“ benutzt.
Das Lieblingshindernis: Opas Bauch. Auf selbigen kann man sich – mit viel Anstrengung und entsprechenden Geräuschen – hochziehen und wieder herunter kullern lassen, allerdings auch kuschelweich ruhen und eventuell noch ein Nickerchen nachschieben…
Das kleine Kerlchen ist Wonne pur. Immer fröhlich, freundlich, gutgelaunt brabbelt er vor sich hin, ahmt Gesichter und Laute nach, kommentiert jeden, ihm schmeckenden Happen mit „mmhh“ und zeigt prompt die „willst du mich vergiften-Mine“, wenn die Gemüsemischung nicht passt.
Sein Lieblingsspielzeug hier an Bord ist der Klammerbeutel. Die Klammern werden aus und eingeräumt, zusammengesteckte auseinandergezogen und im Cockpit verteilt.

Seit Thies zu Besuch ist, wissen wir, dass wir ein Privataquarium haben, dessen Fische sich zu gerne füttern lassen. Durch den Salon robbend, verweilt er nämlich regelmäßig über der Notausstiegsluke, deren Deckel (zwecks “Meerwasser-Aircondition“) geöffnet ist. Krümel, die durch das aufgelegte Holzgitter fallen, lassen die ruhig im Wasser stehenden Fische augenblicklich zu futterneidischen Furien werden, die den Kollegen blitzschnell und wendig die fette Beute abjagen wollen. Da ist richtig Action angesagt.
Die Nase plattgedrückt, späht das Kerlchen durch die Gitteröffnungen. Thies ist offensichtlich fasziniert von dem Spektakel unter ihm und wir erfreuen uns an dem kleinen, aufmerksamen Beobachter.
Einige Insel-Ausflüge unternehmen wir gemeinsam mit Philipp, Lena und Thies. Manche Sehenswürdigkeiten bekommen durch Thies eine kleine Nebenattraktion. Dem blonden, blauäugigen, die Arme fröhlich schwenkenden Zwergerl winkt man zu, verfällt bei der Kontaktaufnahme augenblicklich in „Baby-Spanisch“ und streichelt ihm über den Kopf. Er lässt alles fröhlich über sich ergehen.

Fotos einer wunderschönen Woche mit Philipp, Lena und Thies…

Heute geht’s zum Ankern…

Peter und Phlipp tauchen ab…

Ausflug nach La Graciosa.

Zunächst geht’s auf den Mirador del Rio, um von dort die Vogelperspektive auf die Insel „La Graciosa “ zu genießen…

Philipp und Lena laden uns zum Abschiedsessen in die
„Jameos del agua“ ein, ein Restaurant, das von Manrique in die phantastischen Lavahöhlen integriert wurde…

Nach einer wunderschönen Woche mit den Dreien
ist nicht nur der Klammerbeutel verwaist…

20140827 Auf zu neuen Ufern

Nach 220 Tagen in der „Muelle deportivo“ von Las Palmas werden wir morgen endlich wieder die Hafenmauer von der Seeseite her betrachten können.
Matthias und Regina werden uns auf der „Jungfernfahrt“ (nach so vielen Reparaturen wohl zu Recht als solche bezeichnet) begleiten.
Das Pia-Wassertaxi holt die beiden am Vorabend ab und sie haben sich im Handumdrehen im Nachbarrumpf eingerichtet. Danach geht’s – gemeinsam mit unseren sympathischen französischen Nachbarn Bernard und Sandra (siehe: Buch der Gesichter) ein letztes Mal ins „Allende“ – so heißt unser Lieblingsrestaurant – dessen Speisekarte wir nun beinahe auswendig hersagen können.

Am Mittwochmorgen um 9.00h werfen die beiden unsere Leinen los, wir tanken voll und auf geht’s.

Der Himmel sieht ein wenig Wolken-verhangen aus, der Wind kommt aus NNO und die See erlaubt kein gemütliches Kaffeetrinken. Im Gegenteil: Peter gibt bereits nach kurzer Zeit Neptuns Drängen nach, ihm sein Frühstück zu opfern inclusive etlicher kleinerer Zugaben.
Beim Versuch, seine Opferwilligkeit zu stoppen – mit Hilfe eines Antiemetikums, das ich leider erst eine Weile in den sich unfein bewegenden Rümpfen suchen muss, werde ich zu seiner Sympathisantin.

So hatten wir uns den Wiedereinstieg in das Segeln natürlich nicht vorgestellt!!!

Das Ende vom Lied: Nicht wir segeln mit Gästen an Bord sondern unsere Segel-, Wind- und Wellen-erfahrenen Gäste bringen den Käpt‘n und sine Fru heil nach „Morro Jable“, dem für heute vorgesehenenund sich als ziemlich hässlich entpuppenden Hafen auf Fuerteventura.

Der Seekranke drinnen mit seiner Sympathisantin draussen
– ohne Bild –

Wenn es überhaupt etwas Schönes an der Seekrankheit gibt, dann ist es die Tatsache, dass sie – unmittelbar nach dem Eintritt in ruhige Gewässer – verschwindet.
So können wir das Abendessen – auch in einer weniger schönen Umgebung – wieder mit gutem Appetit so rundherum genießen.

Der nächste Tag zeigt sich zunächst diesig und fast windstill. Der Versuch zu segeln, wird nach einer Stunde aufgegeben. Heute ist Motoren angesagt. Gut für Segler, denen die „Seebeine“ abhanden gekommen sind, ein wenig schade wegen fehlender Wind- und Wassergeräusche und der entsprechenden Geschwindigkeit.

Dafür kann man ungestört die Blicke schweifen lassen, lesen und ausruhen. Matthias testet seine neue GoPro-Kamera,

schenkt uns einen interessanten Film der PIA in Fahrt und stellt einen äußerst amüsanten und lesenswerten Beitrag über unsere gemeinsame Reise in ihren Blog:
www.etappen.wordpress.com „Unterwegs mit der rasenden Gartenbank“

Abends um 22.00h haben wir die Marina Rubicon erreicht.

Ein hektischer Freitag zieht herauf: Verlegen der PIA an ihren reservierten Liegeplatz, Aufräumen, Saubermachen, Sicherheitsvorrichtungen anbringen für unseren neuen kleinen Gast, der mit seinen Eltern ab Samstag für eine Woche an Bord sein wird, etc…

Dennoch können wir abends unseren ersten Ausflug auf Lanzarote machen. Das Ziel: „El Golfo“ eine smaragdgrüne Lagune vor einer, steil zum Ozean abfallenden Felswand mit vielfarbigen Gesteinsschichten…

Der Sonnenuntergang beim Abendessen – hoch über dem Ozean – ist wie geschaffen als Abschiedskulisse von unserer kurzen Segeltour mit Matthias und Regina…

Wiederholung erwünscht!

20140826 „Meer in Sicht“…

…ist nicht der Ausruf eines halluzinierenden Seemannes, der monatelang unter sengender Sonne auf dem Meer umherirrte und nicht mehr in der Lage ist, Meer von Land zu unterscheiden, nein, dieser Ausruf kommt von uns.

Nach neun Monaten aktiven Wartens – der Zeit einer Schwangerschaft mit enorm vielen Problemen – ist es endlich soweit.
Es war weder eine Sturz- noch eine Fehlgeburt… alles ist wieder dran und drin in unserer PIA. Die vom Blitz getroffenen Geräte sind ersetzt, funktionieren einwandfrei und wir können es kaum erwarten, wieder in See zu stechen.
Ich bin ganz stolz auf meinen Kapitän und er, der „Beinahe-Yachtelektriker“, ist äußerst zufrieden mit der geleisteten Arbeit.

Unsere netten Nachbarn, Sandra und Bernard sehen unsere PIA so aus der Mastspitze ihrer nigelnagelneuen Lagoon 39.
Eine nette Erzählung aus der Nachbarschaft findet manunter:
etappen.wordpress.com „Kaffeeklatsch in Hausnummer 39“

Der Endspurt:
Nun muss die PIA nur noch segelklar gemacht werden. Ein Klacks…denken wir. Am Freitag bringt der Segelmacher die Segel und das abgeänderte Lazy-Bag (eine am Baum beidseitig befestigte Segeltuchtasche, die von straffen Seilen, den Lazy-Jacks hochgezogen und offen gehalten wird, damit der „faule“ Segler das Großsegel beim Bergen einfach da hinein rauschen lassen kann).
Leider ist die Arbeit nicht konsequent bis zum Ende durchgeführt worden. Der Segelmacher wird gewusst haben, warum er uns das überließ.

Man stelle sich folgendes Szenario vor. Sengende Sonne, kein Lüftchen regt sich, die unhandlichen, langen Lazy-Bags liegen an Deck.
Zwei dicke Kunststoffrohre müssen durchbohrt werden, um insgesamt acht aufgebogene und mit neuem Gewinde versehene Schäkel darüber schieben zu können.
Wir machen uns an die Arbeit: Erste Bohrung schief. Nur mit Hängen und Würgen und sehr viel Kraft schafft Peter es, die Schraube einzudrehen. Sie schaut am anderen Ende 2cm heraus und könnte das Segel beschädigen. Die nächsten Bohrungen sind gerade, die Schrauben werden von der anderen Seite eingedreht. Dort stehen sie immer noch 2 cm vor, können aber hier das Segel nicht mehr schamfielen.
Außentemperatur, Körpertemperatur und damit Gereiztheit der beiden Werkelnden steigen. Als der Vorschlag kommt, die überstehenden Enden mit der Flex abzutrennen, explodierts. Die Vorstellung, das Lazy-Bag auf den schwarz-staubigen Steg zu zerren, dort die beiden Stellen neben der abzutrennenden Schraube von Hand zu fixieren, während die wegstiebenden Funken Arme und Beine versengen, reicht mir. Ein Versuch wird dennoch gemacht. Ergebnis: Arme nicht verbrannt aber Gewinde ausgefetzt. Es muss abgeschliffen werden. Wird man auf dieses vermurkste Gewinde noch eine Mutter aufsetzen können? Verbissen wird weiter geschliffen und gefeilt, während ich zum Schiffsausstatter radle. Zurückgekehrt, mit kurzen Schrauben und Muttern, treffe ich auf einen wutschnaubenden Kapitän, der eine nicht mehr funktionierende Flex in der Hand hält.

Nun bleibt keine andere Wahl: die Schrauben werden ausgewechselt.
Das mit Flüchen reich gesegnete Ergebnis: Vier vermurkste Gewinde an Schrauben, die sich nach wenigen Umdrehungen weder weiter vor- noch zurückdrehen ließen, eine abgebrochene Schraube mit einem dabei zerbrechenden (durch Handkraft!!!) Engländer (Zange) und ein abgeflexter, ausgefetzter Schraubenstumpf. Der schwache Trost: Immerhin zwei Schrauben sitzen wie maßgeschneidert nach vier Stunden Hitze, Schweiß und Ärger.

Regina und Matthias, die seit Stunden auf Abruf bereit sind, um uns beim Montieren des Großsegels zu helfen, kommen (mit Fragezeichen in den Minen) zu uns. Was ist los bei Euch?
Ganz einfach: Wir sind platt. Die Diskussion für oder wider Großsegelmontage – heute noch – wird positiv entschieden, da der Wind ab morgen stark zunehmen soll.

Wir legen um 18.30h ab, an der Tankstelle an (weil dort der Wind von vorne kommt) und sind – dank unserer fleißigen Helfer – mit dem montierten, im Lazy-Bag verstauten Großsegel – um 22.00h wieder auf unserem Liegeplatz.

Die allzeit gültige Regel: Nach jedem Auf ein Ab zeigt sich wieder am folgenden Tag. Peter schaut in den Motorraum und entdeckt Wasser. Der Geschmackstest: Salzwasser. Was hat das zu bedeuten? Ist der gereinigte, erst vorgestern wieder eingebaute Wärmetauscher doch kaputt? Was für ein Rattenschwanz schlösse sich an, wenn es denn so wäre?!

In solchen Momenten können auch Männer eine Hitzewallung bekommen.

Detektivisch begeben sich Matthias und Peter auf Fehlersuche und finden zum Glück recht bald den Verursacher. Beim Wiedereinbau des Wärmetauschers war eine nicht 100%ig passende Dichtung eingesetzt worden. Die richtige Dichtung ist bald eingesetzt und die Hitzewallung verflogen.

Dennoch werden wir – vor der großen Atlantiküberquerung – die PIA aus dem Wasser nehmen müssen, da wir nun wieder im Stb-Getriebe Wasser festgestellt haben.

Ab morgen wird hoffentlich wieder dieses herrliche Rauschen unter PIAs Kielen zu hören sein.
Wir werden – mit Matthias und Regina an Bord – ablegen in Richtung Lanzarote, wo die jungen Jungs Philipp, Lena und Thies für eine Woche an Bord kommen werden.