20160606 Lauter kleine Premieren

Wenn ein Segler nach drei Wochen auf dem Trockenen (Werftaufenthalt = Fegefeuer des Seglers) wieder Wasser unter dem Kiel hat, fühlt er sich dem Himmel zwei Stufen näher. So auch wir.

Dennoch wollen wir nicht sofort lossegeln, da die PIA einen „Hausputz“ benötigt. Nach drei Tagen glänzt sie, dafür fällt mein Handy ins Salzwasser, ist trotz liebevoller Wellness-Kur mit Süßwasser und Warmluft und Reisbett nicht mehr zum Leben zu erwecken und Peter entdeckt in den Motorräumen jeweils ein schwarzes Rinnsal.

Die zu Rate gezogenen Mechaniker gestehen ein, einen Fehler gemacht zu haben und wechseln die zu kleinen Borddurchführungen für den Auspuff gegen neue mit größerem Durchmesser aus.
Am Spätnachmittag des 19.Mai schnurren die neuen Motoren erstmals in Seewasser außerhalb der Bucht von Le Marin. Nicht lange, denn wir werfen Anker vor St. Anne. Es ist das erste Mal hier. Der Sonnenuntergang, dem wir vom Cockpit aus zuprosten ist nicht zu vergleichen mit den wunderschönen Untergängen, die wir in der Hütte, hoch über der Bucht, von Land aus erlebten aber es ist halt der erste an Bord der PIA.

Am Samstagmorgen bahnt sich die nächste Premiere an. Wie eine Käseglocke sitzt ein dunkelgrauer Himmel über uns. Über St. Lucia grollt der Donner und Wetterleuchten ist auch bei uns zu sehen. Von Le Marin wälzt sich eine dunkelviolette Front heran.

Im strömenden Regen legen wir ab.

Wasser und Himmel farblich perfekt aufeinander abgestimmt – Grau in Grau – machen es uns schwer, die immer wieder in Wellentälern verschwindenden Fischerbojen zu erkennen.
Und schwupp haben wir mit der Stb.-Schraube eine gefangen. Peter kann in letzter Sekunde zwar den Gang rausnehmen aber wir sehen eine sich straffende blaue Leine. Die reißt zum Glück aber die Bojen hängen in der Schraube und klockern an den Rumpf.
Ein kurzes Rückwärtsdrehen der Schraube kann die verhassten Teile hinausbefördern. Das ist nochmal gut gegangen.
Dennoch verharren wir eine ganze Weile mit gespitzten Ohren, ob Propeller oder Motor sich anders anhören.

Eine halbe Stunde später werden alle Geräusche von gewaltigem Donnergrollen übertönt. Blitze zucken neben und vor uns ins Wasser und uns wird Angst und Bange. Laptops und Tablet fliegen in den Backofen und wir beide hoffen inständig, dass dieses schreckliche Spektakel – ohne Schaden anzurichten – über uns hinweg ziehen möge. Nach etwa 20min. ist der Spuk vorbei.
Der Puls normalisiert sich wieder, der Regen bleibt…bis wir Anker werfen vor St. Pierre…

Sehr tiefer Ankergrund und Fischer, denen ankernde Yachten ein Dorn im Auge sind, machen das Finden eines geeigneten Fleckchens nicht so leicht.
Der Anker fällt endlich und Peter springt ins Wasser, um ihn und den Propeller zu kontrollieren. Alles ok.

Beim Anstoßen auf den gemeisterten Tag reißt ein schmaler Streifen am Horizont auf und die Sonne versinkt als glutroter Ball im Meer. Was soll denn das? „Kuckuck, da bin ich“ nach einem zwölfstündigen Versteckspiel? Oder eine versöhnliche Geste? Nevermind, wir himmeln sie an  

Um 20.00h wird unser wohlverdienter Feierabend gestört von einem Fischer, der uns wortgewaltig und ziemlich bestimmend auffordert, das Feld zu räumen, da er an dieser Stelle morgen früh um 5.00h die Netze auslegen will. Nach einem knackigen, nicht ganz leisen Disput rauscht er – immer noch schimpfend – davon. Wir stehen am Sonntag um 4.30h auf, wünschen dem herbeifahrenden, sich bedankenden Fischer einen guten Morgen und räumen das Feld um 5.30h, als die Fischer mit dem Auslegen der Netze beginnen.

Mit einem strahlenden Sonnenaufgang werden wir belohnt. Es soll ein herrlicher Tag werden.

Perfekter Segelwind sowohl zwischen der Nordspitze von Martinique und der Südspitze von Dominika als auch zwischen der Nordspitze von Dominika und den Iles des Saintes. Ein tolles Gefühl, mit 10kn durch die Wellen zu rauschen.
Das vorschriftsmäßige Einfahren der neuen Motoren wird immer entlang der Küstenstreifen praktiziert, wo der Wind in der Regel sehr viel schwächer weht. Die beiden Neuen machen einen guten Eindruck auf uns.

Um 14.00h werden wir – in der Bucht von Bourg des Saintes – vom uns entgegen eilenden Frank begrüßt. Er hilft beim Bojenmanöver und wenige Minuten später sitzen wir an Bord der Obelix und begießen unser Wiedersehen.

Ende der Premieren. Drei Tage genießen wir die bekannte, unkomplizierte und fröhliche Gesellschaft von Frank und Brigitte. Dann trennen sich unsere Wege leider wieder. Sie werden nach Grenada ins Hurricanlager gehen, während wir – nach ein paar erholsamen Tagen hier – nach Guadeloupe fahren werden, um die Garantie-Reparatur des Außenborders bei Suzuki einzufordern…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.