20160612 Guadeloupe

Nein, in die stinkende Marina gehen wir nicht. Wir ankern vor Pointe à Pitre. Aber auch hier lädt das Wasser nicht unbedingt zum Schwimmen ein.
Gleich am Montagmorgen bringen wir den Außenborder zu Fred-Marine, wo wir ihn gekauft haben. Monsieur Fred wimmelt unseren Wunsch, doch gleich mal nachzuschauen wo der Fehler denn liegen könnte, mit der Bemerkung ab, dass er ganz alleine sei, alle Monteure in Urlaub und er einen Berg an Aufträgen zu bewältigen habe. Bis Mittwoch wird unser Suzuki unangetastet auf dem Transportwagen stehen.
Wir bekommen zwischenzeitlich Besuch von Matthias und Regina, die mit ihrer Jasina vor Deshaies ankern. Ein ganzes Jahr liegt zwischen heute und dem letzten Treffen mit ihnen. Die Wiedersehensfreude ist groß und wir fahren nach Le Gosier, um vor der Ilet de Gosier zu ankern. Während der Fahrt dorthin werden die „Neuen“ (vom Schiffsbetriebsingenieur MJR) sehr genau unter die Lupe genommen und können vor seinen kritischen Augen und Ohren bestehen.
Ein Ankerplatz ist bald gefunden, wir sitzen am Kaffetisch und …gleiten sachte, sachte am neben uns ankernden Katamaran vorbei. Das passiert halt manchmal, wenn der Anker nicht hält.

Er hat – wie ein Pflugschar – einen Berg Seegras auf die Flunken gezogen. Ein neues Manöver führt zum Erfolg.
Fast unbemerkt gehen Kaffeeklatsch, Sundowner und Abendessen ineinander über, da es jede Menge Gesprächsstoff gibt. Erlebtes, Erfahrungen, Beschreibung von Inselschönheiten und Ankerplätzen mit ihren Besonderheiten, von zunehmenden Überfällen auf Yachten aber vor allen Dingen das derzeitige Thema Nr. 1: Die Hurrican-Saison, die offiziell am 1.Juni begonnen hat.
Gibt es schon Hurricans? Wie stark sind sie? Kann man sich auf die Warnungen des NOA verlassen? Lässt sich die Zugrichtung ziemlich eindeutig bestimmen oder gibt es auch Ausreißer, die nicht nach Norden, sondern nach Süden abdrehen?
Und wie weit wollen wir uns noch in den Norden wagen, bevor wir zurück nach Martinique gehen, um dort die Garantie-Inspektion der Motoren durchführen zu lassen? Könnten wir – bei rechtzeitiger Warnung – dem Hurrican entkommen, indem wir nach Süden düsen (wenn er vielleicht auch in diese Richtung dreht)? Und auf welchen Inseln gibt es einigermaßene Hurricanholes?
Fragen über Fragen, deren Diskussion bei mir immer ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend hinterlassen…. 🙁
Nach zwei schönen Tagen mit den Beiden trennen sich unsere Wege erneut. Sie kehren zurück ins hübsche Deshaies und wir besuchen unseren immer noch unangetasteten Außenborder.
Monsieur Fred verspricht, ihn heute Abend auseinander zu nehmen. Er benötige aber noch die Betriebsanleitung, die wir doch bitte vorbeibringen sollen. Hört sich das nach Fachkompetenz an? Zum ersten Mal melde ich mich zu Wort und schlage vor, den Suzuki doch zum Importeur zu bringen, wenn er selber den Fehler nicht finden könne. Empörung starrt mir entgegen. Und fortan werde ich weder eines Blickes, noch eines Wortes mehr gewürdigt.

Am Donnerstagmittag ist der Außenborder tatsächlich auseinander genommen. Monsieur Fred will sich – streng nach Plan – in einer ganz bestimmten Abfolge auf Fehlersuche begeben. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Wir müssen zwar noch 4Tage warten, bis der Fehler gefunden, der defekte Kabelbaum repariert und der neue bestellt ist (den wir in 14 Tagen HIER einbauen lassen müssen!!!). Aber Hut ab vor dem, von mir total verkannten Genie, Monsieur Fred. Der Suzuki sitzt wieder am Heck des Dinghis und schnurrt mit einem wohligen, kraftvollen Sound vor sich hin.

Wir nutzen die Wartezeit zum Kennenlernen der Insel. Im vergangenen Jahr hatten wir lediglich Augen für den Westflügel von Guadeloupe mit seinem Regenwald, den Wasserfällen, Rum-Destillerien, diversen Museen und dem großartigen Unterwasser-Park von Jean Jaques Costeau.

Diesmal wollen wir den östlichen Flügel erkunden.

Aber zunächst mal benötigen wir ein Auto, um abends ins Konzert zu gelangen. Es findet statt im Memorial ACTe, dem imposanten Gebäude, das zum Gedenken an die Sklaverei und den Sklavenhandel hier errichtet wurde. Es ist nur 2 Dinghi-Minuten von unserem Ankerplatz entfernt, bietet eine sehr breite Treppe zur Wasserfront hin aber: Dinghi-Anlegeverbot.
Zu Fuß – über Land, um das Universitätsgebäude und die Werftanlagen herum – benötigt man eine gute halbe Stunde.

Es ist ein umstrittenes Denkmal, das nur teilweise von den Bürgern Guadeloupes gewürdigt wird, da man der Meinung ist, dass die 40 Millionen Euro, die die Region (zusätzlich zu den 43 Mill. Geldern aus der EU) aufbringen musste, besser in Schulen, Krankenhäuser, soziale Einrichtungen oder zur Bekämpfung der extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit (über 50%!!!) investiert worden wären.

Wir nehmen also ziemliche Umstände in Kauf, um ins Konzert zu gelangen. Feingemacht steigen wir ins Dinghi, um beim Anlegen am Marina-Steg eine Regendusche ab zu bekommen, die uns – den Auftritt der „aus dem Wasser Gezogenen“ verschafft.

Mit dem Auto sind‘s noch 10Min. bis zum Memorial. Aber für das anschließende Erlebnis hätten sich noch weitaus größere Mühen gelohnt.

Eine Konzertreihe: „Rund um’s Piano“ mit verschiedenen Interpreten an verschiedenen Orten findet im Memorial ihren Anfang und wird auch hier wieder enden.

Nach dem Klassik-Beitrag einer jungen Pianistin treten die eigentlichen Stars auf:
Jazz-Pianist, Bass-Gitarrist, Bongospieler und Schlagzeuger. Neunzig Minuten lang bringen sie ein Konzert vom Feinsten und ziehen das Publikum in ihren Bann. Von Kopf bis Fuß in Bewegung, lassen sie die Finger über ihre Instrumente flitzen, schlagen, zupfen, streichen, wischen, die Schlagstöcke des Schlagzeugers fliegen durch die Luft, werden mit der Frequenz von Kolibriflügeln geschlagen… Der Bongospieler kann – so wie er unentwegt seine Instrumente bespielt – keine Schmerz-leitenden Nerven mehr in seinen Fingern haben…

Wir sind restlos begeistert.
Immer noch fasziniert, unter anderem auch von dieser körperlichen Leistung, verlassen wir nach zwei Stunden den Konzertsaal. Der Abend wird uns als ein sehr besonderer in Erinnerung bleiben.

Für den Samstag haben wir uns die Südküste von Grande Terre, dem östlichen Flügel von Guadeloupe vorgenommen. Über Le Gosier geht’s an den Strand von St.Anne, weiter nach St. Francois und an die Südostspitze, an die Pointe des Chateaux.

Wie auf Martinique gibt es auch in St. Anne von Guadeloupe einen Club Med mit einem sehr schönen Strand.

St. Francois, offensichtlich der Ferienort der Reichen und Schönen erinnert ein wenig an die französischen Yachthäfen des Mittelmeeres, wirkt aber – weil Nebensaison – ziemlich verschlafen.

Als imposant erleben wir den Süd-Ost-Zipfel von Grande Terre: Die „Pointe des Chateaux“ . Von der Atlantik-Brandung umtoste, wie Zinnen eines Schlosses aus dem Wasser ragende, schroffe Felsformationen. Toll!

Nette Nachbarn ankern neben uns, als wir abends zur PIA zurückkehren. Toni und Monica sind angekommen und werden am Sonntag – gemeinsam mit uns den Nordteil von Grande Terre erkunden. Ausgedehnte Strände und ein relativ trockenes Inselinneres zeichnen diesen Teil von Guadeloupe aus.

Die vorherrschenden Ostwinde treiben die Regenwolken über diesen Teil hinweg zum bergigen Westflügel Guadeloupes – „Basse Terre“- hin, auf dem die sich ausschüttenden Wolken ein Regenwald-Paradies aller Grün-Schattierungen entstehen lassen.

Am Montag ist’s soweit. Peter holt den reparierten Außenborder ab. Sofort gibt’s eine Probefahrt über den „Riviere Salee“ in den „Grand Cul de Sac Marin“, einer Art Steinhuder Meer, dessen Ufer von üppigen Mangroven-Wäldern bewachsen sind, in denen verschiedene Spezies von Flora und Fauna ihre Heimat gefunden haben.

Sehr zufrieden wirkt der Skipper mit der Leistung des reparierten Suzuki und wir hoffen, dass der neue Kabelbaum demnächst ein ebensolches Lächeln in sein Gesicht zaubern wird.

Der nächste Tag gilt dem zuverlässigen „Kleinen“. Wir montieren für ihn eine „standesgemäße“ Halterung an der BB-Seite des Hecks von PIA und klarieren am Mittwoch aus, da wir am Donnerstag weitersegeln wollen zu den „Iles de la Petite Terre“.

Pustekuchen! Daraus wird nichts. Wir lassen uns von Toni und Monica, die für die nächsten drei Tage ein Auto gemietet haben, gerne zu einer Fahrt über den nördlichen Teil des Westflügels einladen.

Baden im klaren kalten Wasser der Wasserfälle von „Ecrivisses“, Espressopause am Strand von Malendure mit Blick auf die „Ilet de Pigeon“, um die herum sich der fantastische Unterwasserpark des Herrn Cousteau ausbreitet und Mittagessen in Deshaies, wo wir Matthias und Regina wieder treffen.

Offensichtlich sind die Vorzüge eines Bojenplatzes vor diesem hübschen Fischerdorf und der 3km lange Sandstrand sucht seinesgleichen. Wir werden auf jeden Fall versuchen, dieses Örtchen anzulaufen.

Ein leckeres Abendessen zu viert beendet den schönen Tag und unseren vorläufigen Aufenthalt auf Guadeloupe.

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