20130606 PIA schwimmt wieder

Donnerstagmorgen, 30.05.‘13
Der Travellift rollt nicht – wie uns zugesagt – um 10.00h, sondern erst um 14.00h an. So haben wir noch Zeit für ein erstes Frühstück mit Martin und Anna. Während des Transportes darf niemand an Bord der PIA sein aber unmittelbar vor dem Einsetzen ins Wasser werden Skipper und Gäste von einem Gabelstaplerlift auf unser Schiff gehievt.

Catamaran und Mannschaft werden behutsam ins Wasser gesetzt, während ich das verwaiste Dinghi abhole…
Beruhigendes Schnurren der Motoren, kein Widerstand beim Einlegen der Gänge, rohe Gewalt ist überflüssig. Das tut gut. Wir legen in der Marina Portimao an und gönnen unseren Turteltäubchen einen Spaziergang am Strand.
Am Freitag tuckern wir an der Felsenküste entlang – Richtung Albufeira – werfen Anker hinter dem Leuchtturm von Alfanzina, um dort – in den Wellen schaukelnd – ein kleines Mittagsmahl zu nehmen, das von einem Teil der Mannschaft später zu Fischfutter recycelt werden soll.
Ja, der Rückweg nach Alvor, unserem geliebten Ankerplatz in der Lagune, muss hart erkämpft werden. Der ungemütliche Amwindkurs bei konstanter Windstärke 6 (Böen 7), mit gerefftem Groß und kleiner Fock, lässt bei 10-11kn Fahrt so manches Gesicht nicht mehr rosig erscheinen. Um 21.00h erreichen wir die Lagune, d.h. Ankermanöver mit Hilfe von Satellitennavigation, Decksbeleuchtung und viel Gefühl!
1. Versuch: Anker rutscht
2. Versuch: Anker befördert Reuse ans Tages- bzw. Nachtlicht
3. Versuch: Endlich! Er hält!
Samstagmorgen: Wir würden unseren Gästen gerne die Düne und den schönen Strand von Alvor zeigen. Aber: Der Außenborder will nicht. Gutes Zureden, Schimpfen, Benzin pumpen – nichts hilft. Alle Versuche, ihn nach dem Starten am Laufen zu halten, scheitern.
Ist er beleidigt, weil seinem großen Bruder so viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, während er verwaist an einem verlassenen Ponton herum dümpeln musste?
Wir beschließen, die Lagune zu verlassen, nach Lagos zurück zu gehen und von dort aus – mit einem besser gelaunten Außenborder – einen Ausflug in die Grotten zu machen.
Gesagt, getan. Der Anker ist frei, aber Pustekuchen! Ich versuche Gas zu geben aber wir bewegen uns kaum von der Stelle. Rückwärtsfahrt, gefährliche Nähe zur Sandbank. Noch einmal Ankerfall, Drehung in die andere Richtung….die Ankerwinde ackert enorm und …fördert ein äußerst stabiles Fischernetz mitsamt Geäst zu Tage.

Peter und Martin machen das Dinghi bereit, um – mit Messern bewaffnet – das Netz ab zu schneiden. Ein Fischer, der unser Manövrieren wohl beobachtet hatte, eilt herbei und bietet seine Hilfe an. Ja, prima, danke!!! Endlich können wir den „Haftgrund“ von Alvor verlassen und ich weiß, dass ich ein weiteres Ankern in der Lagune aufs Heftigste boykottieren werde.
Den Sonntag verbringen wir – bei herrlichen Temperaturen und Sonne – in Lagos und mieten uns für die Grottenfahrt in einem der vielen Touristenboote ein.
Von den Profis werden wir äußerst geschickt durch die bizarren Felsformationen geschippert.

Der Tag findet einen wunderschönen Ausklang im Restaurant „Café do Mar“, in das die Beiden uns – zum Abschluss ihres Aufenthaltes auf der PIA – zum Essen einladen.

Diesseits und jenseits vom Aperitif

Montag bedeutet Abschied nehmen. Martin und Anna durchstreifen ein letztes Mal die Altstadt von Alvor, holen sich Gänsehaut im erfrischend kühlen (17°C) Wasser des Atlantik, eine leicht gerötete Nase beim anschließenden Aufwärmen in der Sonne und nehmen den 17.00h Zug nach Faro. Von dort werden sie morgen wieder ins regnerische Deutschland zurückkehren.

Für uns geht die Arbeit weiter. Peters Bereich, das äußere Schiff, muss von Salz befreit werden und der Reserve-Dieseltank sollte eine Grundreinigung bekommen. Die „Innenhygiene“ fällt in meinen Bereich und bedeutet Putzen und Wäschewaschen. Dafür sollten wir genügend Zeit haben, da der zur Reparatur gebrachte Außenborder erst am Freitag abgeholt werden kann.
Aber wie war das noch mit dem Loben des Tages VOR dem Abend?
Die Reinigung des Reservetanks und das anschließende Entlüften der Dieselleitungen rauben uns den letzten Nerv und unendlich viel Zeit. Erst am Mittwochnachmittag können wir wieder in eine Ankerbucht vor Portimao rauschen. Dort fetzt die aus der Hand gerutschte Bodenplatte des Bades ein Loch in die Seitenwand und in meine gute Laune. Habe ich nicht gerade genug gespachtelt und gemalt? Wenigstens funktioniert Peters Wasserfilterwechsel.
Zum Glück gibt es nach solch frustrierenden Ereignissen doch immer wieder den Silberrand an der dunklen Wolke, diesmal in der Gestalt von Gabi und Rolf, mit denen wir einen sehr aufmunternden und lustigen Abend – vor ihrer Abreise in Richtung Cadiz verbringen.

Eine Antwort auf „20130606 PIA schwimmt wieder“

  1. PIA schwimmt wieder – Leider ohne uns Liebe Doris
    Viele schöne Erinnerungen kamen beim Lesen deines Blogs hoch… wobei, „hochkommen“ hier wohl das unpassende Wort ist. Tatsächlich hättest du verraten dürfen, dass ich mich der Düngung des Atlantiks mit deinem butterweichen Rührei verdient gemacht habe. Sonst käme der Leser womöglich auf die Idee, dass Anna – und nicht ich – neben der Fassung auch den Mageninhalt verlor. Im Gegenteil zu mir ritt sie mutig die Wellen, zügelte das ungestüme Meer, war im Kampf der Elemente ganz in ihrem Element. Ich hingegen fühlte mich, als ob PIA in Form meiner Person das Pech abschütteln wollte, dass wir scheinbar mit an Bord gebracht hatten. Zickte PIA ja ab dem Zeitpunkt, an dem wir unseren Besuch ankündigten. Hatte sie keine guten Erinnerungen mehr an mich und den gemeinsamen Urlaub in Griechenland? Wir befürchteten, den ganzen Urlaub auf dem Trockenen zu sitzen – und brachten vorsorglich Wein mit. Gott sei Dank war das Getriebe bei unserer Ankunft repariert, so dass wir am nächsten Tag ins Wasser entlassen wurden. Doch weiterhin verfolgte uns das Pech, diesmal in Form des trotzig-unnachgiebigen Motors des Dinghis. Offenbar habt Ihr Euch mit uns gleich auch das Pech aufs Schiff geladen. Dass wir trotzdem nicht über die Planke mussten, danken wir Euch von Herzen.
    Das Leben an Bord aber hatte sonst ausschließlich positive Seiten. Seit den Tagen der ersten Entdecker hatte sich der Lebensstil auf einem Schiff gewaltig verbessert. Die Gefahr, an Skorbut zu erkranken, war bei deiner Kochkunst zu keinem Zeitpunkt gegeben. Bei dem variantenreichen, guten Essen fühlte man sich eher in einem Restaurant als in der kleinen Küche der PIA. Herzlichen Dank für das wunderbare Essen (und dies nicht nur von Anna aus ganzem, ehrlichen Herzen)!
    Die ersten Etappen auf Eurem Weg habt ihr hinter Euch. Die Schwierigkeiten einer solchen Reise durften wir für einige Tage miterleben. Wie groß ist unser Respekt, dass ihr dieses Wagnis angetreten seid. Und gleichzeitig verstehen wir jetzt, womit ihr jeden Tag für Eure Mühen belohnt werdet. Die Zeit folgte dem Takt der Wellen, mal schneller, mal langsamer, bis sie viel zu früh verstrichen war.
    Wie fasse ich am Ende die gemeinsame Reise mit Euch am besten zusammen? War es ein Urlaub? War es eine Entdeckungsreise? War es ein Abenteuer? Eigentlich ist es ganz einfach: Es war – eine tolle Zeit!
    Liebe Grüße, auch an Peter
    Martin & Anna

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