20160715 Antigua im Juni

Nach wunderschönen erholsamen Tagen zwischen den Iles de la Petite Terre machen wir uns auf nach Antigua, der nördlichsten Insel unseres diesjährigen Karibik-Aufenthaltes.
Hier findet alljährlich die Antigua-Week statt, DAS Regatta-Highlight der Karibik, das am letzten Sonntag im April beginnt und nicht nur die internationale Spitze des Regatta-Sports anzieht, sondern ebenso alle, die sehen und gesehen werden wollen.

Wir erfahren von diesen, Millionen-schweren, schwimmenden Prachtstücken nur aus der Presse. Als wir am 13.Juni dort ankommen, wirkt Antigua wie ausgestorben. Die Hurrican-Saison hat begonnen und die Super-Megayachten sind – entweder auf eigenem Kiel oder – huckepack – auf einem dieser gigantischen Yacht-Transporter unterwegs ins Mittelmeer.

Der Yachttransporter „Superservant 4“, hier auf Martinique.
170m lang, 32m breit, 12642t schwer. Er kann die gesamte Ladefläche absenken, um die Yachten einfahren zu lassen…
Gigantisch! Für weitere Informationen: Google fragen.

Lediglich eine nicht ganz so große, blitzneue Motoryacht wartet – vor unserer Nase liegend – auf ihren Eigner, während die 10-köpfige Crew von morgens bis abends mit Putzen und Polieren beschäftigt ist.

Einklarieren werden wir im historischen „English Harbour“, der mit „Nelsons Dockyard“ zum Schönsten gehört, was die Insel zu bieten hat. 1745 erbaut, wurden die Werft-Anlagen zum bedeutendsten Marine-Stützpunkt Großbritanniens in der Karibik und zu Ehren ihres Volkshelden, des Admirals Lord Nelson, nach ihm benannt.

Die Staatsangestellten der Immigrations- und Zollbehörde – die uns als sehr penibel die Etikette wahrend und auf strenge Einhaltung der Anmeldeformalitäten achtend – beschrieben wurden, empfangen Peter um 15.50h betont lässig und bitten ihn, doch morgen wieder zu kommen, da man nun in den wohlverdienten Feierabend gehen möchte. Und selbstverständlich dürften wir uns – auch ohne einklariert zu haben – in Nelsons Dockyard frei bewegen. (Normalerweise kann das Betreten von Festland, ohne einklariert zu haben, strafrechtlich verfolgt werden).

Wir genießen den abendlichen Spaziergang durch Nelsons Dockyard.

Kaum haben wir den Fuß an Land gesetzt, tauchen wir ein in die alt-ehrwürdige Atmosphäre dieser stilvoll restaurierten Anlage. „Very british“, gediegen und irgendwie heimelig wirken die Backstein- und Natursteinbauten auf uns. Antike Schilder über oder neben dem Eingangsportal weisen auf die frühere Verwendung der Gebäude hin…

“Copper and Lumber Store“

„Engeneers‘ Offices with Pitch and Tar Store below“

„The Dockyard Bakery“ etc.…

Eine rote Telefonzelle erinnert wohl eher an die neuere Vergangenheit.

Zwei Tage mieten wir ein Auto, um einmal die Westküste mit hübschen Stränden und den beiden Yachthäfen Falmouth-Harbour und Yolly Harbour, sowie den Kreuzfahrerhafen von St. John zu besuchen und am zweiten Tag die Ostküste mit ein paar Abstechern ins Landesinnere zu machen.

Kaum haben wir Nelsons Dockyard verlassen, stehen wir vor dem ersten Hindernis: Mitten auf der Straße wird eine Autopanne behoben. Zwei Möglichkeiten bieten sich uns: Entweder wir nehmen einen etwa 10km langen Umweg in Kauf oder wir warten, bis die Panne (in karibisch zielstrebiger Manier) behoben sein wird.

Da wir heute noch ein wenig von der Insel sehen möchten, entscheiden wir uns für die erste Variante.

Begeisterung kann das Inselinnere – mit seiner eher trockenen Vegetation – nicht hervorrufen.

Die umgebenden Traumstrände sind nicht für jedermann zugänglich. Sie befinden sich zu 90% in der Hand von Ressorts. Die herrlichen Ankerplätze der Ostküste sind – durch vorgelagerte Riffe – zwar gut vor der Atlantikwelle geschützt, können aber teilweise nur über trickige, schmale Durchfahrten von See her erreicht werden.

Berührend ist der Besuch von „Bettys Hope“, einer ehemaligen Zuckerrohrplantage, mit der einzigen, noch funktionsfähigen Windmühle der Karibik (die zum Quetschen des Zuckerrohres betrieben wurde).

Zur Zeit der Sklaverei lebten hier 310 Sklaven, über deren Leben und Arbeit in der Plantage in Schautafeln berichtet wird.

Heute sprießt das Gras aus den Überresten der Gebäude und ein leichter Wind des Vergessens streicht über diese schöne Anhöhe.

Leider will die Sonne an diesem Tag nicht spektakulär im Meer versinken. Wir hätten von den „Shirley Heights“, den zum Dockyard gehörenden militärischen Anlagen – hoch über dem „English Harbour“- einen fantastischen Ausblick gehabt. Dennoch ist der Blick über die „Freemans Bay“ im Vordergrund und den dahinter liegenden „Falmouth-Harbour“ irgendwie dramatisch beeindruckend.

Wir ankern in der Freemans Bay und staunen nicht schlecht, dass sich – beim Blick aus der Tür – mehrmals täglich eine andere Kulisse bietet und unsere ankernden Nachbarn anscheinend hin und wieder auf Tuchfühlung gehen wollen.
Schuld daran sind die wechseln Winde und Strömungen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen und die Boote gegeneinander drehen.
Wie schön, dass wir nur vier Nachbarn haben! Nicht auszudenken, was für ein Ankerwooling entstehen muss, wenn – wie zur Antigua-Week – hier 30-40 Boote ankern!
Wahrscheinlich wird man dann den seltenen Anblick ankernder Yachten haben, an deren Seiten – zum Schutz vor unliebsamen Berührungen – alle zur Verfügung stehenden Fender baumeln.

Manche Bereiche dieser Bucht sollte man beim Ein- oder Ausfahren tunlichst meiden, da es unter Wasser so aussieht:

Nach sechs Tagen verlassen wir Antigua, um nun endlich (mit längeren Wartungs-bedingten Zwischenstopps auf Guadeloupe und Martinique) die Reise in den Süden anzutreten.

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