20071226 Auf Jungfernfahrt…


Am Vortag hatten wir unsere weibliche Begleitung verabschiedet. Der Abend hatte uns mit dumpfem Kopf verabschiedet. Und der Morgen, der uns gerade noch verhangen und trüb geweckt hatte brachte nun freudige Botschaft: Leinen los!

Wir liefen aus bei strahlendem Sonnenschein, bei schwachem Wind und freundlichen Wellen, gestärkt von griechischem Wein, Oliven, Käse und Brot.
Doch schon nach der Mole schlug der Wind uns hart ins Gesicht. Salz vernebelte den Blick und unter dem Stampfen der Rümpfe stimmten wir uns auf eine raue Überfahrt ein.

Eine Stunde etwa wehte der Wind Quer ab und trieb uns fort von Athens Ufern, dann änderte der Steuermann den Kurs und es ging gegen an. Die See war unruhig und der Wind peitschte die Wellen auf. Das Schiff hob und senkte sich, und immer häufiger gruben sich die Büge in Wellenbergen fest.

Das Unglück kam auf leisen Sohlen und hatte doch die Kraft den Kapitän an den Rand der Reling zu treiben. Das Schiff war über einen Wellenberg geschossen und hatte sich dann mit voller Wucht talwärts gestürzt. Die Rümpfe zerschnitten das Wasser und tauchten bis weit über die Deckskante ein. Die Gischt stob uns entgegen, und das salzige Nass drängte von überall ins Cockpit. Da bäumte sich die PIA erneut auf, stieg auf den Kamm einer Welle und gab so den Bruchteil einer Sekunde die Sicht auf den Horizont frei.

Was wir sahen verschlug uns die Sprache: In Fetzen hing das Trampolin zwischen den Rümpfen, die Metallteile der Befestigung schlugen auf Deck und die zerrissenen Tampen tanzten tollwütig umher. Eine beißende, salzige Flut riss uns aus der Erstarrung. Wir mussten unter Landabdeckung gehen um den Schaden zu sichten. Eine halbe Stunde kann eine Ewigkeit sein.

Ängstlich krabbelte ich in Richtung Bug. Im Vergleich zwergenhafte Wellen ließen das Schiff immer noch unruhig tänzeln und scheuen. Wo vorher eine nahezu plane Fläche gewesen war klaffte nun ein grausames Loch. Wie zerschlagene Gliedmaßen hingen die Reste des einst sichernden Netzes an den Flanken der PIA herab. Meine klammen Finger umklammerten ein langes Seil mit dem ich versuchte Metallteile, Gewebe und Tampen zu sichern. Was hatten wir dem Schiff bloß angetan?

Wieder zurück im Cockpit nahm der Kapitän erneut Fahrt auf. Mir jedoch war bei dem Anblick so übel geworden, dass ich mich rücklings, wie ein hilfloser Käfer auf die Planken war. Ich sah nur noch den blauen Himmel. Nicht mal mehr die Wolken trauten sich jetzt noch aufs offene Meer.

Im Verlauf der Fahrt gingen wir im Wechsel Ruder. Jedes mal, wenn ich das ledrige Rad in Händen hielt krallte ich mich daran fest als sei es mein Leben selbst. Ruhepausen waren keinem von uns vergönnte. Bei jeder Welle zogen sich die Gedärme zusammen und beißend stieg die Galle in uns auf.

Nach drei Stunden konnten wir endlich Segel bergen. Erschöpft liefen wir in den Hafen ein. An diesem Abend sollte es kein Spiel geben, kein Fraß und kein Wein. Ein stilles Wasser und der nunmehr klare Sternenhimmel waren unsere einzigen Begleiter auf dem Weg in Morpheus Reich…

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