20190501 Start in die Segelsaison 2019

17.April 2019, 12.00h Ortszeit New York

„Welcome to the USA“ hören wir (mit breitem Strahlemannlächeln, das der gesamten Dentalbranche zur Ehre gereichen würde) aus dem Mund des hoch  gewachsenen Zollbeamten und es ergießt sich wie Balsam über Körper und Seele.

Ein Teilziel ist erreicht: Der Flughafen JFK von New York… Leider nur das Teilziel, weil unser Flug ja eigentlich nach Baltimore gehen sollte.

Aber…es ist wie immer bei uns: Über den geraden Weg erreichen wir selten ein gestecktes Ziel. Wenn es große Umwege gibt, die entweder viel Zeit, Strecke, Geld, Nerven oder alles zusammen kosten, dann  greifen wir beherzt zu.

Kommt dann noch „Höhere Gewalt“ hinzu heißt es: „Gehe zurück auf ‚Start‘“!

Diesmal fordert „WOW AIR“, bei der wir den Flug nach Baltimore gebucht hatten, besagtes Prozedere.

Die Airline ist pleite, was wir durch Zufall – 8 Tage vor dem geplanten Abflug – beim gemütlichen Beisammensein mit Freunden (Gerhard sei Dank!!!) erfahren.

Ersatzflug oder Kostenerstattung: Fehlanzeige!

Die neue Herausforderung: Finde ultra-kurzfristig einen bezahlbaren Flug – vier Tage vor Ostern – in die USA; nach Möglichkeit Nähe Baltimore…

Drei Personen suchen fieberhaft. Isabel findet die einzige Kompromisslösung: Mit Singapur Airline Abflug am gleichen Tag (17.4.) aber viel früher, doppelt so teuer und nicht nach Baltimore sondern nach New York.

Danke an Dieter M. der uns – fast mitten in der Nacht – rechtzeitig am Flughafen Ffm abliefert.

Das Einchecken ist flott erledigt: ca. 60 kg Ersatzteile und 50 kg Eigenbedarf rollen kommentarlos über das Gepäckband und wir stehen 10 Std. später – nach angenehmem Flug mit gutem Unterhaltungsprogramm – im JFK-New York vor der Passkontrolle…

Das Dental-Model, Officer Nr. 1, nimmt unsere Pässe, hört sich Peters Erläuterungen bezüglich des Aufenthaltswunsches in den USA an, sperrt seinen Schalter vor den nachfolgenden, verdutzt dreinschauenden Einreisewilligen ab und bringt uns zu seinem Kollegen. Der tut – wortkarg – das Gleiche und bringt uns in einen großen Wartesaal.

Hier geschieht 1 ½ Std. nichts. Es ist Mittagspause. Danach geht  alles sehr schnell. Peter zeigt dem Officer unseren einjährigen Reiseplan (Landkartenausschnitt) mit den wahrscheinlichen Aufenthaltsdaten entlang der „Big Loop“-Route; der erkundigt sich sehr interessiert nach unserem Schiff, dem Leben auf selbigem, gibt uns im Handumdrehen zwei Stempel in die Pässe mit der Genehmigung, bis zum 16.4.2020 ununterbrochen die USA bereisen zu dürfen und wünscht uns eine gute und interessante Reise.

Der nächste Schritt: Mietwagen. Vier große Koffer, zwei Bordcases, zwei Handgepäckstücke passen mühelos in den Fiesta.

Vollmundig verspricht die Navigationstante, unser Ziel – Baltimore – in 3 ½ Stunden zu erreichen. Diese gründliche Fehlprognose baden wir mit 3 ½ zusätzlichen Fahrstunden aus, sind glücklich, nach 6 1/2 Std. die erste Brücke von Baltimore zu sehen und fallen – nach 24 Stunden des „Auf den Beinen Seins“ total erledigt in die Hotelbetten.

Die Francis Scott Key Bridge in Baltimore

Neuer Tag, neues Glück: Der Fiesta wird abgegeben und eingetauscht gegen einen sehr komfortablen Chevrolet, den wir die nächsten 4 Tage fahren werden. Neugierig und ein bisschen aufgeregt geht’s zum Wiedersehen mit der PIA. Ein freundliches „Welcome back“ von Seiten der Werfmitarbeiter lässt ein erstes, zartes „Zu Hause- Ankommen-Gefühl“ auftauchen.

Da steht sie: Eingehüllt in eine „Shrink-Wrap“ wie eine Schneegans…

Eine Reißverschlusstür ermöglicht uns den Einstieg ins Cockpit.

…und ein Herausrufen froher Osterwünsche in die Welt…

Ein bisschen Staub, einige Blätter im Cockpit, drinnen alles blitzesauber und trocken: das beruhigt.

Dennoch wollen wir die ersten Tage im Hotel verbringen. Eine krasse Fehlentscheidung! Nun ja!

Tag 1 auf der noch unbewohnten PIA: Alle winterfest gemachten, Wasser führenden Systeme werden gespült. Alles paletti, bis auf die undicht gewordene Küchenarmatur, die – im geschlossenen Zustand – fast eben so viel Wasser durch die Ventile drückt wie im offenen…

Tag 2: Die Heizung sorgt im Stb.-Rumpf für seltsamen, die Atemwege jedoch nicht reizenden Nebel. Ausbau, Zerlegen, Reinigen, Ersetzen… Viel Arbeit aber Erfolg und „ungetrübte“ Wärme sorgen für sehr zufriedene Gesichter.

Ostersonntag:

Wir besuchen Peters Cousine 2. Grades, die uns zum Brunch in ihr Haus nach Philadelphia eingeladen hat und bekommen erstmals einen Einblick in das Leben einer amerikanischen Familie.

Das große Haus auf einer kleinen Anhöhe, eines unter lauter gepflegten Anwesen mit herrlich blühenden Bäumen, prächtig angelegten Gärten und ausgedehnten Grünflächen wirkt sehr einladend. Und die Inhaber sind’s.

Wir werden herzlich aufgenommen und sind im Nu von der Familie umringt. (Debbies Bruder ist mit seiner 5köpfigen Familie aus NY angereist, ihre 82jährige Mutter Marianne, Oma Lilos Cousine, aus dem Nord westen von Philly).

Marianne, Omas Cousine mit Tochter Debbie und Sohn Brian…

Hier mit zweien ihrer Kinder und Schwiegerkinder sowie Vieren der insges. 8 Enkel

Allie, Debbies jüngste Tochter wird heute 16, Connor, Brians jüngster Sohn wird im Mai 13…

Man möchte  den Familien-Stammbaum genauestens erläutert haben und stellt viele Fragen.

Das typisch amerikanische Brunchbuffet bietet alles, was das amerikanische Herz begehrt.

Wir tafeln und reden und lachen, versprechen, den Kontakt zu halten und planen ein Wiedersehen auf der PIA.

Ostermontag

Die erste Hürde (Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr) ist genommen, die zweite steht bevor: Der Erwerb einer neuen Cruisinglicense (Genehmigung für das Befahren amerikanischer Gewässer). Auch hier hängt die Gültigkeitsdauer dieser Bewilligung sehr vom Wohlwollen des Beamten der „Customs and Boarder Protection“  ab.

Unser Mietauto muss in Baltimore (dem Sitz auch dieser Behörde) zurückgegeben werden, also bietet es sich an, das in einem Aufwasch zu erledigen.

Der holperige Ablauf:

Fahrt nach Middletown zu Enterprise:

Anmieten eines neuen Mietautos, um nach Abgabe des Chevrolets in Baltimore wieder zur PIA zurückkehren zu können.

Zwei Mietautos fahren nach Baltimore. Mit zwei Stunden Verspätung gibt Peter den Chevrolet ab, was man uns mit 80 USD hoch anrechnet,

während ich verzweifelt versuche, mich in konzentrischen Kreisen dem „Car Return“ zu nähern. Vergeblich. Peter muss mit dem Bus zum „Abflug“ kommen…

Fahrt zur „Custom and Boarder Protection“. Kontrollen wie vor dem Betreten des Hochsichherheitstraktes einer Staatsbehörde.

Drei Stufen hoch, 1. Tür rechts: Darauf der deutliche Hinweis:

„This Office is temporarily closed“

Telefonnummern der Vertretungen im Cruising Terminal oder Airport (wo wir gerade herkommen!!!) Beide haben bereits geschlossen…

Ohne Cruisinglicense fahren wir nach Georgetown zurück, nicht ohne den Frust des Tages bei einem außergewöhnlich leckeren Essen in „The Kitchen“ in Chestertown auf wohlschmeckende Art hinunter zu schlucken…

Dienstag, 23.4.19

Morgens um 8.00h ist die Welt noch in Ordnung. Telefonauskunft der Behörde: „Yes Sir, we are open“.

Also fährt Peter wieder nach Baltimore, lässt sich auf die gleiche Weise durchchecken, darf nach kurzer Wartezeit sein Anliegen vortragen und bekommt – nachdem der offensichtlich unerfahrene Officer sich diverse Male rückversichert hat – die Cruising License EBENFALLS für 1 Jahr, d.h. bis zum 22.4.2020!!!

Erfolge müssen gefeiert werden. So geschieht’s am Abend des Oster-Dienstags auf der PIA…..

 

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