20170222 Oh, Island in the Sun…

Noch liegen zwischen der – von Harry Belafonte so schön besungenen – Insel und uns ganze 600 Seemeilen.

JAMAIKA…

muss wahrscheinlich noch ein paar Tage warten, denn das seglerische akademische Viertel orientiert sich – wegen Wetter, Wind, Welle und anderer Imponderabilien – eher an der Woche als an der Stunde.

Die PIA, vermeintlich perfekt vorbereitet, mit neuen Borddurchlässen, reparierter und lackierter Passerelle, nachgenähten Segeln, einer neuen Abdeckung für den Steuerstand, geputzt und poliert, scheint nur noch auf die Gäste zu warten, um dann lossegeln zu können.

Wim und Trudi kommen am 11.Februar an, erleben mit uns Curacao im Schnelldurchgang, fliegen drei Tage später zur Beerdigung ihres Schwagers wieder nach Hause und sind am 19.2. wieder an Bord. Spätestens am 22.2. wollen wir ablegen.

Während Peter und Wim noch die Genua anschlagen und einen kontrollierenden Blick über stehendes und laufendes Gut werfen, machen Trudi und ich den Großeinkauf.

Zwei Einkaufswagen, randvoll mit Lebensmitteln, Getränken, Tiefkühlkost werden flott im Auto verstaut. Als wir jedoch losfahren wollen, ist das Schloss verriegelt. Ein falscher Knopfdruck und nicht enden wollender, höllischer Alarm bricht los. Wir drücken diverse Tasten, um daraufhin die gesamte Palette des Jaulens, Heulens und Tutens zu Gehör zu bekommen. Niemand kann uns helfen, die Türen bleiben verschlossen. Peter ist über mein Handy nicht zu erreichen, die Notrufnummer der Vermietung und Trudis Handy im Auto eingeschlossen. Mit gestressten Ohren müssen wir zusehen, wie die TK-Kost – unter der Heckscheibe, bei ca. 50°C im Auto – wahrscheinlich allmählich die Form verlieren wird. Endlich, nach 20min. der Malträtion naht Hilfe in Gestalt einer älteren Dame, die die Fernbedienung in die Hand nimmt, die RICHTIGEN Knöpfe drückt und uns auffordert, einzusteigen und loszufahren. Geschafft! Die Fracht kommt – wider Erwarten – einigermaßen intakt an Bord.

Peter bringt den Mietwagen zurück und wir haben ein letztes Abendessen am Ponton der Marina Curacao.

Am Morgen des 21.2. gibt’s ein Sekt-Frühstück. Wim und Trudi sind heute 49 Jahre verheiratet und –wie man sieht – immer noch sehr glücklich miteinander.

Danach geht’s los. Raus aus dem Schottegat und Warten auf das Öffnen der Konigin Emma Brug. Ein sehr netter Plausch mit Kapitän Cramer (Hannes‘ Sohn) von der neben uns liegenden Aida Diva verkürzt auf angenehme Weise die Wartezeit.

Nach einer Stunde öffnet die Brücke und wenig später ist die PIA – nach fast einem halben Jahr auf dem Trockenen – wieder in offenem Wasser.
Im glasklaren Wasser von Santa Barbara wollen wir den Wassermacher wieder in Betrieb nehmen.
Am schwimmenden Ponton, vor dem 5Sterne-Luxus-Golf-Resort von Santa Barbara, lässt man sich die „Luxusaussicht“ – ohne Strom und Wasser!!!! – vergolden. (10 Tage in der Curacao-Marine entsprechen 2 Nächten hier).

Aber gefallen tut’s uns schon… Abends laden Wim und Trudi uns ins „Boca 19“, dem Restaurant des Golfclubs ein. Es wird ein vergnüglichen Abend bei vorzüglichem Essen.

Der 22. ist da. Wir haben ein letztes Mal unsere Lieblings-Morgensportmeile durchkrault, gefrühstückt und wollen ablegen.
Peter schaltet die Navigation ein. Black, black, black but not beautiful zeigt sich der Plotter. Die einzige Meldung, die von oben nach unten ruckt:—
Ich fühle mich erinnert an das Störbild des Fernsehers in den 60er Jahren. Bitte haben Sie ein wenig Geduld. Die Störung wird gleich behoben. Der Unterschied zu damals und jetzt: Die Störung wird nicht von Zauberhand behoben, sondern durch Peters schweißtreibender Arbeit in der Hundehütte. Hatten wir das nicht schon einmal? (Blitzschaden: Las Palmas?)
Zum Glück sind wir – seit der Hamburger Bootsmesse – im Besitz eines neuen Programmes, das auf dem Laptop gefahren werden kann. Es braucht zwei Tage, ungeheure Konzentration beim Studieren der Installationsanweisungen, viel Schweiß und etliche Telefonate mit Furuno bis das Radar angefahren werden kann und alles installiert ist. Höchstes Lob an den Kapitän, Dank an Furuno und Herrn Feldbinder!

Freitag, 24.2.2017

Um 14.07h legen wir ab. Es ist ein strahlender Tag. Blauer Himmel, Sonne, wenig Welle. Ein leichter Wind schiebt uns an Curacaos Küste entlang in nordwestliche Richtung. Ein tolles Gefühl!!!
Spitzengeschwindigkeiten werden wir bei dieser Windstärke nicht erreichen, dafür ist es herrliches Kaffeesegeln. Wir diskutieren die Wacheinteilung und entscheiden uns für einen Vierstundenrhythmus. Wim und Trudi übernehmen die Wache von 23.00h – 3.00h morgens, wir wachen von 3.00h – 7.00h. Peter lässt mich freundlicherweise immer mindestens eine Stunde länger schlafen, was ich gerne annehme und ausnutze. Dafür genieße ich – ganz alleine – den Sonnenaufgang. Ab 6.30h hebt sich ganz allmählich die Horizontlinie vom dunklen Wasser ab und Wolkengebilde lassen erste Umrisse erkennen.

Nur einmal steigt die Sonne wie ein glutroter Ball aus dem Meer. An den beiden anderen Tagen schiebt sie sich hinter einem dicken, dunkelvioletten Wolkenband nach oben und bildet die dramatisch orange-rote Kulisse für die sich ablösenden, dunklen Blumenkohlwolken.

Ein ausgiebiges Frühstück um 9.00h bringt alle müden Geister wieder auf die Beine.

Drei Tage auf See lassen keine Langeweile aufkommen. Das neue Navigationsprogramm hält Peter auf Trab, da es erstens viel Neues zu entdecken gibt und zweitens Manches noch nicht so läuft, wie beabsichtigt.
Täglich wird ein Brot gebacken und abends zaubern wir mit den Curacao-Köstlichkeiten aus Kühlschrank und Gefriertruhe kleine, culinarische Highlights.
Am zweiten Tag auf See wird der Speiseplan durch einen Tuna bereichert. Aktion ist angesagt.

Wim kurbelt ihn sachte heran, Trudi holt ihn mit dem Fangnetz in Peters Reichweite, der ihn dann – mit einem kräftigen Schlag auf den Kopf – tötet und dem Koch obliegt schlussendlich das Ausnehmen und Filetieren. (…der hat – nach so viel Sauerei – das dringende Bedürfnis, eine Dusche zu nehmen…)

Das Prachtexemplar langt für zwei Mahlzeiten. Am ersten Abend gibt’s Sashimi mit einer Art frischen Mangochutneys und Koriander plus Sherry-Soja-Sauce…

am nächsten Tag Tataki vom Tuna (dicke Filets rundherum kurz anbraten, in geröstetem Sesam wälzen, mit Sherry-Soyasauce servieren)
Am letzten Morgen auf See werden wir Zuschauer eines sich auf uns zu bewegenden Squalls. Beeindruckend ist es, zu sehen, wie die riesige Wolkenwalze sich nähert, um mit enormen Windböen das Wasser flach zu fegen und gewaltige Wassermassen auszuschütten. Auf dem Radarbild lässt sich sehr deutlich erkennen, dass der Squall uns lediglich mit seiner Flanke gestreift hat aber das genügt, um die PIA einmal gründlich mit Süßwasser zu duschen.

27.Februar 15.00h.

Jamaika kommt in Sicht.

Herrlich, wie die dunkle Silhouette sich immer deutlicher vom Horizont abhebt. Wir peilen den östlichsten Punkt Jamaikas an, um nach seiner Umrundung in Port Antonio an die Boje zu gehen.

Um 17.45h, nach 75Stunden und 40min. auf See, machen wir an der Boje fest.
Ein Vogel setzt sich auf die Saling und trällert uns zur Begrüßung ein fröhliches Ständchen. Alles sieht so frisch und grün und blühend aus.

Wir sind angekommen und fühlen uns – von der ersten Sekunde an – einfach wohl.
Die gelbe Flagge wird gehisst. Von anderen Seglern haben wir gehört, dass man es, hier auf Jamaika, sehr genau nimmt mit dem Einklarieren und man nicht gleichzeitig die gelbe Quarantäne- oder Einklarierungsflagge UND die Landesflagge setzen kann. (Für Nichtsegler: Quarantäneflagge, die normalerweise besagt, dass man einklarieren möchte, um das Land betreten zu dürfen, hier auf Jamaika aber im ursprünglichen Sinne anzeigt, dass die Crew bereit ist, sich der Gesundheitskontrolle durch einen Gesundheitsoffizier, der an Bord kommt, zu unterziehen.)
In manchen Ländern wird verlangt, dass man unmittelbar nach der Ankunft bei der Immigration zu erscheinen hat, wo man, wenn man außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten ankommt, teilweise nicht unerhebliche „Overtime“-Zuschläge zahlen muss.
Peter rudert an Land, wo man ihm sagt, dass wir die Nacht getrost an der Boje verbringen können, wir sollen lediglich Kanal 16 einschalten, um morgen früh von den Offizieren aufgerufen werden zu können.

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