Setubal und Troia

Setubal bei unserer Ankunft: grauer Himmel, ein ständig in den Masten und Wanten pfeifenden Wind, aufeinandergestapelte Stühle vor den Straßencafes, ein unbelebter Prachtboulevard, wenig geschäftige Altstadtgassen. Nichts lädt zum Flanieren ein. Das Museum ist geschlossen, die Kathedrale – wegen Renovierungsarbeiten – auch.
Was für eine Metamorphose bei Sonne und blauem Himmel! Nur sechs Tage liegen zwischen Grau der explodierenden Farbenpracht von heute. Die Stadt ist kaum wieder zu erkennen. Der Duft von Kaffee, Gebäck und Gegrilltem durchzieht die Altstadtgassen, schnatternde Menschen in hunderten gut besuchter Straßencafes, bunte Einkaufstüten, die aus den Geschäften herausgetragen werden.
Sommerfeeling! Auch wir werden uns heute verproviantieren, da wir morgen ablegen wollen in Richtung Troia, einer vor Setubal liegenden Halbinsel, die mit Fähre oder Schiff in 15min. zu erreichen ist, mit dem Auto aber nur, sehr umständlich, um das Flussdelta herum.


Der „Beischleefer“ (für Nicht-Mannheimer: derjenige, der die Dinge des Lebens herbei schleift…)


Die herbei geschleppten Köstlichkeiten…


…kurz vor dem Verzehr…

Troia
scheint für die meisten Portugiesen der Inbegriff von Luxus und Design zu sein. Wir machen uns ein eigenes Bild. Von Setubal aus sieht man 3 Hochhäuser, von denen eines bei Nacht von grünen, leuchtenden Bändern umschlungen zu sein scheint und einen langgezogenen, leuchtend weißen und sanft vom Meer umspülten Strand.
Das Anlegemanöver ist ziemlich kompliziert, da wir – quer zu Wind und Strömung – in eine Box fahren sollen, deren Seitenstege (Finger) nur bis zur Hälfte der Rümpfe reichen und außerdem fiese, scharfe Kanten haben. Aber es gelingt. Nur finde ich, dass die PIA in dieser Box aussieht, als habe man eine Stretchlimousine in den Carport eines Smart gestellt.
Zwei Nächte werden ziemlich ungemütlich, da der Wind mit 7 Bft von schräg achtern auf das Heck bläst und unsere Festmacher ordentlich knarzen lässt.
Ambivalenz prägt die Gedanken zu dieser Halbinsel. Einerseits durfte wohl so mancher Architekt seinem Faible für Prunk und Protz frönen, andererseits gibt es eine – in die Dünenlandschaft integrierte Bebauung, die Ihresgleichen sucht.
Der paradiesische Sandstrand ist noch schöner, als er von der anderen Uferseite aussieht. Aufgeständerte Holzplankenwege führen durch dichte Ginsterbüsche, Lavendel und Rosmarin dorthin.

Überall ist man bemüht, das empfindliche Gleichgewicht der Dünenvegetation nicht zu stören. Im riesigen Bogen kehren wir durch das sogenannte Resort an den Hafen zurück.
Wir sind uns nicht sicher, ob diese Unmengen an schönen Ferienhäusern ab dem 1. Mai – zu Saisonbeginn – tatsächlich alle bevölkert werden oder ob nicht ein Bauträger ein wenig zu großspurig gedacht hat.

Peter kommt mit der Nachricht, dass die römischen Ruinen am Donnerstag, dem 18. April öffnen. Ein wenig erstaunt über dieses Öffnungsdatum radeln wir am 19. über wunderschöne, herrlich duftende Waldwege dorthin, um festzustellen, dass der Interpretationsteufel uns diesmal den Weg zu Kunst und Kultur versperrt hat. Der 18. war nicht der Tag der Saison-Eröffnung, sondern der „Tag der offenen Tür“. Wir genießen den Rückweg durch die sonnenwarme Landschaft, schauen anschließend – von der Terrasse des Golfclubs – den Spielern beim „Einlochen“ zu und können – last but not least – die Fundstücke der Römersiedlung in den Vitrinen des Clubs bewundern.

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